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Moderatoren: Rönshausener - TCB
Hallo Eisenbahnfreunde,

hoffentlich habe ich diesen Beitrag im entsprechenden Forum veröffentlicht, wenn nicht, entschuldige ich mich.
Es ist bei meiner Familie seit vielen Jahren Tradition am Ostermontag einen Ausflug in eine wunderschöne Landschaft zu unternehmen. Dies ist jedoch bereits das zweite Ostern, wann wir an diesem Tag gezwungen sind zu Hause zu bleiben. Obwohl es dieses Jahr tagsüber keine Ausgangssperre gibt, und wir unsere erste Corona-Impfung erhalten hatten, haben wir uns dennoch entschlossen nirgendwohin zu gehen. Nachrichten berichten jedoch, daß Deutschland völlig "geschlossen" ist, und das erinnerte uns daran, wann wir vor sechs Jahren Ostern in Sachsen verbracht haben. Unsere Reise war schon damals nicht ganz sorgenfrei, da zu dieser Zeit eine große Anzahl von Einwanderern aus ganz Europa ein Problem darstellte. Wir haben die Nächte in einer Unterkunft in Heidenau verbracht, und die südlich von Dresden befindliche Stadt wurde, nicht lange nachdem wir nach Hause zurückgekehrt waren, mehrmals Schauplatz von Demonstrationen und Unruhen im Zusammenhang mit Migration.
Früher, in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre verbrachte ich fast jeden Sommer eine Woche in der ehemaligen DDR. Damals war es der am besten geeignete Urlaubsort für uns, da es möglich war ohne besondere Komplikationen in freundliche (socialistische) Länder zu reisen, zur gleichen Zeit an unserer Westgrenze erhöhte sich der Eiserne Vorhang. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, daß zu dieser Zeit die DDR die Eisenbahnfans nicht zufriedenstellte, da die DR bot eine Vielzahl von Fotomöglichkeiten und verschiedene Eisenbahnveranstaltungen fanden auch häufig statt.
Wir schreiben das Jahr 2015. Es ist mehrere Jahre her, seit ich das letzte Mal dort war, die neuen Möglichkeiten, die neue Zeiten bieten, haben mich in andere Regionen gelockt. Aber ich hatte mich nach dem Schauplatz meiner älteren Ferien gesehnt und wollte auch meiner Frau diese Landschaft zeigen. Unsere Anreise war auch aufregend: einige Tage zuvor traf der Niklas-Hurrikan Europa, brachte echtes Winterwetter in den Frühling, und als wir am Erzgebirgpass in Deutschland eintraten, war die Landschaft mit starkem Schnee bedeckt. Zum Glück waren die unteren Regionen bereits schneefrei, aber wann nach unserer Ankunft machten einen Stadtbesichtigungs-spaziergang, wir wegen einer Eisdusche es früher als geplant beenden mussten. Nachdem die Niederschlag aufgehört hatte, gingen wir zum Bahnhof, der ein sehr gemischtes Bild zeigt: die moderne Bahnsteige stehen in starkem Kontrast zu dem verlassenen Empfangsgebäude. Während wir dort um unschauten, im Schatten des verlassenen Stellwerk traf gerade ein Desiro 642 831 von Altenberg ein.
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Am nächsten Morgen war es ein kühle, windige, dunstige, mit einem Wort ein ziemlich unangenehmes Wetter. Trotzdem haben wir uns entschlossen, daß am Vormittag eine Fußwanderung durch Sachsen-Schweiz nach Bastei zu machen. Die positive Seite des schlechten Wetters war, daß wir die ganze Zeit fast niemanden getroffen haben. Dieses Programm rief bei mir angenehme, aber traurige Erinnerungen hervor. Zuerst besuchte ich die Bastei in den frühen 1980-er Jahren mit einem Freund aus Kindertagen, und zuletzt 1993 mit meiner Mutter, deren dies war die letzte Auslandsreise. Leider sind alle beide seit mehr als einem Jahrzehnt tot.
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Die Aussichtspunkte der Bastei bieten auch einen hervorragenden Blick auf die Eisenbahnlinie Dresden - Děčín auf der anderen Seite der Elbe, dies ist eine der schönsten Bahnlinien, die ich kenne. Wer hier eine Eisenbahn fotografieren will, wird nicht enttäuscht sein. Ich habe selbst mehrere Züge fotografiert, das Bild zeigt die nach Budapest rasende EC Hungaria.
