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Kleinbahn Wallwitz - Wettin (Spurensuche mit 14 Bildern)

geschrieben von: rekok73

Datum: 19.09.21 16:26

Moin,

gestern war ich wieder im (alten) Saalkreis unterwegs, da meine Tochter einen Praktikumstag im Tierpark absolvierte. Nahe des Petersberges befindet sich der Bahnhof Wallwitz im Kilometer 13,8 der Strecke Halle - Vienenburg. Hier hatte auch die Kleinbahn nach Wettin ihren Ausgangspunkt. Die Gleisanlagen der Kleinbahn befanden sich in südwestlicher Lage zum Bahnhof der Hauptbahn.

Die Kleinbahn wurde am 05. Juli 1903 eröffnet. Die Einstellung des Personenverkehrs erfolgte am 26. Mai 1963 und der Güterverkehr endete am 01. Oktober 1971.

Für detaillierte Informationen zur Geschichte empfehle ich das Buch "Klein- und Privatbahnen im unteren Saaletal" aus dem Verlag Dirk Endisch.

Die Kilometrierung der Kleinbahn nach Übernahme durch die Deutsche Reichsbahn:

km 0,00 Wallwitz
km 0,69 Wallwitz West (ehemals Wallwitz Anschlussbahnhof)
km 2,71 Morl
km 5,03 Gimritz
km 9,64 Wettin

Am gestrigen Tag gab es häufig Sprühregen. Trotzdem habe ich diese kleine Tour absolviert.

https://up.picr.de/42085201kx.jpeg
An der südwestlichen Bahnhofsausfahrt in Richtung Nauendorf befindet sich das Stellwerk "B2" (nach Lageplan aus dem Jahr 1963). Im Internet wird es auch
mit der Bezeichnung "Wo" angegeben, was ich bei der Lage an der westlichen Bahnhofsausfahrt aber nicht recht glauben mag.

Hat Jemand genauere Daten zu dem Stellwerk, dann bin ich für weitere Informationen sehr dankbar.

https://up.picr.de/42085199sv.jpeg
Am Stellwerk vorbei gleitet hier der Blick über den Bahnhof Wallwitz mit ausfahrender RB 47 nach Bernburg. Der Bahnhof wird noch für Zugkreuzungen
verwendet. Alle anderen Nebengleise wurden zurückgebaut.

https://up.picr.de/42085200mp.jpeg
Hinter dem Stellwerk kreuzt das letzte verbliebene Gleisstück der Kleinbahn die Straße von Trebitz nach Sylbitz. Etwa 500 Meter weiter in Richtung Wettin
befand sich der Bahnsteig des Haltepunktes Wallwitz West.

Hinter dem Haltepunkt beschrieb die Strecke einen Rechtsbogen, um dann einige hundert Meter parallel zur Straße von Wallwitz nach Beidersee zu verlaufen. Nach einem weiteren Rechtsbogen erreichte die Strecke den Bahnhof Morl, welcher sich in Ortslage der Gemeinde Beidersee befindet.

https://up.picr.de/42085198ei.jpeg
Die Straßenseite des sanierten Bahnhofs Morl. Die ehemalige Gleisseite ist wegen Einzäunung und hoher Hecken leider nicht fotografierbar.

Nach Verlassen des Bahnhofs Morl beschreibt das ehemalige Planum der Strecke einen langgezogenen Rechts- und dann Linksbogen und passiert dabei den ehemaligen Steinbruch bei Görbitz.

https://up.picr.de/42085195dy.jpeg
Blick in den Steinbruch bei Görbitz, welcher nun Teil des FFH-Gebietes Porphyrkuppenlandschaft nordwestlich von Halle ist.

