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 04 - Historisches Forum 

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Heute vor 25 Jahren (m12B)

geschrieben von: Karabük

Datum: 23.07.04 19:01

22.07.79
Sonntag Morgen: Magen und Darm waren allem Anschein nach wieder genesen. Wir versuchten uns mit mäßigem Erfolg zunächst an Streckenaufnahmen. Ich vergaß übrigens zu erwähnen, dass uns trotz höflichem Auftretens ein Besuch des Depo Karabük verwehrt wurde. Umso freudiger nutzten wir den Sonntagmorgen, um uns im Depo umzutun. Am ehesten erwähnenswert ist, dass in Karabük die letzten Bagdadbahn- oder CFOA-Maschinen der Reihe 34.00 auf ihre letzte Reise in das Stahlwerk warteten.

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34008 Borsig 1912 ex CFOA

Der Besuch an der Bekohlung und am Schlackenkanal brachte uns in Kontakt mit einem Pärchen 56.3 und Eisenbahnern, an denen wir unsere Sprachkenntnisse erprobten.

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Mit dem Ankara-Expres fuhren wir dann gen Irmak. Mäßiges Tempo, geöffnete Fenster, auf den von der Architektur „deutsch“ anmutenden Stationen überall Wasserkräne und Wassertürme, die Wasserkräne gründlichst gegen Frost isoliert, dies ließ eine Vorstellung über die Härte der Winter in Anatolien erahnen.
Unterwegs (Kursunlu) sahen wir vor einem Pass eine 56.3 für Schubleistungen. Durchfahrt durch Cankiri (mit Depo) bis Irmak. Hier im schönsten Abendlicht ein Bahnhof mit einem Haufen Betrieb. Erstaunlich, dass die Züge alle in dieselbe Richtung ausfuhren. Man beachte auch die „alten“ Waggons mit Holzaufbauten, manche stammen noch aus Bagdadbahnzeiten (was sich an den Achslagerblenden auch tatsächlich verifizieren ließ).

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Abends mit einem anderen Expres in Richtung Ankara nach Kirrikale dort Übernachtung ohne wesentliche Vorkommnisse!

23.07. (Heute vor 25 Jahren)
Jetzt wurde es kompliziert: Wirn wollten nach Samsun und hatten uns demzufolge an der Fernstraße aufgebaut. Busse mit dem Ziel Samsun kamen viele vorbei, alle voll. Konsequenz: zunächst in die verkehrte Richtung mit einem Bus nach Ankara zur eski garaj (alter Busbahnhof). Von dort fuhren keine Busse nach Samsun. Folglich mit Taxi zur yeni garaj (wie die meisten auch des Türkischen nicht mächtigen Leser jetzt messerscharf geschlussfolgert haben, handelt es sich hierbei um den neuen Busbahnhof). Einen Bus gen Samsun zu kriegen war dort kein Problem allerdings war es mittlerweile Mittag. Das Geheimnis Irmak’s vom Vortag lüftete sich bei der Vorbeifahrt: Irmak verfügt(e?) modellbahnmäßig über eine Wendeschleife, so dass auch die Züge Richtung Osten (Kayseri) oder Norden (Zonguldak) den Bhf. Irmak in Richtung Westen verließen und dann den Talkessel des Yesil Irmak umrundeten.

Wir stießen bei der Fahrt mit dem Bus über die anatolische Hochebene erst bei Ladik wieder auf die Bahn und entdeckten dort den Scheitelpunkt in gut 900 m Höhe beim Bahnhof Ladik. Der Überlegung folgend, dass die Strecke vom Meeresspiegel (Samsun) sich bis hier in einer permamenten Rampe hinziehen müsste, hieß die Konsequenz für uns: Hier mussten wir noch einmal hin (so es denn Dampf gäbe).

Bereits bei der Einfahrt am Abend sahen wir das Bw Samsun: Ein Paradies knallvoll mit gepflegten G8.2. Den Abend verbrachten wir teetrinkend in einem Park.

