DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 0201 - Bus-Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!
In dieses Forum gehören Berichte und Diskussionen über Busse (Nah-und Fernverkehr) und verwandte Themen.
Auseinandersetzungen und Diskussionen BITTE sachlich führen!
Moderatoren: Heiko Focken - Th.D.

Etwas Nostalgisches um 1970, Bahnbus Hannover Hameln Detmold

geschrieben von: Otwf (K)

Datum: 03.01.18 17:26


Es ist um 1970, der Großraumverkehr Hannover ist gerade gegründet, bis Springe gilt der GVH Tarif, danach kommt noch auf der gesamten Strecke der Bahnbustarif zum Tragen. Die Fahrt geht über Hameln und Lemgo nach Detmold. Sie ist im Kursbuch der DB noch unter den Bus-Fernverkehrslinien (14xx) eingetragen.
Beim Einstieg, der nur durch die vordere Tür erfolgt, verkaufe ich Fahrscheine aus dem Timmdrucker oder kontrolliere die Fahrkarten der Fahrgäste. Die Preise entnehme ich der Tabellenpreisliste den Bahnbustarifes. Einige Preise hat man natürlich im Kopf, andere muss man eben nachschauen. Bei den Zeitkarten gelten einmal die reinen Bahnbuszeitkarten und die kombinierten Karten Schiene/Bus. Weiterhin gelten auch die meisten reinen Schienenfahrkarten außer den reinen Schienenzeitkarten. Bei manchen Verbindungen sind wiederum bei Schienenfahrkarten Zuschläge zu erheben. Auch Busrückfahrkarten sind möglich, aber selten. Bis Springe gilt der GVH Tarif.
Der Motor brummt, es ist 16.20 Uhr und ich fädele mich in den fließenden Verkehr ein. Die Haltestelle Hauptbahnhof Hannover am Ernst-August-Platz ist vor dem Centralhotel, hinter mir startet auch der Bus nach Fuhrberg. Der Großteil der Bahnbusse fährt aber direkt vor dem Gebäude des Hbf ab. Ich biege in die Jochaimstraße ein, linkerhand ist das DB-Direktionsgebäude. Unterwegs ein erschreckter Aufschrei: „wie fährt der denn heute nach Fuhrberg?“ Die junge Dame hat mir ihre Zeitkarte zu schnell unter der Nase weggezogen, Pech gehabt. Die erste Haltestelle ist am Aegi, dem Aegidientorplatz. Linkerhand die Auffahrt zur Stahlbrücke, die im Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die U-Bahn für die Dauer der Arbeiten den Aegi überspannt. Damals ahnt noch niemand, das sie erst 1998 abgerissen wird, erbaut wurde sie 1969. Es steigen viele Fahrgäste ein, weiter geht es zur Haltestelle Waterlooplatz, wo auch wieder Fahrgäste zusteigen, denn es liegen einige Behörden in der Nähe. Rechts rum geht es in Richtung „Schwarzer Bär“, die Straße ist verengt durch die Bauarbeiten für den U-Bahntunnel der späteren Stadtbahn. Die nächste Haltestelle ist der Deisterplatz, gegenüber liegen die Hanomagwerke. An diesen vorbei fahre ich in Richtung Bahnhof Linden und Telefunkenwerke. Auch hier sind jeweils Haltestellen, der Bus ist jetzt gut besetzt. Innerhalb von Hannover besteht für uns ein Beförderungsverbot, das erst später gelockert wird.

