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 04 - Historisches Forum 

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Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Mitte der 80er Jahre wurde in der Türkei die Unterhaltung von Dampflokomotiven im wesentlichen aufgegeben. Damit war zwar nicht gleich schlagartig Schluss mit Dampf - noch 1990 ließen sich einzelne Exemplare in Eregli, Soma, Usak, Afyon und Bandirma im Einsatz beobachten - jedoch kann man sich vorstellen, wie es technisch um diese Maschinen bestellt war. Als ich 1988 das erste Mal die Türkei besuchte, konnte ich zwar noch so einiges an Dampfbetrieb miterleben, aber das war leider nur noch ein Schatten seiner selbst. Trotzdem hatte ich Blut geleckt. 1990 folgte die nächste Tour, auf der ich gerade ein paar Tage zu spät kam für die letzten Einsätze der 45.001, die mit noch blanken Laufflächen in Eregli abgestellt war. Sollte es das gewesen sein? Nun, ich bin kein ausgesprochener Freund von Sonderfahrten – ich kann dem Gedanken nur wenig abgewinnen, dass man so tut, als wären die letzten 30 Jahre nicht geschehen, auch wenn inzwischen das gesamte Umfeld ganz anders aussieht. Ich lebe lieber in der Gegenwart. Aber dennoch: noch mal mit Dampf durch die Türkei - das wäre was... Dieser Gedanke setzte sich bei mir fest. Wer jemals eine der dortigen Strecken bereist hat, weiß, wovon ich rede.
Nun traf es sich gut, dass Bekannte von mir zwischen 1991 und 2001 nahezu jährlich Sonderfahrten mit Dampftraktion organisierten. Und zwar nicht mit den von mir abgelehnten Schlafwagengarnituren, die in den 80er Jahren bei solchen Fahrten unterwegs waren – man sieht diesen Zügen meilenweit gegen den Wind ihren Sonderstatus an - , sondern mit GmP- oder reinen Güterzuggarnituren. Gut, diese waren aufgrund der geforderten Preise und des technischen Zustands der Loks teilweise etwas kurz geraten. Aber trotzdem: ungefähr so sahen türkische Dampfzüge noch ganz kurz zuvor aus. Ich fuhr also hin, und da ich später teilweise ich in die Organisation mitinvolviert war (wenn auch nur ganz am Rande), konnte ich sogar häufiger als erwartet an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Dass es bei solchen Fahrten durchaus zahlreiche Probleme gab, will ich auf keinen Fall verschweigen. Genau genommen, will ich sogar gerade davon berichten: Zunehmend weniger geeignete Personenwagen, rapide verschwindende Möglichkeiten zum Wassernehmen, stillgelegte Kreuzungsbahnhöfe, Streiks, der einzige Express des Tages im Nacken, Streitereien innerhalb der Gruppe und, und, und. Das größte Übel waren Lokausfälle. Solche waren auch 1988 nicht unbedingt selten. Hier ein Beispiel: als wir mit dem Planzug von Selcuk nach Izmir fuhren, begegnete uns in Izmir-Sirinyer plötzlich eine G8 mit einer sehr toten 57.0 im Schlepp. Bis wir reagiert hatten, war unser Zug schon wieder abgefahren und wir mussten ab Izmir schnell mit einem Bus wieder zurück. Für eine Motivsuche war keine Zeit mehr, also kurz vor Selcuk ins Baumwollfeld und gewartet. Nicht passierte, obwohl wir die Loks ein paar Kilometer zuvor erst überholt hatten. Dann näherte sich plötzlich 56.516 aus der Gegenrichtung...

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd156cob.jpg

...und erst geraume Zeit später tauchte dieser Lokzug auf

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd151cob.jpg

Die 44.055 kam laut Aufschrift gerade eben von einer Untersuchung in Izmir-Halkapinar, scheiterte aber auf der Probefahrt und musste abgeschleppt werden. Die optisch zwar schön anzusehende, aber technisch wohl über-den-Jordan-gegangene Maschine dürfte anschließend wohl kaum je noch einmal angeheizt worden sein...

