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Türkei vor 25 Jahren (Teil 3 ) (m7B sowie einer…

geschrieben von: Karabük

Datum: 23.09.07 22:40

kleinen soziologisch-philosophische-stochastischen Abhandlung zum „small-World-Phenomenon“
Fortsetzung von HIER

30.08.1982
Der nächste Tag brachte die Flucht in den Südosten – wo es mit Sicherheit nicht regnen würde!

Zuvor konnten wir uns es trotz der spitzen Bemerkungen eines Teils der Mitreisenden nicht verkneifen, den morgendlichen Zug nach Carsamba (Carsamba heißt übrigens Mittwoch) zu knipsen.

http://johannes-chlond.de/BILDERBC/public_html/TCDD1982/19820830B_45061_Samsun-Carsamba_klein.jpg

45061 mit Pz Samsun - Carsamba

Aber wieso auf einmal Südosten? Der Grund war der Nemruth Dag, den zumindest einer aus der Gruppe als sein Hauptziel bei dieser Reise ansah. Immerhin liegt im ferneren Umkreis des Nemruth Dag Malatya als nächstgrößere Stadt (mit Eisenbahnanschluss!).
Dies sollte der Ausgangspunkt werden. Da dorthin keine direkten Busse von Samsun aus verkehrten war unser Zwischenziel Sivas, was wir aber erst in der Dämmerung erreichten. Auch hier konnten zwei der Gruppe sich nicht beherrschen und statteten der 45.035 im Bhf. Sivas einen Besuch ab. Hier wegen fehlender Schärfe meiner Aufnahme (Stativ hatten wir keines dabei) die fotografische Dokumentation des Kollegen „Reiher“, den wir hiermit offiziell im Forum begrüßen (Applaus! Applaus!)

http://johannes-chlond.de/BILDERBC/public_html/TCDD1982/IMG325k.jpg

Die 45.035 bespannte den über-Nacht-Posta 918 Sivas – Samsun und macht sich hier für die 402 km (!) lange Reise startklar. Für die Zugnummer möchte ich hier nicht die Hand ins Feuer legen, aber 031008 wird das sicher klären….
Wir reisten noch in der Nacht weiter…

31.08. Malatya

Wir kamen am Vormittag in Malatya an. Da der Ablauf der nächsten Tage unklar war, beschloss ich, dem Bhf. am besten sofort einen Besuch abzustatten. Nach den (frustrierenden) Erlebnissen des Vorjahrs (siehe HIER ) waren meine Erwartungen nicht allzu groß, allerdings eine gewisse „Restdampfverdächtigkeit“ gab es halt doch. Der Bahnhof bot dann auch lediglich eine rangierende Standard-1’E mit doppelter Identität: am Führerhaus 56020 und 56035 an der Rauchkammer: ob sich dieses Rätsel jemals löst?
Hier ein paar Aufnahmen vom Rangierbetrieb und vom Personal, was mich eine geraume Zeit mitrangieren ließ.

http://johannes-chlond.de/BILDERBC/public_html/TCDD1982/19820831A_56035_Malatya_klein.jpg

http://johannes-chlond.de/BILDERBC/public_html/TCDD1982/19820831C_56035_Malatya_klein.jpg

http://johannes-chlond.de/BILDERBC/public_html/TCDD1982/19820831H_56035_Malatya_klein.jpg
Man beachte die lädierten Flügelsignael und das Abdrücksignal(?)

http://johannes-chlond.de/BILDERBC/public_html/TCDD1982/19820831E_56020_35_Malatya_klein.jpg
Kein Rauchverbot am Arbeitsplatz auf der 56020 als 56035!

Und jetzt kommt der heutige Exkurs:
„Das Kleine-Welt-Phänomen (engl. small world phenomenon) ist ein soziologischer Begriff, der innerhalb der sozialen Vernetzung in der modernen Gesellschaft den hohen Grad abkürzender Wege durch persönliche Beziehungen bezeichnet. Er bezeichnet eine Hypothese, nach der jeder Mensch (sozialer Akteur) auf der Welt mit jedem anderen über eine überraschend kurze Kette von Bekanntschaftsbeziehungen (übliche Angabe 7 – 8) ist. Dies ist erstaunlicherweise möglich, obwohl die „Dichte“ des sozialen Netzwerks aller Akteure – gemessen als das Verhältnis der realen zu den rechnerisch möglichen Kontakten der Kontaktpersonen eines jedweden Akteurs – extrem gering ist.“ (Quelle: Wikipedia).

