Meine stille Leidenschaft sind bekanntlich Bildvergleiche zwischen alten und aktuellen Bahnfotos. Vom Bahnhof Olpe/Westfalen habe ich einige Aufnahmen aus den 70er und 80er Jahren. Leider hatte ich bei einem neuerlichen Besuch in Olpe am 24. April 2006 die Vergleichsfotos nicht dabei, so dass ich manche der alten Motive nur ganz groß aus der Erinnerung „nachschießen“ konnte. Ich denke aber, das tut den nachfolgenden Vergleichen keinen Abbruch.
Die Dieringhausener 211 271 steht am 27. Dezember 1979 mit einem Leerpark auf Gleis 1 in Olpe. Signal N2 dient auf Gleis 2 als Ausfahrtsignal in Richtung Kirchen.
Ziemlich genau das gleiche Motiv bietet die Aufnahme vom 24. April 2006. Das Signal ist längst verschwunden, weil die Strecke nach Kirchen längst abgebaut ist. Nur das Schutzgeländer steht noch einsam in der Gegend herum. Nach wie vor ist das Überschreiten des einzigen noch übrig gebliebenen Gleises verboten – obwohl die Triebwagen bis hier nie fahren...
Ein 795 samt Beiwagen 995 steht am Inselbahnsteig in Olpe. Die Konstruktion der Bahnsteigüberdachung besteht übrigens aus alten Schienenprofilen. Ganz rechts ist die Überdachung der Bahnsteigunterführung zu erkennen.
Am einzigen noch verbliebenen Gleis in Olpe wartet ein 640 auf die Rückfahrt nach Finnentrop. Der Inselbahnsteig ist provisorisch abgesperrt, die merkwürdigen Geländer sollen Passanten auf dem rechten Weg halten, der nach wie vor durch die stinkende Unterführung führt. Im Alltag haben sich längst Schleichwege über die Gleise bewährt...
Olpe ist eine Kleinstadt mit gut 26.000 Einwohnern, gelegen am südlichen Rand der Sauerlandes im Tal des Flüsschens Bigge. Die Kreisstadt des gleichnamigen Kreises ist heute noch über die eingleisige Nebenbahn von Finnentrop (Ruhr-Sieg-Strecke) über Attendorn mit dem Zug zu erreichen. Olpe ist heute Kopfbahnhof und verfügt lediglich noch über ein Gleis, das am Hausbahnsteig endet. Die Fahrt von Finnentrop nach Olpe lohnt sich auch heute noch, führt sie doch entlang der Biggetalsperre, deren Bau in den 60er Jahren umfangreiche Neutrassierungen der Strecke und die Anlage von mehreren Tunnels und Doppelstockbrücken – für Schiene (unten) und Straßenverkehr (oben) – erforderlich machte.
Im Gegenlicht steht ein VT 95 mit Beiwagen am Hausbahnsteig, der sich bald in Richtung Biggetalsperre auf den Weg machen wird. Auf dem Bahnsteig liegt noch Kleinpflaster.
Fehlte Gleis 2 nicht, sähe es fast aus wie vor 27 Jahren. Selbst der Baum im Hintergrund scheint kaum gewachsen zu sein. Das Kleinpflaster vom Bahnsteig hat inzwischen längst einen Liebhaber gefunden...
So sah Der Inselbahnsteig in geordnetem Zustand aus. Im Hintergrund sieht man das Fahrdienstleiterstellwerk am Ende des Bahnsteigs. Der Blick geht in Richtung Finnentrop. Hinter dem links zu erkennenden Gebäude befand sich einst der Lokschuppen (ein Rechteckschuppen).
Olper Bahnoptik heute: verfallen, verkommen, zugewachsen – eine schöne Visitenkarte für jeden Touristen, der hier ankommt!
Bereits 1875 erreicht die Eisenbahn von Attendorn aus Olpe. 1880 erfolgt die Verlängerung nach Rothemühle und 1907 bis Freudenberg, wo die Asdorftalbahn Anschluss nach Kirchen/Sieg und Betzdorf bietet. Erst 1903 wird die von Dieringhausen ausgehende Strecke über Bergneustadt und Drolshagen bis Olpe verlängert. Damit war Olpe Abzweigbahnhof und Verknüpfungspunkt der beiden Strecken geworden.
Nahverkehrszug N 6644 von Olpe nach Betzdorf bestand samstags aus einer Doppeleinheit Betzdorfer 795/996. Am 8. März 1980 waren dies 795 456 + 995 514 + 420 + 795 542. Im Hintergrund sind die Ausfahrtsignale in Richtung Finnentrop erkennbar.
Die gleiche Szenerie im April 2006 – nur dass man Auf Schienen natürlich nicht mehr nach Betzdorf gelangen kann – es sei denn man nimmt den kleinen Umweg über Finnentrop.
Ein sehr schöner Bau war das Stellwerk an der südlichen Bahnhofsausfahrt in Richtung Betzdorf. Der VT steht auf dem Zufahrtgleis zur Drehscheibe, die im Frühjahr 1980 noch vorhanden war, während der Lokschuppen längst verschwunden war. Bemerkenswert ist heute auch Bahnwärters Ford Taunus, der in dieser Bauform von 1970 – 1973 gebaut wurde.