Dieser Streckenabschnitt nimmt einen besonderen Platz in meinen Erinnerungen ein, und nicht nur wegen seiner Schönheit. Unsere Reise in die DDR begann am häufigsten in Dresden. Als sich unserer Nachtzug Metropol oder Meridian der sächsischen Hauptstadt näherte, fuhr gerade auf dieser Streckenteil, es anfing zu dämmern und diese faszinierende Landschaft entfaltete sich aus der Dunkelheit. Oft erinnere ich mich an diese Momente auch heutzutage.
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Um Mittags machten wir von Bastei auf den Weg nach Bad Schandau. Kurz vor unserem Ziel machten wir eine kurze Pause im Dorf Rothmannsdorf, wo das Eintreffen eines Zuges haben wir erwartet. Der Verkehr auf dieser Strecke ist eher ungewöhnlich organisiert: die beiden Endbahnhöfe der in dieser Relation verkehrende Züge, Děčín und Rumburk befinden sich in der Tschechischen Republik, aber die Linie zwischen Schöna und Sebnitz durch deutschen Boden verläuft. Die Fahrzeuge werden gemeinsam von der DB und ČD ausgestellt, ich habe es geschafft den 642 158 Desiro der DB zu fotografieren.
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Von Rothmannsdorf aus erreichten wir bald den Bahnhof Bad Schandau, der hat sich dramatisch verändert, seit ich das letzte Mal dort war. Der ehemals strenge Grenzübergang ist heute ein einfacher Zwischenbahnhof, nirgendwo war kein Soldat oder kein Grenzschutzbeamter zu sehen. Entsprechend dem europäischen Trend in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts war ein starker Rückgang des Güterverkehrs zu verzeichnen, gefolgt von einer Verringerung der Personenbeförderungsaufgaben. Während des Umbaus der Station vor gut einem Jahrzehnt wurden mehrere unnötige Nebengleise stillgelegen. Hier standen mehrere Züge, darunter die Werbelok 182 016 mit einem Doppeldecker-Pendelzug. Es war ein bisschen komisch für mich hier zu fotografieren - das hätte ich wahrscheinlich vorher, in den 80-ern nicht geschafft...
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Ich erinnere mich, wenn ich einmal vom Zugfenster, aus dem Hinterhalte, zwei am Bahnhof wartende U-Boote (BR 119 der DR) fotografiert habe. Damals zogen diese Fahrzeuge die meisten grenzüberschreitende Züge, daher mussten im Falle vieler Züge die Loks in Bad Schandau und auch in Děčín wechseln werden. Heutzutage ermöglichen die Mehrsystemloks, daß ein Zugfahrzeug durch mehrere Länder an der Spitze des Zuges steht, aber wir können immer noch Diesellokgezogene Güterzug hier in Bad Schandau zu sehen: das Kocúr 742 515 der Bahnunternehmen RM-Lines Sokolov.
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Wir haben natürlich auch die "eigene" Eisenbahn der Stadt, die Kirnitschtalbahn besucht. Es wäre schön gewesen entlang der romantischen, meistens im Wald führende Straßenbahnlinie bis zur Lichtenhainer Wasserfall spazieren, aber als wir hier ankamen, war es bereits später Nachmittag. Also nachdem wir den auf der Straße des Stadtes fahrende, aus einem Trieb- und zwei Beiwagen zusammenstellte Zug fotografiert hatten, aßen wir zu Abend und machten wir uns auf den Rückweg nach Heidenau.
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Unterwegs machten wir noch einen kleinen Umweg in der Station Rathen. Als wir dort ankamen, fanden wir eine überraschend große Menge auf den Bahnsteigen, während der Ansager des Bahnes den Ausfall des Zuges ankündigte, der gerade erwartet wurde. Als wir unsere Reise fortsetzten, haben unterwegs auch auf mehrere Ersatzbusse getroffen, das heißt, es gab eine Störung auf der Eisenbahn und aus diesem Grund fuhren die Züge von Dresden nur bis Pirna. Dann, als der Verkehr wieder aufgenommen wurde, fuhren die angehaltenen Güterzüge nacheinander vorbei, von denen ich einen an der Haltestelle Heidenau-Großsedlitz fotografierte.
