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Moderatoren: Rönshausener - TCB
Hallo allerseits,

am Sonntag, dem 15. März 2020 war der Bahnbetrieb in Darmstadt wegen Arbeiten an einem Durchlass bzw. an Brücken in Höhe des Güterbahnhofs, also nördlich des Hauptbahnhofs, sowie Gleisbauarbeiten im Bereich Eberstadt – Bickenbach nahezu vollständig lahmgelegt. Fast alle von, nach und durch Darmstadt verkehrenden Züge endeten auf vorgelegenen Bahnhöfen oder wurden umgeleitet. Ausnahmen bildeten lediglich ein Pendel zwischen Pfungstadt und Darmstadt Hbf sowie die RB 75 Wiesbaden – Mainz – Aschaffenburg.

Letztere nahm, statt zwischen Weiterstadt und Darmstadt-Kranichstein den verschlungenen Abstecher zum Darmstädter Hbf zu machen, den geraden Weg über die nördlich der Kernstadt verlaufende Güterumgehungsbahn. Grund genug, das schöne Wetter zu nutzen und die Strecke fotografisch zu dokumentieren. Wer 17 Bilder ausschließlich mit den Coradia Continental der HLB (noch dazu die Hälfte als Nachschuss9 nicht aushält, möge bitte weiterklicken. Wer an einer Streckendokumentation Interesse hat, darf bleiben ;-)

Der nachfolgende Ausschnitt aus OpenRailwayMap (© Openstreetmaps-Mitwirkende) soll einen Überblick über die Strecke und die gezeigten Fotostandorte vermitteln. Besagte Güterumgehungsbahn verläuft vom Abzw. Stockschneise im Westen über den Abzw. Bergschneise und Darmstadt Nord nach Darmstadt-Kranichstein im Osten und bildet so den direkten weg von Mainz-Bischofsheim nach Aschaffenburg unter Umgehung von Darmstadt Hbf. Hier verkehren Güterzüge in durchaus nenneswertem Umfang, aber eben nicht so schön im Takt wie die umgeleitete RB 75, was das Warten mühsam machen kann. Der Abschnitt Bergschneise – Stockschneise wird (nur in dieser Richtung) auch regulär von der RB 75 befahren.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/Lageplan_ORM.jpg

Den vertieft an Details und Geschichte Interessierten sei die Webseite von Walter Kuhl empfohlen; insbesondere https://www.walter-kuhl.de/riedbahn/erkundung/verbindungsbahn.htm befasst sich mit der Güterumgehungsbahn.

Folgen wir nun der betrachteten Strecke von West nach Ost. Vom Abschnitt zwischen Darmstadt Nord und Kranichstein hatte ich vor drei Jahren anlässlich einer ähnlichen Umleiteraktion schon mal Bilder ins Sifo gestellt; sie mögen zur Ergänzung dienen: https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?004,8151853,8151853#msg-8151853.

Bild 1:
Beginnen wir am Abzweig Bergschneise, der seit Inbetriebnahme des Zentralstellwerks im Darmstädter Hauptbahnhof 1972 von dort ferngestellt wird. Verkehrlich diente der Abzweig ursprünglich der Verknüpfung der alten Riedbahn Goddelau-Erfelden – Griesheim – Darmstadt mit der Güterumgehungsbahn. Der Rest der alten Riedbahntrasse ist im Bild als nach links zum Anschluss Röhm abzweigendes Gleis zu erkennen. Der im Vordergrund links sichtbare Mauerrest dürfte ein Relikt des alten Stellwerksgebäudes sein, von dem ich leider noch nie ein Bild zu Gesicht bekommen habe.

Während der Streckenabschnitt westlich des Abzw. Bergschneise auch im Regelbetrieb von den RB 75 nach Mainz befahren wird, ist die RB 75 aus Mainz hier eine Besonderheit.


http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5533.jpg



Bild 2:
Eine Drehung um (fast) 180° zeigt den östlichen Teil des Abzweigs. Während der HLB-Triebwagen geradeaus unter der Brücke der B3 und des Richtungsgleises Frankfurt – Darmstadt hindurch gen Nordbahnhof rollt, ist die nach rechts zum Hauptbahnhof führende eingleisige Strecke, die regulär von den RB 75 nach Mainz befahren wird, wegen Bauarbeiten gesperrt.

Der Hektometerstein gehört übrigens zur alten Riedbahn, die ihren kilometrischen Ursprung in Mannheim Hbf hat.


http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5537.jpg



Bild 3:
Einige Meter weiter nochmal ein Blick Richtung Weiterstadt. Hinten links wieder die Riedbahn, vorn links die (gesperrte) Verbindung nach Darmstadt Hbf.