Jetzt geht es auf die B 65 in Richtung Springe – Hameln. Später einmal wird diese Linie einen etwas anderen Weg über Hannover-Bornum und Empelde nehmen, um dann in Ronnenberg auf die B 217 zu stossen. So geht es weiter zur Wallensteinstraße, der letzten Haltestelle auf dem hannöverschen Stadtgebiet. Jetzt geht es nach Ronnenberg, hier gibt es nur eine Haltestelle an der B 217, der Wind steht ungünstig und es riecht mal wieder sehr übel von der Abdeckerei herüber. Nun haben wir das Stadtgebiet endgültig verlassen. Der nächste Halt ist in Weetzen, auch hier riecht es kräftig, wenn die Kampange der Zuckerfabrik im Gange ist, es ist aber kein Vergleich mit Ronnenberg. Dann staut sich der Verkehr in Weetzen und unterwegs überholt man ein Treckergespann nach dem anderen. Die Abzweigung Sorsum kommt, eine Haltestelle an der B 217, wo selten jemand aus- oder einsteigt. Dann kommt der Ort Evestorf. Hier besteht zu Gunsten der Postbusse ein Beförderungsverbot von und nach Hannover, allerdings dürfen wir Fahrgäste in Richtung Springe aufnehmen. Gleich darauf halte ich in Holtensen und der Bus wird schon wieder leerer. Der Bahnhof Holtensen liegt ausserhalb des Ortes und so fahren doch einige Fahrgäste lieber mit dem Bus. Rechterhand liegt jetzt der bis zu über 400 m hohe Deister vor uns und es geht langsam bergauf, denn wir werden am linken Deisterrand den Ausläufer des Gebirges überqueren. Aber erst kommt noch ein Halt in Steinkrug und dann geht es bergauf zur Haltestelle Deisterkamm/Streitbuche mitten im Waldgebiet, eine beliebte Haltestelle für Wanderer. Hier müssen die 150 PS des Büssing Präsident 14 aber kräftig arbeiten. Dann geht es wieder bergab und nacht rechts in den Ort Völksen. Gleich bei der Einfahrt ist genug Platz zum Wenden und es geht wieder nach einem kurzen Aussteigehalt weiter. Peinlich, in der Steigung ein Schaltfehler, etwas zu lange gewartet nach dem zweiten Tritt auf das Kupplungspedal und das unsynchronisierte Getriebe beschwert sich mit einem bitteren Kratzen. Etwas Zwischengas geben und es klappt wieder mit dem Einlegen des Ganges. So, nun unterqueren wir die Eisenbahnlinie Hannover – Hameln an der sogenannten Kaisergabel. Oben am Bahngleis steht noch ein altes Eisenbahnergebäude, jetzt als Wohnhaus umgebaut. Hier hielt früher der Sonderzug des Kaisers, wenn er auf Jagd in den nahe gelegenen Saupark anreiste. Eine schnurgerade Allee führt zum ehemaligen Jagdschloss. Dann kommt Springe, drei Haltestellen sind hier zu bedienen, später werden es einmal mehr sein. Die Umgehungsstraße ist auch noch nicht gebaut, so geht der ganze Verkehr noch durch das Zentrum der Stadt. Von Springe bis Hachmühlen gilt zugunsten eines Springer Busunternehmens ein Beförderungsverbot. Weiter geht es vorbei am Abzeig Dahle nach Altenhagen II. Am Ortsausgang Altenhagen ist eine kleine Stuhlfabrik und dann kommt Hachmühlen, an der zweiten Haltestelle stoßen wir auf die Bahnbuslinen von Bad Münder und Lauenau. Der nächste Ort ist Hasperde, hier ist die Haltestelle gegenüber vom Bahnhof, im Ort selber ist noch eine Schule der DB beheimatet. Dann folgt Groß Hilligsfeld und dann kommt Hameln. Im Stadtgebiet von Hameln dürfen wir keine Fahrgäste befördern, hier fährt die KVG Hameln. Die erste Haltestelle ist Hameln Ahornweg und dann kommt der Bahnhof mit der Haltestelle auf dem Bahnhofsplatz.. Hinter dem Bahnhofsgelände liegt die K-Gruppe des BW Hameln. Dort sind die Bahnbusse stationiert, die von Hameln aus starten. Noch sind lange Linien dabei wie (Hannover -) Hameln - Höxter -Kassel oder Bremen (Bw Bremen) - Hameln. Oder eben auch die Linie, die wir heute fahren: Hannover - Hameln - Barntrup - Lemgo - Detmold. In Hameln kreuzen sich die Schienenstrecken Löhnde - Hildesheim und Paderborn -Altenbeken - Hannover. Dass ich gut 20 Jahre später auf diesen Strecken auch als Zugführer fahren werde, ahne ich damals noch nicht.
