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? zur Strecke Goldap - Szittkehmen (später Wehrkirchen)

geschrieben von: 03 1008

Datum: 21.11.05 20:50

Der britische Eisenbahnfreund Nick Lera hat mich gebeten, das folgende Problem hier zur Diskussion zu stellen:

An der zwischen den beiden Weltkriegen gebauten Strecke Goldap - Szittkehmen (später Wehrkirchen ) in Ostpreußen existieren östlich von Blindgallen zwei gleichartige Eisenbahnbrücken über den Fluss Rominte. Zur Orientierung hier eine Streckenkarte der Gegend:

http://img484.imageshack.us/img484/3747/goldapii4es.jpg

Bei einem Besuch dort machte Nick die beiden folgenden Aufnahmen:

http://img484.imageshack.us/img484/7129/goldap21jx.jpg

http://img484.imageshack.us/img484/2733/goldap15nl.jpg

Nick meint, dass eine Brücke militärischen Zwecken diente:
"I have always been fascinated by this apparently pointless and very expensively built railway on the old East Prussian/Russian border. Particularly by the fact they invested in a second viaduct in the 1920s. Having studied the use of similar lines elsewhere, I am of the opinion that the purpose of this railway was to accommodate a rail mounted heavy gun which could target a broad sweep of territory beyond the border simply by being propelled round the loop line until it was pointing in the desired direction. This would account for the second track with its own viaduct, which would leave the original single track free for civilian or military traffic. Germany's military policy on the E Prussia border before the 3rd Reich's 'Drang nach Osten' was I believe purely defensive which would make sense of the above.

I could find no trace of any military installations in the present-day Polish sector when I visited last year, but I wonder what is to be found at this obscure little place called Szittkehmen (now in the Kaliningrad enclave), which apparently acted as a terminus for all services, although it was a through station."

Hat vielleicht jemand Unterlagen über diese Gegend?

Die beiden Brücken waren übrigens auf einem Reichsbahnkalender abgebildet, s. a.

Siegfried Bufe: Eisenbahnen in West- und Ostpreußen, Egglham Bufe) 1986, S. 88.



Hallo!

Na, dem Nick kann geholfen werden!
Ich reise alle 2 Jahre nach masuren und war auch schon an den Brücken von Stanczyki (Staatshausen).
Jedoch wurde nur eines der beiden Viadukte mit einem Gleis versehen und bis 1944 genutzt.
(Diese Region im äussersten Osten Ostpreussens wurde bereits im Oktober 1944 von der Roten Armee besetzt).
Im Frühjahr 1945 wurde die gesamte Strecke als "Kriegsbeute" abgebaut und in die UdSSR verfrachtet.
Allerdings blieben im Bahnhof Zytkiejmy (Szittkemen/Wehrkirchen) ein paar Gleise liegen!
Auch konnte man dort bis in die 1960er Jahre noch eine Weiche, ein Signal und 4 vergessene Güterwagen "besichtigen".


Bezüglich der Viadukte wäre noch Hinzuzufügen, dass in den Pfeilern sogenannter "Holzbeton" verwendet wurde.
Das heisst, zur Stabilisierung wurden ganze Baumstämme in den Pfeilern in Beton gegossen.

Die Strecke ging um 1927 in Betrieb.

Die Angaben habe ich dem Buch "Masuren -Bekanntes und doch unbekanntes Land" von Stanislaw Sieminski aus Ketrzyn (Rastenburg) entnommen.
Die ISBN-Nummer ist: 83-911468-2-0

Hoffe, geholfen zu haben!

Gruß

Ingo



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Vielen Dank! Aber ...

geschrieben von: 03 1008

Datum: 22.11.05 07:04

... welchen Zweck hatte dann die zweite Brücke?

Re: Vielen Dank! Aber ...

geschrieben von: danziger

Datum: 22.11.05 11:56

Hallo 03 1008,
Strecke Goldap-Wehrkirchen war aus Militarzwecke teilweise als zweigleisige geplant. Dort war auch eine Idee "Doppelbrucke" realiesiert.
Bei Zerstorung eine, auf zwite Brucke dient weiter.
Nordbrucke war im Jahren 1912-1914, Sudbrucke 1923-1926 gebaut.
Im DRG-KSB1938 war 3 Zugpaare, im Wochenende noch 2 weitere.
Gruss
Mariusz aus Danzig.

Interessant!

geschrieben von: 03 1008

Datum: 22.11.05 14:45

Vielen Dank für die Hinweise!

Demnach hätte es ja schon vor dem Ersten Weltkrieg Pläne gegeben, diese Strecke zu bauen.

