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 04 - Historische Bahn 

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In der traditionsreichen Schuhmacherstadt existierte ab 5.6.1905 eine 2,525 km lange eingleisige meterspurige Straßenbahn zwischen dem Hauptbahnhof und der Innenstadt, wo am Krankenhaus die Endstation sowie das Depot bestanden. Für den 7,5-Minuten-Takt waren anfangs fünf, ab 1906 weitere zwei Trieb- und zwei Sommerbeiwagen vorhanden (die Triebwagen wurden später nach Liegnitz und evtl. Innsbruck verkauft). Nach Kriegsbeginn ruhte die Straßenbahn vom 1.8.1914 bis 5.7.1919 wegen Personalmangels. Obwohl sie die Nachkriegszeit gut überstanden hatte, suchte man in den 30er Jahren nach Ersatz. Einerseits waren die Straßen überaus eng, andererseits wollte man auch hügelige Bezirke erschließen. Nach Vorbild von Idar-Oberstein kam man auf den Obus.
Der Beginn des 2. Weltkriegs, wonach die Stadt geräumt wurde, verzögerte die Betriebsaufnahme. Am 15.10.1941 verkürzte man die Straßenbahn auf die Relation Hauptbahnhof – Exerzierplatz, dem Knotenpunkt im Stadtzentrum. Die übrige Strecke richtete man für den Obus her. Ab 25.11.1941 verkehrte er vom Wasserturm im Norden der Stadt über den Exerzierplatz zum Stadtbad, ein Stückchen jenseits vom Krankenhaus. Die 3,4 km lange Strecke wurde am 1.4.1943 vom Wasserturm bis zur Sommerwald-Siedlung nach Norden verlängert. Dorthin war schon am 21.3.1939 eine Omnibuslinie eingelegt worden.
Am 3.7.1943 endete auch zwischen Bahnhof und Exerzierplatz der Straßenbahnbetrieb ein. Zwei Tage später fuhren hier Obusse. Während die Linie 1 den Dienst Hauptbahnhof – Exerzierplatz – Stadtbad aufnahm, führte die Linie 2 vom Exerzierplatz zur Sommerwald-Siedlung. Ein Luftangriff beschädigte am 9.8.1944 die Fahrzeuge und Anlagen, und so ruhte der Obusbetrieb mehrere Jahre lang. Erst nach der Währungsreform am 1.7.1948 richteten die Stadtwerke einen bescheidenen Omnibusverkehr ein. Die Obusse befuhren ab 18.10.1948 die Linie 1 Bahnhof – Stadtbad sowie ab 1949 die Linie 2 zum Sommerwald. Damit hatte das Netz wieder eine Ausdehnung von 6,7 km erreicht. Im Jahr 1958 standen sechs Obusse und 27 Dieselbusse bereit. Die Linie 2 wurde bereits 1964 verdieselt und mit der Einstellung der Linie 1 endete am 12.10.1967 die Obuszeit in Pirmasens.

Obusse:
3 = I = 1 (Büssing/Wismar/AEG, i.B. 25.11.1941 bis 1964)
4 = II = 2 (Büssing/Wismar/AEG, i.B. 25.11.1941 bis 1964)
5 = III = 3 (Büssing/Wismar/BBC, i.B. 25.11.1941 bis 1964)
4 = IV (Fiat/CGE, i.B. 1/1944 bis 1950 ex Livornese Nr. 24, beschlagnahmt 4/1950)
V = 5 (MAN/MAN/BBC, i.B. 30.9.1949 bis 1965)
VI = 6 (MAN/MAN/BBC, PR15 7818, i.B. 1950 bis 1966)
7 (D-B/D-B/Kiepe PR15 7837, i.B. 1953 bis 1967)
8 (Henschel/Uerdingen/Kiepe, i.B. 20.12.1956 bis 1967 ÜhIIIs)

http://img233.imageshack.us/img233/6218/a023vt0.jpg


http://img261.imageshack.us/img261/5528/a010amb4.jpg

Bild 1: Eine colorierte Postkarte aus der Zeit um 1910 mit Blick in die Schloß- und die Hauptstraße.


http://img70.imageshack.us/img70/6199/a009ahd2.jpg

Bild 2: Die Szenerie am Rathaus auf einer am 6.1.1941 abgestempelten Postkarte.


http://img70.imageshack.us/img70/671/a008avk0.jpg

http://img261.imageshack.us/img261/4543/a007arl6.jpg

Bild 3-4: Typenaufnahmen von zwei der insgesamt sieben baugleichen Triebwagen in den 30er Jahren.