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Am nächsten Tag aßen wir unser Frühstück viel besser gelaunt, als wir von fröhlichem Wetter und Sonnenschein begrüßt wurden. Dieser Tag haben wir der sächsischen Hauptstadt gewidmet, von Heidenau aus dauerte die Zugfahrt eine Viertelstunde zum Dresdner Hauptbahnhof. Diese Station ist einer der größten Bahnhöfe in Deutschland. Seine Besonderheit ist, daß die 16 Gleise der Halle zwei Stockwerke einnehmen: Oben finden Sie die Durchgangsgleise, während sich auf der unteren Ebene ein Kopfbahnhof befindet. Diese interessante Anordnung hat mich immer fasziniert.
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Heute ist die sächsische Hauptstadt für ungarische Touristen ein weniger beliebtes Reiseziel als vor drei Jahrzehnten, die Stadt doch seitdem einen großen Wandel durchlaufen. Wobei Gebäude, die in der 1980-er Jahren noch immer die Spuren des Krieges aufwiesen, kann man heutzutage weitgehend in ihrer alten Schönheit bewundert werden. Mehrere der während des Luftangriffs beschädigten Gebäude, z. B. das Residenzschloss blieb lange Zeit wie ein Torso, nur seine Mauern standen, Bäume wuchsen in seinen Räumen. Dieser Gebäudekomplex wurde komplett umgebaut, aber ich war viel beeindruckter von der Frauenkirche, die ich zuvor nur als Steinhaufen gesehen hatte.
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Aber das Prächtigste von allen ist der Zwinger. Ich kam 1975 oder 76 zum ersten Mal hierher, als Teil einer Klassenreise der Gymnasium. Unser Fremdenführer war ein lokales, sehr hübsches Mädchen, in das alle Buben verliebt waren. Ich war damals kein Eisenbahnfan, aber ich erinnere mich, daß wir mit einem von einer Dampflokomotive gezogene Doppeldeckerzug in Richtung Wernigerode gereisen waren, und auch, daß ich in den Harz konnte zum ersten Mal mit einem modernen, würfelförmigen Ikarus-Bus reisen. Unter anderem von meinen späteren Reisen blieb mir die Straßenbahnlinie 4 unvergesslich , die, wenn ich mich richtig erinnere, damals auch am Zwinger vorbeifuhr und mit der ich einmal zum Schloss Pillnitz reiste. Jetzt fahren ganz andere Straßenbahnen auf den Straßen der Stadt, sie sind attraktiven und komfortabeln, die alten Wagen Lowa gefielen mir jedoch viel besser.
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Unsere Stadtbesichtigung endete am Ufer der Elbe und dann spazierten wir entlang den Fluss zur Eisenbahnbrücke. Diese Brücke war einst ein ausgezeichnetes Fotomotiv, ich habe hier viele hervorragende Aufnahmen gemacht. Heute beeinträchtigt das Geländer am Rand das Aussehen der Fotos geringfügig, trotzdem habe ich ein paar Aufnahmen gemacht.
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Dann gingen wir zu einem der beliebtesten Ausflugsziele in Dresden, dem Großen Park barocken Ursprungs um eine seiner Prachten, die Liliputbahn zu sehen. Ich war 1981 zum ersten Mal mit meinem Vater hier. Es war März, also war keinen Schienenverkehr und ich konnte mir nicht vorstellen, was für eine Züge auf diesen schmalen Gleisen fahren können. Später habe ich mich wirklich in die damalige Pionierbahn verliebt, die ich bei all meinen Besuchen in Dresden besucht habe. Dies wollte ich auch diesmal nicht missen und wollte, daß meine Frau auch diese spezielle Eisenbahn sieht. Es waren zwei Akkulokomotiven in Betrieb, und zum Glück kam später auch Lisa, die kleine Dampflok heraus.
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Vom Großen Garten kehrten wir nicht mehr zum Hauptbahnhof zurück, sondern stiegen an der näher gelegenen Haltestelle Dresden-Strehlen in einen Zug. Während wir warteten, gelang es mir einen ICE-Triebzug zu fotografieren, der vom Dresdner Hauptbahnhof leer, ohne Passagiere in Richtung Süden fuhr.
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Die zweite Hälfte unseres Aufenthaltes in Deutschland war der Schmalspurbahnen gewidmet. Am Ostersonntag machten wir uns zunächst auf den Weg um eine auch als Lössnitztalbahn bekannte Linie zu erkunden. Ausgangspunkt der Strecke ist Radebeul Ost, das auch von der bereits erwähnten Straßenbahn 4 in Dresden betroffen ist. Ich habe an dieser Station zum ersten Mal eine Lokausstellung gesehen, die Erfahrungen dieser Zeit leben noch heute in mir. Das schmales Schienenpaar durchquert dann die Stadt - wo der "Vater" meiner Helden aus Kindertagen, Karl May einen Teil seines Lebens verbrachte und ruht auf seinem Friedhof - und betritt das romantische Tal des Lössnitzer Baches. Hier im 21. Jahrhundert sind jetzt auch Dampflokomotiven im täglichen Betrieb, auf dem Bild zeige ich einen "normalen" Personenzug, der nähert sich gerade dem Bahnhof Moritzburg.
