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 21 - Stuttgart 21 

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S21 und der politische Druck

geschrieben von: graetz

Datum: 09.01.18 13:58

Da jüngst von einem Foristen hier der politische Druck damals in Zweifel gezogen wurde - hier kann man ihn jetzt wieder live erleben:

Zur Erinnerung:
Zitat
Bahnchef Johannes Ludewig stoppte 1999 das Projekt. Zur Begründung sagte er 2011, Stuttgart 21 sei „schlicht zu groß und für die Bahn zu teuer“ gewesen.[49][50]Nach einer Neubewertung[51] erklärte die DB, sie sehe keine Möglichkeit, das Projekt einschließlich der Neubaustrecke „auf einen Schlag“ zu realisieren.
Zitat
Die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern übten dagegen 1999 zunehmenden Druck auf die Bundesregierung aus, das Projekt doch zu realisieren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgart_21

Jetzt stellt also die Bahn wieder(!) fest, dass das Projekt zu groß und zu teuer ist.

Und was passiert:
Zitat
Verkehrspolitiker aus Bund und Land kritisierten die Fahrplan-Entwürfe der Bahn: Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Thomas Dörflinger beispielsweise spricht von einem „Armutszeugnis der Bahn“:
Zitat
„Wir erwarten von der Deutschen Bahn, dass sie ihre gemachten Zusagen einhält
http://www.schwaebische.de/region/baden-wuerttemberg_artikel,-Politiker-kritisieren-Deutsche-Bahn-scharf-_arid,10799073.html

Zitat
Diese Pläne lösen massiven Protest aus. Die Gemeinderatsfraktionen von CDU, SPD, Freien Wählern und die Gruppe der FDP nennen die Anbindung „völlig inakzeptabel“.
Zitat
Die Fraktionen, die mit 33 Stimmen im Gemeinderat eine Mehrheit bilden, lehnen eine Änderung an der Infrastruktur ab.
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-gemeinderat-will-umplanung-am-airport-verhindern.41c79ae9-4163-4f15-82e6-91c4d39308c2.html

So kann es kommen, wenn man der Bahn ein Versprechen abnötigt, obwohl vorher klargestellt wurde, dass die Bahn diese Versprechen nicht einhalten kann.
Nach wie vor interessiert es niemanden in der Politik, dass die Bahn mit S21 schon weit über dem Anschlag ihrer Möglichkeiten steckt. Keiner fasst sich an die eigene Nase, ob man da nicht einfach zu viel verlangt hat. Keiner denkt darüber nach, dass man eben nicht "alles" für "wenig" bekommen kann. Keiner denkt auch nur ansatzweise konstruktiv, sondern fordert "alles" mit der Gefahr, dann "nichts" zu bekommen.

Natürlich war es auch ein Fehler, so jemanden wie Mehdorn zum Bahnchef zu machen, den die Bahn am Ar.. vorbeiging, Hauptsache er bekommt seinen Bonus für den Börsengang. Und noch nicht mal den hat er auf die Reihe bekommen. Die Bahn ist hier nur die Melkkuh gewesen für einige, die sich hier politisch profilieren wollten. Und das scheint jetzt so etwas wie eine Tradition hier zu werden.

Re: S21 und der politische Druck

geschrieben von: mental

Datum: 09.01.18 14:03

Am besten gefällt mir dazu dieses zitat:
Zitat:
"Der damalige Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD), seinerzeit einer der vehementesten Anhänger der Schnellfahrstrecke von Ulm nach Stuttgart wie des gesamten Projektes, hat heute nur eine Bewertung für die neuen Pläne der Bahn: „Ich gehe davon aus, dass die spinnen.“ Und Gönner empfiehlt: „Erst bauen, dann entscheiden.“ Nach seiner Erfahrung werde die Neubaustrecke nach ihrer Fertigstellung so gut angenommen, „dass die Bahn keinen Zweistunden-takt für Schnellzüge von Ulm über den Flughafen nach Stuttgart einsetzen wird, sondern einen Stundentakt einführt.“"


[www.schwaebische.de]

Die Lügen und das Tricksen geht unbehindert weiter. da fliegt die eine Lüge auf (ICE-Halt, 2 Stunden Takt, ...) und man setzt direkt die Nächste nach.

Das Ganze ist aber nicht einseitig: Die Bahn wollte durch den Umbau ihre Bilanz frisieren (mehrere fremde Milliarden die plötzlich im Bestand stehen) und bei den Grundstücken direkt abkassieren.

