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 04 - Historische Bahn 

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Hallo,

bei diesem Thema kommt nun wirklich keine Nostalgie auf.
Es geht um einen kleinen Bahnhof in Norddeutschland, der sich 1945 plötzlich östlich der Demarkationslinie zwischen der britischen und der sowjetischen Zone wiederfand: Waddekath-Rade.

http://img218.imageshack.us/img218/3585/112hansalzwedel1945neupd5.jpg



Am 14. August 1982 hatte ich die Gelegenheit, von einem bundesdeutschen Zollbeamten an die Stelle geführt zu werden, wo die Strecke der Altmärkischen Kleinbahn von Wittingen nach Diesdorf durch die innerdeutschen Grenze geteilt wurde. Nach einem Marsch durch realtiv undurchdringliches Gebüsch stießen wir auf einen kleinen Gleis- oder Schotterrest, der allerdings absolut unfotogen war.

Bild 1:

Dafür bot der 100 Meter nördlich gelegene Grenzübersichtspunkt ("Tribüne") einen interessanten Blick über die Grenzsicherungsanlagen. Zu sehen war das Gebäude des Bahnhofs Waddekath-Rade mit dem "Bahnhofsvorplatz".
Die Strecke verlief rechts vom Empfangsgebäude auf einer Linie, die unmittelbar vor dem Grenzsicherungsturm als Fahrweg erkennbar ist.

http://img179.imageshack.us/img179/1870/210h1982081220waddekathmc4.jpg




Bild 2:

Der Teleblick offenbart, dass unsere Anwesenheit auf der anderen Seite einige Hektik auslöste: Der am unteren Bildrand sichtbare Grenzer eilte in den Anbau mit Rundsicht, der auf Bild 1 gut auf der westlichen Seite der Mauer zu erkennen ist.

http://img400.imageshack.us/img400/7083/210h1982081225waddekathsf4.jpg

Nach der Wiedervereinigung habe ich übrigens einige Männer kennen gelernt, die als einfache Grenzsoldaten wenig begeistert ihren Dienst abgeleistet hatten. Das kennt man ja auch von anderen Armeen :-)
Einer, der zwei Jahre bei Salzwedel eingesetzt war, führte mich mal einen Tag lang durch alle "seine" Abschnitte und Sicherungseinrichtungen. Hierüber sollte man mal ein Buch schreiben ...

Bild 3:

Zum Schluss noch einen Blick nach rechts auf den Grenzturm, der mit zwei Mann besetzt war.
Wie ich schon schrieb: Die Trasse der Kleinbahn lag unmittelbar vor dem Turm.

http://img160.imageshack.us/img160/9728/210h1982081235waddekathii2.jpg

Der Bahnbetrieb wurde nach 1945 zwischen Wittingen und Diesdorf (Altmark) nicht mehr aufgenommen.
Steht eigentlich das Bahnhofsgebäude noch?

Es grüßt Euch
Günter T



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2006:12:08:20:13:09.

Toll der Blick auf die Grenze...

geschrieben von: Dampflokfreund

Datum: 08.12.06 19:56

Hallo Günter,

toll deine Bilder von den DDR Grenzanlagen. Die bekam ich als DDR Bürger nie zu Gesicht. Die Strecke von Beezendorf nach Diesdorf hatte ich mir vor Jahren auch angesehen. Die Bahnhofsgebäude standen da alle noch. Wäre die Wende nicht gekommen, hätte ich im Sommer 1990 zum Grenztruppendienst antreten müssen. Ist schon gut, dass es die "Zone" und den "antifaschistischen Schutzwall" nicht mehr gibt.
Grüße aus Jena
Steffen

Re: Bahnhof Waddekath-Rade

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 08.12.06 20:03

Hallo Günter,
ich war 1992 in der Gegend. Damals wurde an dem Bahnhofsgebäude gewerkelt, d. h. es sah nach privatem Umbau aus. Ob das Gebäude heute noch steht, weiß ich nicht.
Gruß Stefan

Re: Bahnhof Waddekath-Rade - Lageplan?

geschrieben von: Weichenberndl

Datum: 08.12.06 23:53

Hallo Günter,
ich bin immer wieder platt, wie meine Neugier und das lange Warten auf Bilder im ehemals sensiblen Grenzbereich belohnt werden. Ich war 2003 in diesem Bereich eisenbahnar(s)chäologisch schnuppern, aber ausser das ich mich wenigstens zweimal im Gestrüpp auf'n A.... gesetzt habe, ist außer mit viel Fantasie und gutem Gespür fast nix mehr zu machen. Sicher, wenn man weiß, wie die EG aussahen, hat man leichtes Spiel. Auch die Kolonnenwege der ehemaligen NVA verraten noch viel. Aber der Rest ist leider wirklich Geschichte. Vielleicht kann noch jemand den Bahnhofslageplan der einfachen Bahnanlagen beisteuern. Dann hätten wir für die Kleinbahnen der Altmark wieder ein kleines Stück hinzugebaut. Für mich würde der Bahnhofslageplan die wertvolle Ergänzung einer ganzen Sammlung sein, die ich mit dem Erwerb des Buches "Kleinbahnen der Altmark" aus dem Transpress-Verlag begonnen habe. Die Bilder sind Geschichte wert. Weiter So. Lob aus Thüringen. Bernd

