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Altschotter aus dem Freudensteintunnel

geschrieben von: milz

Datum: 19.05.20 20:40

Altschotter aus dem Freudensteintunnel wurde heute am Westportal umgeladen. Die Links im Beitrag führen zu google.maps, damit sich jeder ein Bild von der Örtlichkeit machen kann.

Der Freudensteintunnel ist mit einer Länge von 6.800 Metern (keine Ahnung wo die oft genannte Tunnellänge von 6.824 Metern herkommt) der längste Tunnel der Schnellfahrstrecke Mannheim – Stuttgart und war bei seinem Bau wahrscheinlich das anspruchsvollste Bauvorhaben der beiden 1991 eröffneten Schnellfahrstrecken.
Nachdem die Bettungsreinigungsmaschine (die mit der Staubabsaugung) nun gestern, am 18.05.2020, auf der Ostseite in den Freudensteintunnel eingefahren ist, galt es dann den Altschotter aus dem Tunnel zu entsorgen.

Zunächst kam um kurz nach 10:00 Uhr ein kurzer Zug mit Wasserwagen aus dem Tunnel gefahren und wurde kurz vor dem Wilfenbergtunnel „zwischengeparkt“. In den Kesselwagen befindet sich Wasser und an den letzten Wagen ist auch eine Sprühvorrichtung zu sehen. Mit diesem Wasser wird vor der Bettungsreinigung der Schotter genässt, damit sich im Tunnel so wenig wie möglich Staub entwickelt.
DSC_4860.jpg

Etwa eine halbe Stunde später kam dann der Zug mit den Silowagen aus dem Tunnel. Der Zug bestand aus acht Silowagen, diese sind mit dem Altschotter aus dem Freudensteintunnel gefüllt. Um die Staubentwicklung im Tunnel gering zu halten, wird dieser Altschotter außerhalb des Tunnels in den Abraumzug umgeladen. Der Abraumzug ist mittlerweile auf dem Nebengleis bereitgestellt worden. Der Zug stand bereits seit dem Morgen auf dem Nebengleis parat und füllte fast die gesamte Länge zwischen dem Freudensteintunnel und dem benachbarten Wilfenbergtunnel.
DSC_4867.jpg

Hier die Umladung des Altschotters im Detail. Die Silowagen standen während der Verladung. Der Abraumzug im Nebengleis wurde immer meterweise vorgefahren und pfiff jedes Mal vor der Abfahrt, was einige Schaulustige anzog.
DSC_4878.jpg

Es dauerte dann etwa 80 Minuten bis der Umladevorgang abgeschlossen war. Danach fuhr der Zug mit den Silowagen wieder rückwärts in den Freudensteintunnel ein. Etwa 20 Minuten später fuhr dann auch der Zug mit den Wasserwagen wieder rückwärts in den Tunnel ein. Der Abraumzug war etwa zu 2/3 gefüllt und wartete vor Ort auf die nächste Befüllung. Im Tunnel selber befindet sich hinter der Bettungsreinigungsmaschine übrigens noch ein weiterer Zug, auf dem Rettungseinrichtungen und Löschwasser bereitgestellt werden.
DSC_4883.jpg

Und noch ein interessanter Gast schaute sich das Spektakel an und war extra auf die Brücke geklettert um zu sehen was denn in ihrem Revier heute los war.
DSC_4873.jpg

Meine weiteren Bildberichte zur Sanierung der Schnellfahrstrecke Mannheim - Stuttgart findet ihr hier:
[www.drehscheibe-online.de]
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[www.drehscheibe-online.de]

Edit: einen peinlichen Rechtschreibfehler korrigiert 😉



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.05.20 20:41.

Zwei Fragen

geschrieben von: Emil Oldersum

Datum: 19.05.20 23:01

Hallo milz,

danke für deine Berichte. Gehörst du da eigentlich zum Bau-Personal, dass du so gut Bescheid weißt?

Und wie ist es mit den Dieselloks und deren Abgasen in den Tunneln? Ist das kein Problem? Ich schätze, die bewegen die Bauzüge doch im Kriechgang durch die Tunnel. Weißt du da was drüber? Oder liege ich falsch mit der Antriebsart?

