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Damals in Köln-Deutzerfeld (vor fast 40 Jahren) (m 2 B)

geschrieben von: KDH

Datum: 26.04.05 09:59

Damals in Köln-Deutzerfeld


Kurz vor Beginn der Semesterferien nahmen wir einen Tag "Auszeit" - angesagt war Köln, genauer gesagt das Bw Köln-Deutzerfeld. Mein Freund Dirk und ich, wir fuhren statt zur Uni nach Dortmund entgegengesetzt nach Köln, um uns im Bw Deutzerfeld umzusehen. Denn es kamen noch interessante Dampfloks, insbesondere die Jünkerather 39er, hier her.

Und tatsächlich, das Bw stand voll. Neben 01er aus Trier, 03er aus Mönchengladbach (anstelle einer 23er) und 38ern vom Bw Düren waren auch 39 143, 39 128 und 39 075 dort.

Nur die 39 075 stand alles andere als optimal, sondern eingekeilt zwischen den anderen Dampfern. Also zur Lokleitung und versucht, das Personal ausfindig zu machen. Nach längerer Suche fanden wir den Lokführer, der aber nicht bereit war, die Lok ein wenig vorzufahren. Wir sollten gefälligst bis 15:00 Uhr warten, dann müssten sie sowieso raus. Aber das war mir, es war erst 10 Uhr, etwas zu lange. Aber wenn ich wollte oder könnte, meinte der Lokführer, sollte ich mir die Lok ja selber so hinfahren, wie es mir vorschwebte.

Nun, ich war des öfteren auf einer Dampflok mitgefahren und wusste, wo welcher Hebel war und wie was zu bedienen war. Aber in jugendlichem Leichtsinn waren mir Unfallverhütungsvorschriften (gab es die vor 40 Jahren schon?) mehr oder weniger egal - angesichts der 39 075.

Also auf die Lok, die Tenderbremse gelöst, die Steuerung auf vorwärts eingestellt, ein wenig den Regler betätigt und die Bremse gelöst. Langsam, ganz langsam bewegte sich das Koloss vorwärts. Mein Freund Dirk stand unten und rief "Noch zehn Meter" - also ließ ich die Lok weiter laufen. Bis der Ruf "Stop" kam, sofort den Regler auf Null und die Bremse betätigt.

War natürlich nichts, die Stangen waren überkreuzt. Also wieder auf die Lok und nun rückwärts das Ganze noch einmal, diesmal ohne auf meinen Freund zu hören (seine Info berücksichtigte ja die Zeitverzögerungskonstante der Lokomotive nicht ausreichend) und fuhr noch etwa zwei Meter zurück. Dann Lok festgebremst, Tenderbremse ebenso und Steuerung auf Null zurückgenommen.

http://img243.echo.cx/img243/1116/39075kdfholzborn1907656tg.jpg

Inzwischen war auch der Lokomotivführer der Jünkerather Lok 39 075 gekommen, er hatte wohl doch ein wenig Muffen, ich könnte die Lok in die Drehscheibe fahren ...

Nun, begeisternd stellte der den unversehrten Zustand seiner Lok fest und bat uns, dann doch mit ihm zum Bahnhof zu fahren, wenn er denn um 15:00 Uhr mit der Lok das Bw verlassen und seinen Zug abholen müsste.

Wir wollten sowieso um 16:00 uns Richtung Ruhrgebiet aufmachen, da Dirk noch einen Termin um 18:00 Uhr hatte. Das passte ganz gut. Also waren wir pünktlich an der Lok, von dieser nahmen wir noch einmal ein Übersichtsbild auf, zu sehen sind:

http://img243.echo.cx/img243/1857/383656kdfholzborn1907655rd.jpg

von links 01 062, 03 220, 39 128 und 38 3656, aufgenommen von 39 075.

Auf der Fahrt vom Abstellbahnhof den kleinen Berg hinauf zum Bahnhof Köln-Deutzerfeld durfte ich dann am Regler stehen - mit richtig langem Personenzug aus Byg-Wagen! Das war schon was, 'ne echte 39er!


Obwohl das Wetter am jenem 19.7.1965 eher bescheiden war, aber damals waren sowieso meist nur schwarzweiße Fotos angesagt und ohne Sonne gab es kein Gegenlicht oder im Schatten liegende Triebwerksteile... Die Bilder war noch Kleinbild, eine 6x6-Kamera konnte ich erst einen Monat später in Berlin erwerben. Aber dazu dann später, wenn gewünscht.

