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 04 - Historisches Forum 

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Ihr Lieben,

nachdem ihr in der vergangenen Woche in kurzer Zeit aufklären konntet, dass es sich bei dem offenen Sommerbeiwagen um den ehemaligen Beiwagen 645 aus Achen handelt, möchte ich heute ein weiteres Fahrzeug zur Fahndung ausschreiben:

047-01kk.jpg

Sicher ist, dass das Fahrzeug von einem Betrieb stammt, bei dem die Firma „Eckardt & Co" aus Hamburg als Schrott- oder Zwischenhändler auftrat (und das taten sie nun mal „reichsweit", was die Suche spannend macht).

Relativ sicher ist der Aufnahmezeitpunkt: Zwischen 1936 und 1938.
Und da hört das Wissen dann auch schon auf.

Beim genauen Betrachten des Fahrzeugs ergeben sich aber einige Suchhilfen:

· Es ist ein Regelspur - Fahrzeug.
· Anhand der Lampen gehe ich davon aus, dass es ein Motorwagen ist (oder einmal war, wie "gasbahn" wohl richtig gesehen hat)
· Der fehlende Stromabnehmer wurde demontiert oder gründlich wegretuschiert.
· Die Fahrzeugbeschriftung wurde übermalt (ob man da in den dreißiger Jahren schon an eine „hifo - Rätsel - Welle" gedacht hat?). Per Hand findet sich links neben der rechten Tür aber die Zahl „47" (was immer da durchgezählt wurde - es muss ja nicht die Original - Tw - Nummer sein).
· Die Fahrzeugnummer an der Fahrzeugfront wurde übermalt und muss sich rechts neben dem (Brems-?) Schlauch befunden haben.
· Am Fahrgestell hat man die Aufschrift „Radst. 1,70 m" stehen lassen (vgl. Bild unten).
· Das Fahrzeug ist wohl nicht mehr an seinem Einsatzort fotographiert, sondern auf dem Lagerplatz von „Eckardt & Co" (in Hamburg?) aufgenommen worden. Dafür spricht das lose auf den Boden aufgelegte Gleisstück und die im Hintergrund sichtbaren anderen Fahrzeuge, die auch schief auf dem Acker herumstehen.

Dann ist dem Bild noch eine Aufnahme aus dem Innenraum zugeordnet:

047-02kk.jpg

Auch hier wurden fein säuberlich alle Hinweise zur Herkunft entfernt - dafür wurde der Wagen fürs Foto aber noch einmal extra feucht gewischt (ob das den Verkaufserfolg unterstützt hat?).

An der Tür zur Plattform findet sich ein Fabrikschild der Firma „Lahmeyer".

Ob ihr es schafft?

Gruss, christoph beyer

Ergänzung:

Nach den ersten Reaktionen habe ich noch einmal den Radstand nachgesehen. Ich hatte ja "1,10 m abgelesen - richtig ist aber wohl 1,70 m.

Dann könnte es sich um einen Wagen aus der Serie 401-703 handeln (714-771 hatten einen Achsstand von 1,80 m, vgl. Reuter, Wagenpark Köln, S.125f).

LÖSUNG: Christoph Heuer hat in dem Buch von Axel Reuter (Wagenpark der Kölner Strassen- und Voroetbahnen 1901 -1990, S. 481f.) die einleuchtende Erklärung gefunden:

Der Wagen ist 1903 von v.d. Zypen an die Mülheimer Kleinbahnen geliefert worden (Nr. 4,7 oder 8).
1918 in Bw 47 umgebaut (da stimmt die handschriftliche Nummer dann doch!).
1933 mit der Mülheimer Kleinbahn durch Bahnen der Stadt Köln übernommen. Nicht in Einsatz gekommen.
Danach über „Eckardt & Co" zum Verkauf angeboten,
1940 Verkauf (durch „Eckardt & Co" ?) an Straßenbahn Sosnowitz - Dombrowa, dort Nr. 119.

Nach 1945 an Kattowitz? - und wie ging die Geschichte zu Ende?

edit: Lösung von Christoph Heuer nachgetragen und Titel korrigiert, Zusatzbilder entfernt.





12-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:12:14:10:53:32.

Re: 1936: Strassenbahn - Tw abzugeben

geschrieben von: Christoph Heuer

Datum: 24.11.06 18:15

Hallo,

zu den Erkenntnissen möchte ich noch hinzufügen:

- Druckluftbremse
- Steckbolzenkupplung

Mein Schuß ins Blaue: Köln

Viele Grüße

Christoph

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Die Straßenbahnwagen des VEB Waggonbau Gotha

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Mir scheint es...

geschrieben von: gasbahn

Datum: 24.11.06 18:24

dass hier ein Tw zum Bw umgebaut wurde. Denn auf beiden Bildern kann ich keinen Fahrschalter finden. Scheinwerfergehäuse wurde offenbar belassen, was bei solchen Umbauten in dieser Zeit nicht ungewöhnlich war. Daher auch kein Stromabnehmer. Offenbar auch keine E-Bremse sondern nur Druckluftbremse. Idee zum Betrieb habe ich aber auch nicht.

Auf Wiederlesen!
Heinz

BVG ist, wenn man trotzdem lacht.