Nach einer Pause von 10 Minuten geht es weiter. Vorher rufe ich noch beim Fahrdienstleiter an, ob alle Züge pünktlich eingetroffen sind, denn auf einige Züge haben wir Wartezeiten. Jetzt geht es in Richtung Innenstadt, vorbei am Rattenfängerhaus zur Haltestelle Ostertorwall. Von da aus geht es über die Weserbrücke mit der historischen Schleuse. Dort ist gleich die Haltestelle Brückenkopf und weiter geht es zum Klütbahnhof am Klüttunnel. Dort geht es rechts ab auf der B 1 in Richtung Barntrup. Es folgt Hameln Wangelist. Hier erinnere ich mich an eine Rückfahrt Sonntags an einem trockenen kalten Wintertag. Die gesamte Strecke ist trocken. Ich komme über den Berg und nur dieses abschüssige Stück Straße ist auf der gesamten Länge vereist. Unten wird die Ampel rot, aber es gibt kein Halten mehr. Beim Bremsen stellt sich der Bus sofort quer, hupend rutsche ich über die Kreuzung, danach ist es wieder trocken und habe den Bus wieder im Griff. Nichts passiert. Weiter geht es: Klein Berkel und dann Groß Berkel Freiheit und die versteckt in einer Seitenstraße liegende Haltestelle Auf dem Thie. Diese Haltestelle beschert mir dann auch mal eine Forderung zur Begleichung einer Taxenrechnung, weil ich sie an einem Sonntag nicht angefahren habe. Ich war im Dunkeln durch sehr starken entgegenkommenden Verkehr bei nasser Fahrbahn so geblendet, des ich die Einfahrt nach links prompt übersehen habe. Von hinten lässt sich die Haltestelle nicht anfahren, weil die Straße spitzwinklig auf die B 1 mündet. Für Experimente ist da keine Möglichkeit, weil der Verkehr zu stark ist. Wo sonst fast nie jemand einsteigt, steht an diesem Tag ein Fahrgast. Man gut, ich brauchte nicht zu zahlen. Unterwegs die Haltestelle Abzweig Selxen, der nächste Ort ist Aerzen und dann folgt Reher. Weiter geht es nach Grießem, wo es dann nach rechts auf der B 1 weiter geht, dann folgt die Haltestelle Abzweig Sevinghausen und dann biegen wir auf die B 66 nach Barntrup ab. Über die Ladestraße geht es zum Bahnhof Barntrup. Hier sieht man ab und zu mal die exotischen holzverkleideten E-Loks der Extertalbahn von Rinteln kommen, die Güterzüge nach Barntrup bringen. Heute existiert diese Bahn noch als Museumsbahn. Die Strecke nach Hameln ist stillgelegt. Gegenüber vom Bahnhof steht ein altes rotes Ziegelgebäude. Darin befindet sich die Übernachtung für das Hamelner und Hannoversche Buspersonal, das damals dort noch übernachtet, denn zu der Zeit fahre ich von Detmold abends wieder über Lage zurück, morgens wieder nach Detmold und dann nach Hannover. Später ist das wegen der Lenkzeitpausen nicht mehr möglich und wir übernachten erst in Detmold und später in Horn. Als die RVH Regionalverkehr Hannover gegründet wird, wird die Linie von Hannover nicht mehr durchgehend bedient. Dafür werden dann in Hameln extra zwei Busse stationiert, die weiter der DB gehören. In Barntrup endet die Bundesbahndirektion Hannover und das Gebiet der BD Essen beginnt, dort haben die Busse der RVH nichts zu suchen. Diese Busse fahren bis oder ab Barntrup mit RVH Druckern, danach mit DB Druckern.
Von Barntrup Bahnhof geht es weiter in die Innenstadt. Weiter geht die Fahrt über Abzweig Mönchshof nach Bega, Humfeld, Farmbeck bis Dörentrup. Dort liegt das "Dörentruper Sand- und Tonwerk", an dem wir vorbei in Richtung Rieperberg fahren. Oben auf dem Bergkamm liegt im Wald die Haltestelle Rieperturm. Auch hier werden Erinnerungen wach. Man hatte mir am 31.12.1969 auf den 01.01.1970 die einzige Übernachtungstour des Kbw Hannover aufs Auge gedrückt und das war die in Detmold, denn an Feiertagen ging es nicht zurück nach Barntrup. So durfte ich also den Jahreswechsel in der Übernachtung in Detmold verbringen. Es war eine sehr kalte Nacht mit Temperaturen um die -20°. Der Bus sprang dann am Morgen sehr unwillig an, logisch bei der Kälte. Immerhin hatte ich auch eine junge Dame als Fahrgast bis Hameln. Als es dann den Rieperberg von Lemgo aus bergauf ging, begann der Bus zu bocken, ich mußte bis auf den 1. Gang runterschalten, bis er es schaffte. Mir schwante schon, was da los war, der Dieseltreibstoff stockte durch die Kälte. Bergab ging es dann wieder und ich schaffte es tatsächlich noch bis zum Ortseingang von Groß Berkel. Dort war dann endgültig Schluss. Vom Pförtnerhaus eines metallverarbeitenden Betriebes versuchte ich Hameln oder Hannover per Telefon zu erreichen, aber ich erreichte niemanden. Hilfe kam etwa eine halbe später in Form eines Bahnbusses von Bad Pyrmont, der mir dann den Bereitschaftsschlosser der K-Gruppe von Hameln zur Hilfe schickte. Gut 90 Minuten später konnte ich dann die Fahrt fortsetzen.