1983 war ich derselben Stelle, jedoch ...

geschrieben von: Rübezahl

Datum: 09.12.06 00:46

... war das Wetter nicht so gut. Zwischen Dömitzer Brücke und Neusiedlersee habe ich verschiedene Bahn-Grenzsituationen Ost/West fotografiert.

Ein Buch mit den Erfahrungsberichten und Erlebnissen der Grenzer auf beiden Seiten ist eigentlich ein Muß ! Ich würde es gerne verlegen, aber wer möchte sich gerne heutzutage mit "dieser" Vergangenheit outen ?

Nebenbei, die Truppen vom BGS waren auch sehr fix, wenn sich jemand zielstrebig mit dem Pkw Richtung Grenze näherte - noch dazu mit Kfz-Kz aus dem Raum Bonn: Sehr schnell tauchte ein grauer VW-Bus mit Uniformierten auf !

Das Thema Grenze ist in Deutschland immer noch ein Tabu-Thema mit m.E. einseitiger politischer Beleuchtung. Gelungen das Werk von Rossberg "Grenze über deutschen Schienen" - polemisch das Buch aus dem Hause Ritzau.

Einmalig auf der Welt war und ist sie auch nicht - die hermetisch abgeriegelte Staatsgrenze: USA/Mexiko, Türkei/Syrien, Nord/Südkorea bestehen noch immer. Und Israel möchte in puncto Mauerbau wohl auch in die Geschichte eingehen !

Schade, daß die Fotografien der DDR-Grenztruppen nach der Wende in der neuen Behördenversenkung entschwunden sind.

Rübezahl

Nebenbei, die Truppen vom BGS waren auch sehr fix,

geschrieben von: S&B

Datum: 09.12.06 17:39

>>Nebenbei, die Truppen vom BGS waren auch sehr fix,...<<

Das kann man wohl sagen. Als ich als 16jähriger BRD Bürger und Eisenbahnfreund alleine mit der Bahn aus der DDR ausreiste, (meine Eltern fuhren zur selben Zeit per PKW nach Hause), ging an der Grenze in der DDR alles glatt und wie selbstverständlich.
Der BGS hat mich dann gleich in Helmstedt im Zug festgenommen, obwohl alle Papiere in Ordnung waren, weil in deren dümmliche Quadratschädel nicht reingehen wollte, daß ein 16jähriger allein und ohne Gepäck (das war natürlich im Auto meiner Eltern) aus der DDR ausreist. Der Anschluß in Hannover war jedenfalls weg, als die endlich eingesehen hatten, daß sie mir nichts vorwerfen konnten.
Willkommen in der Heimat! :-((
Gruß
S&B

Schwarze Schafe beim BGS

geschrieben von: Günter T

Datum: 09.12.06 18:01

Grenzschutzbeamte waren mir auf westlicher Seite auch schon negativ aufgefallen (die andere Seite lasse ich hier mal unkommentiert):

Ich war 1981 mit dem Pkw in der DDR fotografieren. Die Grenzorgane der DDR in Wartha waren bei der Ausreise nach Hessen - völlig unerwartet - sehr korrekt und zurückhaltend gewesen. Als wir an der westdeutschen Kontrollstation in Herleshausen angekommen waren, schnarrte mich einer von den BGS-Beamten - der bereits meinen Personalausweis grußlos an sich genommen hatte, an: "Wo kommen Sie her?".
Unter dem Eindruck der im Osten üblichen Selektion "DDR" und "Transit" antwortete ich:"DDR"
Da ging der Typ hoch wie eine Rakete und zischte:"Wenn Sie uns hier hochnehmen wollen ... , dann können wir auch anders... Machen Sie, dass Sie weiterkommen!"
Beschwert haben wir uns über das Verhalten dann doch nicht, weil mein Begleiter (auch Beamter) seiner Dienststelle nicht förmlich seine Reise in die DDR angezeigt hatte. Der Schuss wäre dann nach hinten losgegangen.

