Unter dem Titel „Vergleichsweise grausig“ möchte ich Euch in den nächsten Wochen verschiedene Motivgegenüberstellungen aus dem Bergischen Land zeigen, die den Niedergang der Eisenbahn in den zurückliegenden 20 bis 30 Jahren dokumentieren sollen. Die Umfänge an Bildmaterial werden dabei durchaus schwanken.
Den Anfang macht heute der Bahnhof Bergneustadt an der ehemaligen KBS 240 a von Dieringhausen nach Olpe. Die Verbindung wurde bereits Ende 1979 im PV stillgelegt, danach erfolgte „scheibchenweise“ die Einstellung des Güterverkehrs, der schon seit 1965 nicht mehr durchgehend war. Im Herbst 1988 wurde die Strecke östlich von Bergneustadt durch einen Erdrutsch unterbrochen, verursacht durch unsachgemäße Bauausführung bei der Anlage eines Gewerbegebietes. Seit Ende 1995 ist auch der Güterverkehr zwischen Dieringhausen und Bergneustadt eingestellt. Seither gibt es immer mehr Unterbrechungen der Gleise. Die Endwidmung der Trasse wurde erst in jüngster Zeit in Angriff genommen, nachdem gewisse „Filetstücke“ von der Bahn bereits zuvor an anliegende Unternehmen (in Bergneustadt und auch in Derschlag und Niederseßmar) verscherbelt worden waren.
Vor wenigen Wochen begann der entgültige Abbau der Gleise in Bergneustadt – dem Ort der heutigen Bildbeiträge – der inzwischen weitgehend beendet ist.
Wir sind zwar schon auf Bergneustädter Stadtgebiet, aber noch nicht am Bahnhof. Zwischen Derschlag und Bergneustadt war die Gegend mit Fotostellen nicht gesegnet, da die Strecke zum Teil durch dichte Bebauung führte und im Schatten der südlichen Talhänge lag. Erst in der Gemarkung Schönental bot sich ein erträgliches Motiv, das einen nachmittäglichen Übergabezug von Dieringhausen nach Bergneustadt mit 211 232 (Bw Dieringhausen) zeigt. Wir schreiben den 6. September 1979.
Etwa 26 und ein halbes Jahr später ist der damalige Fotopunkt nicht mehr exakt zu betreten - ein Phänomen, das sich auch bei den übrigen Vergleichsaufnahmen bemerkbar macht. Das Gelände ist eingezäunt – basta! Die Häuser im Hintergrund haben ihr Äußeres teilweise beträchtlich verändert, aber sie sind einwandfrei zu identifizieren. Bemerkenswert ist auch die Straße im Vordergrund, die es 1979 noch nicht gab. Einst war hier nur ein Fußweg, der bis zum Friedhof führte. Heute ist es eine Straße, die den Bauhof der Stadt erschließt.
Knapp drei Monate vor dem Ende des Reisezugverkehrs erreicht der Alibizug N 6443 von Dieringhausen nach Olpe am 6. September 1979 den Bahnhof Bergneustadt. Auf der Freifläche am linken Bildrand stand einst ein Lokschuppen, denn von Bergneustadt aus mussten die schweren Züge nachgeschoben werden in Richtung Olpe. Das weiße Gebäude, vor dessen Giebel das Ausfahrtsignal in Richtung Dieringhausen steht – jedenfalls aus dieser Perspektive – war zum Zeitpunkt der Aufnahme noch das Rathaus der Stadt.
Richtig viel hat sich seit jenen Tagen nicht verändert, sieht man einmal von den komplett entfernten Gleisanlagen ab. Sicher wird sich hier bald ein städtebaulich wertvoller Zweck finden, der niemanden mehr das Verschwinden der Bahn bedauern lässt.
Das waren noch Zeiten: Kreuzung im Bahnhof Bergneustadt, 6. September 1979. N 6443 von Dieringhausen nach Olpe bestand an diesem Tag aus 795 373 + 995 561, beide vom Bw Dieringhausen, während die ebenfalls aus Dieringhausen stammende 211 232 mit Ihrer Übergabe auf die Rückfahrt in Richtung Derschlag wartet.
Wie ein großer Parkplatz mutet die Fläche vor dem ehemaligen Bergneustädter Bahnhofsgebäude am 2. April 2006 an. Wie zum Hohn parkt der Bagger vor seinem nächsten Opfer. Das Gebäude ist bestenfalls ein Anachronismus in einer Umgebung, die vom Automobil und architektonischer Austauschbarkeit geprägt ist. Aber vielleicht bin ich ja selber der Anachronismus...
Als E 23084 kam dieser Sonderzug von Lüdenscheid über Dieringhausen nach Sondern an der Biggetalsperre am 19. September 1976 durch Bergneustadt. Zuglok war die Hagener 218 139, die Garnitur bestand ausschließlich aus E30-Reisezugwagen. Bis hierher hatte die 218 damit nicht viel Mühe, aber jetzt beginnt die Steigung zur rheinisch-westfälischen Grenze bei Wegeringhausen, die es in sich hatte. Gut zu sehen: Auch am Ostkopf des Bahnhofs waren die Nebengleise durch Rangiersignale gesichert. Ein Gruppenausfahrsignal stand auch in Richtung Olpe.
So stellte sich die Situation am 2. April 2006 dar. Der braune Schuppe ist inzwischen abgerissen, und das große Fabrikgebäude erstrahlt in neuem Glanz: Schließlich dient es auch nicht mehr der Firma Leopold Krahwinkel, sondern der Stadt Bergneustadt als Rathaus. Die allerdings hat mit der Bahn absolut nichts am Hut. Selbst die ursprünglich eisenbahnfreundliche SPD ist längst umgefallen und hat sich damit einer Tradition bedient, die eigentlich eher der FDP zukommt..
Was hier aussieht wie ein Zirkuszug, erweist sich bei genauerer Betrachtung als Schaustellerzug. Auch das hat es – offenbar – gegeben. Im Bergneustadt war die Kirmes gerade vorbei, als die Dieringhausener 211 226 diesen Zug am 29. Mai 1977 in Richtung Dieringhausen beförderte. Damals muss die Bahn-Welt noch in Ordnung gewesen sein...
Geblieben ist vom Bahnhof Bergneustadt nur das ehemalige Empfangsgebäude, das durch seine schlichte Gestaltung auffällt. Die Frage ist, wie lange der letzte Zeuge noch steht. Der Bagger wirkt in diesem Zusammenhang wie eine Bedrohung. Längst abgerissen ist die alte Bahnsteigüberdachung.
Wer bis hierher weitergelesen hat, wird nun eintscheiden müssen, ob er weitere Vergleiche in dieser Art hier sehen möchte. Wer seine Meinung dazu in Form einer zustimmenden oder ablehnenden Antwort kundgibt, trägt dazu bei, dieses Forum interessant zu gestalten – wie immer er sich äußert!
Insofern erwarte ich gerne Euer „Urteil“ und grüßt freundlich
Der Bergische!
PS: Einen Gruß an Herrn K. aus D., der hier nur still konsumiert, alles seiner privaten Sammlung beifügt und selber nichts beiträgt - nicht mal eine Wortmeldung. Armer Wicht!