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Bahnhof Olpe - Doku eines Niedergangs (m19B)

geschrieben von: Der Bergische

Datum: 16.07.06 15:58

Meine stille Leidenschaft sind bekanntlich Bildvergleiche zwischen alten und aktuellen Bahnfotos. Vom Bahnhof Olpe/Westfalen habe ich einige Aufnahmen aus den 70er und 80er Jahren. Leider hatte ich bei einem neuerlichen Besuch in Olpe am 24. April 2006 die Vergleichsfotos nicht dabei, so dass ich manche der alten Motive nur ganz groß aus der Erinnerung „nachschießen“ konnte. Ich denke aber, das tut den nachfolgenden Vergleichen keinen Abbruch.

http://img157.imageshack.us/img157/6942/olpe501lr5.jpg
Die Dieringhausener 211 271 steht am 27. Dezember 1979 mit einem Leerpark auf Gleis 1 in Olpe. Signal N2 dient auf Gleis 2 als Ausfahrtsignal in Richtung Kirchen.

http://img157.imageshack.us/img157/4365/olpe501azq9.jpg
Ziemlich genau das gleiche Motiv bietet die Aufnahme vom 24. April 2006. Das Signal ist längst verschwunden, weil die Strecke nach Kirchen längst abgebaut ist. Nur das Schutzgeländer steht noch einsam in der Gegend herum. Nach wie vor ist das Überschreiten des einzigen noch übrig gebliebenen Gleises verboten – obwohl die Triebwagen bis hier nie fahren...

http://img139.imageshack.us/img139/4310/olpe508bl3.jpg
Ein 795 samt Beiwagen 995 steht am Inselbahnsteig in Olpe. Die Konstruktion der Bahnsteigüberdachung besteht übrigens aus alten Schienenprofilen. Ganz rechts ist die Überdachung der Bahnsteigunterführung zu erkennen.

http://img157.imageshack.us/img157/2921/olpe508abu3.jpg
Am einzigen noch verbliebenen Gleis in Olpe wartet ein 640 auf die Rückfahrt nach Finnentrop. Der Inselbahnsteig ist provisorisch abgesperrt, die merkwürdigen Geländer sollen Passanten auf dem rechten Weg halten, der nach wie vor durch die stinkende Unterführung führt. Im Alltag haben sich längst Schleichwege über die Gleise bewährt...

Olpe ist eine Kleinstadt mit gut 26.000 Einwohnern, gelegen am südlichen Rand der Sauerlandes im Tal des Flüsschens Bigge. Die Kreisstadt des gleichnamigen Kreises ist heute noch über die eingleisige Nebenbahn von Finnentrop (Ruhr-Sieg-Strecke) über Attendorn mit dem Zug zu erreichen. Olpe ist heute Kopfbahnhof und verfügt lediglich noch über ein Gleis, das am Hausbahnsteig endet. Die Fahrt von Finnentrop nach Olpe lohnt sich auch heute noch, führt sie doch entlang der Biggetalsperre, deren Bau in den 60er Jahren umfangreiche Neutrassierungen der Strecke und die Anlage von mehreren Tunnels und Doppelstockbrücken – für Schiene (unten) und Straßenverkehr (oben) – erforderlich machte.

http://img93.imageshack.us/img93/456/olpe502uf0.jpg
Im Gegenlicht steht ein VT 95 mit Beiwagen am Hausbahnsteig, der sich bald in Richtung Biggetalsperre auf den Weg machen wird. Auf dem Bahnsteig liegt noch Kleinpflaster.

http://img93.imageshack.us/img93/3272/olpe502aod1.jpg
Fehlte Gleis 2 nicht, sähe es fast aus wie vor 27 Jahren. Selbst der Baum im Hintergrund scheint kaum gewachsen zu sein. Das Kleinpflaster vom Bahnsteig hat inzwischen längst einen Liebhaber gefunden...

