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Tunnelkostendreisatzvergleich N-IN / S-UL

geschrieben von: Mueck

Datum: 26.11.10 21:29

Moin

Ich versuche gerade mal. die Dreisätze von Kefer und Vieregg nachzuvollziehen ...

Daten laut Vieregg laut 3.9 Langfassung (in Klammern von mir ergänzt), die irgendwo im Netz steht, ich habe in meine lokale Kopie geguckt ...

Strecke         N - IN          S - UL
Kosten          3,1 Mrd         ?
Länge ges.      80 km           60 km
Gleise T.       1               2
L. Tunnel       27 km           59 km (2x 30 km)
(L. frei        53 km           30 km)
Querschn.       115-130 m³      97-115 m³
Ausbruch        3,5 Mrd m³      6,4 Mrd m³

Laut Bodack in Schlichtung: 15 Mio. pro km freie Strecke
Kosten frei     0,8 Mrd         0,45 Mrd

Nimmt man mal an, dass die reine technische Ausrüstung der Strecke im
Tunnel (Gleise, Signale, Unterbau, ...) ähnlich teuer ist mit 15 Mio/km:
Kosten GT       0,4 Mrd         0,45 Mrd

Dann ergäbe sich für den "leeren" Tunnel (Ausbruch + Schale)
Kosten T        1,9 Mrd

Damit ergeben sich pro Kubikmeter leeren Tunnel
Kosten/m³       543 Mio./m³

Das müsste
- um die Preissteigerung erhöht
- um die etwas einfachere Geologie erniedrigt
werden, wobei in beiden Fällen eine "Alb" durchquert wird,
zum einen die Schwäbische, zum anderen die Fränkische.
Wenn man einfach mal annimmt, beides hebe sich auf und wenn
man das mit den Keferschen 300 Mio/m³ vergleicht:

Strecke         N - IN          S - UL (V)      S - UL (DB)
Kosten/m³       543 Mio/m³	543 Mio/m³	300 Mio/m³
Ausbruch        3,5 Mrd m³	6,4 Mrd m³	6,4 Mrd m³
Kosten T        1,9 Mrd         3,5 Mrd         1,9 Mrd
Kosten GT       0,4 Mrd         0,45 Mrd        0,45 Mrd
Kosten frei     0,8 Mrd         0,45 Mrd        0,45 Mrd

Kosten ges.     3,1 Mrd         4,4 Mrd         2,8 Mrd

Mir 20 Mio/km Technik wären das:

Strecke         N - IN          S - UL (V)      S - UL (DB)
L. frei         53 km           30 km
L. Tunnel       27 km           59 km
Kosten f+GT     1,6 Mrd         1,2 Mrd         1,2 Mrd
Kosten T        1,5 Mrd
Kosten/m³       429 Mio/m³      429 Mio/m³      300 Mio/m³
Ausbruch        3,5 Mrd m³      6,4 Mrd m³      6,4 Mrd m³
Kosten T                        2,7 Mrd         1,9 Mrd

Kosten ges.     3,1 Mrd         3,9 Mrd         3,1 Mrd

Wendlingen-Ulm scheint tatsächlich mit 300 Mio/m³ gerechnet zu sein,
das führt ungefähr auf die 2,9 Mrd.
Wenn man unter gleichen Bedingungen bzgl. freier Strecke Nürnberg -
Ingolstadt überträgt, kommt aber auf jeden Fall mehr als das raus ...
So'n Milliärdchen könnte da nach Plausibilitätscheck mindestens fehlen, oder?

Gruß Mueck

http://heiko-jacobs.de/jacobs/bremerhaven/bilder/ende/zeiles.jpg

Re: Tunnelkostendreisatzvergleich N-IN / S-UL

geschrieben von: Logikus

Datum: 26.11.10 21:53

Ich habe größte Hochachtung vor Ihrem Tabellenwerk. Aber es macht mich zornig, dass wir über die Verwendung unserer Steuermilliarden derartige Zahlen-Experimente machen müssen, nur weil ein dem Staat gehörendes Unternehmen wichtige Berechnungsgrundlagen nicht veröffentlicht.
Geissler hat (ungefähr gegen 18 Uhr) die Ursache für dieses Versteckspiel benannt: Die Privatisierung von früher staatlichen Dienstleistungen. Er hat die Privatisierung der Post als schlechtes Beispiel genannt. Wenn man zum Paketschalter neuerdings ins Nachbardorf fahren muss...

Re: Tunnelkostendreisatzvergleich N-IN / S-UL

geschrieben von: Biene

Datum: 30.11.10 16:15

Dieses Tabellenwerk hat zumindest einen grundlegenden Fehler; Herr Kefer begann seine Berechnung mit den "Ausbruchkosten" von 330 Euro pro Kubikmeter. ER ging aus von einem Tunneldurchmesser von 10 m und kam so auf die vorgetragenen Beträge. Erst hinterher "verbesserte" er auf Nachfrage dahin, es handele sich um die "Rohbaukosten" pro m3. Aber in der Tabelle steht statt Euro Mio. Das verwirrt mich.
Nach Kubikmetern kann man nur im Tunnel rechnen. Man muss deshalb m.E. die Ausbruchskosten völlig trennen von den Baukosten der übrigen Strecke. Schienen und Signaltechnik und Oberleitung dürften innen und außen sonst nahezu identisch sein. Bahnhöfe und Brücken ausgenommen, die dürften jedoch ohnehin jeweils gesondert berechnet werden.
Auch beim Tunnelbau unterscheidet der Bauingenieur zwischen Rohbaukosten und Gesamtkosten des fertigen Bauwerks.

Nach dem Rohbau ist der Ausbau notwendig (wie beim Wohnhaus auch), bestehend u. a. aus Entwässerung, Sicherheitstechnik, Notausstiegen, Belüftungsanlage, Beleuchtung, Feuerlöschtechnik, etc.

Zu den Gesamtkosten gehören schließlich auch die Planungskosten - diese hat die DB mit 17% beziffert (bisher).

Nach Erfahrungswerten ergeben sich die Gesamtkosten eines Tunnels dadurch zu min. 150% der Rohbaukosten.

Diese Kosten hat Herr Kefer schlicht und einfach unterschlagen!

Bei Wikipedia findet man eine aktuelle Darstellung der Kostenentwicklung beim Gotthard-Basistunnel:
"Die geschätzten Endkosten betragen mittlerweile 12 Milliarden Franken - ursprünglich wurden 6,3 Milliarden prognostiziert. Die Schweizer Regierung rechnet (Stand: Oktober 2010) bis 2070 mit einem betriebswirtschaftlichen Verlust zwischen (umgerechnet) 10 und 24 Milliarden Euro."

So wird es also voraussichtlich auch hier bei diesem Projekt aussehen. Und der betriebswirtschaftliche Verlust würde uns alle - als Steuerzahler und als zahlende Bahnpassagiere - jahrzehntelang viel Geld kosten.

Gruß, Fritz