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Ich habe es nie geschafft zur Hauptattraktion der Siedlung, der Schloß zu gelangen, obwohl der nur 1,5 km vom Bahnhof entfernt ist. Jetzt nahmen wir uns jedoch die Mühe und gingen um das barocke Jagdschloß herum, das ein schönes Beispiel mittelalterlicher Burgarchitektur. Der in der Mitte eines Sees befindliche Schloß wurde von dem sächsischen Prinzen Moritz erbaut, wer ist übrigens der Namensgeber des Gebäudes und auch der herumliegenden Siedlung.
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Ich habe jedoch schon einmal die neben dem Schloß befindliche "Modellanlage" besucht. Diese Einrichtung wurde 1790 als Spielzeug für ein reiches "großes Kind" gebaut, und eigentlich nichts weiter als ein Gartenmeer. In Ermangelung der Nähe zum Meer war hier die Flotte des sächsischen Kurfürsten stationiert, bestehend aus einer Minifregatt und zwei Gondeln. Zum Hafen, der natürlich einen Pier hat, ein Leuchtturm zeigte den Weg...
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Aber es ist Zeit zum Bahnhof zurückzukehren. Die 750-mm-Schmalspurbahnlinie dient heute ausschließlich den Tourismus, aber vor mehr als einhundertdreißig Jahren waren seine Schöpfer vom Güterverkehr motiviert. Der Güterverkehr spielte seit einem Jahrhundert eine Rolle im Verkehr dieser Eisenbahnlinie, 27 Jahre zuvor hatte ich selbst an diesem Bahnhof sogar mehrere Güterzüge gesehen und fotografiert. Zu Ostern 2015 gab es jedoch keinen einfachen, alltäglichen Verkehr auf dieser Strecke, der diesjährige "Eierfindungs"-Zug wurde von Radebeul bis Moritzburg von zwei Lok der BR sächsische IV K (Traditionslok No 176 un 99 1608) gezogen, und auf dem verbleibenden Abschnitt bis Radeburg kam eine Diesellok LKM V10 C hinzu.
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Von Moritzburg aus gingen wir nach Süden um eine weitere Schmalspurbahn am Stadtrand von Dresden zu besuchen. Die im Tal der Weisseritz schlängelnde Linie wurde während der großen Elbeflut im Jahr 2002 teilweise zerstört, und der Wiederaufbau konnte 2004 dank der Spendenaktion von Eisenbahnfreunden erstmals auf einem kürzeren Abschnitt begonnen. Der eigentliche Durchbruch gelang mit der Entscheidung der Provinz, die nicht zuletzt für die Wiederherstellung der Eisenbahnlinie stimmte. Nach einigen Ad-hoc-Zügen wurde der fahrplanmäßige Verkehr zwischen Freital-Hainsberg und in der Mitte der Strecke befindliche Dippoldiswalde am 14. Dezember 2008 wieder aufgenommen. Ich war immer beeindruckt von der prestigeträchtigen Erscheinung und Größe der Schmalspurbahnen der DR. Besonders gut hat mir der Bahnhof mit seinem Bahnsteigdach, sowie ähnliche, großzügige Lösungen für die Bahnlinie Zittau – Oybin/Jonsdorf gefallen. Neben diesen Zügen scheinen die ungarischen Schmalspurbahnen fast ein Spielzeug zu sein.
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Anno Dacumal habe ich diese Bähnle auch mehrmals besucht und bin mit dem winzigen Zug gefahren, aber es gab auch einen Fall, wann ich zu Fuß spazierte entlang der 26 Kilometer langen Linie. Natürlich habe ich mich hier auch mit Güterverkehr getroffen. Diese Versandart war mir fremd, da die in Ungarn nicht verwendet wurde. Nach meinem besten Wissen gab es einen einzigen Rollwagen bei uns, aber ich weiß nicht, der ob tatsächlich eingesetzt wurde. Wir haben in Malter den Gegenzug gewartet, und nachdem der Zug in der Ferne verschwunden war, gingen wir um den Talsperre herum und beendeten unseren Tag.https://kepkuldes.com/images/b72001a97689a3a9419e0aadc620a9c2.jpg