http://img139.imageshack.us/img139/4635/olpe507xz7.jpg
So sah Der Inselbahnsteig in geordnetem Zustand aus. Im Hintergrund sieht man das Fahrdienstleiterstellwerk am Ende des Bahnsteigs. Der Blick geht in Richtung Finnentrop. Hinter dem links zu erkennenden Gebäude befand sich einst der Lokschuppen (ein Rechteckschuppen).

http://img139.imageshack.us/img139/3136/olpe507acl0.jpg
Olper Bahnoptik heute: verfallen, verkommen, zugewachsen – eine schöne Visitenkarte für jeden Touristen, der hier ankommt!

Bereits 1875 erreicht die Eisenbahn von Attendorn aus Olpe. 1880 erfolgt die Verlängerung nach Rothemühle und 1907 bis Freudenberg, wo die Asdorftalbahn Anschluss nach Kirchen/Sieg und Betzdorf bietet. Erst 1903 wird die von Dieringhausen ausgehende Strecke über Bergneustadt und Drolshagen bis Olpe verlängert. Damit war Olpe Abzweigbahnhof und Verknüpfungspunkt der beiden Strecken geworden.

http://img139.imageshack.us/img139/875/olpe503mh2.jpg
Nahverkehrszug N 6644 von Olpe nach Betzdorf bestand samstags aus einer Doppeleinheit Betzdorfer 795/996. Am 8. März 1980 waren dies 795 456 + 995 514 + 420 + 795 542. Im Hintergrund sind die Ausfahrtsignale in Richtung Finnentrop erkennbar.

http://img139.imageshack.us/img139/8761/olpe503axo5.jpg
Die gleiche Szenerie im April 2006 – nur dass man Auf Schienen natürlich nicht mehr nach Betzdorf gelangen kann – es sei denn man nimmt den kleinen Umweg über Finnentrop.

http://img139.imageshack.us/img139/5272/olpe504xn3.jpg
Ein sehr schöner Bau war das Stellwerk an der südlichen Bahnhofsausfahrt in Richtung Betzdorf. Der VT steht auf dem Zufahrtgleis zur Drehscheibe, die im Frühjahr 1980 noch vorhanden war, während der Lokschuppen längst verschwunden war. Bemerkenswert ist heute auch Bahnwärters Ford Taunus, der in dieser Bauform von 1970 – 1973 gebaut wurde.

http://img93.imageshack.us/img93/8531/olpe504ahf4.jpg
Ein provisorisch anmutender Parkplatz – was sonst! – ist heute auf dem Bahngelände angelegt. Massenhaft tummeln sich die City-Kanzeln auf der Schotterfläche. Birken verstellen den Blick auf den Bahnsteig, der rechts nur schwach zu erkennen ist.

Noch größere Bedeutung sollte der Bahnhof ursprünglich durch eine weiter Anbindung in Richtung Kreuztal-Krombach (Ruhr-Sieg-Strecke) erhalten, die zwar geplant war, aber nie realisiert wurde. Nicht zustande kam auch die Verlängerung der von Meinerzhagen nach Krummenerl führenden Stickstrecke durch das Listertal nach Eichhagen bei Olpe. In alten Karten sind diese Strecken eingezeichnet. Der Erste Weltkrieg machte aber einen Strich durch diese Rechnungen.

http://img157.imageshack.us/img157/5892/olpe505tr9.jpg
Zugegeben, ein Bild mit Mängeln, aber Ende Dezember ist das Fotolicht an trüben Tagen nicht ideal. Es ist der Tag, an dem der letzte Reisezug planmäßig von Olpe nach Dieringhausen verkehrt, der 28. 12.1979. Im Hintergrund ist der VT schwach an seinem weißen Schild an der Front zu erkennen.