Und dennoch trauten wir uns ein paar Jahre später mit solchen Maschinen auf die Strecke. Wenn ich im Folgenden eine fröhliche Pannen-Parade vorführe, dann nur deswegen, weil ich zeigen möchte, dass allen Widrigkeiten zum Trotz immer noch Erstaunliches dabei herausgekommen ist. Betrachtet das also als Ausdruck der Hochachtung vor den zum Teil unglaublich enthusiastisch beteiligten Eisenbahnern, die uns mit vollem Einsatz ein bisschen Eisenbahnspielen ermöglicht haben.
Die erste Tour 1991 war eher etwas zum üben: Izmir- Alashehir - Esme – Afyon – Dinar – Egridir – Denizli – Izmir – Selcuk. Alles ganz im Westen und keine allzu große Distanz. Erstaunlicherweise ging alles glatt: so gut wie keinerlei Probleme mit den Loks. Dies sollte sich 1992 drastisch ändern. Die erste Hiobsbotschaft schon vor Abfahrt in Zonguldak: Der von allen heiß ersehnte Skyliner war kaputt! Aber wir hatten mit 46.226 ja noch eine für diese Strecke typische Lok als Ersatz, die ebenfalls höchst ansehnlich war. Diese trat aber in zunächst zweifelhaftem Zustand die Reise an und war kaum zu mehr im Stande, als sich selbst zu bewegen. Nun ja, im Jahr zuvor war sie auch nicht unbedingt besser in Schuss, aber diesmal ging es nicht mehr durchs Flachland. Zur Sicherheit wurde daher – wie im Vorjahr - eine der unverwüstlichen 56.5 als Angstlok mitgegeben, und zwar 56.552.
Die bestellten Hechtwagen standen zwar bereit, waren aber neuzeitlich lackiert - ein Umstand, den man mittels schnell erworbener Lackfarbe noch während der ersten Kilometer korrigieren konnte. Schlimmer war da schon die Tatsache, dass ausgerechnet bei 56.552 schon nach wenigen Kilometern das Einströmrohr platze und grell orangefarbener Dampf an ungewöhnlicher Stelle entwich. Mehr schlecht als recht ging es mit zwei „Krüppeln“ bis Karabük, wo immerhin die 46.2 repariert erfolgreich werden konnte. Nun hielt sie ohne weiteres bis Ankara durch und übernahm sogar später im Westen eine weitere Etappe.
Schön sah sie ja aus! Man kann also verstehen, dass einige sich an der Maschine festfotografierten. Als dann aber bei einem der langwierigen Kreuzungsaufenthalte diese alte Dame den Zug passierte und die eher klinische Sonderfahrtatmosphäre mit etwas Lokalkolorit auflockerte, fingen tatsächlich zahlreiche „Fotografen“ an, diese Frau aus dem Bild zu brüllen... Noch nie habe ich mich so geschämt!

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd131cob.jpg

Schöne Aufnahmen waren aber dennoch durchaus zahlreich möglich, hier z.B. irgendwo zwischen Sumucak und Cankiri, wenngleich der Aufstieg zurück zum Zug
etwas schwer fiel.

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Von Ankara bis Kayseri hatten wir 56.513 vor dem Zug, die Probleme mit der Luftpumpe hatte und den Zug häufiger durch Zwangsbremsungen zum stehen brachte. Alles harmlos, aber zeitraubend. Hier die Hufeisenkurven bei Izzetin, die wir wider erwarten erst kurz vor Sonnenuntergang passierten.

