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Moderatoren: Rönshausener - TCB
"Alles auf Horst! Das Pferd heißt Horst!" Ist eines der Hauptzitate aus dem legendären Ruhrgebietsklassiker „Bang-Boom-Bang, ein todsicheres Ding“. Wie wäre der Film wohl geendet, wenn Horst tatsächlich gewonnen hätte? Als Randbemerkung sei erlaubt, dass Horst noch nicht mal auf der längst geschlossenen Rennbahn in Gelsenkirchen-Horst seine Runde drehte, sondern im fernen Dortmund-Wambel. Was geblieben ist, ist der Bahnhof Gelsenkirchen-Horst Nord. Aber selbst dieser liegt nicht vollständig in Horst, sondern doch eher in Gladbeck-Brauck. Sei es drum. Beim Anblick der pittoresken Bahnanlagen wird deutlich, warum Gelsenkirchen hier auf den Namen bestand. Vielleicht liegt es aber auch an einem großen Nutzer der Bahnanlage, der BP-Raffiniere in Horst. Bei fast perfekten Regenwetter erreiche ich den Bahnhof aus Gladbeck kommend über die Horst-Gladbecker-Straße. Der erste Eindruck verspricht einiges.

Ein wenig Recherche unter anderen hier ergab, dass der imposante Bahnhof am 30.06.2021 immerhin 121 Jahre alt wird. Ich vermute allerdings, dass das Jubiläum dieses Jahr nicht groß gefeiert wird.

Einst lag der Bahnhof an der Strecke zwischen Bottrop und Gelsenkirchen Bismarck und wurde teilweise durch die Ruhrkohle AG (RAG) betrieben. Selbst eine Oberleitung war vorhanden. 2012 zog die Ruhrkohle sich zurück und nahm die Oberleitung gleich mit. Die Strecke nach Bottrop wurde aufgegeben. Geblieben sind trotz allem sehr interessante Einsichten und wenige Aussichten des Bahnhofs. Der nördliche Teil gehört samt Anschluss zum eigenen Betrieb der Firma Rau (Recycling - Aufbereitung - Umweltschutz) und der südliche Teil der DB Netz AG. Diese spannenden Informationen konnte ich im Archiv der WAZ vor knapp zehn bzw. drei Jahren ermitteln (WAZ und WAZ II). Eine friedliche Koexistenz.

Fasziniert durch diesen Bericht stieß ich auf einen vermeintlich aktuellen Gleisplan (Plan) auf den Seiten der Firma Rau. Selbst einen Weichenwärter scheint es noch zu geben. Zusammen mit dem Fahrdienstleiter wird hier wahrscheinlich die gesamte Klaviatur der nördlichen und südlichen Gleisharfe gespielt.

Doch trügt der Schein bzw. in diesem Falle wohl eher Klang?

Das ehemalige Fahrdienstleiterhäuschen ist bis auf vereinzelte Scheiben noch nahezu komplett vorhanden. Selbst Regen hält es noch zurück.

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Ich erklimme die Treppe und stehe an Weiche Nummer 6 und schaue Richtung Wanne-Eickel und Raffinerie. Heute hat sich kein Zug verirrt. Zugegebener Maßen macht es auch nicht den Anschein, als ob Fahrdienstleiter für Horst heute ein stressiger Posten wäre. Vielleicht sieht das ja beim Weichenwärter anders aus.

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Ich drehe mich um und erkenne sehr schön die beiden Gleisharfen. Ich lausche andächtig. Doch keinerlei Zupfmusik erklingt. Nichts. Einzig der Regen sorgt für angenehmen Begleitung, aber ohne Solist ein schwacher Trost.

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Vereinzelt sieht man ein paar Wägelchen auf der RAU Seite. DB Netz hingegen ist außer Haus.

Schnell fahre ich zur Roßheiderstraße und möchte ein wenig mit dem Weichenwärter reden. Schalke ist gerade abgestiegen, da würde sich ein Plausch sicher anbieten.

Meinen weiteren Recherchen zur Folge wird der Bahnhof noch genutzt, um die Raffinerie in Gelsenkirchen Horst zu beliefern. Vereinzelt erreichen Züge der DB Cargo aus Wanne-Eickel und der NIAG den Bahnhof, machen hier Kopf und beliefern die Raffinerie. So werden zumindest zwei Gleise der Harfe noch sicher benötigt. Fragt sich nur wann.

Dann die Überraschung. Ich bin perplex und irritiert.

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Wo einst der Weichenwärter auf Anweisungen seines Dirigenten wartete, befinden sich jetzt nur noch ein Prellbock und alte Schwellen. Das kann doch nicht sein. Ich merke, dass der Gleisplan der Firma Rau nicht aktualisiert wurde und ahne schreckliches.

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Ich schaue mir das zum Orchester des Bahnübergangs gehörende Läutwerk an. Jahrgang 2008. Zum Glück. Das ist noch nicht alt. Hier wird bestimmt noch Musik gespielt.

Der Platz für die Musiker scheint ebenfalls intakt zu sein.

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Ich schaue mir den Übergang genau an und bemerke, dass Autos selbigen mit großer Sorgfalt passieren. Hier fährt bestimmt noch etwas.


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Es ist eindeutig ersichtlich, dass dieser Bahnübergang einst auch für Eloks konzipiert war. Ob diese Andreaskreuze so überhaupt noch statthaft sind oder ein Verstoß gegen die STVO darstellen?

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Ich drehe mich und analysiere scharf.

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Das sieht zwar nicht nach regen Betrieb aus, aber vielleicht werde ich am nächsten Bahnübergang schlauer.


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Gut, Bahnübergang Heringstraße gecheckt. Vielleicht tut es ja ein Rasenmäher und Lichzeichen sind auch nicht zwingend erforderlich. Unter Draht stand dieser Bahnübergang wohl nie. Der rote Blitz im Andreaskreuz fehlt. An der Boystraße bin ich dann endgültig fassungslos. Hier fährt nichts mehr.

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Sollte es die Firma Rau Umweltschutz noch geben, werden zumindest diese Gleise nicht mehr in den Dienst des Umweltschutzes oder der Nachhaltigkeit gesetzt und der Gleisplan schon gar nicht aktualisiert. Der zweite große Schock nach Abbau der Oberleitung. Schnell fort von hier. Ich habe genug gesehen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.05.21 18:02.