http://img139.imageshack.us/img139/9009/olpe505ant9.jpg
Das Bild trifft die Perspektive des vorherigen nicht genau, mag aber das Verfallsstadium des Bahnhofs verdeutlichen. Links ist der Güterschuppen zu erkennen, dessen Areal mit einem Zaun abgetrennt ist – wahrscheinlich, damit dort nicht noch mehr Müll abgelegt wird...
Olpe war ein langgestreckter Bahnhof mit großem Empfangsgebäude, Haus- und Inselbahnsteig (3 Gleise), Güterboden und langer Ladestraße sowie einem kleinen Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe. Loks der Baureihen 74 und 86 waren hier lange Zeit zu finden. Davon fand man jedoch bereits in den 70er Jahren nur noch wenige Spuren.

http://img93.imageshack.us/img93/6865/olpe506kj8.jpg
Blick vom Ende des Bahnsteigs auf einen ausfahrenden VT 95. Ganz hinten ist das nördliche Wärterstellwerk schwach zu erkennen. Von den zahlreichen Gütergleisen sind viele 1979 bereits verschwunden. Links lag früher die Bekohlungsanlage. Carl Bellingrodt hat einst vom Hang hinter dem VT schöne Fotos vom Bahnhof gemacht.

http://img93.imageshack.us/img93/7919/olpe506ajw3.jpg
So stellt sich die Szenerie heute dar. Der größte Teil der Flache ist verkauft an Firmen. Nur die Trasse für ein Gleis ist übrig geblieben. Der kunstvolle Schwenk im Gleis gibt die Lager einer früher hier vorhandenen Weichenverbindung wieder. Es hätte ja Geld gekostet, wenn man dies Zumutung entfernt hätte. Aber so ist sie, die Bahn!

Der Niedergang der Bahn machte auch vor Olpe nicht Halt. Ende 1979 wurde zunächst der Personenverkehr in Richtung Dieringhausen (- Köln) eingestellt. Durchgehende Güterzüge gab es eh schon nicht mehr. 1995 endete auch der Restgüterverkehr bis Drolshagen. Bereits 1983 war der Reisezugverkehr in Richtung Betzdorf eingestellt worden. Irgendwann in den 90er Jahren war dann ganz Schluss mit dem Güterverkehr, auch aus Richtung Finnentrop.

http://img93.imageshack.us/img93/3528/olpe510ri4.jpg
Am Karsamstag 1969 beforderte die Limburger 065 013 einen Sonderzug, der von Dieringhausen mit einer V 100 gekommen war, weiter in Richtung Kirchen. Das vom Zahn der Zeit nicht verschont gebliebene Bild zeigt die Ausfahrt aus Gleis 2. Im Hinter ist das Zwergsignal zu erkennen. Links neben der Lok lag einst ein Postwagengleis – hinter der Weichenlaterne ist der schmale Bahnsteig zu erkennen.

http://img139.imageshack.us/img139/2205/olpe509hd6.jpg
Ein Blick auf die Bahnhofsanlage aus dem Winter 1979/80. Vorne links ist der schmale Postwagenbahnsteig zu erkennen. Auf Gleis 1 steht eine 211 aus Dieringhausen und heizt den Reisezug vor, während im Hintergrund auf Gleis 2 ein 795 steht.

http://img139.imageshack.us/img139/9569/olpe509agi6.jpg
Beide vorherige Perspektiven liegen in aktueller Fassung nicht exakt vor. Immerhin habe ich im Unterholz den alten Postbahnsteig gefunden.

Was heute übrige geblieben ist von der einstigen Herrlichkeit sind verfallene Gebäude, wegen Sturzgefahr abgesperrte Bahnsteige, merkwürdige Geländer, um Fußgänger zu leiten, ein behelfsmäßig wirkender Parkplatz, eine verkommene Scaterbahn und allerhand Unrat am Rande. Ja, und die üblichen Erscheinungen und Ausprägungen neuzeitlicher Handelsunternehmen in Sachen Landwirtschaftsbedarf und Baumarkt, die – wie überall – nicht nur unordentlich wirken, sondern es auch sind. Insofern ist Olpe also sicher keinen Ausflug wert, denn das kann man überall bestaunen. Alleine die Schönheit der Strecke nach Finnentrop lohnt noch einen Blick, auch wenn die Unterwegsbahnhöfe heute bis zur Unkenntlichkeit gerupft und vereinfacht sind.