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd148cob.jpg

Die auch nicht zu verachtende Gegend um Bogazköprü mussten wir danach leider im Dunklen passieren.
In Kayseri wartete am nächsten Morgen 56.140 zur Fahrt nach Ulukisla. Wer schon einmal im BW Kayseri war, der dürfte die schöne Großbekohlungsanlage kennen, die heute noch dort zu sehen ist. Aber ein Foto wurde vom übereifrigen BW-Chef erst nach stundenlangem Palaver erlaubt – vermutlich wegen eines etliche Kilometer weiter liegenden, vom BW-Gelände absolut nicht sichtbaren Militärgeländes am Ortsrand. Immerhin- Wir durften irgendwann, aber dadurch verspätete sich die Abfahrt. Mit Volldampf ging es nun gen Süden. Leider sah der Lokführer die Notwendigkeit von Fotohalten am Vulkan nicht so ganz ein... Explosiv wurde die Stimmung, als in Yesilhisar am Fuße der wunderbaren Rampe nach Arapli bei allerbestem Abendlicht der Gegenzug einfach nicht auftauchte. Nach Stunden – der Lokführer des Güterzuges hatte auf einem Acker Melonen geklaut - ging es erst bei anbrechender Dunkelheit endlich den Berg hinauf. Die entgangenen Motive konnte man aber noch deutlich erkennen... Unvergesslich der deutschsprachige Hotelmensch, der uns beim anschließenden Bustransfer zum Hotel begrüßte: „ich bin sicher, Sie hatten einen schönen Tag!“ und dafür ein kollektives Aufheulen erntete; der daraufhin fassungslos meinte „Wieso, Sie hatten doch eine Dampflok, schönes Wetter...“ Weiter kam er nicht, weil er nun, als völlig unbeteiligtes Opfer, mit all dem, was sich bei einigen Teilnehmern an Frust angestaut hatte, zugemüllt wurde...Armer Kerl! Klar, wer mit dem festen Ziel in die Türkei fährt, die im Heft X abgedruckte Aufnahme von Fotograf Y exakt 1:1 nachzufotografieren (...Ich mach doch keine Bannoffsaufnahm!! Ich will so richtig Türkei, so mitm Kamel und so!“ Originalzitat eines Mitfahrers), wird sicherlich bei einigen Motiven z.B. andere Lichtverhältnisse oder keine der „türkeitypischen“ Kamele vorfinden, sich entsprechend ärgern und den ganzen Rest entsprechend miesmachen...

Von Ulukisla durch den Taurus nach Adana und zurück ging es mit 56.109. Die Hinfahrt war Klasse:

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd136cob.jpg

Sehr zur Enttäuschung der angesichts der kamerabewehrten Eisenbahnfreunde sofort anhaltenden LKW-Fahrer gafften wir nicht auf einen abgestürzten Bus oder ähnliche Katastrophen, sondern uns reizte nur das hier:

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd106cob.jpg

Die Rückfahrt litt allerdings sehr darunter, dass nun ein Kesselschaden auftrat, der zum ständigen Fahren mit voll aufgedrehtem Ölbrenner zwang – jetzt ging es zudem auch noch bergauf!. Bis hierher ging noch alles gut....

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd108cob.jpg

Aber direkt hinter dem Viadukt folgten die endlosen Tunnels der Taurusstrecke. Diese Fahrt war im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend! Ab Pozanti ging es zum Glück zugbegleitend auf der Straße weiter. Die Lok qualmte auf der Steigungsstrecke so stark, dass der Qualm von hinten bereits über den Berg waberte, während der Zug noch im Tunnel steckte. Und schon lange vor der Lok schoss der Qualm in rhythmischen Abständen stoßweise aus dem Portal heraus.

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Und mit so einer Wolke ging es nun von Tunnel zu Tunnel! Man achte auf die Wagendächer, die vorher etwas anders aussahen. Unser Kollege „MAN“ aus Dresden war auf dem Führerstand und berichtete von nahezu apokalyptischen Zuständen... Bis Ulukisla ging es trotzdem vorwärts, dann aber gab 56.109 endgültig und für immer den Geist auf.

Zur Erholung jetzt 46.052 bei Ilghin, die den Zug ohne Probleme bis Afyon brachte.

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd126cob.jpg

Weiter bis Eskisehir ging es mit 56.535, die sich zwar seltsam anhörte, aber zumindest an diesem Tag bestens durchhielt. Schlimmer war da schon 45.168, eine englische 8F, dran, die zwar schön geputzt aussah, aber nicht einmal die Hälfte der Strecke zurück nach Kütahya zurücklegen konnte – und das auch nur Dank der Unterstützung der 56.535. Die „Hauptuntersuchung“ muss ähnlich qualitativ hochwertig gewesen sein, wie bei 44.055 im Jahre 1988!

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Der Triumph der 56.535 währte indes nur einen halben Tag. Schon am nächsten Morgen – noch bevor der erste Fotohalt eingelegt wurde – kam in Tavsanli mehr Dampf aus dem Führerhaus als an irgend einer anderen Stelle. Was genau geplatzt war (Stehbolzen???), weiß ich heute nicht mehr, wenigstens sah es bedrohlich aus. Zum Glück war keinem etwas passiert... Die eigentlich vorgesehene 56.165 war ohnehin von Anfang an nicht einsatzfähig. Tavsanli – Balikesir wurde also folglich mit Diesel gefahren. Weiter bis Manysa mit ging es mit 46.226 und ab hier sollten 44.043 und 55.043 eingesetzt werden. Leider hatte letztere bei der Anreise einen Motorradfahrer final erwischt und wurde kurzerhand von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Daher hier die 44.043 irgendwo hinter Manysa solo:

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd113cob.jpg

Die weitere Fahrt (Alasehir - Esme – Alasehir - Izmir - Selcuk - Izmir) verlief relativ Störungsfrei. Es kamen 56.516, 57.009 und 46.105 zum Einsatz. Trotz aller Pannen – die Fotoausbeute war genial und eine derartige Typenvielfalt sollte nie wieder zu bekommen sein!

