Nach dem positiven Echo auf meine Beitrag über die „Grüne Hölle Wipperfürth“ möchte ich die „Einst-Jetzt-Vergleiche“ mit einem Beitrag über Gummersbach fortsetzen. Vor längerer Zeit hatte ich meine Heimatstadt bereits einmal in einer ähnlich drastischen Darstellung gewür(di)gt. Dass die Stadt nun hier schon zum zweiten Mal vertreten ist, hat nicht mit Lokalpatriotismus zu tun, sondern dient einzig und alleine dazu, den örtlichen Grausamkeiten bzw. ihrer Darstellung das nötige Gewicht zu verleihen.
Am westlichen Bahnhofskopf standen in den 80er und 90er Jahren oft zwei orangefarbene Citybahnloks der Baureihe 218 nebeneinander. Teilweise fuhren die Züge ja damals über Gummersbach hinaus bis Meinerzhagen, teilweise auch nur bis Marienheide. Im Hintergrund die Fabrikanlagen der Firma Steinmüller, einer einst bedeutenden Kesselfabrik, die im Herzen der Kreisstadt lag und heute „abgewickelt“ ist.
Ein Bild aus exakt gleicher Position lässt sich auch heute noch leicht anfertigen, allerdings bringt das Motiv nichts mehr. Die Gütergleise wurden schon vor Jahren zertrennt und teilweise herausgerissen, um einem Parkplatz zu weichen. Bis auf die betriebsnotwendigen Anlagen (1 Durchfahrgleis, ein abzweigendes Stumpfgleis, nur aus Richtung Köln befahrbar uns eigentlich für die Betankungsanlage sowie als Bahnsteiggleis 2 gedacht; die Tankanlage ist allerdings kürzlich auch abgerissen worden) gehört das gesamte Gelände der Stadt Gummersbach, einschließlich Bahnhofsgebäude. Die plant hier Großes (wie in Gummersbach üblich), hat aber außer leerer Kassen und ideenleerer Konzepte nichts zu bieten. Aber immerhin, am liebsten wäre es den Ratsherren natürlich, die Bahn wäre erst mal weg!
Eine Citybahn aus Meinerzhagen fährt in den Bahnhof Gummersbach ein. Im Hintergrund rechts ist das Stellwerk G’bach Nord zu sehen, das damals noch in Betrieb war. Im Hintergrund links steht das Steinmüller-Verwaltungsgebäude. Damals stand tatsächlich auch noch Steinmüller dran und Steinmüller war drin. Vor einigen Jahren wurde das Unternehmen dann auf Druck der SPD-Landesregierung an die marode Firma Babcock verscherbelt – mit dem Ergebnis, dass beide den Bach runter gingen. Hätte Steinmüller damals Babcock geschluckt, wäre es vermutlich anders gekommen...
Die ganze Szenerie aus dem vorigen Bild, wie sie sich heute darstellt. Gleise: Fehlanzeige! Flügelsignal: ersetzt durch ein modernes Pendant, etwa an gleicher Stelle. Stellwerk: In Privatbesitz, heute als Büroturm von einem Reisebüro genutzt. Steinmüller-Hochhaus: Noch da, steht jetzt noch was von Babcock dran, aber drin ist eigentlich kaum noch etwas, außer Auffangunternehmen, Restabwicklung usw. Immerhin: Die Züge fahren seit über zwei Jahren wieder nach Marienheide, wohin auch der im Hintergrund gerade noch zu erkennende Talent strebt. Der genaue adäquate Fotostandpunkt des älteren Bildes (leicht erhöht) war leider nicht mehr einzunehmen, denn sonst hätte ich das Dach eines E-Klasse-Mercedes besteigen müssen, und der Besitzer hat mich auch ohne einen entsprechenden Besteigungsversuch schon böse angeschaut...
Gummersbach quasi aus der Luft. Der Höhenzug „Berstig“ bot damals von einer Lichtung aus eine knappe Möglichkeit, Stadt und Bahnstrecke zu fotografieren. Eigentlich steht man hier mitten im Fichtenwald, aber ein Streifen war damals frei. Wieder zeigt das Bild eine einfahrende Citybahn aus Marienheide, und auch das Stellwerk Gn ist gut auszumachen. Nahezu alle Gleise der ursprünglichen Gleisanlage sind noch vorhanden, lediglich ein links vom zu früher noch verlaufendes Gütergleis ist abgerissen. Der Zug wird in wenigen Augenblicken am Inselbahnsteig halten, um dann seine Fahrt in Richtung Köln fortzusetzen. Das Ausfahrtsignal des zweiten Bahnsteiggleises – Gummersbach hatte nur einen Inselbahnsteig – ist aus Sichtgründen weit vorgezogen. Die Ausfahrtsignals der Gütergleise befinden sich noch ein Stück hinter dem Stellwerk Gn. Von Dieringhausen über Gummersbach bis Kotthausen wurden Güterzüge früher wegen der beträchtlichen Steigungen oft nachgeschoben. Das muss von hier oben ein tolles Bild und eine herrliche Geräuschkulisse gewesen sein...
So stellt sich die Szenerie heute, nein gestern dar. Die „Berstig“ ist zwar in Erwartung eines Neubaugebietes großflächig abgeholzt worden und bietet jede Menge Raum und einen schönen Blick auf die Innenstadt. Aber den früher freien Blick auf die Gleise versperren jetzt Birken und sonstiges Gebüsch, das ja bekanntlich schneller wächst, als einem lieb ist. So war es nicht ganz einfach, einen Blick zwischen den Ästen hindurch auf den Zug zu erhalten. Die Perspektive ist dadurch nicht ganz identisch mit der der vorigen Aufnahme.
Nur knapp ragt die 218 hinter dem Bahnsteigdach am Inselbahnsteig heraus. Der Hochwald au der „Berstig“ erlaubte es damals nicht, ein wenig mehr noch aufs Bild zu bekommen. Im Hintergrund die schon erwähnten Steinmüller-Anlagen.
Heute bietet die kahlgeschlagene Berstig da einen bedeutend schöneren Blick. Aber was nutzt es einem, wenn der Zugverkehr heute ausschließlich aus langweiligen Talent-Triebzügen besteht. Steinmüller ist auf diesem Bild in voller Pracht zu erkennen, aber die Hallen sind durchweg leer. Produziert wird hier nichts mehr. Der ganze Komplex gehört – wie das Bahnhofsgelände – der Stadt Gummersbach. Auf dem westlichen Gelände wird inzwischen die Fachhochschule neu errichtet. Was mit dem Rest passiert, liegt im Unklaren. Einkaufszentrum, Sporthalle, Großkino und was weiß ich, was hier alles im Gerede ist... Hauptsache großspurig, das ist das einzige, was zu Gummersbach passt!
Ich hoffe, Euch hat dieser kleine Bilderbogen aus meiner ungeliebten, nein vielleicht doch besser abgeklärt geliebten Heimatstadt gefallen. Wenn weitere Vergleiche gewünscht werden (natürlich nicht von diesem Bahnhof, aber vielleicht von den anderen Strecken in der Gegend), lasst es mich ruhig wissen. Es hilft enorm, wenn man merkt, dass sowas auf Interesse stößt. Wer macht sich schon gerne die Mühe und trägt hier was zusammen, was dann eh niemanden interessiert...
Es grüßt
Der Bergische!