Moin moin !
Na, dann will ich mal fast drei Jahre, nachdem dieser wunderschöne Beitrag mit den herrlichen Bildern geschrieben wurde, versuchen, diese uralte Frage zu beantworten. Diese Linienbeschilderungen in der Stirnfront unter dem Dach waren nicht so ohne weiteres zu wechseln. Es waren Milchglasscheiben, die in einer Führung gehalten wurden und mit einem Bügel gesichert werden mußten. Um sie überhaupt zu wechseln, benötigte man eine Leiter. Von innen - aus dem Fahrzeug heraus - ging es nicht.
Wie Du richtig schreibst, kamen ja die Altbaufahrzeuge in den letzten Jahren - von Ausnahmen abgesehen - nur noch auf der Linie 10 zum Einsatz. Man hätte die Linie also eigentlich den Fahrzeugen auch "auflackieren" können, Linienwechsler wie heute waren früher eher die Seltenheit. Ein gewisser Park an Altbauwagen mußte allerdings auch für die Linie 31 (letzte Führung: Hauptbahnhof - Rothensee) genutzt werden. Diese wechselten dann auch im Dienst auf die 32 (letzte Führung: Hauptbahnhof - Neue Neustadt). Da hätte sich allerdings niemand jemals die Mühe gemacht, die Scheiben zu wechseln. So wird man auch kaum ein Bild aus dieser Zeit finden, auf welchem ein Altbaufahrzeug Bauart Niesky oben bei den Linienscheiben als Linie 31 beschildert war.
Interessanter Weise ist ja das einzig erhaltene Fahrzeug dieser Zeit (Htw 124) heute als Linie 31 beschildert.
Neben der Linie wurde und wird jeder Zug bei uns durch die Zugnummer (woanders auch Kursnummer) identifiziert. Diese wurde bei den Altbaufahrzeugen als kleines Blechschild in eine Lasche rechts (Fahrtrichtung) unterhalb der Stirnscheibe eingehängt. Zugnummern ändern sich ja doch häufiger als Linien. Neben der Lasche für die Zugnummer gab es häufig auch noch eine zweite Lasche, in welche auch mal schnell ein Liniennummernschild eingehängt werden konnte. Man sieht das sehr schön auf dem Bild von Tw 105. Auch dort machte man sich nicht die Mühe, die oben vorhandenen zwei Fenster mit einer Linienbeschilderung zu füttern. Auch der im Bild gezeigte Tw 419 auf Linie 32 hatte oben keinen aktiven Film für die Linie.
Nun nochmal zum fraglichen Bild. Anzunehmen ist, daß der gezeigte Zug "mal schnell" als Fahrschule genutzt wurde. Der Großteil der Ausbildung erfolgte und erfolgt ja auf dem Fahrschulwagen, irgendwann muß man aber auch mal Drei-Wagen-Zug (oder jetzt Großzug) fahren. Nun wurde und wird ja eine solche Zugeinheit nicht ständig für die Fahrschule vorgehalten. Also hat man schnell einen Zug genommen, der auf dem Hof stand (und der im Regelfall als 10 zum Einsatz kam - siehe oben), ein Blechschild angehängt und ab ging´s als Fahrschulzug. Kein Mensch hatte offenbar Lust, die Leiter zu holen...
Nachtrag: an der Strab-Endstelle Rothensee endete - anders als von
Ditmar angenommen - keine Überlandlinie. Dort endete nur die Linie 60 der MVB, die allerdings mit etlichen Fahrten auch zum S-Bahnhof-Rothensee geführt wurde. Endstelle am anderen Ende waren der Barleber See bzw. das Schiffshebewerk. An den Wochenenden wurde die Linien 58 (Alte Neustadt - Industriegelände) und 60 zur Führung Alte Neustadt - Industriegelände - Korbwerder - Rothensee - Barleber See vereint.
Überlandlinien in diesem Bereich waren die H4 (Magdeburg - Lostau - Burg) und H66 (Magdeburg - Glindenberg). Die H4 kam vom Bahnhof Neustadt (mit einigen Fahrten wohl auch vom KOM-Bhf., aber da müßte ich nachgucken), die H66 endete am Hpkt. Eichenweiler.
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2008:06:04:08:21:35.