An unserem letzten Tag, also am Ostermontag nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Stadt Oschatz westlich von Dresden. Der Zweck unserer Reise war es die Überreste eines einst großen Schienennetzes zu besichtigen. In der Vergangenheit war diese Schmalspurbahn für mich ziemlich mysteriös. Dies lag vor allem daran, daß hier, im Gegensatz zu den meisten Schmalspurlinien der DDR, kein Personenverkehr herrschte. Trotzdem oder gerade aus diesem Grund habe ish mit meinem Freund diese Schmalspurbahn in der DDR-Ära nur einzige Mal besucht. Dann verbrachten wir einen ganzen Tag damit, daß machten einen Fußmarsch entlang der Linie bis zum Mügeln. Zum Glück sind wir unterwegs auf mehrere Güterzüge gestoßen. Am denkwürdigsten war die Situation, als am Eingang des Bahnhofs Oschatz - wo auch dieses Foto aufgenommen wurde - der Rauch der beiden Loks IV K des abfahrenden Güterzuges die gesamte Straße bedeckte.
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Die westliche Linie des Eisenbahnnetzes, die 1972 stillgelegt wurde, schlängelte bis Lommatsch, die erwähnenswert ist, weil die Familie Girotti 1942 von Italien floh dahin, und dort lebten die Eltern mit ihrem Kind, mit dem Teenager Marion (wer heute als Terence Hill bekannt) bis 1946. Der Bube hat vielleicht die Dampflokomotiven der heute als Museum fungierte Schmalspurbahn selbst gesehen, aber nicht diese Dieselmaschine. Nicht einmal, die aus Mariazell in Österreich stammende Lok ist seit 2008 in Mügeln im Einsatz. Das Aussehen der 199 031 an das DR-Farbschema angelehnte Lackierung sehr attraktiv ist. Die Lok habe ich in Mügeln fotografiert, der im Zentrum des ehemaligen Netzes befindliche Bahnhof, der einer der größten Schmalspurstationen in Europa.
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Ich habe oben erwähnt, daß diese Schmalspurbahn in den 1980-er Jahren nur den Güterverkehr abwickelte, der Anfang der 2000-er Jahre ansonsten eingestellt wurde. Die typischen Güter der letzten Zeit wurden am Bahnhof Glossen mit einem Quarzladeausrüstung direkt an die normalspurige Wagen - die auf Rollwagen standen - geladen. Diese am 1972 stillgelegte Anlage blieb glücklicherweise erhalten. Im Gegensatz dazu wurde bei einem anderen Lader Kaolin, der Rohstoff für die Porzellanherstellung in Wagen geladen, es ist interessant, daß eine der Zielbahnhöfe dieser Wagen Hódmezővásárhely in Ungarn war.
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Ich habe erst kürzlich herausgefunden, daß Terence Hill seine Kindheit in der Gegend verbracht hat, als ich sein Biografiebuch gelesen habe, aber daß welche Art von Eisenbahn-Merkwürdigkeit in Glossen immer noch erlebe, wurde ich nur an Ort und Stelle konfrontiert. Es handelt sich um eine Industriebahn mit einer Spurweite von 600 mm, deren ursprüngliche Aufgabe es war in einer nahe gelegenen Mine abgebauten Quarzstein zum Bahnhof zu transportieren, die Schmalspurbahn führte an den oben gezeigten Quarzlader. Die ehemalige Industriebahn, wie ich später mithilfe des Internets erfahren habe, hat ein Museum mit einer ansehnlichen Sammlung von Fahrzeugen, und der ehemalige Steinbruch kann auch mit der Schmalspurbahn betreten werden.