http://img261.imageshack.us/img261/769/a013agz1.jpg

http://img217.imageshack.us/img217/6784/a012amp8.jpg

Bild 5-6: Der italienische Obus 4 unterwegs auf der Linie 2 (oben) sowie am Exerzierplatz vor der Abfahrt zur Sommerwald-Siedlung (1950).


http://img261.imageshack.us/img261/3153/a019ado7.jpg

http://img71.imageshack.us/img71/660/a020abd2.jpg

http://img261.imageshack.us/img261/4999/a021ass2.jpg

http://img77.imageshack.us/img77/8557/a022ass7.jpg

Bild 7-10: Die ersten drei Obusse waren nur 8 m lang und 2,30 m breit, boten 20 Sitz- und Stehplätze und waren für „Pendelschaffnerbetrieb“ vorgerichtet (wobei der Schaffner keineswegs von der Decke herabbaumelte).


http://img53.imageshack.us/img53/6243/a018akg6.jpg

Bild 11: Der Obus befuhr nicht immer nur gut ausgebaute Straßen. So primitiv sah es auf dem Weg zur Sommerwald-Siedlung aus.


http://img217.imageshack.us/img217/9978/a016ahs3.jpg

Bild 12: Der MAN-Obus 6 am Exerzierplatz (Juli 1954).


http://img69.imageshack.us/img69/968/a014adr1.jpg

http://img53.imageshack.us/img53/8186/a015ahq3.jpg

Bild 13-14: Der zweitürige Obus 6, ein O 6600-T1 von Daimler-Benz mit Kiepe-Ausrüstung, blieb ein Einzelstück, hier am Stadtbad und in der Sommerwald-Schleife (Juli 1954).


http://img53.imageshack.us/img53/2939/a011aam9.jpg

http://img177.imageshack.us/img177/5784/a017axb9.jpg

Bild 15-16: Ein Büssing-Bus 5000 T auf einem Werkfoto und am Exerzierplatz (Juli 1954).

Alle Fotos stammen von Werner Stock bzw. aus seiner/meiner Sammlung.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2007:04:21:17:29:37.
Erstaunlich, welche Kriegsschäden auch 1954 noch in der Stadt zu sehen waren
Klaus

ganz starke Zeitdokumente!

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 21.04.07 11:52

die mir ausgesprochen gut gefallen. Ist der Obus N° 4 im April 1950 wieder von den Itlaienern beschlagnahmt worden?

Interessanter Bildbericht

geschrieben von: Marina´s Heizer

Datum: 21.04.07 15:21

Ich freue mich immer wieder aufs Neue, Bildeberichte mir relativ unbekannter Verkehrsunternehmen aus der Nachkriegszeit zu geniessen.

Danke fürs Einstellen;

Re: Längst historisch: Straßenbahn und Obusse in Pirmasens

geschrieben von: rf

Datum: 21.04.07 19:53

... solche Veröffentlichungen erwärmen das Herz - danke.
Gibt es eigentlich irgendwelche Publikationen zum Thema? - evtl. noch erhältlich ?
rf
Zitat:
Erstaunlich, welche Kriegsschäden auch 1954 noch in der Stadt zu sehen waren

Gleiches gilt auch dür den Beitrag aus der gleichen Zeit über Essen. Aber man darf nicht vergessen, dass es nur neun Jahre seit Kriegsende waren, und nur fünf Jahre seit der Währenungsreform. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Wirtschaft gelähmt, erst die Einführung der D-Mark brachte das Wirtschaftswunder in Gang. Und auch dieses passierte ja nicht sofort, sondern entfaltete sich erst Mitte der 50er zur vollen Wirkung.

Dennoch ist in diesen ersten Jahren Nachrkiegszeit und früher Bundesrepublik und DDR vieles geleistet worden. Aber selbst ich als 1973 geborener erinner mich, dass die allerletzten "Trümmergrundstücke" erst zu beginn der 1980er Jahre endgültig verschwanden. Auf dem Weg zur Grundschule (1979-1083) kam ich täglich an einem nur noch aus der Fassade des Erdgeschosses bestehenden Hauses vorbei.

Wer heute mit offenen Augen durch die Städte geht, findet immer noch Baulücken, selbst in den besten Lagen der Fußgängerzonen, welche nur im Erdgeschoss bebaut sind.