Ich hoffe, mit meinen Aufnahmen einen kleinen Beitrag zur Dokumentation der Eisenbahngeschicht im Südsauerland beigetragen zu haben. Aus dem benachbarten Bergischen grüßt

Der Nämliche!

es ist immer wieder traurig ...

geschrieben von: 3209

Datum: 16.07.06 17:21

... den Niedergang von Bahnhöfen zu sehen.
Wirklich tolle Aufnahmen und Vergleiche!

LG

Sebastian

Diese Bilder machen mich sehr traurig

geschrieben von: Marina´s Heizer

Datum: 16.07.06 18:39

Tja Axel - ich weiss nicht, was man dazu noch sagen soll. Und Olpe ist ja leider kein Einzelfall.
Da fällt mir der berühmte Satz ein, den ich als Jugendlicher so fürchterlich ätzend fand: "Früher war alles besser".
Naja - das stimmt nun bestimmt nur eingeschränkt, aber dass es "früher" doch schöner war ..... ja, bahnbezogen trifft dies uneingeschränkt zu.

Ich werde beim Anblick dieser Fotos sentimental, traurig ..... alles Eisenbahnmässige verkommt, auch wir werden älter ..... schon über der magischen 50 ..... vorbei, verweht all die herrlichen Dampf-Touren vergangener Zeiten mit liebgewonnenen Freunden ..... meine so sehr geliebte M., die in genau dieser Zeit für mich das i-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen des jungen Erwachsenseins war ..... mit die vollendete Ergänzung dieses fantastischen Hobbies mit all seiner Lebenspower .... geile Feten (xyz *g*, aber auch gemeinsam Bahn-Dias angucken mit den sogenannten "Hier-Schrei-Dias" = doppelte zum tauschen) ..... ich hör mal besser jetzt auf.

Danke Axel - da müssen wir alle durch .....





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2006:07:16:18:45:50.

Grenzbahnhof ade

geschrieben von: ingo st.

Datum: 16.07.06 19:07

Danke Axel,
für die Vorher-Bilder und die leidliche Chronistenpflicht des Nachher. Ich freue mich jedenfalls noch über meine VT95-Bilder aus den 80er udn über die ausführliche Bebilderung hier.

Grenzbahnhof deshalb, da Markisches und Rheinisch/Bergisches sich dort maßgeblich trennt.
Grenzen zwischen BDs ohne Strom, Grenze von Schuleinzugsbereichen ließen die Nebenbahnen sterben und die Knoten verkommen...Nur die A4 könnte noch bis Warschau gebaut werden...
Eilzugverbindungen von Olpe nach Meschede über Eslohe zeigen wer wohin und warum Zug gefahren ist.

Gruß

Ingo

PS: Ich melde hiermit schon mal mein persönliches Marienheide-Vorher-Zwischendurch-Heute unter Verwendung Deines Textes aus 2005, der jedoch jetzt ohne Bilder ist.

Wieder mal ein trauriger Beitrag...

geschrieben von: Te

Datum: 17.07.06 01:43

...und ein gleichwohl sehr aufschlußreicher dazu.
Wie im Bergischen Land, sieht es ja heute auch in vielen anderen ländlichen Gegenden aus.
Der Niedergang der Eisenbahnkultur früherer Prägung ist wohl beinahe unaufhaltsam, und als Freund der Schiene bleibt einem nichts weiter als sich dem zu beugen - oder mit Gleichgesinnten in einer IG oder einem e.V. entgegenzustemmen um wenigstens etwas von früher zu retten.
Es erschreckt mich manchmal wie schnell sich die Dinge verändern. Es gibt wohl keine Gegend die ausgenommen werden kann und wo nicht Bahngelände, ländliche Strukturen und auch Traditionen brachliegen...
Und für mich auch ein Grund warum mich die Eisenbahn von heute lange nicht mehr so begeistern kann wie die von früher. Nach 1990 hört es bei mir damit einfach auf.
Das es anderen anders ergeht und sie sich an dem heute begeistern können ist aber schön und auch gut so.
Vielleicht bin ich es ja auch nur der melancholisch dem Alten hinterhertrauert und sich fragt, ob das alles wohl so richtig ist ?

