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Treidelbahn am Donau - Eiserne Tor (Kanal von Sip)

geschrieben von: Barbarpapa1

Datum: 26.06.07 17:33

Hallo

An diesem Forum waren schon paar mal Bilder von Treidelbahn auf Donau bei Eisernem Tor (Kanal von Sip) gezeigt worden. Kollegen aus Serbischem Eisenbahnforum haben vor ein paar Tagen ein entsprechendes Thema aufgeschlagen. Dabei sind auch einige Bilder, die ich so auf Internet zu ersten mal sehe. Ich hoffe, das es trotz Sprachbarriere für Sie interessant sein wird.

[railfan-belgrade.org]


Schöne Gruße aus Maribor

Jože
Herzlichen Dank für diesen interessanten Link!
Gruß Stefan

Dank und ?

geschrieben von: 03 1008

Datum: 26.06.07 20:05

Hallo Jože,

danke für den interessanten Link! Ich habe leider bis heute nicht verstanden, weshalb der Seilwagen nicht umkippte. Kann mich jemand aufklären?

Viele Grüße, Helmut

Re: Treidelbahn am Donau - Eiserne Tor (Kanal von Sip)

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 26.06.07 21:14

Danke, die Fotos sind wirklich interessant. Wofür war eigentlich das Dampfschiff, das sich offensichtlich über Seile oder Ketten fortbewegte, gedacht?

Gruß, Volker

Re: Kabelschleppschiff

geschrieben von: V. Klemm

Datum: 26.06.07 21:47

So etwas (soll) es auch auf dem deutschen Rhein gegeben haben:
in Abschnitten mit starker Strömung haben sich diese Dampfschlepper mit ihrem Schleppzug an einem auf dem Grund des Flusses verlegten Seil "bergan gezogen" (zu Zeiten als die Antriebstechnik über Schraube oder Seitenrad noch nicht so ausgereift war??). Warum das jedoch "besser" gewesen sein soll, vermag ich auch heute nicht zu sagen.
Der Donauabschnitt am Eisernen Tor ist von den Strömungsverhältnissen vergleichbar mit dem Mittelrhein bei Bingen. Deshalb auch der in den Bildern gezeigte Seitenkanal. Und in dem kanalisierten (oder begradigten) Donauabschnitt gab es die Treidelbahn (und offensichtlich auch den Seilzugschlepper).
Ein Erklärungsversuch - irgendwas habe ich "früher" mal davon gelesen, aber unsere Ruhrgebietshistoriker wissen da sicherlich mehr - oder??

Re: Kabelschleppschiff

geschrieben von: Martin Heier

Datum: 26.06.07 22:18

Hallo, erstmal wirklich interessante Bilder einer im wahrsten Sinne untergegangenen Bahn.
Nun zu dem Verfahren der Kettenschifffahrt. Es klingt beinahe unglaublich aber an einer im Fluss verlegten Kette arbeitete sich der Kettenschlepper bergwärts und schleppte die Lastkähne. Ketten-
schiffe fuhren auf vielen deutschen Strömen z.B. auf Elbe, Saale, Weser, Rhein, Neckar und Main.
Auf der Elbe wurde bis etwa 1945 der Abschnitt Rothensee - Buckau betrieben. Durch die Kriegsfolgen kam der Verkehr zum erliegen. Auf einem Abschnitt der Elbe/Labe in der Tschecheslowakei soll es noch ein paar Jahre länger solchen Betrieb gegeben haben. Vom Eisernen Tor wußte ich so etwas noch nicht.
Aber die Schiffe haben ein ganz spezielles Aussehen, sie sind sozusagen verkehrtrum gebogen.
1987 erschien beim VEB Verlag Technik Berlin ein sehr detailiertes Buch zu dem Thema.
Grüße, Martin

Re: Kettenschiffahrt

geschrieben von: V. Klemm

Datum: 26.06.07 22:31

Genau - Kettenschiffahrt, daß war das "Zauberwort" - es lichten sich die Schleier - Danke, für die Unterstützung.
Von Magdeburg hatte ich auch mal gehört.
Aber warum war dieses Verfahren "effektiver" als der "normale" Schleppzug?
In diesem Zusammenhang auch mal eine - eisenbahnferne - Frage zu den Selbstfahrern der CSPL auf der Elbe, die für die Mitnahme mindestens eines Schleppkahns eingerichtet waren: sie hatten das Steuerhaus in Schiffsmitte, und einen flachen Maschinenaufbau am Heck. Die Schleppeinrichtung war schiffsmittig angeordnet. Warum? Wegen enger Flußbögen? Besseres Manöverierverhalten?
Tschuldigung, aber dies ist eine Frage, die sich mir gerade stellt, wenn ich Magdeburg, Elbe und Labe lese... Ich werde auch nie, nie wieder vom Thema abschweifen, versprochen...

