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Gedanken zur Innotrans oder: Unerwünschte Klientel.

geschrieben von: Friedrich Löwe

Datum: 28.09.16 16:16


Hallo in die Runde,

bereits einige Wochen vor der diesjährigen Innotrans habe ich hier im Forum interessehalber einige Beiträge nochmal quer gelesen. Mit Interesse habe ich ebenso die Beiträge danach verfolgt.

Eins möchte ich vorweg schicken: Ich bin Werkstudent mit verkehrswissenschaftlichen Studienhintergrund an einer deutschen Großstadt und als solcher auch im Fahrdienst eines Verkehrsbetriebes tätig. Daher ist die Innotrans immer ein ganz besonderer Termin in meinem Kalender. Zum einen, weil man sich über die zukünftigen Entwicklungen informieren kann. Zum anderen aber besonders, weil man mit den Herstellern in Kontakt kommen (oder Kontakte pflegen) kann. Daher schätze ich diese Messe sehr, an der ich als Fachbesucher teilgenommen habe.

Der Umgangston bei den retroperspektiv stattfindenden Diskussionen hier enttäuscht mich allerdings maßlos. Es stimmt, dass es sich um eine Fachmesse handelt. Wahr ist aber auch, dass eine Messe nunmal grundsätzlich für Personen (hier: Geschäftsleute und Fachpublikum) veranstaltet wird. Ich finde es daher ziemlich maßlos, wenn sich einige der Mitforumierenden hier lauthals über "Kiddies" oder "Experten" aufregen, die ebenso an der Messe teilnehmen. Ein ernst gemeinter Hinweis: Kommt mal auf den Boden der Tatsachen zurück!

Wer sauber geleckte Fahrzeugbilder wie ein einem Pornoheftchen fabrizieren will oder wem das Gedränge auf der Fachmesse zu viel war (oder einfach nur das eigene Zeitmanagement hinsichtlich der Termine ungenügend) und sich daher zum "Oberexperten" echauffiert, hat vielleicht doch den ein oder anderen Tag auf der Messe zu sehr in der Sonne gestanden. Das ist sicher übertrieben und unfair formuliert, aber angesichts dessen, dass manche gerne "ihren persönlichen Spieplatz" draus machen und alle anderen am liebsten entfernt haben würden, finde ich diese Wortwahl notwendig. Dass man auf den Fachbesuchertagen als Hobbybesucher nicht jede Schraube und jede Nut dreimal fotografieren muss, sollte sicher klar sein. (Und wenn ich ehrlich sein soll, empfinde ich die Fotografen an den Fachbesuchertagen als deutlich gesitteter als an den Wochenenden). Ich finde es aber im gleichen Atemzug ziemlich lustig, dass da bestimmte Kulturkreise schaarenweise unter die Fahrzeuge krabbeln um auch ja jede kleine Leitung abzulichten - das wird allerdings geduldet und gehört wohl inzwischen sogar zum "state of the art".

Ich stand beispielsweise längere Zeit bei der Firma Heiterblick und habe mir den TW für die üstra ausführlich anschauen können und erklären lassen, insbesondere die Fahrerkabine. Daraus hat sich ein sehr angenehmes Fachgespräch hinsichtlich des Fahrerarbeitsplatzes und dessen Ergonomie entwickelt. Überhaupt habe ich mir bei der Begutachtung der Straßenbahnen einiges an Zeit genommen, immerhin ist das mein tägliches Arbeitsgerät. Ich sehe ehrlich gesagt nicht ein, dass ich darauf verzichten hätte sollen, nur weil jemand seine Bilder machen möchte. Ebenso wenig sehe ich ein, dass ich mich von der Jutebeutel-Fraktion 40+ und drei Knippsen auf dem Holzbrett anschnauzen oder bei Seite schieben lassen muss. Und gleich gar nicht sehe ich es ein, mich als gegenwärtiger Student als "Kiddie" abstempeln zu lassen.

(Ich kann mich noch an Messen erinnern, da war die Branche an Studenten ernsthaft interessiert. Das hat sich zu meinem Erstaunen und Bedauern aber in den letzten vier Jahren sehr geändert und passt damit prima zu den abgehobenen Aussagen, die manche Fernreisende so von sich geben. Allerdings sollte man dann wohl doch lieber nicht über "Fachkräftemangel" schwadronieren, wenn man offensiv den Eindruck vermittelt, gar nicht interessiert zu sein. Bezeichnent ist auch, dass es vor allem die kleinen Unternehmen sind, die dafür umso mehr und engagierter um zukünftige Mitarbeiter werben. Davon sollten sich Unternehmen wie Bombardier oder die Deutsche Bahn vielleicht mal eine Scheibe abschneiden.)

Ansonsten muss ich sagen, dass ich von der diesjährigen Messe (auch aufgrund der vorangestellten Dinge) sehr ernüchtert bin. Als ich am Dienstag anwesend war, haben weite Teile der Messe eher einen unfertigen (um nicht zu sagen improvisierten) Eindruck hinterlassen. Ingesamt empfand ich sie als deutlich schlechter, verglichen mit 2014 oder 2012. Insofern bleibt für mich vor allem das Fazit, dass ein teurer Anzug und ein paar Hochglanzechtlederschuhe eine gute Optik hinterlassen - die "social skills" werden dadurch leider nicht aufpolliert ...

Und jetzt: Feuer frei. Teert und federt mich, aber das ist meine Meinung und die wollte ich angesichts der letzten Beiträge auch zum Ausdruck bringen.
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