Die Politik wollte Grundstücke und ein Bauprojekt (SPD) und schaute keine 5 Jahre in die Zukunft (Überraschung: Feinstaubproblem!).

Jetzt wollen die Einen nicht zu ihren Fehlern und Lügen der Vergangenheit stehen und die anderen wollen mit den Lügnern koalieren und nicht an die eigenen Positionen erinnert werden. Und so fährt man zusammen bis zum Abgrund und hofft, dass es irgendwie doch noch gut geht und die @#$%& die einen wählen oder durch Bahnfahren unterstützen das brav weiter tun.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.01.18 14:09.

Re: S21 und der politische Druck

geschrieben von: Traumflug

Datum: 09.01.18 14:20

mental schrieb:
Zitat Ivo Gönner:
Zitat:
„Ich gehe davon aus, dass die spinnen.“

„Erst bauen, dann entscheiden.“

"einen Stundentakt einführt.“
Bemerkenswerter Fall von Realitätsverweigerung.

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Re: S21 und der politische Druck

geschrieben von: Traumflug

Datum: 09.01.18 14:42

graetz schrieb:
Nach wie vor interessiert es niemanden in der Politik, dass die Bahn mit S21 schon weit über dem Anschlag ihrer Möglichkeiten steckt.
Leute wie Gastel oder Hermann halte ich schon für schlau genug, diese Schieflage zu erkennen. Bei CDU und SPD bin ich da nicht so sicher, die sind es wohl traditionell gewohnt, mit markigen Sprüchen auch mehr oder weniger durchzukommen.

Doch was sollten Hermann, Gastel & Co. tun? Wenn sie jetzt sagen "Naja, war ja zu erwarten. Dann muss es eben ohne Fernverkehr gehen.", dann geben sie ihre Verhandlungsposition auf. Andere Druckmittel als die der DB abgerungenen Zusagen haben sie ja nicht. Die Zahlungen einzustellen ist politisch nicht gewollt, ein Projektende vorzuschlagen komplett entgegen der bisherigen politischen Linie (die ihnen immerhin die Stereotype der notorischen Neinsager oder Demokratieverweigerer vom Hals geschafft hat).

Ausserdem haben sie, zumindest in den letzten 5 Jahren, jedes dieser Versprechen mit Eingeständnissen an die DB bezahlt. Geben sie jetzt schnell ihre Verhandlungsposition auf, machen sie diese Eingeständnisse zu einem Geschenk. Die DB käme mit ihren Luftblasen erneut ungeschoren davon.

Daher kann ich die aktuell verkündeten Positionen schon verstehen und sogar unterstützen. Denn das langfristige Ziel sollte sein, dass die DB ihre Projekte ehrlich angeht. Das wird sie nur in dem Wissen tun, mit Luftblasen früher oder später auf die Nase zu fallen.

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.01.18 14:44.

Re: S21 und der politische Druck

geschrieben von: monza30

Datum: 09.01.18 15:33

graetz schrieb:
So kann es kommen, wenn man der Bahn ein Versprechen abnötigt, obwohl vorher klargestellt wurde, dass die Bahn diese Versprechen nicht einhalten kann.
Nach wie vor interessiert es niemanden in der Politik, dass die Bahn mit S21 schon weit über dem Anschlag ihrer Möglichkeiten steckt


da steckt ein Denkfehler drin....
klar hat die Politik gedrängelt, genau wie in Berlin beim Fluchhafen. Nur hätte in Stuttgart die Bahn sagen können "Njet... der Mist ist unsinnig, viel zu teuer, viel zu kompliziert und einfach nur dämlich. Wollen wir nicht, bauen wir nicht...."
Allerdings hatte man auch bei Bahnens nur eins im Blick: die Kohle.... wie auch die Politiker, die glaubten, mit Grundstückskungeleien sich ein Denkmal setzen zu können. Beides wird nichts werden mit diesem Wahnsinn: die Kohle wird der bahn kräftig aufs Portemonnaie fallen, da ist nichts zu verdienen - wie auch mit der NBS nicht, die notwendigen Leichtgüterzüge wird es nicht geben (vor allem nicht mit 740-Meter-Zügen). Und die Politik wird ihre Grundstückskungelei auch nicht durchbringen - entweder man veräussert das an Spekulanten, die Geld verdienen wollen und gibt den "sozialen" Wohnungsbau auf oder man muss selbst bauen, mit allen Folgen.