Verzeichnis meiner Beiträge (wegen Arcor-Bilderabschaltung ohne Bilder)





Re: 1936: Strassenbahn - Tw abzugeben

geschrieben von: Linie 112

Datum: 24.11.06 19:27

Nach dem Schuss ins Blaue mit Köln, komme ich auch zur Ansicht, dass es sich um einen Tw der ab 1901 gebauten Fahrzeuge für Köln handelt. Etwas zweifeln lässt mich die gegenüber einer Wagenzeichnung andere Verglasung des Front, aber das große mittlere Seitenfenster deutet auf die Serie 401-771, die von mehreren Herstellern in den Jahren 1901-1907 gebaut wurde. Aus dieser Gesamtserie wurden Fahrzeuge zu Zwillings-Tw umgebaut, dabei besaß tlw. jeder Tw einen Stromabnehmer, tlw. war auch nur ein Stromabnehmer pro Zwilling vorhanden. Ebenfalls wurden 1924 Tw in Bw umgebaut. 1930 bzw. 1935 wurden erste Fahrzeuge ausgemustert.

Der Radstand war 1,70m, bei den umgebauten Bw 1,90m.

Köln und doch nicht Köln!

geschrieben von: Christoph Heuer

Datum: 24.11.06 21:02

Hallo,

in meinem ersten Beitrag zum Thema hatte ich auf Köln als Herkunft des Wagens getippt. Der Hinweis von "Gasbahn", daß es sich wohl um einen Beiwagen handeln würde, brachte mich ins Grübeln. Auch die Ausrüstung mit Druckluftbremsen ließ mich an Köln zweifeln. Die Wagen für die innerstädtischen Linien hatten keine Druckluftbremsen.

Zur Klärung habe ich das Buch von Axel Reuther: Wagenpark der Kölner Straßen- und Vorortbahnen 1901-1990 herangezogen. Zunächst kam die Ernüchterung: Die aus Triebwagen der Ursprungsserie umgebauten Beiwagen sahen völlig anders aus, als auf dem Bild oben! Der nächste Verdacht richtete sich nach Bonn, Einsatzort baugleicher Wagen, doch auch hier Fehlanzeige. Die anderen Betriebe mit baugleichen Wagen fielen auch aus, da meterspurig. Also zurück nach Köln. Und siehe da: Hier war doch die Lösung!

Am 1.8.1933 übernahmen die damaligen Bahnen der Stadt Köln die Mülheimer Kleinbahnen. Hier waren ein paar Triebwagen im Einsatz, die identisch waren mit den Kölner Triebwagen, aber teilweise Druckluftbremse besaßen. Auch gab es drei Beiwagen, die aus Triebwagen umgebaut worden waren, ebenfalls mit Druckluftbremse. Diese Beiwagen wurden nicht mehr in den Einsatzbestand der Bahnen der Stadt Köln übernommen, sondern verkauft, laut Axel Reuther vermutlich über die Fa. Heinrich König Eisenbahnbedarf in Köln. Die Nummern der drei Beiwagen waren in Mülheim 45, 46 und 47 ex Tw 4, 7 und 8, nicht zwingend in dieser Reihenfolge. Verkauft wurden sie nach Oberschlesien, soweit nachvollziehbar an die Straßenbahn Sosnowitz - Dombrowa. Damit betrachte ich die Identität und Geschichte der Wagen als geklärt. Die Frage bleibt nur, inwieweit Eckart&Co. und Heinrich König Eisenbahnbedarf in den Verkauf verwickelt waren.

Jedenfalls handelt es sich wieder um ein spannendes Stück Straßenbahngeschichte. Danke für die Fotos!

Viele Grüße

Christoph

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Re: Köln und doch nicht Köln!

geschrieben von: christoph beyer

Datum: 24.11.06 21:46

Lieber Christoph Heuer,

die Lösung mit dem Bw 47 (ex Mülheim) klingt gut - zumal da auch die Nummer passen würde.
Ich hab diese Angaben in dem dicken Wälzer von Axel Reuter so nicht gefunden - kannst Du mir bitte mit der Seite aushelfen? Danke.

Re: Köln und doch nicht Köln!

geschrieben von: Christoph Heuer

Datum: 24.11.06 22:25

Hallo Namensvetter,

Seiten 36, 407-409, 474-482.

Viele Grüße

Christoph

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Köln und Mülheim passt schon ...

geschrieben von: christoph beyer

Datum: 24.11.06 22:41

Lieber Christoph,

huch, da hinten sind ja auch noch Seiten in dem Buch ...
aber das kommt wohl davon, wenn man solche Wagenparklistenbücher nicht ordentlich von Anfang bis Ende durchliest ;-).

Die Angaben auf S. 481f sind ja für den Wagen 47 recht eindeutig.

Zu der Frage, welcher Zwischenhändler den Verkauf nun wirklich abwickelte fehlen mir die nötigen Unterlagen. Reuter vermutet einen Verkauf über H. König, Eisenbahnbedarf im Jahre 1940. Das schließt ja nicht aus, dass „Eckardt & Co" in den Jahren vorher schon versucht hat, die Wagen an den Mann zu bringen.

Re: Köln und Mülheim passt schon ...

geschrieben von: Linie 112

Datum: 24.11.06 22:57

christoph beyer schrieb:
-------------------------------------------------------
> Lieber Christoph,
>
> huch, da hinten sind ja auch noch Seiten in dem
> Buch ...
> aber das kommt wohl davon, wenn man solche
> Wagenparklistenbücher nicht ordentlich von Anfang
> bis Ende durchliest ;-).
>
> Die Angaben auf S. 481f sind ja für den Wagen 47
> recht eindeutig.
>


Da kann ich mich Dir nur anschließen. Das sah für mich bei der Ursprungsserie für Köln auf den ersten Blick alles so passend aus; bis auf auf den nicht stimmigen Frontumbau. Aber auf die Druckluftbremse habe ich nicht geachtet. Daher hatte ich auch nicht weiter gesucht.
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