24.07.
Zunächst ein Schreck: der Durchfall meldete sich zurück. Aber Zähne zusammengebissen und andere Körperteile –gekniffen und ab ins Bw. Eine höfliche Anmeldung beim Pförtner führte uns zum Depo Müdür. Unser weiterhin höflich vorgetragenes Ansinnen (Fotograf cekmek lokomotif buharli cerbest?) wurde freundlich beschieden: Wir hatten freie Bahn:
Neben den Unmengen an G8.2 war eine Maffei 1’C’1 –Tenderlok (35.56) sowie eine britische 8 F Kriegslok (45170) als Rangierloks unter Dampf. Diese Einzelgänger-Baureihen machten den Verschub im Hafen-Gelände (wohin wir aber nicht kamen): Außerdem war noch so eine niedlicher kleiner C-Kuppler unterwegs (33.02).
Mit unseren damals mehr als bescheidenen Türkischkenntnissen versuchten wir heraus zu bekommen, wann denn Züge auf die Strecke gehen würde.

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Der Fahrplan von Samsun in Richtung Sivas war etwas eigenartig, da die einzige tägliche Personeverkehrsleistung viermal die Woche Samsun am Morgen (MO,Mi, FR, SA) und dreimal am Abend verließ (DI, DO, SA) verließ. Dies hatte mal wieder Konsequenzen für unseren Nachtschlaf: Nach vier Nächten in „Hotels“ fühlten wir uns fit für größere Aufgaben.
Wir fuhren mit dem Nachtzug die Rampe bis Ladik: 900 m Höhenunterschied mit dem „posta“, 3 Vierachser, 1 Packwagen, ein paar Güterwagen, der oder die Heizer waren ununterbrochen am Schaufeln (wir konnten das dadurch ausmachen, da die Dampfwolke permanet von unten rot ausgeleuchtet war!)
Den Rest der Nach verbrachten wir im bekleme salonu (Warteraum), natürlich wurden wir von den zahlreichen Eisenbahnern ob unseres Begehrs befragt, am nächsten Morgen wurden wir zum Frühstückstee eingeladen. Ein paar der Eisenbahner wohnten recht primitiv im Güterschuppen, wir lernten DEMUT im Wissen, wie gut es uns doch relativ ging.
Zunächst zwei Enttäuschungen, der erste Gz fiel aus, der zweite kam mit Diesel, dann immerhin aus Sivas ein Gz , der in Ladik rangierte, was uns Rangiermitfahrten ermöglichte.

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Anschließend der Spaziergang in die Rampe in Erwartung des Personenzugs: leider war das Wetter zwar nach den heißen Tagen sehr angenehm , aber eben fotografisch - leider leider - nicht so berückend.

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Posta

Da keine weiteren Züge zuerwarten haben, beschlossen wir mit dem nächsten Bus nach Sivas zu fahren, was auch unmittelbar klappte. Erwähnenswertes Detail am Rande. Den ersten Nichttürken, die wir seit Istanbul trafen, gegegneten wir auf dem Busbahnhof in Sivas. Klar, wir folgten nicht den üblichen Touristenpfaden. Abends schauten wir uns noch ein wenig auf dem Bahnhof um, und versuchten einen Blick in das berühmte Dampf-AW zu erhaschen, in dem – Gerüchten zufolge – noch diverse Raritäten stehen sollten. Wir sahen die Lokreihen im eingezäunten Gelände, aber ein Zerberus verscheuchte uns. Es kreisten Gerüchte, dass die polis in Sivas fotografieren ungern sehen würde.

Und wie geht die Geschichte weiter? Würde sich der fiese Darmerreger zurückmelden?
Würden die beiden Eisenbahnfreunde in die Klauen der polis und Justiz fallen? Würde kostbares Filmmaterial vernichtet werden? Welche neuen Lokomotivbaureihen würden unsere Freunde noch erfreuen?
Die Antworten auf diese Fragen (Das Interesse der aufmerksamen Leserschaft vorausgesetzt) demnächst in diesem Forum!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:04:02:14:44:26.

