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(RO) Târgu Jiu, Ceaușescu´s letzte Obus Erben (Bilder und Videos) 09/2019

geschrieben von: worldtradesurfer

Datum: 05.04.20 22:29


Hallo ins Bus und Obus Forum,

heute stelle ich hier einen kleinen unscheinbaren Obus Betrieb in Rumänien vor, der das Herz für Freunde hochfluriger Altbaufahrzeuge höher schlagen lässt. Schließlich fahren hier Rumäniens letzte Obusse des Typs DAC (Rocar) 212 E und 217 E. Der Bessuch in diesem Betrieb fand im September 2019 statt.

Es handelt sich um die kleine rumänische Stadt Târgu Jiu im Landkreis Gorj, die an der spektakulären Bahnlinie Simeria–Petroșani–Filiași liegt. Die Stadt ist vor allem bekannt durch ihr berühmtes Skulpturenensemble von 1937/38, das von Constantin Brâncuși zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges errichtet wurde. Die Namen der drei Skulpturen, „Tisch des Schweigens“, dem „Tor des Kusses“ und der „Unendlichen Säule“ sind in Rumänien sehr bekannt. Auch sonst befinden sich überall in der Stadt verteilt kleinere Skulpturen des in Târgu Jiu geborenen Künstlers.

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(Bild 1) Ankunft am Bahnhof. Ein schön saniertes Gebäude aus der kommunistischen Zeit.


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(Bild 2) Innenstadt Ensemble mit Rathaus im Hintergrund und typisch rumänisch orthodoxer Kirche.


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(Bild 3) Eine der drei berühmten Skulpturen, „Tor des Kusses“, die Rund um die Uhr bewacht werden.


Das Obusnetz:

Erst kurz nach dem Sturz des kommunistischen Regimes entschied sich die Stadt im Jahr 1990 zum Bau eines Obus-Systems. Der Bau der ersten Strecke (Artego – Cartier 9. Mai) sowie des Depots begann im Jahr 1992. Erst im Juni 1995 wurde der Fahrbetrieb auf der Nord-Süd Strecke eröffnet.
Eine zweite Nebenstrecke, die aus der Stadt hinaus führt zu einem Zementwerk im Ort Bârseşti westlich der Stadt wurde im Jahr 1999 eröffnet. Bis heute gibt es keine Liniennummern.

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(Bild 4) Das Obus Netz. Es gibt zwei Linien:
Linie „Artego – 9. Mai“ im 10-15 Minutentakt
Linie „Bârseşti – 9. Mai“ im 60 Minutentakt


Der Wagenpark:

Mit Eröffnung des Obus-Betriebes erhielt die Stadt insgesamt 17 fabrikneue Obusse von DAC Rocar aus Bukarest. 12 Gelenkwagen des Typs 217 E und fünf Zweiachser 212 E.
Dieser Fahrzeugpark existiert lange Zeit unverändert bis heute.

UPDATE: Schon lange wurde der Kauf von Neufahrzeugen als Ersatz angekündigt. Nun trafen Anfang des Jahres 2020 überraschend 10 gebrauchte hochflurige Rocar 412 E aus Constanţa ein! Der Obus Betrieb in Constanţa wurde 2010 stillgelegt. Die nun gebraucht erworbenen Fahrzeuge standen neun Jahre ungenutzt in Constanţa herum. Es bleibt spannend ob sie nach so langer Zeit wieder problemlos in Betrieb genommen werden können.