1994 gab es zwar keine wirklich ernsten Ausfälle, aber dafür setzte unser Zug mit 56.508 zwischen Bandirma und Balikesir so ziemlich die gesamte Umgebung in Brand. Folge: Dieselvorspann auf der waldreichen Strecke nach Tavsanli, wo eigentlich 46.105 allein fahren sollte. Die endlich einmal einsatzfähige 46.018 war erschreckenderweise an Windleitblechen, Rauchkammer, Domen, Führerhaus und Tenderoberteil schauderhaft grün bemalt und die TCDD hatte strikte Anweisung erlassen, jedes Umstreichen zu unterbinden (beim damals genutzten und wirklich komplett umgestrichenen D-Zugwagen hatte man solche Skrupel nicht). Ferner erforderte die Tätigkeit der Kurden im Osten des Landes bei der Fahrt durch die Euphratschlucht eine Armee-Eskorte von 50 Mann nebst Begleit-LKW mit Vierlings-Flak (bei 15 Fahrtteilnehmern). Immerhin konnte die 56.052 (vorne) zuverlässig bremsen, während 56.140 zuverlässig fahren konnte.

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Foto kurz vor Gülübag. Es wollten tatsächlich einige Teilnehmer den angeblich störenden Flügelrad-Halbmond aus Messing von der Rauchkammertür absägen...

1999 schwächelte dann die 56.508, bei der zwischen Usak und Afyon der Überhitzer den Geist aufgab. Aber mit 44.071 zusammen klappte alles. War mir aber sowieso ziemlich egal, ich litt an diesem Tag extrem unter einer seltsamen Tropenkrankheit, nachdem ich am Abend zuvor beim Grillefest im Lokschuppen eine Unzahl von Konserven (Efes-Pilsen!!!) verzehrt hatte. Vielleicht war auch der Rotwein gepanscht oder der Raki schon abgelaufen? Aufnahme irgendwo vor Dumlupinar.

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd116cob.jpg

44.071 sah übrigens erst einmal so aus, als wäre sie direkt vom Schrottplatz gekommen: über und über eingestaubt, kaum noch Farbe, eingeschlagene Scheiben, rostig. Einige Fahrtteilnehmer brachten sie in Eigenarbeit mit Hilfe von Dieselöl erst einmal optisch wieder auf Vordermann. Die 55.043, der erst kurz zuvor komplett neue Rohre eingesetzt worden waren, sah dagegen vorbildlich aus, dafür fuhr sie mehr schlecht als recht. Wieder einmal war es die Luftpumpe, die zu schaffen machte, wodurch irgendwie nichts mehr richtig zu funktionieren schien: Schlechtes Dampfmachen und einseitige Dampfaufgabe auf die Zylinder. Wie das zusammenhängt, weiß ich zwar nicht, aber das Personal schob alles auf die Pumpe. Die Rampe Alasehir – Esme schafften die beiden Preußinnen dennoch:

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd115cob.jpg

- so hätte es auch schon 1992 aussehen sollen!
Lästig war dann noch das vorzeitige Verschwinden des Lokpersonals am letzten Tag (VOR Fahrtbeginn, versteht sich), was aber dank der Tatkraft von unserm Freund Erol und einigen Kollegen aus Burdur noch irgendwie geregelt werden konnte. Schließlich gab dann auch bei 44.071 die Luftpumpe den Geist auf; aber das geschah erst ganz zum Schluss und zählt schon gar nicht mehr – es fiel lediglich der von einigen Engländern gewünschte Fotohalt auf der auch damals schon völlig zugebauten Brücke am Egridirsee aus.