Ich frage mich bei solchen und anderen Bildern, wie es wohl in weiteren zehn oder zwanzig Jahren um den Schieneverkehr hierzulande bestellt sein mag und welche Bildvergleiche wohl in Zukunft gezogen werden müßen. Bei allem Verständnis für Erneuerung und Fortschritt - gefallen muß mir das noch lange nicht. Und in manchen Erscheinungen dieser Veränderungen sehe ich auch keinen Fortschritt, sondern nur Beliebigkeit und Kommerz...

Gruß Thomas


Meine kleine Webseite:

Remininszenz an die Lokalbahnen in Deutschland
Das Gefreeser Bockela
Die Ochsenfurter Gaubahn
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Letzte Akualisierung vom 5.7.2006

Re: Wieder mal ein trauriger Beitrag...

geschrieben von: Signalfluegel

Datum: 17.07.06 03:26

Hallo zusammen,

ja, was wird in zehn oder zwanzig Jahren uebrigbleiben?

Wenn man es nuechtern betrachtet, muss man feststellen: Solange die DB AG als eine Art Eisenbahninfrastrukturtreuhandanstalt (was Nebenbahnstrecken angeht) fungiert, wird es sicher duester aussehen. Wo sich ein privates (oder lokal oeffentlich finanziertes) betriebsmodell finden laesst, gibt es eine Hoffnung. Um diese Moeglichkeiten zu nutzen, muesste die Politik die DB AG zwingen, die Strecken entweder zu nutzen oder sie wirklich guenstig abzutreten an jemand, der sie nutzen moechte. Also genau das, was die Treuhandanstalt mit ex-DDR-Betrieben i.a. nicht gemacht hat. Was auch eine Entscheidung unserer Politik war.

Noch etwas: Die Bahn wird auf Nebenstrecken nur bstehen koennen, wenn sie ein attraktives Zusatzangebot zum Auto darstellt. D.h. durch die gebotene Dienstleistung Autobesitzer ihr Auto zuhause stehen lassen, um die Bahn zu benutzen. Ich habe einige Jahre im Karlsruher Raum gelebt, wo neue Strecken in die Umgegend gebaut werden. Viele Leute benutzen die Bahn, obwohl sie ein Auto besitzen. So etwas ist fuer ein das Monopol gewoehntes nationales Unternehmen wie die DB AG schon aus Mentalitaetsgruenden schwierig (Ausnahmen bestaetigen die Regel).

Einen schoenen Tag noch wuenscht der

Signalfluegel.

traurig...

geschrieben von: Peter Achterberg

Datum: 17.07.06 04:29

Hallo,

natürlich sind solche Bilder sehr traurig, aber was soll die Bahn machen? Von der Politik im Stich gelassen konnte sie nur die Hauptstrecken nach dem 2. Weltkrieg wieder vernünftig in Schuß setzen und dann war schon der halbe Güterverkehr auf der Straße. Und dieses Rückzuggefecht konnte die Bahn dank einer starken Lobby für die Straße nicht für sich entscheiden, das Ende von Einzelwagenverkehr und Stückgut/Expressgut war die Folge. Die Bahn"politik" heute ist eine Farce. Wenn man sich die Herren Verkehrsminster anschaut, dann hab ich nicht nur Angst sondern die schlimmsten Befürchtungen für die "Fläche". Na ja, vielleicht überlegen es sich die einzelnen "Fach"leute ja noch einmal bei Rohölpreisen über 80,- Dollar/Barrel.

