Ihr Lieben,
nachdem ihr in der vergangenen Woche in kurzer Zeit aufklären konntet, dass es sich bei dem offenen Sommerbeiwagen um den ehemaligen Beiwagen 645 aus Achen handelt, möchte ich heute ein weiteres Fahrzeug zur Fahndung ausschreiben:
Sicher ist, dass das Fahrzeug von einem Betrieb stammt, bei dem die Firma „Eckardt & Co" aus Hamburg als Schrott- oder Zwischenhändler auftrat (und das taten sie nun mal „reichsweit", was die Suche spannend macht).
Relativ sicher ist der Aufnahmezeitpunkt: Zwischen 1936 und 1938.
Und da hört das Wissen dann auch schon auf.
Beim genauen Betrachten des Fahrzeugs ergeben sich aber einige Suchhilfen:
· Es ist ein Regelspur - Fahrzeug.
· Anhand der Lampen gehe ich davon aus, dass es ein Motorwagen ist (oder einmal war, wie "gasbahn" wohl richtig gesehen hat)
· Der fehlende Stromabnehmer wurde demontiert oder gründlich wegretuschiert.
· Die Fahrzeugbeschriftung wurde übermalt (ob man da in den dreißiger Jahren schon an eine „hifo - Rätsel - Welle" gedacht hat?). Per Hand findet sich links neben der rechten Tür aber die Zahl „47" (was immer da durchgezählt wurde - es muss ja nicht die Original - Tw - Nummer sein).
· Die Fahrzeugnummer an der Fahrzeugfront wurde übermalt und muss sich rechts neben dem (Brems-?) Schlauch befunden haben.
· Am Fahrgestell hat man die Aufschrift „Radst. 1,70 m" stehen lassen (vgl. Bild unten).
· Das Fahrzeug ist wohl nicht mehr an seinem Einsatzort fotographiert, sondern auf dem Lagerplatz von „Eckardt & Co" (in Hamburg?) aufgenommen worden. Dafür spricht das lose auf den Boden aufgelegte Gleisstück und die im Hintergrund sichtbaren anderen Fahrzeuge, die auch schief auf dem Acker herumstehen.
Dann ist dem Bild noch eine Aufnahme aus dem Innenraum zugeordnet:
Auch hier wurden fein säuberlich alle Hinweise zur Herkunft entfernt - dafür wurde der Wagen fürs Foto aber noch einmal extra feucht gewischt (ob das den Verkaufserfolg unterstützt hat?).
An der Tür zur Plattform findet sich ein Fabrikschild der Firma „Lahmeyer".
Ob ihr es schafft?
Gruss, christoph beyer
Ergänzung:
Nach den ersten Reaktionen habe ich noch einmal den Radstand nachgesehen. Ich hatte ja "1,10 m abgelesen - richtig ist aber wohl 1,70 m.
Dann könnte es sich um einen Wagen aus der Serie 401-703 handeln (714-771 hatten einen Achsstand von 1,80 m, vgl. Reuter, Wagenpark Köln, S.125f).
LÖSUNG: Christoph Heuer hat in dem Buch von Axel Reuter (Wagenpark der Kölner Strassen- und Voroetbahnen 1901 -1990, S. 481f.) die einleuchtende Erklärung gefunden:
Der Wagen ist 1903 von v.d. Zypen an die Mülheimer Kleinbahnen geliefert worden (Nr. 4,7 oder 8).
1918 in Bw 47 umgebaut (da stimmt die handschriftliche Nummer dann doch!).
1933 mit der Mülheimer Kleinbahn durch Bahnen der Stadt Köln übernommen. Nicht in Einsatz gekommen.
Danach über „Eckardt & Co" zum Verkauf angeboten,
1940 Verkauf (durch „Eckardt & Co" ?) an Straßenbahn Sosnowitz - Dombrowa, dort Nr. 119.
Nach 1945 an Kattowitz? - und wie ging die Geschichte zu Ende?
edit: Lösung von Christoph Heuer nachgetragen und Titel korrigiert, Zusatzbilder entfernt.
12-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:12:14:10:53:32.