Mittlerweile habe ich einige Eröffnungsdaten der Strecke in

Hans Kobschätzky: Streckenatlas der deutschen Eisenbahnen 1893 - 1935, Düsseldorf (Alba) 1975, S. 37 und 57

gefunden:

Tollmingkehmen - Mehlkehmen......9,6 km........15.06.1908
Mehlkehmen - Szittkehmen..........15,6 km........15.08.1908

Buttkuhnen - Dubeningken..........12,7 km........15.11.1923
Dubeningken - Blindgallen.............5,6 km........15.11.1926
Blindgallen - Szittkehmen............17,0 km.........01.10.1927



Hallo,

ich habe auch mal in meinen Unterlagen nachgeschaut und dabei folgendes zu o.g. Strecke gefunden:

Eröffnung:
Buttkuhnen (Bodenhausen) - Dubeningken (Dubeningen): 15.11.1923
Dubeningken - Blindgallen (Schneegrund) : 15.11.1926
Blindgallen - Szittkehmen (Wehrkirchen): 01.10.1927.

Von Szittkehmen aus führte die Strecke bereits seit 1908 weiter in Richtung Tollmingkehmen / Gumbinnen.
1938 wurden einige Orte im damaligen Ostpreußen umbenannt, weil deren alte Namen (z.T. prußischen oder litauischen Ursprungs) den damaligen Machthabern "nicht deutsch genug" erschienen. Diese neueren Namen habe ich in den Klammern mit angegeben.

Von dem geplanten zweigleisigen Ausbau habe ich auch gelesen, jedoch wurde dieser nicht mehr realisiert. Während des II. Weltkrieges wurde 1941 vom Bahnhof Zollteich (ehemals Pablindszen) aus eine Güter-/Militärbahn nach Bochanowo gebaut, welche bereits 1945 wieder als Reparationsleistung (zusammen mit vielen weiteren ostpreußischen Strecken) von der Sowjetunion demontiert wurde.




Gruß, Bernhard

Danke für die Ergänzungen!

geschrieben von: 03 1008

Datum: 22.11.05 20:08

Leider habe ich keine gute Karte der Gegend. Deshalb meine Frage: Wo lag/liegt Bochanowo?

Geben deine Quellen etwas zur Frage der beiden Brücken her?



Weitere Ergänzungen (mL)

geschrieben von: nebenbahnfan

Datum: 22.11.05 21:23

Hallo "03 1008",

die Informationen zu den Strecken habe ich hauptsächlich aus dem Internet und dem EK-Special Nr. 58 "Über die Ostbahn nach Ostpreußen". In letzterem Werk ist aber lediglich in weingen Zeilen das Nachkriegsschicksal der Bahn sowie die Existenz der beiden Viadukte und der geplante zweigleisige Ausbau erwähnt. Im Netz ist schon etwas mehr zu finden, einige Links habe ich mit eingefügt.

Zu Bochanowo: dem Namen nach zu urteilen dürfte sich der Ort zur damaligen Zeit (und natülich heute auch) in Polen befinden (etwa südöstlich von Pablindszen / Zollteich). Leider kenne ich keine Karte, welche die genaue Lage zeigt.

Eine etwas genauere Karte des Bereiches Szittkehmen (Wehrkirchen) - Blindgallen (Schneegrund) gibt es hier .

Weitere Informationen und Aufnahmen gibt es auf folgenden Seiten:

http://www.masuren-privat.de/die_viadukte.htm
http://www.cyfronet.krakow.pl/rowery/suwstar.html
http://koleje.wm.olecko.pl/mazgarb/mazgarb03.htm

Allerdings sind die letzten beiden Seiten auf polnisch. Vielleicht gibt es hier aber jemanden, der das versteht und eine kurze Zusammenfassung nachreichen könnte.

Hier noch ein Bild aus Betriebszeiten: klick

Zum Schluß noch eine Frage an 03 1008: weißt du, ob Herr Lera noch weitere Bilder von der ehemaligen Strecke Goldap - Szittkehmen hat? Mich würden hierbei besonders Aufnahmen der Empfangsgebäude interessieren.



Gruß, Bernhard

Edit: Link mit historischem Bild



Eintrag editiert (22.11.05 21:31)

Ganz herzlichen Dank!

geschrieben von: 03 1008

Datum: 23.11.05 07:42

Toll, was du alles zusammengetragen hast.

Nick Lera liest den Thread mit. Ich werde ihn aber wegen deiner Bilderwünsche nochmals anmailen.



Re: Weitere Ergänzungen (mL)

geschrieben von: Verfolger

Datum: 24.11.05 14:27

Werter Nebenbahnfan!

Hier die Übersetzung zu dem zweiten Link, von "Dzien drugi" an bis zum Ende der Seite zwei ("Mijamy byly budynek stacyjny").