Peter Achterberg
... dass nicht nur die vielgescholtene Deutsche Bahn AG Rückbaupolitik betreibt. Gar nicht so weit von Olpe entfernt stirbt gerade abschnittsweise die Strecke Siegen-Weidenau - Deuz - Irmgarteichen der kreiseigenen Siegener Kreisbahn. Oder schauen wir im hohen Norden auf die EVB, die Ihr Netz radikal reduziert, und sich stattdessen im überregionalem Containerverkehr engagiert; ähnlich wie bei der DB konzentriert man sich auf die Langstrecken.

Gruß,

Articulated

Es kommt wie es kommen muss

geschrieben von: Schotterwüste

Datum: 17.07.06 11:36

... und was lernen wir daraus: Nicht das Eisenbahnunternehmen, sondern vor allem die Rahmenbedingungen sind schuld an dieser Misere.

Wenn politisch kein Bahnverkehr in der Fläche gewollt ist, dann gibt es da für die Bahn auch keinen Blumentopf mehr zu gewinnen. Egal, ob DB oder NE.

Da nützen dann auch keine seichten Lippenbekenntnisse in der Art: Wir müssen mehr Verkehr auf die Schiene holen.

Wie es vor Ort aussieht, zeigen die Bilder - beispielhaft für viele, ähnliche Strecken in Deutschland. Taten wären dringend notwendig. Aber es kommen immer nur leere Worthülsen. Mehr ist nicht gewollt und soll auch gar nicht sein. Traurig ...

Grüße aus der Schotterwüste



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2006:07:17:12:27:59.

dazu ein Schüttelreim

geschrieben von: Kalli

Datum: 17.07.06 19:53

Zunächst meinen allerherzlichsten Dank an den Bergischen für diesen bildgewaltigen, traurigen Vergleich!

Wenn man die Szenerie damals nicht kennenlernen konnte, weil man einfach >zu spät< auf die Welt gekommen ist, kann man sich heute bei bestem Willen nicht mehr vorstellen wie es einst auf so manch einer Bahnanlage aussah. Der Bahnhof Olpe gehört definitiv dazu!

Vor Kurzem habe ich bei Oberberg-Aktuell einen netten Schüttelreim zum Thema A4-Vollsperrung und Wiehltalbahn gelesen:

Zitat:

Stau-Schau 2006
oder Anregung in Schüttelreimen

In diesen Tagen nur mehr Stau,
Schuld daran ist Brückenbau.
Verkehrsfunkmann im Radio spricht:
A4 befahren? Geht jetzt nicht!
Durchs Wiehltal drückt die Karawane:
PKW mit Deutschlandfahne,
Tanklaster mit Milch von Kuh,
Kleinwagen schiebt Lücke zu,
Hängerzug muss Fuhre holen,
Dicht gefolgt von Van aus Polen,
Ami-Schlitten (der schluckt viel),
Nagelneues Wohnmobil,
Pressfahrzeug bringt Mülltransport,
Alter Mann mit Hut in Ford,
Holländer mit Wohnanhänger,
Oberberger Fahranfänger
Bauer auf dem Weg zum Feld,
Cabrio mit Frauenheld,
Oberklasse, die viel kostet,
Alte Karre, die schon rostet,
Familienkutsche (es fährt Vati),
Gefolgt von Herrn auf 'ner Ducati,
Kombibus bringt Frühstücksei,
Gasse frei, hier Polizei!
Tiefgelegter BMW,
Sechsz'ger Jahre Sport-Coupé,
Werttransport mit sehr viel Geld,
Schwarzer Chevy (Unterwelt!)
Neuwagen auf Sattelschlepper,
Pferdefreund zieht seinen Klepper,
Erdgasfahrzeug tuckert leise,
Etagenbus mit Rentner-Reise,
Im Pickup folgt ein Schornsteinfeger,
Siloturm auf Tiefaufleger,
Außendienst (fährt häufig Stau),
Betonfahrzeug auf Weg zum Bau,
3er Golf mit Ralley-Streifen,
Oldtimer mit Weißwandreifen,
Vierzigtonner: Alu-Guss,
Viel zu später Linienbus.
Ächtzend lahm in diesen Tagen,
An die fünfzigtausend Wagen.
Abgas, Ruß. So manches Horn
Drängt die Andern weiter vorn.
Bedrückend lang die Blechlawine.
Nur nebenan, da ruht die Schiene!