Viel Spaß weiter im HiFo



Eintrag editiert (26.04.05 10:00)



...
Hallo KHD,
fast jeder von uns "Altfuzzies" hat wohl solch eine oder ähnliche Geschichten erlebt. Ich finde es immer wieder wunderbar,wie dies Stories rüberkommen und einen selbst an die längst vergangene Dampfzeit erinnern.
Bitte mehr davon.
Auch ich schreibe schon an den nächsten Stories für das Hifo.
Gruß Rally




Sehr nette Geschichte...

geschrieben von: Walsum5

Datum: 26.04.05 11:23


und wieder einmal klasse Fotos. Gerne mehr, auch über die verwendete Technik!

Freundliche Grüße,

Stefan Kier



http://www.dampflokomotivarchiv.de/imgs/header.jpg


Ach, KDH ...

geschrieben von: Hilger Duisburg

Datum: 26.04.05 14:58

... ich komme ins träumen.
Ich hab die P10 sooo oft gesehen - und nicht einmal geknipst.
Unsere ganze Verwandtschaft wohnte in Kierberg = Eifelstrecke hinter Kalscheuren, vor Liblar (heute "Wielerschwöst"). Und unsere Eltern sind mit uns Blagen von Duisburg kommend immer in Köln- Süd, und nicht im HBF umgestiegen, weil man dort keinen Bahnsteig zu wechseln brauchte. Also mit 110 nach Köln- Süd und auf den "Personenzug nach Jünkerath" gewartet, der immer mit P10 bespannt war. Einen Tag aus der Zeit, von der Du sprichst (65-66), werde ich nie vergessen (ich war damals fast 9 !):
Die "Ausfahrt" für unseren Zug nach Kierberg war noch nicht gezogen, der Zug stand aber schon am Bahnsteig und die Eltern waren schon eigestiegen. "Jetzt komm endlich!" - mein Papa. "Wozu denn? Ist doch noch Halt am Signal!" - das war ich. Und der Heizer der P10 grinste in aller Breite von seiner Lok "Da hatter recht, wir ham noch Zeit !". Also hab ich mir die Lok ganz genau angesehen, an mehreren Stellen angefasst (herrlich schwarze Finger), die Räder schräg von oben, weil der Bahnsteig ja recht hoch war. Dann am Führerhaus: Ich war fast in Augenhöhe mit dem Lokschild und "hin und weg" vor lauter Faszination. Dann klapperte das Formsignal, der Heizer mahnte, "langsam" einzusteigen - erste Tür des Zuges aus B3y- Wagen, noch mit zu öffnenden Türfenstern. Und los gings! Herrlich. Die weißen vorbeischwebenden Dampfwolken, das Stampfen der Lok am Berg bei Vochem - alles noch da wie gestern. Dann in Kierberg: Ich als erster raus aus dem Zug, im Galopp runter vom Bahnhof und in den Wanderweg am Gleis, leicht ansteigend - um von dort aus die Abfahrt der 39 009 zu erleben und ihr noch lange (minutenlang!) nachzulauschen, wie sie die Steigung nach Liblar erklimmt. Viele Jahre später habe ich ein Schild der 39 009 bekommen können und habe es immer noch. Es wird das letzte sein, das ich jemals abgeben werde ...

Sorry, daß ich Dir und Euch die Zeit gestohlen habe, aber:
Das mußte sein. P10 und Eifelbahn, das gehört zusammen, weil es einfach zusammen gepasst hat! Das kommt nie wieder. Unbedingt wollte ich im April 1967 zur Kommunion einen Fotoapparat haben - wegen der P10.
Ich habe auch eine "Adox Golf 1a Rapid" bekommen, die sogar schon KB- Negative in guter Qualität lieferte - aber bei der ersten Familienreise NACH der Kommunion waren die P10 gerade abgelöst und schnöde brummende V100 hatten die stolzen Dampfer abgelöst ...



Na bitte, geht doch!

geschrieben von: Roststab

Datum: 26.04.05 19:45

Nicht nur die Schwarzen haben was erlebt und können's erzählen. Die Jungs von der Schwarzweißen Zunft stehen dem in nichts nach. Weiter so!!!

Glückauf
ist es denkbar, daß 39 128 noch den ursprünglichen, kleineren, Kamin besitzt?

mfG Walter

P.S. eine Bitte zu Deiner Signatur; wäre es Dir vielleicht möglich, diese ein wenig tiefer oder (wenn es denn unbedingt eine sein muß ...), besser noch links im Bild zu platzieren, nicht so dicht am Hauptmotiv?

IMHO wäre dies dem schönen Portrait der Lok sehr zuträglich!
(Würde mich darüber sehr freuen und bedanke mich schon einmal im voraus)