Weiter so!!!

geschrieben von: Hans Dampf

Datum: 23.07.04 20:05

Da kann ruhig noch mehr von kommen, das sind Bilder aus einer anderen Welt und doch kommen einen viele Loktypen bekannt vor.

Gruß



Hans Dampf

Inzwischen gibt es über 3000 Bilder aus den letzten 35 Jahren auf meiner Homepage.

http://www.dampflokseiten.de/Forum/Banner.jpg

Herrschaftszeiten : ) und eine ?

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 23.07.04 20:08

Herrliche Reise-Erinnerungen Karabük, die mich richtig erfreuen. Hast Du näheres zu dem kleinen C-Kuppler?? Der sieht ein wenig wie eine Hanomag oder Hohenzollern uas.



RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(

Re: Herrschaftszeiten - 33.02

geschrieben von: Joachim Biemann

Datum: 23.07.04 20:46

Hallo allerseits, besonders "Karabük" und Joachim Leitsch

ja, das sind schon tolle Fotos und lebendig geschriebene Erinnerungen. Dank dafür.

Zur Lok 33.02:

Henschel 15637/1918, Ch2t (!)
geliefert an Gen. Dir. Militärbahn Konstantinopel
später an TCDD 33.02
zuletzt Denkmal (wo?)

Die Maschine entstammt der Lieferung
Henschel 15636 bis 15645 (TCDD 33.01 bis 33.10),
aus der einige Lok zuletzt noch an Werkbahnen kamen (z. B. 15643 und 15645 an TCDF, Karabuk [!]).

Literatur:
E. Talbot: Steam in Turkey. The Continental Railway Circle 1981.
D. Stresow: Henschel-Lieferliste 1848 - 1998. Lok Report 1999.

Es grüßt
Joachim Biemann



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VORSICHT: Falscher oder langzeitiger Gebrauch der Tastatur kann zu körperlichen Schäden führen.

[Zitat aus einem PC-Handbuch von DELL]

Einfach gigantisch!

geschrieben von: Rolf Schulze

Datum: 23.07.04 20:56

Wunderbare Aufnahmen von herrlichen Loks - oder umgekehrt?

Da könnte ich mich jetzt noch ärgern, daß ich das nicht auch mal gemacht habe. Was habe ich gemacht? 1978 14 Tage Badeurlaub mit Freundin in Griechenland mit klapprigem Auto und Zelt. 2 Monate Semesterferien ... warum bin ich nicht ... warum habe ich nicht ... ?!? http://www.handykult.de/plaudersmilies.de/screams.gif

Schön, daß Du uns an eurem Abenteuer teilhaben läßt. Die Story ist genausogut wie die Fotos. Danke!

Gruß Rolf



Danke Joachim B.,..

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 24.07.04 09:08

...für diese Infos.

Gruß
Joachim L.



RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(

Re: Einfach gigantisch!

geschrieben von: Karabük

Datum: 26.07.04 09:58

Hallo Rolf!
(eine Antwort persönlich an Dich, aber auch an das Forum zum "Nachdenken")

Hypothese: Jeder Generation ihre Aufgabe!

Du hast Deine "Schuldigkeit" mehr als getan und zwar bei der DB der 70er, da liegt von mir nicht allzuviel (Qualitatives) vor. Du schreibst von Semesterferien '78, da warst Du vmtl. auch kein Estsemester mehr. Diese Schlussfolgerung erlaube ich mir, aufgrund der Vielfalt und Qualität Deiner Aufnahmen aus früheren Jahren.
Ich hatte - wie berichtet - 1978 Abi gemacht. Bei mir hat das mit den Reisen in Richtung Balkan etc. einfach "gepasst". Die Generationenabfolge ist halt recht kurz.
Ich bin an einer Uni, auch heute gibt es (wenige) Eisenbahnfreunde unter den Studierenden (ich bin in einem "nahen" Fach). So kriege ich mit, welche Aufgaben sich die heutigen Fans setzten. Und das dies heute andere sind, ist gut so!

Viele Grüße
Karabük alias Bastian C.