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Wir reisten am frühen Nachmittag von Glossen ab, aber noch nicht zu unserer Unterkunft, sondern etwas darüber hinaus, da wir vorhatten, die Miniaturpark "Die Kleine Sächsische Schweiz" im Dorf Wehlen zu besuchen. Ich weiß nicht einmal, warum wir so viel Zeit damit verbracht haben Bastei und andere Attraktionen zu besuchen, denn hier sind alles an einem Ort. Auf 8.000 Quadratmeter kann man die Makette vieler natürlicher und architektonischer Sehenswürdigkeiten der Region sehen, zwischen denen funktionierte Modelle - Postwagen, Obus, Schiff und natürlich Züge - verkehren. Darüber hinaus kann jeder, der nicht einmal hier spazieren gehen möchte, den Park als Passagier auf einer Gartenbahn erkunden, die an eine 1951 stillgelegene 750-mm Schmalsurbahn erinnert.
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Nachdem wir die kleinen Schönheiten der Sächsischen Schweiz bewundert hatten, nahmen wir sogar an einem spontanen Fabrikbesuch teil. Wir hatten früher von der Brücke der Autobahn über die Elbe bei Pirna mehrere Lokomotiven gesehen, und als wir nun nach der Treppe suchten, die zum Fußweg der Brücke führt, entdeckten zwei ausgestellte Loks (eine Köf und die 118.003), die bewachten das Bahnbetriebswerk der Bahngesellschaft ITL. Die Firma lagert hier ihre weitgehend modernen Traktionsfahrzeuge, aber die nostalgisch aussehende 112 331 gefiel mir am besten - vielleicht, weil mich an meine jugendlichen Erlebnise erinnerte. Es erkennte ich vorher nicht, aber jetzt, als ich dieses Bild betrachtete, entdeckte ich eine große Ähnlichkeit zwischen dieser Lokomotive und der 199 031.
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Das ist also die Geschichte unseres Besuchs in Deutschland zu Ostern 2015 in Kürze, am ersten Arbeitstag nach dem viertägigen, festlichen, langen Wochenende kehrten wir nach Hause zurück. Ich gebe zu, so habe mir diesen Kurzurlaub nicht ganz so vorgestellt. Das Wetter war nicht auf unserer Seite, die Temperatur zwischen dem Gefrierpunkt und zehn Grad, die Schneestürme, die wir mehrmals erlebten riefen eher den Winter hervor, als eine Osteratmosphäre zu schaffen. Aber ich möchte mich nicht beschweren, wir haben viele Dinge gesehen und viele Dinge erleben. Und obwohl sich diese Region in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten stark verändert hat - teils zu ihrem Vorteil, teils zu ihrem Nachteil -, bleibt für mich immer so, wie ich sie einst kannte.
Wir hatten schon geplant am letztes Jahr ein paar Tage in Deutschland zu verbringen, aber weiß nicht jedoch, ob eine Möglichkeit haben werde dorthin zu reisen. Auf meiner Wunschliste stehen jedoch auch einige ostdeutsche Ziele, z. B. Schmalspurbahnen, die ich noch nicht besucht habe, wie die Waldeisenbahn Muskau und die Preßnitztalbahn. Weil ich werde ja auch nicht jünge, leider sehe aufgrund der epidemischen Situation immer weniger Chancen, an diese Orte zu gelangen. Aber wie sagt man: die Hoffnung stirb zuletzt, also ich hoffe, daß die Region, an die ich viele jugendliche Erinnerungen habe, mindestens noch einmal besuchen kann.

Viele Grüße aus Ungarn und ich wünsche ein frohes, virenfreies Osterfest!
Hallo.Danke für diesen langen,interessanten und sicher auch aufwendigen Beitrag.

Viele Grüße


der Neitecfreak aus dem geneigten Gera


Re: Ein Ostern in Sachsen - bebilderte Erlebnisbericht

geschrieben von: Peter

Datum: 09.04.21 22:57

Hallo!

Wunderbar!
Ganz vielen Dank fuer diesen tollen Bericht aus der alten Heimat!
Sehr gelungene Aufnahmen, informativer Text - was will man mehr?

Besten Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.
(Merke: Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer)

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