Jetzt kommen wir aber erstmal nach Lemgo, fahren durch die Innenstadt zum Bahnhof und von dort aus weiter über Hörstmar, Heßloh, Heiden und Jerxen-Orbke nach Detmold, wo die Fahrt am Bahnhofsvorplatz endet. Eine Fahrt von gut 105 km mit über 80 Haltestellen liegt hinter mir. Alle Haltestellen habe ich nicht erwähnt, zum Teil sind mir auch die Namen entfallen.

Nach einer Pause von über 2 Stunden geht es dann über Lage zurück nach Barntrup. Der Standard der Übernachtungen damals war alles andere als berauschend. Dreiteilige Matratzen auf meist durch gelegenen und knarrenden Betten. Keine Duschen und als Heizung ein meist stinkender Ölofen, das war der Standard. Noch dazu ein meist laut tickender Wecker und nach etwas über 5 Stunden war die Nacht vorbei.

Damals fuhren wir im Bahnbusverkehr noch mit eigenen Buchfahrplänen, die es für jede Linie gab. Später durften wir dann mit Aushangfahrplänen vorlieb nehmen.

Heute ist eine durchgehende Fahrt auf dieser Linienführung nicht mehr möglich. Eine Zeit lang wurde der Verkehr von Grießem nach Barntrup mit Bestell-Taxen durch geführt. Man benutzte den Bus nach Bad Pyrmomt, der Busfahrer meldete den Taxenbedarf an. Auch von Hannover nach Springe und von Springe nach Hameln kommt man heute nicht mehr durchgehend mit dem Bus.


Soweit meine Erinnerungen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.01.18 17:27.
Thema
Angeklickt
geschrieben von
Datum/Zeit
 Etwas Nostalgisches um 1970, Bahnbus Hannover Hameln Detmold
(1868)
03.01.18 17:26
(585)
03.01.18 20:55
(473)
03.01.18 23:36
(362)
05.01.18 20:16
  Danke,
(295)
07.01.18 14:54
(388)
07.01.18 17:29