Kurz darauf ist der Bahnhof Gimritz erreicht, dessen Bahnhofsgebäude noch vorhanden ist und als Wohnhaus genutzt wird.

https://up.picr.de/42085196dj.jpeg
Die Straßenseite des Bahnhofsgebäudes von Gimritz. Die ehemalige Gleisseite wird heutzutage als Garten genutzt und ist nicht erreichbar. Das Gebäude
ist über eine kurze Stichstraße erreichbar.

https://up.picr.de/42085197bz.jpeg
Nach Verlassen des Bahnhofs kreuzte die Strecke die Straße von Görbitz nach Gimritz, was noch gut erkennbar ist.

Nun beschrieb die Strecke einen weiten Links- und dann Rechtsbogen und führte stetig bergab durch die markante Porphyrlandschaft in Richtung Mücheln. Die Landschaft ist durch Porphyrkuppen und Magerrasenflächen gekennzeichnet.

https://up.picr.de/42085190xz.jpeg

https://up.picr.de/42085191bh.jpeg
In diesem Bereich ist das Planum der Kleinbahn noch gut erkennbar. Teils sind noch Schotterbett, Schwellen und Kleineisen vorhanden.

https://up.picr.de/42085192kh.jpeg
Zwischen Gimritz und Mücheln weist der Streckenverlauf auch zwei Überführungen über Feldwege auf. Hier ist eine dieser Überführungen zu sehen.

https://up.picr.de/42085189rz.jpeg
Da die Strecke wechselnd in kleineren Einschnitten und auf Dämmen verlief, war im Bereich der Dämme natürlich auch der Bau von Durchlässen unvermeidlich.

Nun erreicht die ehemalige Kleinbahnstrecke die Ortslage von Mücheln. Dieser kleine Ortsteil verfügte über keine eigene Bahnstation. Die Bahn führte hier über die Straße von Lettewitz nach Wettin. Diese Brücke war das größte Kunstbauwerk der Strecke. Noch viele Jahre waren die Widerlager vorhanden. Bei einer Verbreiterung der Straße wurden sie aber entfernt.

Der kleine Ortsteil Mücheln weist dafür eine historische Besonderheit auf, so wie das gesamte Saaletal zu einer der geschichtsträchtigsten Regionen Deutschlands gehört. In Mücheln befindet sich eine gotische Kapelle aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie ist heute eines der wenigen noch existierenden baulichen Zeugnisse der Templer in Deutschland.

https://up.picr.de/42085188qi.jpeg
Die Templerkapelle in Mücheln, welche zwischen 1260 und 1280 erbaut wurde.

Nach wenigen hundert Metern ist dann der Endbahnhof Wettin erreicht. Der Lokschuppen ist noch vorhanden, jedoch in ruinösem Zustand und nicht öffentlich erreichbar. Das ehemalige Bahnhofsgebäude wird heutzutage von einer Firma genutzt, genauso wie der noch vorhandene Triebwagenschuppen. Während der Triebwagenschuppen nur über Firmengelände erreichbar ist, kann zumindest das ehemalige Bahnhofsgebäude abgelichtet werden.

https://up.picr.de/42085194yc.jpeg
Das zweistöckige Bahnhofsgebäude war ehemals Verwaltungssitz der Kleinbahn.

Der Bahnhof Wettin befand sich direkt an der Saale. Von hier hatte ich gestern bei Sprühregen diesen Blick in Richtung Saalefähre und Burg Wettin.

https://up.picr.de/42085193sh.jpeg
Die Burg Wettin aus dem 10. Jahrhundert ist die Stammburg der Markgrafen, Kurfürsten und Könige von Sachsen, der Wettiner. Heutzutage beherbergt sie
ein Gymnasium.

Übrigens: Obwohl Konrad der Große die Stiftskirche auf dem Petersberg zur Erbgrablege der Wettiner bestimmt hatte, war er der erste und gleichzeitig der letzte Markgraf von Meißen, der hier begraben wurde. Da meine Tochter im Tierpark Petersberg ihr Praktikum absolvierte, schließt sich hier der Kreis zum Anfang dieses Berichtes.

Eine zukünftige Ergänzung dieses Berichtes bei besserem Wetter ist nicht ausgeschlossen. ;-)

Mit besten Grüßen
René
Mitglied im Förderverein Erholungsgebiet Petersberg (Tierpark und Museum Petersberg)
Link: Tierpark Petersberg bei Halle (Saale)




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.09.21 16:32.