Re: Kettenschiffahrt

geschrieben von: Martin Heier

Datum: 26.06.07 22:43

Also zu der Frage mit den Selbstfahrern weiß ich nichts.
Aber wie fast alle Dinge hat jedes Ding Vor- und Nachteile.
Vorteile der Kettenschiffe waren der sehr geringe Tiefgang der Schiffe und bedingt durch die Antriebstechnik keine Wellen durch Schraube oder Schauffelrad. Also schonend für die Böschungen der Gewässer.
Nachteile waren vor allem der schwerfällige und langsame Betrieb. Bei Begegnungen wurde die Kette getrennt und anschließend wieder zusammengeschmiedet. Klingt unglaublich, war wohl aber so. Oder ein Schiff befuhr immer nur einen bestimmten Abschnitt und die Lastkähne wurden von einem Kettendampfer auf den nächsten übergeben, auch nicht gerade ein schnelles Verfahren.
Grüße, Martin

Interessant....

geschrieben von: Karabük

Datum: 26.06.07 22:52

ich hatte mal DIESEN BEITRAG hier eingestellt und dabei nach Bildern gefragt. Endlich habe ich was dazu, deshalb Danke an Dich, Jože
Viele Grüße Karabük

Re: Kettenschiffahrt

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 27.06.07 07:06

Ich vermute, daß das Seil in dieser speziellen Situation durchaus Vorteile hatte. Weniger zum Fortbewegen als beim Anhalten: Das Schiff läßt sich ohne zusätzlichen Energieaufwand und/oder Ankerwerfen in Position halten. Dies dürfte gerade bei der starken Strömung und eventuell ungünstigem Untergrund ein Vorteil sein. Da es ein begrenzter Streckenabschnitt war, war das Schleppseil auch praktikabel.
Gruß Stefan

Re: Kettenschiffahrt

geschrieben von: walter_p

Datum: 27.06.07 07:35

Die Schleppeinrichtung muß annähernd in Schiffsmitte angeordnet werden, da das Schiff sonst nicht steuern könnte. Das Schiff dreht sich um ein Achse, die annähernd in Schiffsmitte liegt und abhängig von der s.g. Lateralplan ist (seitliche Projektion der Unterwasserfläche eines Schiffes).
Würde man die Schleppeinrichtung in der Nähe des Hecks anbringen würde sie der Drehung entgegenwirken.

mfg
Walter

Kleine Korrektur und Ergänzung

geschrieben von: Anonymer Teilnehmer

Datum: 27.06.07 12:48

Kettenschleppfahrt gab es hauptsächlich auf Flussabschnitten mit starker Strömung, und dort auch nur stromaufwärts, oder auf Flüssen mit geringer Strömung wie dem Main, wo eine Treidelbahn auf Grund der Uferbeschaffenheit nicht zu bauen oder wegen zu geringen Aufkommens nicht wirtschaftlich war.
Auf Grund der hohen Reibung bei landgestütztem Zug - egal ob mit im Fluß verankerter Kette oder mit Treidellok oder -pferd vom Ufer aus - und der geringen Reibung im Wasser kann man mit wenig Energieaufwand große Gewichtsmengen bewegen. Bspw. kann ein Treidelpferd einen Schleppkahn von bis zu 200t ziehen.
Da ein Schrauben- oder Radschlepper sich jedoch durch das strömende Wasser bewegt und natürlich um so langsamer wird, je mehr hinten dran hängt, käme ein Schleppzug mit einer "Reisegeschwindigkeit" von 6 km/h, also besserer Fußgängergeschwindigkeit, bei einem gegenanstehenden Strom von 6 km/h nie von der Stelle.
Die Kette im Fluß war entweder am Boden oder an den Ufern verankert und bestand aus mehreren Abschnitten, die jedes Mal mühsam hochgeholt und eingefädelt werden mußten. Eine Begegnung mit entgegenkommenden Verbänden gab es nicht, da es pro Streckenabschnitt nur ein Schlepper gab, der hin- und herpendelte und bei stärkerer Strömung leer zu Tal fuhr. Talfahrende Frachtkähne fahren sowieso von alleine, und im Gefahrenfall wäre der Schlepper von ihnen überlaufen worden. Talfahrer haben keine Bremse; das ist auch heute noch so.

Zu den Selbstfahrern auf der Elbe: Diese Schiffe hatten eine sehr leistungsfähige Maschine, da mit ihnen u.a. auch ein sog. Schnellverkehr durchgeführt wurde.
Dampfmaschinen können jedoch bauartbedingt nicht so tief im Heck eingebaut werden, wie es heute bei Dieslmotoren oder Turbinen möglich ist, weswegen die Aufbauten mit Maschinenraum wie bei allen Dampfern mittig angeordnet waren mit einer sehr langen Schraubenwelle zum Heck.