Weiter im Thema zu den derzeitig noch verkehrenden Typ 212 E und 217E:
Obwohl sämtliche Fahrzeuge erst lange nach dem Fall des Ceaușescu-Regimes gebaut wurden, stammt ihre Grundkonstruktion jedoch aus Bauplänen der ursprünglichen DAC-Busse und Obusse, die bereits ab 1975 in Rumänien gefertigt wurden. Einziger nach außen sichtbarer Unterschied der später gebauten 212 E und 217 E ist die um eine Fensterlänge nach hinten versetzte zweite Tür. Die spartanische Ausstattung und Einrichtung der ursprünglichen 112 E und 117 E wurde jedoch beibehalten.
Hier mal zwei Vergleichsfotos der Obus Baureihen DAC 112 E und 117 E, wie sie seit dem Jahr 1975 für Rumänen (und auch einige wenige für den Export) produziert wurden.
DAC 112 E
[de.m.wikipedia.org]
DAC 117 E
[transphoto.org]

Von den ursprünglichen DAC 112 E und 117 E gibt es schon längere Zeit keinen einzigen mehr, der in Rumänien oder anderen Ländern noch im Linienverkehr eingesetzt wird. Aber wenigstens die fast identische Nachfolge-Baureihe konnte ich nun noch einmal besuchen und erleben.
Dazu musste ich schon sehr zeitig um 05:00 aufstehen um ca. ab 5:30 an der Strecke zu stehen. Denn die Obusse in Târgu Jiu verkehrten nur halbtags!


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(Bild 5) DAC (Rocar) 212 E. Nur noch hier in Târgu Jiu fahren die letzten Exemplare der einst in Rumänen weit verbreiteten Baureihe. Deutlich ist die nach hinten versetzte zweite Tür zu erkennen.


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(Bild 6) Auch Rumäniens letzte DAC (Rocar) 217 E, ebenfalls mit nach hinten versetzter zweiter Tür, verkehren durch das kleine Obus Netz in Târgu Jiu.


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(Bild 7) Am Endpunkt 9. Mai im Süden der Stadt versammeln sich zwei Gelenkwagen. Von hier aus starten die beiden Linien in den Norden und Westen der Stadt.


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(Bild 8) So sah Rumäniens ÖPNV- Komfort über 30 Jahre lang aus. Dabei waren diese Kunststoffsitze schon ein Update zu den vorher eingebauten Sperrholz-Stühlen (dazu später mehr).


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(Bild 9) Auf der Linie nach Bârseşti überquert nur alle 60 Minuten ein Obus die Brücke über den Fluss Jiu. Das Wetter war leider beide Besuchstage sehr dunkel und regnerisch.


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(Bild 10) Am Endpunkt Bârseşti vor dem Zementwerk.


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(Bild 11) Rustikale Rückfahrt im Zweiachser in Richtung Innenstadt.



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(Bild 11) Besonders gut gefiel mir der rot lackierte 212 E.


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(Bild 12) Im Norden kurz vor dem Endpunkt Artego überqueren die Obusse die CFR Strecke nach Simeria.


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(Bild 13) Die Kulisse passt ;-)

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(Bild 14) Am Endpunkt Artego im Norden der Stadt.


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(Bild 15) Abfahrtshaltestelle „Artego“.

Ungefähr von 13:00 bis 14:00 wurde an meinen zwei Besuchstagen der Obus Betrieb beendet. Die Frühschicht rückte mit den elektrischen Fahrzeugen ins Depot ein und die Spätschicht verteilte sich mit Dieselbussen auf die Strecken. Normalerweise wäre für mich hier die Hobbytätigkeit mit der Kamera beendet gewesen. Aber für die nun fehlenden Obusse wurde ich am Nachmittag ausreichend entschädigt. Denn neben einigen modernen Niederflurbussen rückten auch noch sechs letzte Exemplare der urigen rumänischen Dieselbusmodelle DAC 112 UDM und DAC 117 UD aus dem Depot aus. Diese Baureihe ist nichts anderes als die Dieselvariante der rumänischen DAC 112 E und 117 E Obusse, die man wie bereits oben beschrieben schon länger nicht mehr in Rumäniens Obus Städten findet.
Diese einfachen spartanischen Dieselbusse wurden ab 1979 bis zum Jahr 2000 fast unverändert hergestellt!


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(Bild 16) Obus Ersatzverkehr in Târgu Jiu mit DAC 112 UDM. Alle hier noch vorhandenen Exemplare sind Baujahr 1991-1995 und stammen daher noch aus der Zeit bevor es einen Obus Betrieb in der Stadt gab!