Von der bislang letzten Fahrt 2001 (an der ich teilnahm) mit 56.009 und 56.359 sei vor allem berichtet, dass abends vergessen wurde, den einzig vorhandenen Gartenschlauch zum Wassernehmen in den Tender zu hängen (was man kurz vor Abfahrt in stundenlanger Arbeit dann nachholen musste) und dass in Eric zwar die Feuerwehr wie vereinbart anrückte, aber unverrichteter Dinge wieder abfuhr, weil man aus versehen ohne Wasser losgefahren war. Die eher harmlosen Zwischenfälle dieser Tour waren also eher auf den Faktor Mensch als auf die Dampfloks zurückzuführen. Ärgerlich? Ja, auf jeden Fall. Aber allein schon auf einem offenen Flachwagen sitzend im Abendlicht mit Volldampf durch die Euphratschlucht zu donnern – das hatte was und machte allen Ärger wett! Vom kameradschaftlichen Verhalten der meisten der beteiligten türkischen Eisenbahner ganz zu schweigen. Und fotografisch war ich auch hoch zufrieden. Als Beleg sei hier ein Eindruck von der engsten Stelle der Euphratschlucht wiedergegeben, von einer der spektakulärsten Strecken, auf denen ich je unterwegs gewesen bin.

http://www.eisenbahnbildarchiv.de/pictures/tcdd918cob.jpg

All das ist inzwischen historisch, da in der Türkei zur Zeit vermutlich keine Dampflok mehr einsatzfähig ist und das neue TCDD-Management auch kein Interesse mehr an solchen Fahrten hat. Aber vielleicht lassen sich die Pläne einer Privatorganisation zur Wiederinbetriebnahme von wenigstens 2 Loks tatsächlich einmal verwirklichen?

Zeit, Bilanz zu ziehen. Auf der „Negativ“-Seite steht natürlich zuoberst die Häufigkeit technischer Pannen, durch welche nicht immer alle potentiellen Fotomotive auch tatsächlich bei Tageslicht erreicht werden konnten und so manche angekündigte Lok erst gar nicht antrat. Dann der Sonderzugcharakter an sich: etwas längere Züge wären mitunter schön gewesen. Auch ist organisatorisch nicht immer alles glatt gelaufen. Und dass bei 30 Teilnehmern mit Sicherheit mindestens 25 komplett konträre foto- und ablaufstechnische Vorstellungen bestehen, versteht sich von selbst. Ja, ja, ihr habt ja recht, ihr habt einen Haufen Geld bezahlt und mitunter etwas ganz anderes geboten bekommen als erwartet. Aber im Endeffekt war eben dieses weinerliche Herumgenöle sogar das Abschreckendeste an allen Fahrten. Wer selbst hoch zufrieden mit der bisherigen Ausbeute in einem Waggon voller nörgelnder Meckerköppe sitzt, die zu altem Überfluss auch traditionell gekleidete alte Damen, Bauern oder Gleisarbeiter aus dem Bild brüllen (so dass nur noch Werkzeuge, aber keine Leute am Gleis zu sehen sind...) und sich zunehmend in Rage schimpfen, wird irgendwann in den Packwagen flüchten, wo er wenigstens während der Fahrt seine Ruhe hat.
Mancher mag es sicherlich auch nicht, in seinem Urlaub vor Sonnenaufgang aufzustehen, um dann irgendwo bei türkischen Temperaturen im Eilmarsch mit voller Fotoausrüstung halsbrecherische Berge herauf und herunter zu rennen (man denke an die ungläubigen Gesichter einer Soldateneinheit, die bei Egridir gerade eine Geländeübung machten und dabei von allen Teilnehmern aus dem Sonderzug locker angehängt wurden - die dies auch noch FREIWILLIG taten und dafür sogar noch BEZAHLTEN...), aber zu diesen zähle ich mich nicht und streiche dieses belastende Argument sofort wieder.
Positiv: Sehr nette Bilder sind doch immer wieder dabei rausgekommen, die ich wirklich nicht missen möchte! Und das in unglaublich großer Zahl. Und selbst in engen Schluchten war es meist möglich, bei den Fotohalten sich eine Position abseits der Gruppe zu suchen und seine eigenen Vorstellungen weitgehend umzusetzen. War alles nur eine Frage der eigenen Ausdauer und Fitness oder der geeigneten Brennweite!
Wenn man sich den Zustand der Fahrzeuge einmal vor Augen ruft, ist es doch erstaunlich, WAS damit noch alles zu machen war! Ohne Sonderzug wäre eben leider nicht ein einziges dieser Bilder entstanden. Und das beziehe ich nicht nur auf die Dampfloks: die irresten Streckenführungen verlaufen in der Türkei meist weit abseits der Straße. Ohne Fotohalt kommt man in die Euphratschlucht zum Beispiel gar nicht erst hinein! Und dann ist es natürlich sowieso ein Genuss, auf der Lok/ dem Tender/ einem Flachwagen/ im Packwagen zu sitzen und einfach nur Landschaft und Dampflok zu genießen. Wer sich also für die Türkei begeistern konnte und nicht nur bereits bekannte Fotos exakt nachfotografieren wollte; wer auch akzeptieren konnte, dass die eigentlich seit langem nicht mehr regelmäßig eingesetzte Dampfloks auch einmal ausfallen konnten und somit auch das eine oder andere Fotomotiv ausfallen musste – für den hatte sich eine solche Reise sicherlich gelohnt.