Im Osten war man ja auf so Manches gefasst. Wenn der Stress der Ausreise aus der DDR dann vorbei war und man aufatmend die Demarkationslinie hinter sich gelassen hatte, waren solche schwarzen Schafe dann eine unerwartet schlechte Visitenkarte des "freien Westens".
Obwohl der BGS harmloser als die DDR-Organe war, musste man sich doch öfters wegen den "eigenen Staatsdienern" richtig schämen.

Es grüßt
Günter T
(auch ein alter Beamter)



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2006:12:09:18:06:59.
Vor zwei Jahren wartete ich geduldig vor dem Häuschen am Eingang zum Check-in des Frankfurter Flughafens bis ich an der Reihe war und fragte dann den darin sitzenden Menschen (in Unkenntnis seiner Funktion), welche der vielen Papiere er den wohl von mir sehen wolle.

Na, da ging vielleicht was ab!

Zuerst monierte er, daß ich ihn nicht mit "Guten Tag" begrüßt habe und dann fühlte sich durch meine Frage wohl auch noch auf den Arm genommen; regelrecht »stinkig« war der.

Ich daraufhin natürlich auch.

Aber die Vernunft behielt dann doch Oberhand; ich sagte mir einfach „Walter, bleib ruhig, das ist halt auch nur ein armer Wicht und vielleicht ist ihm ja auch viel zu warm in seinem Glaskäfig. Außerdem werden wir uns ja wohl hoffentlich nie wieder begegnen …!"


Von meinem Erlebnis mit einem goldbehangenen Organ in der GÜST Marienborn bei der Ausreise aus der DDR habe ich ja schon berichtet, darüber, wie der sich amüsierte, bzw. nicht verstand, daß wir wegen ein paar 52.80 nach Haldensleben gefahren wären — wo doch in Halberstadt noch eine 01 herumfahren würde!


Manchmal hatte ich auch den Eindruck, daß es sowohl auf die Zusammensetzung der Truppe und die Tageszeit -, als auch auf die jeweilige Region ankam, wie denn wohl so die Kontrollen verliefen. In Sachsen-Anhalt herrschte ein völlig anderer Ton und Umgang, als z.B. in Thüringen.

Aus Erfahrung vermieden wir es, wenn eine Frau offensichtlich ranghöchste Person war. Anscheinend überboten sich dann die Kontrolleure (dass es natürlich auch mal anders ging, haben wir allerdings auch mal erlebt, als ein eifriges Organ uns aufforderte, sämtliches Gepäck auszuladen und er Reserverad und -kanister zum Durchleuchten bringen wollte: "Laß das doch, die sind doch harmlos!" zischte ihm seine Genossin zu …!


Beim Grenzübergang nach Österreich ist es passiert, daß alle außer uns passieren durften, nur wir wurden herausgewunken, mein Ausweis wurde fotokopiert, es wurde telefoniert und wir ich mußte warten, warten, warten …

Warum aber?

Wahrscheinlich, weil wir einen Übergang abseits der Autobahn benutzt hatten und darüber hinaus in einem äußerst verdächtigen grünen Frosch daherkamen:

Abarth.jpg


Ein anderes Mal verliefen sowohl Einreise in - als auch Ausreise aus der DDR überraschend flott, ja, man schien sich überhaupt nicht groß für uns zu interessieren!

Die „West-Organe” in Helmstedt jedoch machten dann jedoch einen Strich durch die Rechnung einer zügigen Heimfahrt, man wollte nämlich sämtliche Papiere sehen, also auch den Führerschein.

Den Führerschein?!

Ach Du meine Güte! Da fiel mir ein, daß ich doch am Morgen extra eine andere Jacke angezogen - und Adressverzeichnisse, Visitenkarten und was-weiß-ich-noch-alles raus aus allen Taschen geschmissen hatte, denn so etwas war doch an der Grenze immer so fürchterlich interessant …



"Sone und solche", die gab - und gibt es immer und überall!



Edit: ein "r" und ein "s" gekauft





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:11:13:23:30:42.
Das es auch anders ging, haben wir dann allerdings auch einmal erlebt, als ein eifriges Organ uns aufforderte, aus der langen PKW Warteschlange bei der Einreise (Marienborn) in die DDR auszuscheren, ihm die Papiere auszuhändigen, mit denen er dann zur Bearbeitung verschwand. Als er wiederkam, begleitete er uns (zu Fuß neben uns hergehend) durch die Grenzanlagen: "Dieser Wagen wird nicht kontrolliert" und "Die Straßenbenutzungsgebühren entfallen für Sie", "Dort hinten befindet sich die Bank der DDR zum Geldumtausch" "Gute Reise und angenehmen Aufenthalt in der DDR".
Ähnlich zuvorkommende Behandlung hatten wir nicht nur dieses eine Mal. Vielleicht hat den Grenzern unser Auto so gut gefallen- ein Pierreux- Wartburg 353... :-)
Grüße
S&B