Als Beispielpersonen werden dann z.B. der Papst, Daniel Küblböck, Paris Hilton etc. genannt. An diesem Tag wurde ich unmittelbar mit diesem Small World Phenomenon konfrontiert, durch die sich mir eine vergleichsweise direkte – wenn auch äußerst untypische - Verbindung zum Papst erschloss, und dies kam so:
Am 13. Mai 1981 hatte Mehmet Ali Agca ein Attenat auf Papst Johannes Paul II verübt. Dies war eines der zentralen historischen Ereignisse des Jahres 1981. Das Motiv ist bis heute nicht geklärt (Islamismus, KGB?). Der Attentäter stammte – nun woher – nämlich aus Malatya. Und sein Bruder arbeitete im Sommer 1982 als Weichensteller / Rangierer bei der TCDD. Er wurde mir von seinen Kollegen als Promi vorgestellt. Ich muss aber zur Ehrenrettung des Bruders sagen, dass diesem diese Vorstellung ausgesprochen unangenehm war. Aber immerhin - drei Schritte bis zum Papst…

Hier ein Gruppenbild der zu diesem Zeitpunkt unterbeschäftigten TCDD-Mitarbeiter des westlichen Bahnhofskopf von Malatya.

http://johannes-chlond.de/BILDERBC/public_html/TCDD1982/19820831J_TCDD_Eisenbahner_Malatya_klein.jpg

Nun ja wie geht die Geschichte weiter: Die Forderungen der Reiseleitermafia in Malatya in Bezug auf den Nemruth Dag waren so exorbitant (wichtiges türkische Redewendung: Cok pahali = sehr teuer), so dass wir unter Protest wieder abreisten („Das gönnen wir denen nicht!“). Allerdings setzte sich daraufhin der Cola-Trinker aus unserer Gruppe ab: Entweder frustriert über die Gruppe oder die Eisenbahn, da waren es nur noch vier. (Der Cola-Trinker unternahm dann irgendwie noch andere Anläufe, den Nemruth Dag zu erreichen…). Unsere Abreise folgte in Richtung Kayseri…
To be continued…

Karabük

Edit: Formulierung!



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:04:02:19:09:52.
Dass die Welt klein ist, ist ja nichts Neues. Aber gestern erst wieder erlebt!

Meine Schwiegermutter war So-Mi letzter Woche kurzfristig für eine erkrankte Dorfbewohnerin zu einer Kurzreise des Landfrauenverbandes nach Bautzen eingesprungen. Mit im Bus befand sich eine ehemalige Schulfreundin, die sie mehrer Jahrzehnte nicht mehr gesehen hatte. Gestern waren meine Frau und ich mit meiner Schwiegermutter im Harz (von uns aus ca. 50 km). Nach dem Kaffeetrinken im Königskrug (die "Sage vom Windbeutel" aus dem Jahre 1971 hatte auch 2007 noch Gültigkeit - dazu später vielleicht mal mehr) beschlossen wir, noch eine Runde um den Oderteich zu laufen. Und wer kam uns entgegen, die Schulfreundin meiner Schwiegermutter, die sie erst Anfang der Woche seit langer Zeit wieder getroffen hatte.


Oder ein Beispiel unter Bahnfreunden (wobei da die Wahrscheinlichkeit ja doch etwas größer ist... - wie viel der Fläche des Bundesgebietes ist eigentlich mit Bahnanlagen verbaut?): Am 01. August 1980 traf ich in Berchtesgaden auf einen Eisenbahnfreund aus dem Raum Rheine. Wir fotografierten dann an diesem Tag an der Strecke nach Freilassing. Am 07. August 1980 war ich am frühen Abend in Montabaur am fotografieren, als der Kollege unerwartet aus dem nächsten ankommenden 517 ausstieg.