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(Bild 17) Im Fahrgastraum existieren noch die äußerst spartanische Sperrholz-Stühle, die ebenso in der rumänischen Obus Generation 112 E / 117E verwendet wurden.


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(Bild 18) Neben den 5 eingesetzten Zweiachsern 112 UDM kam auch dieser Gelenkbus DAC 117 UD als Obus Ersatz zum Einsatz. Das Fahrzeug stammt mit dem Baujahr 1992 ebenfalls noch aus Zeiten vor der Eröffnung des Obus Betriebes.


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(Bild 19) Auch im Gelenkbus wird der Fahrgast mit Sperrholz-Komfort beglückt.


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(Bild 20) ein weiterer Altbau Zweiachser trägt ein Farbgewand, das doch stark an die ehemaligen Leipziger Farben der Straßenbahnen erinnert.


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(Bild 21) Im Stadtzentrum ebenfalls als Obus Ersatzverkehr.


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(Bild 22) Dieser DAC 112 UDM fährt gerade am Gewerkschaftskulturhaus vorbei.

Das wars dann auch schon an vorzeigbaren Material aus Târgu Jiu. Das schlechte Wetter erschwerte es mir, vernünftige Standbilder aus meinem Videomaterial für diesen Bericht herauszuholen. Wer mehr sehen möchte, dem empfehle ich meine zwei Videofilme die ich am Ende des Berichts verlinke.


zu guterletzt gibt es hier noch einen kleinen Kurs zur rumänischen ÖPNV-Netzabdeckung. Denn die ist in Târgu Jiu irgendwie alles andere als optimal und orientiert sich immer noch Stur und unverändert an Stadtstrukturen der kommunistischer Ära.


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(Bild 23) Auf dieser Karte sind alle existierenden Stadtbuslinien von Târgu Jiu gekennzeichnet, die auch das Obus Netz mit beinhalten. Die umliegenden Dörfer werden mit der Innenstadt verbunden, wie es Prinzipiell in allen europäischen Betrieben üblich ist. Jedoch....

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(Bild 24) ….Wenn man sich die ÖPNV-Netzabdeckung im Innenstadtbereich ansieht, fällt schnell auf, das gerade im Innenstadtbereich die Fußwege besonders lang sind. Dunkelblau gekennzeichnet ist das Obus Netz, das hauptsächlich die Plattenbaugebiete und den Bahnof mit den zwei großen Industriekomplexen am Rand der Stadt verbindet. Die hellblauen Linien kennzeichnen die Dieselbuslinien in die umliegenden Dörfer. Die gelbe Nord Süd Linie jedoch kennzeichnet die Haupteinkaufs-Straße der Stadt mit ihren vielen Einkaufsmöglichkeiten, Banken, Kino, Gaststätten und Kneipen sowie ein zentral gelegener Schulkomplex. Ebenfalls als gelb gekennzeichnete Fläche die erst in den letzten 10 Jahren entstandenen großen Shopping Malls. All diese gelben wichtigen Bereiche sind überhaupt nicht an den ÖPNV angeschlossen worden. Die Obus Strecke endet 500 Meter entfernt von den großen Einkaufszentren. Mit nur wenig Aufwand liese sich hier ein Ringverkehr im Innenstadtbereich herstellen. Aber das Interesse dafür scheint nicht vorhanden zu sein. Das Stadtzentrum wird dafür von parkenden Autos überflutet.


Zuguterletzt hier noch meine zwei Videos zum Thema. Es gibt ein Video über den elektrischen Verkehr und ein Video über den Dieselbusverkehr.

Teil 1 Târgu Jiu Obusse

Quelle: YouTube

Teil 2 Târgu Jiu Dieselbusse

Quelle: YouTube


Grüße an alle interessierten Leser

worldtradesurfer
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 (RO) Târgu Jiu, Ceaușescu´s letzte Obus Erben (Bilder und Videos) 09/2019
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