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Heute vor 25 Jahren im Kölner Norden (4 B. u. T.)

geschrieben von: Nobbi

Datum: 16.05.05 13:56

Als ich an diesem Tag mit dem Fahrrad von der Schule nach Hause fuhr, bemerkte ich auf dem Ausziehgleis des Gbf Köln-Longerich einen Turmtriebwagen. Dort hatte ich zuvor noch nie Eisenbahnbetrieb gesehen. Wenige Minuten später war ich mit dem Fotoapparat wieder an der Stelle. Der 701 018 stand noch da, und die Besatzung lud mich sofort zu einer Besichtigung ein. Dabei konnte ich auch ein Foto der Dachpartie machen. Jemand wollte dann auch die Szene unbedingt für die Nachwelt im Bild festhalten, weshalb ich sie euch trotz der schlechten Qualtität nicht vorenthalten möchte:
http://www.lokfotos.de/fotos/1980/0516/00212.jpg

Damals hatte ich nur eine Pocket-Knipsomatic. Außerdem gehören auch die beiden nächsten Fotos zu einem von drei Negativstreifen, die mir in 20 Jahren von insgesamt 1110 Filmen verloren gegangen sind (ich weiß auch noch wo und wie!). Deshalb habe ich die Fotos direkt vom Papierabzug mit Flachbettscanner gescant. 25 Jahre entschuldigen Vieles, aber nicht Alles (vor Allem nicht die Frisur!).

Mit dem sogar elektrifizierten Gleis, auf dem der TVT steht, hat es evtl. etwas Besonderes auf sich, wenn ich die Örtlichkeit richtig interpretiere: In den 30er Jahren bestanden Planungen, eine Schnellfahrtrasse linksrheinisch von Köln nach Neuss zu bauen. Diese fädelte sich nördlich des Bahnhofes Köln-Longerich aus, welcher deswegen komplett neu angeordnet wurde. Das alte Bahnhofsgebäude steht heute noch als Privathaus am Pingenweg etwa 300 Meter nördlich des heutigen Eingangsgebäudes. Ungefähr in Höhe des heutigen Abzweigs der S-Bahnstrecke wurden Brückenköpfe der Überwerfungsbauwerke für die Schnellfahrtrasse errichtet, die inklusive zweier eingleisig trassierter Brücken (zusätzlich zu der Brücke der heutigen Strecke nach Neuss) über den Unnauer Weg heute noch existieren. 1974 wurde der Unnauer Weg im Bereich der Brücken sogar um ca. 1 Meter abgesenkt, um das Durchfahrtprofil im Zusammenhang mit dem Bau der S-Bahn und des Autobahnzubringers zu erweitern. Die Dämme sind teilweise auch noch vorhanden und z. B. im Bereich des Einschnitts des Autobahnzubringers nach Chorweiler bis 1978 abgetragen worden. Hier wurde auch eine Brücke der KBS 460 (damals 470) neu errichtet. Die Verlängerung des Gleises mit 701 018 würde m. E. auf die westliche der alten Brücken gelangen, kann mich aber auch irren. Jahre später baute hier die Post Gebäude; ob das Gleis noch existiert, weiß ich nicht mal.

Außerdem dürfte von diesem Gleis bis in die 60er (?) Jahre ein Gleis zu den Kiesgruben in Pesch/Esch abgezweigt sein, das in der Lage der heutigen Soldiner Straße (früher Stallagsweg) verlief. Hat dazu vielleicht ein Einheimischer Informationen?

Da ich jetzt schon mal mit dem Fahrrad unterwegs war, machte ich mich Richtung Worringen auf den Weg (warum, weiß ich nicht mehr). Dort entstand an dem Tag auch mein einziges Foto des „Westernbahnhofes“ Köln-Worringen, der kurze Zeit später abgetragen und im Bereich des AW Köln-Nippes aus Denkmalschutzgründen wieder aufgestellt wurde. Vielleicht wusste ich davon und war deswegen dort:
http://www.lokfotos.de/fotos/1980/0516/00213.jpg

Jedenfalls ist in den letzten Wochen auch der letzte Rest des ehemaligen Bf Worringen verschwunden: der Güterschuppen wurde auch eingeebnet. Dazu werde ich am Donnerstag noch ein paar Fotos der Einweihungsfeier der S-Bahn-Anbindung von 1985 einstellen.

Dann ging es noch etwas weiter nach Norden, wo von einer Straßenbrücke die Lok 5 (KHD 56848/58) des Bayerwerkes Dormagen im Bereich der Einfahrt zu meinem späteren Arbeitgeber zu sehen ist. Nach links zweigen die Gleis zur Zuckerfabrik Dormagen (Pfeifer&Langen) ab. Sie liegen heute noch ungenutzt:
http://www.lokfotos.de/fotos/1980/0516/00214.jpg

Zum Schluss war ich noch im Tannenbusch und knipste die dortige Spielplatzlok am Trimmpfad, die früher Lok 2 der Zuckerfabrik war (Hohenzollern 4110/20). Dieses Foto ist aber zu schlecht geworden. Dann lieber eins von 1989. Wenig später wurde die Lok verschrottet:
http://www.lokfotos.de/fotos/1989/0318/09230.jpg





4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:12:28:22:23:06.