Und ein letztes Beispiel (auch 1980): Ich (damals wohnhaft bei meinen Eltern in Bad Iburg b. Osnabrück) hatte im Rahmen dieser TMT-Tour die Nacht in der DJH Diez auf der Burg verbracht und wollte nun via Koblenz ins Saarland reisen. Bei der Einfahrt meines Zuges in den Koblenzer Hbf traute ich meinen Augen nicht. Ich stand schon an der Tür des Silberlings, als ich plötzlich die Gesichter meiner Eltern und der beiden jüngsten Brüder am Fenster vorbeihuschen sah. Ich wusste zwar, dass sie im Westerwald den Urlaub verbrachten, hätte aber nie damit gerechnet, dass sie mir dort über den Weg laufen würden. Statt ins Saarland ging es an diesem Tag dann mit der Familie mit dem Zug nach Rüdesheim und von dort mit dem Schiff zurück nach Koblenz.


Günter Wallraff...

Um 1987 herum war eine entfernte Verwandte aus dem familiären Dunstkreis Iserlohn/Hohenlimburg einige Jahre mit Günter Wallraff verheiratet. Daher das kurzfristige Verwandtschaftsverhältnis. Habe ihn allerdings nie persönlich kennengelernt.


Ach ja, Bastian. Wie immer ein Super-Beitrag! Freue mich auf mehr...


Bis neulich

Rolf Köstner



Edith meinte, ich sollte Grass durch Wallraff ersetzen...

In eigener Sache:

Ich komme derzeit nicht dazu alle PN zeitnah zu beantworten. Immer wieder bekomme ich Anfragen, ob ich nicht alte Beiträge neu bebildern kann. Wenn es in mein Konzept passt gerne. Aber inzwischen habe ich mich dazu entschlossen, alte Beiträge nur noch in Verbindung mit neuen Beiträgen zu reaktivieren, sofern ein Zusammenhang besteht. Leider ist ein anderes Vorgehen aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Hin und wieder Ausnahmen bestätigen eher die Regel.




3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:10:31:19:16:35.
Ja genau, Rolf,

Bastians Bilder und die zugehörige Story sind wieder famos und erzeugen Vorfreude auf das, was noch kommen mag.

Die von Dir beschriebenen Begebenheiten bestätigen die Binsenweisheit, dass die Welt doch ein Dorf ist. Mir fallen da auch einige Beispiele ein.
Schön ist es, wenn man sich freut, jemanden unverhofft zu treffen.
Gerade unter Eisenbahnfreunden trifft auch manchmal das gegenteilige Empfinden zu: >Ach kuck mal, da ist der Blödmann wieder, der mir auch beim letzten Plandampf so impertinent und rücksichtslos ins Bild gelaufen war<. Aber ich bin zum Glück nicht nachtragend und manchmal muss ich im Nachgang dann noch über die Kommentare der Mitleidenden schmunzeln.

Viele Grüße

Michael Fischbach


Hallo,

zuerst das Wichtige, es ist ein wiederum gelungener Report geworden!

Ich muß mich Michael anschließen, ein Grund meiner langjährigen Plandampfabstinenz ist, so nichtig der Anlaß auch sein mag, ein blonder, sogenannter Eisenbahnfreund, ich glaube aus Thüringen, der an jeder Ecke, an der ich geduldig ausgeharrt hatte, kurz vor dem Photoschuß meinerseits aus einem nur schwerlich als PKW zu bezeichnenden Gefährt ausgestiegen ist, natürlich am Gleis parkend, und rotzfrech allen anderen Photographen das Motiv gestohlen hat.

Diese Person hat mich so geärgert, daß ich mir "Vergnügen" dieser Art jahrelang verkniffen habe.

Gruß, Thomas

Ich glaube zu wissen,,,

geschrieben von: Karabük

Datum: 25.09.07 08:36

dass diese Person hier mitliest.
Und daraus die richtigen Schlüsse zieht und (Nicht-)Handlungsweisen ableitet!
Grüße
Karabük

Späte Reaktion zum Yolcu 918

geschrieben von: 03 1008

Datum: 29.09.07 20:48

Hallo Karabük,

zunächst vielen Dank für den - wie immer - gelungenen Beitrag! (Wegen Dampf in der Slowakei kann ich erst jetzt reagieren.)

Mit letzter Sicherheit kann ich zu der Zugnummer des Nachtzuges nach Samsun leider auch nichts sagen. Da er aber sowohl im Kursbuch, gültig ab 26. Mai 1979, als auch im Kursbuch, gültig ab 20. Mai 1983, die Zugnummer 918 trug, ist wohl davon auszugehen, dass er auch am Aufnahmetag so hieß.

Viele Grüße, Helmut