Und bald fängt wieder Schule an...
Entlastung brächte hier die Bahn.
Statt Bus im Stau, hin und zurück:
Von Gummersbach nach Alperbrück.
Die Wiehltalbahn im Takt pro Stund.
Wache auf! Verkehrsverbund!

René Bongartz
Sprecher des Kreisverbandes von
Bündnis 90/Die Grünen Oberberg

Man muss kein Anhänger dieser Partei sein um diesem Text zustimmen zu können. Aber so lange unser "Verkehrsminister" im Landtag nichts besseres zu tun hat, als seine Panini-Bildchen ins Sammelalbum zu kleben, ist es nur eine Frage der Zeit bis der vollständige Exitus aller Nebenstrecken bevorsteht.

O.W., O.W. wo soll das nur hinführen? :-(
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Grüße aus Ostfriesland
Helmut
Hallo Ossi!

Dürfte ein Salon(?)wagen der Eisenbahnfreunde Olpe gewesen sein.
Die Sammlung wurde kurz vor Ausbau der letzten Weiche abgefahren..
Jens Merte schreibt dazu:

"27.05.2002/ jm/ Da die Bundesbahn mittlerweile den Bahnhof auf nur noch ein betriebsfähiges Gleis zurückgebaut hat, war den Olper Eisenbahnfreunden jeglicher Einsatz ihrer Wagen genommen. Bis auf einen Umbau-Dreiachser wurden alle Wagen verkauft und abtransportiert. Übrig geblieben ist neben diesem Wagen noch die kleine Deutz-Diesellok, sie ist weiterhin rot lackiert und trägt die Phantasie-Nummer "327 001-4". " [Der erste Eintrag dazu kam noch von den Normannen, 1.4.1008]

Nach seiner Liste steht die Lok noch dort, kann auf den Bildern aber nix erkennen...

Gruß Jürgen

Ich bin gegen die ungewollte Umleitung!!!

Die Fahrzeuge stehen inzwischen nicht mehr...

geschrieben von: Der Bergische

Datum: 18.07.06 23:21

... in Olpe, ihr Verbleib ist mir nicht bekannt.

Gruß

Der Bergische!

Verbleib der Fahrzeuge EFO e.V.

geschrieben von: Sievers_Zf

Datum: 19.07.06 12:43

Hallo,

es waren ein Speisewagen ex WR4ü-35 (Nr. 1122), ein Schlafwagen WLAB4ü-35 und ein Umbaudreiachser AB3yg.

Der Speisewagen ist nach Ausbau der Modellbahn wieder zum Speisewagen restaueriert worden unf fährt auf der Extertalbahn im Museumzug der LEL, der Dreiachser ging nach dem Weichenausbau über Straße nach Osnabrück zu den dortigen Dampflokfreunden und der Schlafwagen, noch weitgehend mit originaler Inneneinrichtung, kam kurz vor dem Weichenausbau zur hist. Eisenbahn Oberhausen, zunächst im "Vorrat" zur Abstellung nach Rheinkamp, kürzlich waren bei DSO mal Fotos von einer Überführungsfahrt zu sehen. Ich glaube, Richtung Tschechien...

Sievers_Zf

Re: Bahnhof Olpe - Doku eines Niedergangs (m19B)

geschrieben von: 103er

Datum: 23.07.06 21:09

Trauriger Verfall eines ehemaligen Nebenbahnknotens.