Mein Gott Christoph

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 02.11.06 20:58

gezz binnich hin und wech - Bild und Text mal wider phantastisch! *sprcahlos*

Wer selbst hoch zufrieden mit der bisherigen Ausbeute in einem Waggon voller nörgelnder Meckerköppe sitzt, die zu altem Überfluss auch traditionell gekleidete alte Damen, Bauern oder Gleisarbeiter aus dem Bild brüllen (so dass nur noch Werkzeuge, aber keine Leute am Gleis zu sehen sind...) und sich zunehmend in Rage schimpfen, wird irgendwann in den Packwagen flüchten, wo er wenigstens während der Fahrt seine Ruhe hat.

Full Ack! Deshalb bleibe ich solchen Veranstaltungen auch möglichst fern
Hallo, ein sehr interessanter und ehrlicher Bericht mit schönen Fotos. Aber gerade das mit Mütterchen vor der Lok finde ich fast am besten, es ist jedenfalls sehr authentisch. Mal sehen, ob sich hier welche melden, die auf diesen Fahrten dabei waren, und sich 'erwischt' fühlen. Das mit dem Wegmachen des Flügelrad-Halbmondes finde ich sehr bezeichnend, es erweckt den Eindruck, dass diese Hobbykollegen eigentlich keine türkischen Dampfloks, sondern selbst nicht erlebtes Epoche-II/III-Reichsahn/DB-Flair nachfotografieren wollten, fehlt nur noch, dass sie extra ein paar deutsche Eichen auf die Hügel stellen wollten. Schade, dass sich viele Hobbykollegen so auf rein deutsche Themen konzentrieren, und zum Beispiel Länder wie Südafrika, Indonesien, usw. nicht beachteten, als es dort in den 1970ern und 1980ern und teilweise bis in die 90er noch an allen Ecken dampfte. Das sehen wir auch bei unserer Kondenswebseite, die mit Abstand meisten Zugriffe finden auf den 52KON-Artikel statt, obwohl ich die Story rund um die SAR 25 mit den vielen Pannen viel interessanter finde. Der Blick über den eigenen Horizont kann so spannend sein!

kondensierte Grüße, Stefan

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=190387
Kondenslok.de + Industrial Railways of Indonesia SIG (fc)
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Wer sich über Signaturen aufregt, hat sonst nix zu sagen.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2006:11:02:21:34:55.

Ich habe mich selten beim Lesen . . .

geschrieben von: Michael Fischbach

Datum: 02.11.06 22:14

... eines Beitrages so amüsiert, wenngleich auch Einiges zum Kopfschütteln ist.
Aber so ist das halt nun mal. Man merkt das heute mehr denn je. Manche Teilnehmer an Veranstaltungen geraten teilweise dermaßen aus dem Häuschen über ein paar Dinge, die nicht wie geplant funktionieren, dass sie gar keine Muse mehr haben, sich an dem zu erfreuen, was da ist. Irre sind wir ja eigentlich alle, aber das sind eben die armen Irren. Da dreht man sich am Besten um und geht seiner eigenen Wege. Ist natürlich in den hier dargestellten Situationen zugegebenermaßen nicht so einfach.
Klasse Beitrag und klasse Bilder !

