Hallo, HiFo – Gemeinde !
Nachdem ich mich in den letzten Beiträgen mehr rund um den heimischen Kirchturm bewegt habe, möchte ich nun einmal aus einer nicht minder reizvollen Umgebung berichten: dem Westallgäu. Der glückliche Umstand, dass ein entfernter Verwandter einen aufgelassenen Bauernhof in der Nähe von Isny (Allgäu) zum Feriendomizil hergerichtet hatte, erlaubte es mir Ende der Achtziger / Anfang der Neunziger Jahre, mich für Kurzurlaube dort „einzumieten“.
Nun hatte das Allgäu eisenbahnfotographisch für den an Epoche – III – Farben hängenden Eisenbahnfreund einen entscheidenden Makel: alles lief in beige – türkis ! Alles ? Nein, eine kleine Enklave hatte sich behauptet, auf der Strecke Leutkirch – Kißlegg – Aulendorf, der sog. Württembergischen Allgäubahn, verkehrten noch die begehrten Schienenbusse. Der nachfolgende Bildbericht, aus Rücksicht auf die Modemuser zweigeteilt, soll einen kleinen Ausschnitt aus dem damaligen Betrieb wiedergeben.
Zunächst die obligatorische Karte :
Zur Geschichte der Strecke möchte ich die hervorragenden Ausführungen von Kollege Stiegler’s Homepage
Eisenbahnen in Oberschwaben (herzlichen Dank nochmals) zitieren:
„Lange nach der Inbetriebnahme der Südbahn im Jahre 1850 rührte sich im württembergischen Allgäu nichts in Sachen Eisenbahn. Erst um 1860 setzte sich ein "Eisenbahn-Comite", das sich in Leutkirch gründete für den Anschluss der Städte Isny, Leutkirch und Wurzach an das württembergische Eisenbahnnetz ein. Fünf Jahre später, genau am 13. August 1865 entschied sich die württembergische Abgeordnetenkammer, eine Strecke von Mengen über Saulgau-Aulendorf-Waldsee nach Leutkirch zu bauen. Durch die damaligen Kriegswirren und Bündnisse (Württemberg an der Seite von Österreich gegen Preussen) und den daraus resultierenden Geldmangel kam der Bau nicht mehr voran. Erst am 18. März 1868 konnte weitergebaut werden. Am 25 Juli 1868 bereits ging es von neuen Bahnknotenpunkt Aulendorf in westlicher Richtung nach Saulgau und in östlicher Richtung nach Waldsee. Der Anschluss an die Donaubahn wurde am 10. Oktober 1868 mit dem neun Kilometer langen Stück Saulgau - Herbertingen geschafft, welches an das zeitgleich eröffnete Teilstück Mengen - Herbertingen anschloss.
Nun aber verzögerte sich der Weiterbau durch eine dreijährig dauernde Diskussion über die Trassenführung von Waldsee weiter nach Leutkirch. Am 4. Februar 1869 entschied sich die Abgeordnetenkammer für die Trassenführung über Wolfegg und Kißlegg, die Planungsvariante über Wurzach wurde abgelehnt. Als Entschädigung wurde die heute stillgelegte Stichstrecke von Rossberg nach Wurzach gebaut. Trotz bereits begonnenen Deutsch-Französischem Krieg 1870/1871 konnte das Teilstück Waldsee - Kißlegg am 15. September 1870 eröffnet werden. Am 1. September 1872 erst, bedingt durch schwierige Bodenverhältnisse (Moor) und durch Kriegsfolgen, war der Abschnitt, die 11 Kilometer lange Verbindung Kißlegg - Leutkirch fertig. Das letzte Stück, Leutkirch - Isny ist heute bereits wieder zwischen Urlau und Isny abgebaut. Bis Urlau ist das Gleis als Bahnhofsgleis in Betrieb.“
Beginnen möchte ich den Bilderreigen auf der Urlauer Seite des Keilbahnhofs Leutkirch, wo 211 290 am Abend des 17.10.1990 mit ihrer Üg 69538 auf die Abfahrt wartet:
Eine der letzten altroten V 100 in der Region war damals die Ulmer 211 286, wie viele Ulmer Maschinen leider schon stark zu rosa tendierend. Hier passiert sie am 1.6.90 auf dem Weg nach Kißlegg den Ellerazhofener Weiher in der Nähe der Ortschaft Lanzenhofen.
An diesem Motiv darf natürlich auch der Schienenbus nicht fehlen: 796 790 + 996 726 fahren ebenfalls am 1.6.90 nach Aulendorf.
Kurz darauf erschien aus der Gegenrichtung eine 218 mit einem aus Schweizer Schnellzugwagen gebildeten D- Zug. Das waren noch Garnituren !
Weiter Richtung Kißlegg erreicht man den schon damals aufgelassenen Bf. Gebrazhofen mit seinem typischen Empfangsgebäude. Während 211 286, aus Wangen kommend, am 1.6.90 Richtung Leutkirch dieselt, ist eine 796/996 – Einheit am 17.10.90 in der Gegenrichtung unterwegs.
Wir setzen die Reise nun westlich von Kißlegg fort. Bald nach verlassen des Bahnhofs konnten 798 792 + 998 746 am 1.8.88 als E 3902 vor einem typisch württembergischen Bahnwärterhaus abgelichtet werden.
Von der Gegenseite stellt sich die Szene so dar (796 710 + 996 774 am 6.9.89, E 3917):
Aber nicht nur Schienenbusse wurden eingesetzt, auch die nicht so verbreiteten 627 fanden hier ihre Betätigung. Heute sind sie alle ausgemustert, und auch das Museumsexemplar fand ein unrühmliches Ende in den Flammen von Nürnberg. Hier fährt noch 627 008 an der vorbeschriebenen Stelle (6.9.89, E 3916).
In der noch weiten Voralpenlandschaft bei Matzenweiler lassen sich 796 710 + 996 774 am 6.9.89 als E 3907 von der Morgensonne bescheinen, die sich erst kurz zuvor gegen den Morgennebel durchsetzen konnte.
Diese Strecke gehörte auch zur Route des sog. „Kleber – Express“, der für Jahrzehnte umsteigefreien Verbindung zwischen Freiburg (Brsg.) und München. Der Name rührte von einem Gastronomen und Hotelier, der sich erfolgreich für diese Verbindung eingesetzt hatte, bis sie vor kurzem doch den Fahrplanstrategen zum Opfer fiel. Hier sehen wir den Zug am 10.5.93 südlich von Wolfegg.
Den ersten Teil beschließen wir am Einfahrvorsignal von Wolfegg. 798 792 + 998 746 zeigen sich hier am 6.8.88 als E 3907 mit eisenbahntypischem Ambiente.
Im zweiten Teil bewegen wir uns von Wolfegg aus in Richtung Aulendorf, vorerst hoffe ich, es hat gefallen.
Grüße vom Doc
Frank H
Thanks to ImageShack for free image hosting !