Ein provisorisch anmutender Parkplatz – was sonst! – ist heute auf dem Bahngelände angelegt. Massenhaft tummeln sich die City-Kanzeln auf der Schotterfläche. Birken verstellen den Blick auf den Bahnsteig, der rechts nur schwach zu erkennen ist.
Noch größere Bedeutung sollte der Bahnhof ursprünglich durch eine weiter Anbindung in Richtung Kreuztal-Krombach (Ruhr-Sieg-Strecke) erhalten, die zwar geplant war, aber nie realisiert wurde. Nicht zustande kam auch die Verlängerung der von Meinerzhagen nach Krummenerl führenden Stickstrecke durch das Listertal nach Eichhagen bei Olpe. In alten Karten sind diese Strecken eingezeichnet. Der Erste Weltkrieg machte aber einen Strich durch diese Rechnungen.
Zugegeben, ein Bild mit Mängeln, aber Ende Dezember ist das Fotolicht an trüben Tagen nicht ideal. Es ist der Tag, an dem der letzte Reisezug planmäßig von Olpe nach Dieringhausen verkehrt, der 28. 12.1979. Im Hintergrund ist der VT schwach an seinem weißen Schild an der Front zu erkennen.
Das Bild trifft die Perspektive des vorherigen nicht genau, mag aber das Verfallsstadium des Bahnhofs verdeutlichen. Links ist der Güterschuppen zu erkennen, dessen Areal mit einem Zaun abgetrennt ist – wahrscheinlich, damit dort nicht noch mehr Müll abgelegt wird...
Olpe war ein langgestreckter Bahnhof mit großem Empfangsgebäude, Haus- und Inselbahnsteig (3 Gleise), Güterboden und langer Ladestraße sowie einem kleinen Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe. Loks der Baureihen 74 und 86 waren hier lange Zeit zu finden. Davon fand man jedoch bereits in den 70er Jahren nur noch wenige Spuren.
Blick vom Ende des Bahnsteigs auf einen ausfahrenden VT 95. Ganz hinten ist das nördliche Wärterstellwerk schwach zu erkennen. Von den zahlreichen Gütergleisen sind viele 1979 bereits verschwunden. Links lag früher die Bekohlungsanlage. Carl Bellingrodt hat einst vom Hang hinter dem VT schöne Fotos vom Bahnhof gemacht.
So stellt sich die Szenerie heute dar. Der größte Teil der Flache ist verkauft an Firmen. Nur die Trasse für ein Gleis ist übrig geblieben. Der kunstvolle Schwenk im Gleis gibt die Lager einer früher hier vorhandenen Weichenverbindung wieder. Es hätte ja Geld gekostet, wenn man dies Zumutung entfernt hätte. Aber so ist sie, die Bahn!
Der Niedergang der Bahn machte auch vor Olpe nicht Halt. Ende 1979 wurde zunächst der Personenverkehr in Richtung Dieringhausen (- Köln) eingestellt. Durchgehende Güterzüge gab es eh schon nicht mehr. 1995 endete auch der Restgüterverkehr bis Drolshagen. Bereits 1983 war der Reisezugverkehr in Richtung Betzdorf eingestellt worden. Irgendwann in den 90er Jahren war dann ganz Schluss mit dem Güterverkehr, auch aus Richtung Finnentrop.
Am Karsamstag 1969 beforderte die Limburger 065 013 einen Sonderzug, der von Dieringhausen mit einer V 100 gekommen war, weiter in Richtung Kirchen. Das vom Zahn der Zeit nicht verschont gebliebene Bild zeigt die Ausfahrt aus Gleis 2. Im Hinter ist das Zwergsignal zu erkennen. Links neben der Lok lag einst ein Postwagengleis – hinter der Weichenlaterne ist der schmale Bahnsteig zu erkennen.
Ein Blick auf die Bahnhofsanlage aus dem Winter 1979/80. Vorne links ist der schmale Postwagenbahnsteig zu erkennen. Auf Gleis 1 steht eine 211 aus Dieringhausen und heizt den Reisezug vor, während im Hintergrund auf Gleis 2 ein 795 steht.
Beide vorherige Perspektiven liegen in aktueller Fassung nicht exakt vor. Immerhin habe ich im Unterholz den alten Postbahnsteig gefunden.
Was heute übrige geblieben ist von der einstigen Herrlichkeit sind verfallene Gebäude, wegen Sturzgefahr abgesperrte Bahnsteige, merkwürdige Geländer, um Fußgänger zu leiten, ein behelfsmäßig wirkender Parkplatz, eine verkommene Scaterbahn und allerhand Unrat am Rande. Ja, und die üblichen Erscheinungen und Ausprägungen neuzeitlicher Handelsunternehmen in Sachen Landwirtschaftsbedarf und Baumarkt, die – wie überall – nicht nur unordentlich wirken, sondern es auch sind. Insofern ist Olpe also sicher keinen Ausflug wert, denn das kann man überall bestaunen. Alleine die Schönheit der Strecke nach Finnentrop lohnt noch einen Blick, auch wenn die Unterwegsbahnhöfe heute bis zur Unkenntlichkeit gerupft und vereinfacht sind.
Ich hoffe, mit meinen Aufnahmen einen kleinen Beitrag zur Dokumentation der Eisenbahngeschicht im Südsauerland beigetragen zu haben. Aus dem benachbarten Bergischen grüßt
Der Nämliche!