Viele Grüße

Michael Fischbach


Das ist wirklich SEHR GUT! Gern MEHR...

geschrieben von: Svensk Järnväg

Datum: 02.11.06 22:53

Wenn Du noch ein paar Bilder haben solltest zeig sie doch! Die sind Spitze! Und bitte mit Geschichten...
Gruß aus Schweden

Herrlich!!

geschrieben von: 03 1008

Datum: 03.11.06 07:45

Ganz herzlichen Dank für diesen Blick hinter die Kulissen und die klasse Bilder!

Ich freue mich auf die Fortsetzung(en).

It is all because of the Turkish factor....

geschrieben von: Karabük

Datum: 03.11.06 09:58

stand mal in World Steam.
Gelegentlich bringe ich auch mal wieder was von der TCDD (Planbetrieb. Ich habe da - manche werden es vielleicht noch wissen - einen angebrochenen Reisebericht). Versprochen Jungs (und Mädels?).
Grüße
Karabük
Ein hervorragender Bericht!
Spannend zu lesen.
Kann mich heute darüber ärgern, nicht an diesen Fahrten teilgenommen zu haben.

56 109 steht heute (20.10.2006) in Konya in einem erbärmlichen Zustand. Weiter rosten dort vor sich hin: 56 112 und 46 061.

Konya, 20.10.2006

http://www.bahndokumente.de/56109,KONYA,20.10.06.jpg
http://www.bahndokumente.de/2,56109,KONYA,20.10.06.jpg

[www.BahnDokumente.de]

Klaus Meschede
Zitat:
Von der bislang letzten Fahrt 2001 (an der ich teilnahm) mit 56.009 und 56.359 ...
Auf diese Fahrt war ich auch dabei! War aber auch mein einziges Mal in der Türkei. War eine spezielle Erlebnis. Hier ein Bild von mir:
http://www.richardkrol.nl/fotos/thema/thema25/turk03.jpg

Richard Krol




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2006:11:03:23:27:03.
Hallo Christoph,

tolle Zuggarnituren auf spektakulären Strecken, fotografisch von Dir wie immer klasse umgesetzt!
Viele Grüße,
Jörg

TCDD - Dampf aktuell

geschrieben von: jonas70

Datum: 04.11.06 18:54

Zitat:
All das ist inzwischen historisch, da in der Türkei zur Zeit vermutlich keine Dampflok mehr einsatzfähig ist und das neue TCDD-Management auch kein Interesse mehr an solchen Fahrten hat. Aber vielleicht lassen sich die Pläne einer Privatorganisation zur Wiederinbetriebnahme von wenigstens 2 Loks tatsächlich einmal verwirklichen?

56009 ist definitiv noch einsatzfähig. Sie zog den Sonderzug zur 150-Jahrfeier von Izmir nach Ankara. Das Commercial Department hat auch zur anstehenden Umstrukturierung seine Dampfloks nicht vergessen und diesen einen eigenen Abschnitt im Business Plan gewidmet.
Wer sich derzeit für die Organisation von Dampfzug-Sonderfahrten in der Türkei interessiert, dem sei ein Anruf bei der Britischen Botschaft Ankara angeraten; da geht was!

Es geht zudem das Gerücht um, dass die Türkei im Jahr 2007 im Dampfzug-Programm eines gewissen Bahntouristikanbieters mit Weltmeistercharakter stehen wird...

Europa ist eins

Oho! Es tut sich was?!!

geschrieben von: Skyliner

Datum: 05.11.06 19:40

Das hört sich ja einmal viel besser an, als das, was meine Bekannten hier und in der Türkei mir berichtet hatten. Ich selbst war seit 2001 nicht mehr dort und der letzte Update stammt aus dem Frühjahr. Bin gespannt, wie das weiter geht!

Beste Grüße, Christoph

mühsam ernährt sich das Eichhörnchen...

geschrieben von: jonas70

Datum: 05.11.06 21:35

Im kommenden Jahr soll das Unternehmen TCDD auf wirtschaftlich solidere Beine gestellt werden, auch im Hinblick auf eine mögliche EU-Erweiterung. Man hat mittlerweile begriffen, dass man mit solchen Sonderfahrten auch Einnahmen generieren kann und dies auch einen gewissen Marketingeffekt hat.
Schau gelegentlich mal im Auslandsforum vorbei, ich werde dort - insofern ich dies vertreten kann - in nächster Zeit zu ausgewählten Themen, die von Interesse sein könnten, einen Ausblick geben.

Viele Grüße aus dem verschneiten Ankara

Europa ist eins