Re: Dämme und Brücken Longerich

geschrieben von: Joachim Biemann

Datum: 16.05.05 15:22

Hallo Nobbi (und alle anderen),

die von Dir angesprochenen Dämme und Brücken in Köln-Longerich haben mich immer fasziniert. In den 1970er-Jahren habe ich eine unmaßstäbliche Skizze angefertigt (siehe unten), die schwarz die bestehenden Anlagen zeigt und in rot meine Schlussfolgerung für die geplante, aber nicht verwirklichte Gleisführung. Kurz gesagt: Es sollten dort die Gütergleise kreuzungsfrei aus- und eingefädelt werden. Statt dessen ist das dann lediglich mit Weichen umgesetzt worden, wobei Güterzüge von Köln nach Neuß ein Stück lang das Reisezuggleis der Gegenrichtung benutzen.

Die Angabe "Schnellfahrstrecke" trifft für den Bereich zu; sie wurde in den 1930er Jahren begonnen, aber nicht fertiggestellt (Zusammenhang: Auseinandersetzung Reichsbahn vs. private Rheinisch-Westfälische Städtebahn). Dabei handelt es sich um den bogenförmig geschwungenen Damm, der neben der im Einschnitt verlaufenden S-Bahn-Strecke nach Chorweiler liegt. Noch in den 1970ern ging die Bundesbahn davon aus, dort eine Schnellbahn zu bauen; inmitten der Trabantensiedlung Chorweiler war das Gelände dafür freigehalten. Als die Planungen sich konkretisierten, gab es wütende Proteste der Anwohner gegen die "Blitzzugstrecke". Später ist dann alles doch noch überbaut worden.

Dann ging die vorgesehene Trasse "über" den Fühlinger See, im weiteren Verlauf war eine Rheinbrücke geplant (im "Organ" gab es eine Skizze davon). Von ihr existier(t)en sogar rudimentäre Bauteile, nämlich einen Betonklotz am linksrheinischen Ufer. Weiterer Verlauf: westlich von Rheindorf (Trasse von Bebauung freigehalten), schließlich Einmündung in die bestehende Strecke Köln - Düsseldorf bei Mehlbruch (Trasse war oder ist frei von landwirtschaftlicher Bestellung, daher am Strauch-Bewuchs gut zu erkennen).

Es grüßt
Joachim Biemann



[url]http://img89.echo.cx/img89/2441/klong011vy.jpg[/url]

Re: Heute vor 25 Jahren im Kölner Norden (m4BuT)

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 16.05.05 18:04

Schöner Beitrag, Nobbi. Und tröste Dich: vor 25 Jahren hatte auch *ich* eine solche Matte (kaum zu glauben, gelle? ;))

Re: Heute vor 25 Jahren im Kölner Norden (m4BuT)

geschrieben von: Anonymer Teilnehmer

Datum: 17.05.05 00:17

Hallo Nobbi,

schönes Foto von dem Turmtriebwagen auf dem Ausziehgleis. Wenn ich mir das Foto so richtig anschaue, dann hat der Triebwagen ja ziemlich weit hinten gestanden, fast am Ende des Gleises. Ich habe auch nicht gewußt, das es mal mit Fahrleitung überspannt war.

Das Ausziehgleis liegt heute immer noch bis zur Höhe der Soldiner Str. (früherer Stallagsweg). Es ist allerdings mittlerweile total zugewachsen und nicht mehr befahrbar. Ich bin 1986 nach Lindweiler gezogen, damals war es noch befahrbar und wurde - allerdings sehr selten und auch nicht in der ganzen Länge - noch benutzt. Ich kann mich noch erinnern, das in den 90zigern mal an der Kopframpe eine Reihe von vierachsigen Flachwagen mit alten VW-Bussen beladen worden ist. Außerdem gab es damals noch einen Gleisanschluss (Stahlhandel) im Bereich der Ladestrasse, der hin und wieder noch bedient wurde. Das Gleis war allerdings immer nur das Ausziehgleis des Ortsgüterbahnhofs Longerich und hatte mit der von Dir angesprochenen kreuzungsfreien Ein- und Ausfädelung - der Güterzuggleise von und nach Neuss- nie was zu tun. Es kommt in der Verlängerung auch nicht auf die westliche Brücke über den Unnauer Weg raus, die Trasse für dieses Gleis ist, wenn auch schwierig, auf der anderen Seite des paralell zum Ausziehgleis verlaufenden Feldwegs noch zu erkennen (liegt auch etwas tiefer als das Ausziehgleis). Am Anfang des Ausziehgleises liegt auch heute noch eine nach links abzweigende Weiche (also Richtung Lindweiler) der direkt eine 2. Linksweiche folgt. Diese beiden Gleise führen in das Gelände wo die führere Spedition "UNION-TRANSPORT" am Unnauer Weg eine grosse Niederlassung mit Lager hatte. Das Gelände und die Gebäude darauf existieren heute noch, sind allerdings ungenutzt und stehen leer. Es kann aber durchaus sein, das eines dieser beiden Anschlußgleise früher im Verlauf des Stallagsweg weiter nach Pesch und Esch zu den Kiesgruben führte. Es müßte aber schon sehr früh, so in den 50iger Jahren abgebaut worden sein, weil es damals mit der Wohnbe- bauung am Stallagsweg schon losging. Ich muß da mal meinen Nachbarn fragen, der ist schon früher nach Lindweiler gezogen und weiß vielleicht mehr darüber.

Viele Grüße aus Köln-Lindweiler,

Hans Wirtz