Vielen Dank für's Mitnehmen...

geschrieben von: Heizer Jupp

Datum: 19.09.21 17:18

...und weiterhin gutes Gelingen dem kleinen, aber feinen Tierpark am Petersberg, welchen ich auch schon öfter besucht habe. Das sollte ich bald mal wieder machen...

Re: Vielen Dank für's Mitnehmen...

geschrieben von: rekok73

Datum: 19.09.21 17:48

Um nur kurz vom Thema abzuschweifen: Die Leitung des Tierpark Petersberg haben vor einigen Jahren 2 sehr engagierte junge ausgebildete Zootierpfleger übernommen. (Leider wird nicht jeder Tierpark in Deutschland von ausgebildetem Personal betrieben.) Sie arbeiten intensiv daran, nach und nach die noch vorhandenen Altanlagen zu ersetzen, was zu größeren Teilen schon gelungen ist. Die letzten großen Um- und Neubauten waren ein komplett neues Wirtschaftsgebäude, das begehbare Schafgehege und das neue Gehege für Baumstachler.

Das begehbare Gehege der Ouessantschafe möchte ich besonders empfehlen, habe ich doch mit meiner Familie den Umbau massiv unterstützt. ;-) Nun können die Kinder dort mit Besen, Kratzen und Kinderschubkarren selbst Tierpfleger spielen. Die kleinen sehr robusten Schafe stört das nicht.

Der Tierpark hat zwar keinen Bezug zur Eisenbahn, aber als direkte Folge der Praktikumstage meiner Tochter kann ich hier im Forum meine Beiträge einstellen.

Beste Grüße
René



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.09.21 17:49.

Danke für die Spurensuche!

geschrieben von: KED Halle

Datum: 20.09.21 23:01

Guten Abend!

Danke für das Bereisen der ehem. Kleinbahnen nördlich Halle!

Interessant, daß nach so vielen Jahren teilweise noch Schwellen und Kleineisen liegen. Andererseits gibt es bei mir in der Gegend auch noch Gleisreste auf dem schon lange stillgelegten Teil der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn.

Zu Gimritz, Wallwitz und Wettin gibt es hier

[www.sporenplan.nl]

Gleispläne.

Für weitere Praktikumstage hätte ich noch ein paar Vorschläge:
- Bebitz - Alsleben (da soll teilweise noch das Gleis vorhanden sein)
- Nauendorf - Gerlebogk (war vor 2 - 3 Jahren ab Nauendorf noch ein Teil als Anschlußgleis vorhanden)
- Stichstrecke vom Abzweig Edderitz (zwischen Köthen und Frenz)

Viele Grüße!

Re: Danke für die Spurensuche!

geschrieben von: rekok73

Datum: 20.09.21 23:27

Hallo,

von Bebitz - Alsleben habe ich einige Bilder, die ich bei Gelegenheit zeigen werde. Ebenso von Nauendorf - Löbejün - Gottgau. Dort endet das Gleis unmittelbar am Bahnübergang vor dem letztgenannten Bahnhof. Danach ist wenig an Relikten vorhanden, vom ehemaligen Bahnhofsgebäude Gröbzig abgesehen. Gerne zeige ich weitere Bilder der Reste der ehemaligen Kleinbahnen. Allerdings wohne ich nicht direkt vor Ort. Neben der Eisenbahn interessiere ich mich auch für die interessante Geschichte der Region. So bin ich im Kontakt mit dem Verein 500 Jahre Industriegeschichte Rothenburg an der Saale und bin wie schon erwähnt auch Mitglied im Förderverein Petersberg, der auch das Kreismuseum des alten Saalkreises betreibt.

In Köthen bin ich geboren und auf der DWE habe ich ehemals meine Zugführerausbildung gemacht. Das war für mich die schönste Zeit bei der Eisenbahn. ;-)

Beste Grüße
René