Der Rumpf eines Kettenschleppers liegt übrigens heute noch als Restaurantschiff in Aschaffenburg!

Noch kleinere Korrektur...

geschrieben von: gasbahn

Datum: 27.06.07 16:09

zumindest für die Elbe. Hier soll es Kettenfahrt in beiden Richtungen gegeben haben. Joachim Specht beschreibt in seinem Roman "Perpetuum mobile" die Kettenschiffahrt mit einem Begegnungsvorgang. Dabei musste die Kette durchgetrennt und am Ende wieder zusammengeschmiedet werden, was immer die Aufgabe des Talfahrers war.

Viele Grüße
Heinz

BVG ist, wenn man trotzdem lacht.

Verzeichnis meiner Beiträge (wegen Arcor-Bilderabschaltung ohne Bilder)





Re: Noch kleinere Korrektur...

geschrieben von: Michael Kelter

Datum: 27.06.07 21:20

Hallo!

Da wurdet natürlich nichts geschmiedet. Alle soundsoviel Meter war ein Kettenschloß, also ein Kettenglied das durch rausschrauben eines Bolzens geöffnet werden konnte.

Links zur Kettenschiffahrt:

[www.neckarkiesel.de]

[www.verkehrsmuseum-dresden.de]

[susi.e-technik.uni-ulm.de:8080]

Re: Noch kleinere Korrektur...

geschrieben von: Michael Kelter

Datum: 27.06.07 21:23

Die Kettenschiffahrt ist auch als Tauerei bekannt. Die Kettenschlepper wurden Hexen genannt.

Re: Noch kleinere Korrektur...

geschrieben von: Mikado-Freund

Datum: 27.06.07 21:49

Zitat:
Da wurdet natürlich nichts geschmiedet. Alle soundsoviel Meter war ein Kettenschloß ...
Jetzt machts Sinn. Habe schon die ganze Zeit überlegt, wie denn man das "mobile Kettenschmieden" bewerkstelligt haben kann; das geht ja schon los mit der Frage, wo sich wohl das Schmiedefeuer und der ganze dazugehörige "Rattenschwanz" befunden haben mag ...

Danke für die Erläuterung.

mfG
Walter

Dazu möchte ich doch mal...

geschrieben von: gasbahn

Datum: 27.06.07 22:36

Joachim Specht zitieren:

>Vor mehr als sechs Jahren war der junge Schlossergeselle aus der herzoglichen Residenzstadt Eichenau voller Abenteuerlust zur "Magdeburger Dampfschiffahrts-Company" gegangen. Er heuerte als Kettenschmied an und bekam eine schwere Aufgabe: Wenn sich zwei Dampfer begegneten, mußte die Flußkette zerhackt werden, damit sie aneinander vorbeifahren konnten. Es gab nämlich nur eine Kette in der Elbe, an ihr zogen sich die bergfahrenden wie die talfahrenden Schleppdampfer entlang. Für eine zweite Flußkette hatte wohl das Kapital der Gesellschaften nicht ausgereicht.Zur festen Abmachung unter den Schiffern zählte der Grundsatz: Wer mit der Strömung fährt, muß schmieden. Die Mannschaft des talfahrenden Dampfers mußte die Kette zerhacken, von der Antriebstrommel abwickeln, mit einem Kettenschloß verbinden und ins Wasser werfen. Der bergfahrende Schlepper setzte daraufhin seine Reise fort. Anschließend zogen die Leute des talfahrenden Dampfers die Kette wieder aus dem Strom, entfernten das Kettenschloß, wanden sie um ihre Antriebstrommel, und Fritz Kamrau schmiedete die beiden Bruchstellen wieder zusammen. Das war eine mühsame und harte Arbeit. Manchmal riß die Kette von allein, dann mußte der Schleppzug ankern, bis die Schmiedearbeit vollbracht war. Während der Fahrt entstand vor dem Kessel der Maschine eine Hitze von über fünfzig Grad.<

Nun muss man dazu noch erklären, dass J. Specht aus Dessau stammt und der Roman autobiografische Züge trägt. Die Figur des Fritz Kamrau ist von seinem Großvater abgeleitet. Daher nehme ich an, dass diese Passage richtig recherchiert wurde. Möglicherweise war dieses Verfahren auf die Dauer zu umständlich, so dass man später ständige Kettenschlösser eingefügt hat.

Viele Grüße
Heinz

BVG ist, wenn man trotzdem lacht.

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