Grüße
Emil

Re: Zwei Fragen

geschrieben von: milz

Datum: 20.05.20 20:08

Hallo Emil,
nein, ich gehöre weder zum Baupersonal, noch zur Deutschen Bahn oder einem anderen Unternehmen welches mit den Baumaßnahmen beauftragt ist. Ich bin aber gelernter Bauingenieur (FH), auch wenn ich seit mittlerweile fast 15 Jahren meinen erlernten Beruf nur noch indirekt ausübe.
Ich finde aber eine Baumaßnahme dieser Größenordnung faszinierend und spannend.
Kleiner Schwank am Rande: in meiner Studienzeit war ich vor ca. 31 Jahren tatsächlich beim Bau zweiter Tunnel der Schnellfahrstrecke Mannheim - Stuttgart beteiligt, auch wenn mein Beitrag als Student wahrscheinlich keiner Rede wert war und ich damals eher nur im Weg rumgestanden bin 😉

Zu deiner Frage mit den Diesellokomotiven: Meiner Beobachtung nach sind die Arbeitszüge mit einer Geschwindigkeit unterwegs, die leicht über Schrittgeschwindigkeit liegt. Schätzungsweise also zwischen 7 und 20 km/h. Und das nicht nur in den Tunneln.
Auch habe ich beobachtet, dass die Diesellokomotiven bei Nichtbenutzung abgestellt werden, so dass ständig nur der Dieselantrieb der Bettungsreinigungsmaschine angeschaltet ist. In der Praxis sieht das so aus, dass ein Zug mal 100 Meter vorfährt, den Motor abstellt und wenn die Bettungsreinigungmaschine näher kommt (oder weiter weg gefahren ist) dann wieder 100 Meter weiterfährt.

Grundsätzlich sind aber noch zusätzliche Maßnahmen getroffen worden:
- Alle im Tunnel eingesetzten Großmaschinen müssen mit einem Dieselpartikelfilter ausgerüstet sein (TRGS 554, Allgemein-Verfügung EBA vom 12.4.2017, oder EURO 5/6 bei Zweiwegebaggern).
- Im Tunnel werden Bewetterungseinrichtungen (Ventilatoren) temporär aufgestellt. Dazu wurde vor der Baumaßnahme für jeden Tunnel ein Bewetterungskonzept aufgestellt. Die Bewetterung wird immer in die Richtung des Gleisumbaus durchgeführt (und ist mit guter Nase durchaus am Tunnelausgang wahrnehmbar). Die Stromversorgung erfolgt über Dieselaggregate außerhalb der Tunnels.
- Im Tunnel werden kontinuierlich die Stoffe NO, NO2, CO, CO2, O2 und die Staubentwicklung gemessen und bei Überschreitung Alarm ausgelöst.
- Die Arbeiter im Tunnel haben persönliche Schutzausrichtung (Atemschutz und CO-Warnung) bei sich und sehen damit fast aus wie Feuerwehrleute im Einsatz.

Re: Zwei Fragen

geschrieben von: Emil Oldersum

Datum: 20.05.20 21:56

Hey, danke für deine ausführlichen Erläuterungen. Ich war vor knapp 30 Jahren hin und wieder mit meinem Vater an der alten Nord-Süd-Strecke und wir haben uns das Baugeschehen an der Neubaustrecke dort angesehen. Daher find ich deine Aufnahmen auch sehr interessant.
Also gern weiter so! Danke!
Grüße
Emil

Geschwindigkeit der Arbeitszüge

geschrieben von: Fridolin Kiesewetter

Datum: 21.05.20 15:13

Hallo, selbige ist im Baugleis auf Vmax 20km/h gedeckelt.
Das wirkt vielleicht in "freier Wildbahn" z.B. zwischen Wilfenbergtunnel und Kraichtal etwas übervorsichtig, aber Vorschrift ist Vorschrift........

Siehe auch Wikipedia zu Baugleis

Re: Geschwindigkeit der Arbeitszüge

geschrieben von: milz

Datum: 21.05.20 21:43

Danke, das wusste ich auch noch nicht.
Das bedeutet dann, dass die Bauzüge für die ca. 60 Kilometer bis Mannheim so um die drei Stunden unterwegs sind...