Wir stehen kurz nach acht Uhr auf. Während des Abbaus des Zeltes besuchen uns zwei Mitarbeiter des Parks und bemühen sich, uns einen Strafzettel für unerlaubtes Biwakieren aufzubrummen. Irgendwie wenden wir uns von diesem Genuß ab. Frühstück, auf die Räder und los. Richtung Kiejpocie [deutscher Name nicht bekannt, Anm. d. V.], Staatshausen. Auf dem Wege Mittag in Jägersee. (Aufnahme mittags)

In Kiejpocie steht, klein, aber wie bezaubernd der durch die Freunde aus dem Osten im Jahre 1945 abgetragene Viadukt der Eisenbahnstrecke Goldap - Wehrkirchen [bis 1938: Schittkehmen, Anm. d. V.].

Dann fahren wir weiter in Richtung Staatshausen. Wir halten für eine längere Weile an den Viadukten. Irgend etwas stimmt nicht. Die Strecke ist einspurig, und Viadukte gibt es zwei? Angeblich meinten die Deutschen, zwei Viadukte seien schwerer zu sprengen. Die Bahnstrecke hatte strategische Bedeutung und sollte im Falle eines bewaffneten Konfliktes Militärtransporten dienen. Irgendwie ist so herausgekommen, daß zwei zu bauen sind.

Weiter schieben wir entlang dem Bahndamm der ehemaligen Bahnlinie. Wir fahren unter den Viadukten hindurch. Auf der linken Seite haben wir einen kleinen Zaun, der die Rominter Heide umgrenzt.

Wir fuhren am Bahnhofsgebäude vorbei.

Gruß

Verfolger

P. S.: Wenn Zeit bleibt, folgt die Übersetzung des dritten Links.

Re: ? zur Strecke Goldap - Szittkehmen (später Wehrkirchen)

geschrieben von: Anonymer Teilnehmer

Datum: 21.12.05 21:17

Hallo,

Weiss vieleicht jemand wie die typische Zusammensetzung von Personenzuegen auf dieser Strecke waerend der 20/30 Jahre gesehen hat ?

Beste Gruesse aus Warschau,

Michal

Strecke Goldap - Szittkehmen (später Wehrkirchen)

geschrieben von: sticki_zm

Datum: 06.11.13 20:23

Bin durch Zufall auf die Beiträge zu diesem Thema gestoßen und möchte dazu ein paar Hinweise geben.
2011 ist mit der ISBN 978-3-00-034548-7 eine Publikation zu dieser Strecke, der "Kaiserbahn" erschienen(Bild). Empfehlenswert für Eisenbahnhistoriker.
Wir - d.h. meine Frau und ich - haben den im nördlichsten Teil Polens gelegenen noch zugänglichen Teil dieser Strecke im September 2012 erkundet. Der Bahnkörper ist weitestgehend noch erkennbar, teilweise begeh- und befahrbar. Es ist erstaunlich, was selbst fast 70 Jahre, nachdem der letzte Zug gefahren ist, von dieser Strecke noch vorhanden ist. Zwei Bilder der größten Brücken zwischen Blindgallen und Dubeningen können diese Impressionen wiedergeben.
kaiserbahn.jpg
IMG_4311.jpg
IMG_4318.jpg
Hallo,

kannst Du etwas zum Inhalt des Buches sagen? Wie groß ist der Anteil historischer Sachverhalte oder handelt es sich hauptsächlich um die Dokumentation des heute noch vorhandenen Zustands?

Gruß
Wolfram

Re: Buch

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 07.11.13 08:23

Hallo Wolfram,
es handelt sich bei dem Buch um eine umfassende Abhandlung der Geschichte dieser Bahnstrecke. Mehr als die Hälfte des Buches nimmt die Geschichte bis 1945 ein, es folgen 23 Seiten mit fotografischen Dokumenten 1989 bis heute und über 30 Seiten Anhang (davon 20 Seiten historische Dokumente).
Ich kann das Buch guten Gewissens empfehlen.

Hier noch einmal der Titel:
Dieter Zeigert: Verschwundene Gleise - Die "Kaiserbahn" Goldap - Szittkehmen, Fragmente der ostpreußischen Eisenbahngeschichte
Herausgegeben von der Kreisgemeinschaft Goldap/Ostpreußen e. V. Stade 2011, ISBN 978-3-00-034548-7

Viele Grüße
Stefan

Re: Buch

geschrieben von: Wolfram D.

Datum: 07.11.13 09:13

Danke,

da werde ich mal beim Kreis Goldap anfragen.

Gruß
Wolfram

Re: Buch

geschrieben von: sticki_zm

Datum: 07.11.13 21:02

Hallo Wolfram,

wie vom vorhergehenden Beitrag von Stefan beschrieben, lohnt sich das Heft schon. Habe mal das Inhaltsverzeichnis beigefügt.

Zu beziehen ist es über folgenden Kontakt:
Brigitte Karow
Rosenweg 3; 21423 Winsen/Luhe
Tel.: 04171/61756 / E-Mail: verkauf@goldap.de

und kostet 21,90 €.

mfg
Wolfgang Stark
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