Ein Zurück wird's nicht geben.... wer sich jetzt allerdings zuerst bewegt hat verloren. Das wird dann der Sündenbock. Nur dass sich die tatsächlichen Sündenböcke dann schon in Sicherheit gebracht haben. Die Bahn wird solange weiterlügen, die Politiker werden solange weiter rumblöken und - nichts tun....

Re: S21 und der politische Druck

geschrieben von: Traumflug

Datum: 09.01.18 16:59

monza30 schrieb:
Nur hätte in Stuttgart die Bahn sagen können "Njet... der Mist ist unsinnig, viel zu teuer, viel zu kompliziert und einfach nur dämlich. Wollen wir nicht, bauen wir nicht...."
Allerdings hatte man auch bei Bahnens nur eins im Blick: die Kohle....
So lässt sich das halbwegs erklären. Eine Frage bleibt allerdings: wie hat man sich bei der DB vorgestellt, dass die ganze Rechnung mal aufgeht?

Hinter der Hand gibt es ja mehrere Aussagen, dass die DB intern auch 2008 schon mit 10 Milliarden Kosten gerechnet habe. Selbst wenn das nicht so war, es gab die Gutachten Landesregierung intern, BRH und V-R. Dass man mit diesen 4,5 Milliarden kaum eine Chance auf Fertigstellung hatte, wusste man also mehr oder weniger. Dennoch ist man den Deal eingegangen.

Da fallen mir nur zwei mögliche Erklärungen ein:

1. Man hat tatsächlich darauf gebaut, dass das Land, wenn es mal soweit ist, schon einen Blankoscheck ausstellen werde. Das Land ist ja der einzige Projektpartner, der das finanziell überhaupt in nennenswertem Umfang stemmen könnte.

2. Man hat darauf gebaut, dass die DB AG bis zum akuten Geldmangel längst an der Börse wäre. Um aber an diese Börse zu gelangen, liess man sich auf kurzfristige Bilanzaufhübschungen ein. Stuttgart 21 ist mehrere Milliarden schwer, gleichzeitig die wahren Zahlen gut versteckt, also ein exzellenter Kandidat für so eine kleine Schummelaktion.

Für mehr Frieden auf Drehscheibe-Online: DSO peacemaker

Re: S21 und der politische Druck

geschrieben von: monza30

Datum: 09.01.18 19:48

Traumflug schrieb:
Eine Frage bleibt allerdings: wie hat man sich bei der DB vorgestellt, dass die ganze Rechnung mal aufgeht?


die Frage ist ziemlich einfach zu erklären.... man war/ist bei der "modernen" Bahn zumindest in solchen Sachen hochnäsig und nicht zimperlich. Da wurde/wird hemdsärmelig über Bedenken hinweggegangen. Mehdorn wirkt auch heute noch... und wenn DER nicht hochnäsig/arrogant und hemdsärmelig alles in Grund und Boden gewirtschaftet hat, wo er gewirkt hat, wer denn sonst? Nicht dass andere Leute weniger schlimm gearbeitet hätten.
Einzigstes Kriterium: kurzfristig "gute" Bilanzen fürs eigene Portemonnaie (oder für den Börsengang), keine langfristigen Überlegungen, die stören nur die kurzfristigen Bilanzen. Man schaue "nur" auf die Kahlschläge in der Infrastruktur.
Bei solchen "Leuchtturmprojekten" kommt es doch garnicht drauf an, was bei Bahnens in der Bilanz steht.... der Steuerzahler wird und muss es eh löhnen. das Projekt muss nur weit genug gediehen sein. Und wenn dann auch noch die Politik davon überzeugt ist, dass ein Abbruch nicht mehr in Frage kommt, tja dann....
Und genau hier hätte ich damals wesentlich mehr Hoffnung in die Grünen gesetzt.... dass die sich aber auch nur an die Fleischtöpfe setzen wollten, nehme ich denen übel.
was sollte denn bei Bahnens passieren? Die Seilschaften halten, vor Gericht wird niemand einer bestimmten Person etwas nachweisen. Grube und Kefer haben sich von Bord geschlichen, gerade Kefer, der bei der Schlichtung in völlig arroganter Weise über alles hinweggegangen ist was auch nur den Hauch einer Kritik angedeutet hat, muss sich doch gefallen lassen, alle Mitwirkenden und Zuschauer belogen zu haben.

das alles kann man doch nur machen, wenn man befreit von aller (finanziellen) Verantwortung agieren kann... wer glaubt denn, dass irgendein Hansel zur Rechenschaft gezogen wird? Das verläuft alles im Sande oder geht aus wie das Hornberger Schiessen und der Steuerzahler hats am Kofferraum kleben....