Das mit dem Rücken zum Betrachter in der Oberleitung hängende El 6-Signal bezieht sich auf eine rechts hinter dem Betrachter liegende Weichenverbindung zwischen den Streckengleisen, die Fahrten von Kranichstein zum Anschluss Röhm ermöglicht und seit der Aufgabe von Kranichstein als Zugbildungsbahnhof ungenutzt ist.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5519.jpg



Bild 4:
Ein Sprung einige hundert Meter nach Osten ermöglicht dieses Übersichtsbild mit Blick in Richtung Weiterstadt. Der Klotz im Hintergrund ist ein Hochregallager, Resultat der seit Jahrzehnten autoorientierten Siedlungspolitik der Stadt Weiterstadt, die sich nun vehement gegen neue Bahn-Verbindungskurven im Zusammenhang mit der geplanten Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim wehrt.

Der HLB-Triebwagen hat gerade die Brücken der B3 und des südwärts führenden Gleises der Main-Neckar-Bahn unterfahren. Letztere ist erst 2009/10 entstanden und ersetzte ein hübsches Stampfbeton-Bauwerk (vgl. https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?004,4225708,4225708#msg-4225708, Bilder 2, 4 und 5). Unterhalb der Brücken ist auch die oben erwähnte Gleisverbindung für Fahrten von Kranichstein auf die alte Riedbahn zu erkennen.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5484.jpg



Bild 5:
Die gleiche Szenerie nochmals etwas weitwinkliger mit Nachschuss. In diesem Bereich befand sich bis etwa 1910 die Betriebsstelle Hammelstrift, der vor der grundlegenden Umgestaltung der Darmstädter Bahnanlagen Anfang des 20. Jh. die Aufgabe zukam, Riedbahn und Güterumgehung miteinander zu verknüpfen. Einige ihrer Gebäude wurden erst vor wenigen Jahren abgerissen (vgl. https://www.walter-kuhl.de/riedbahn/erkundung/stellwerkhammel.htm), das Areal rechts ist seitdem bereits vollkommen überwachsen.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5477.jpg



Bild 6:
Nochmals einige Meter weiter unterquert die Güterumgehungsbahn das Streckengleis Darmstadt Hbf – Abzw. Stockschneise, das nordwärts führende Gleis der Main-Neckar-Bahn sowie die erst 1997/98 gebaute eingleisige S-Bahn-Strecke Frankfurt – Darmstadt. Gut ist zu erkennen, dass zwischen den alten Widerlagern einst vier Gleise Platz hatten: neben den zwei der Güterumgehungsbahn auch die zwei der alten Riedbahntrasse, die im eingangs gezeigten ORM-Plan grau gestrichelt dargestellt ist.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5508.jpg



Bild 7:
Die gleiche Szenerie nochmals zwei Mastabstände weiter östlich. Der Vorsignalwiederholer kündigt Hp 1 am Blocksignal des Abzw. Bergschneise an.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5496.jpg



Bild 8:
Eine Drehung um 180° mit Blick Richtung Osten zeigt die nächste Brücke über die Güterumgehungsbahn, die – streng bewacht und gesichert - eine Privatstraße der Fa. Merck trägt. Die bahnhistorische Besonderheit der Brücke liegt darin, dass sie genau in der Achse der alten Führung der Main-Neckar-Bahn liegt. Im oben gezeigten ORM-Lageplan ist zwar leider die Brücke selbst nicht gut zu erkennen, der geradlinige alte Nord-Süd-Trassenverlauf der Main-Neckar-Bahn lässt sich aber an Hand des Verlaufs des Stammgleises der Fa. Merck und eines Fußwegs weiter südlich anschaulich nachvollziehen.

Allenfalls zu erahnen ist im Bild, dass sich von links her nun die Verbindungskurve Darmstadt-Arheilgen – Darmstadt Nord annähert.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5546.jpg



Bilder 9 + 10 …
… zeigen dieselbe Brücke von Osten her, mal mit mehr, mal mit weniger Zoom. Auf Bild 9 unterquert die RB 75 gerade Main-Neckar-Bahn und S-Bahn und befindet sich etwa an gleicher Stelle wie in Bild 6.

Von rechts nähert sich die eben schon erwähnte Kurve aus Arheilgen, die seit 2005 im Zwei-Stunden-Takt von den Regionalexpressen zwischen Frankfurt und Odenwald befahren wird und die Güterumgehungsbahn nun bis zum Nordbahnhof begleitet.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5444.jpg

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5449.jpg



Bild 11:
Wiederum einige Meter weiter östlich bietet sich dieser Überblick mit dem gen Mainz rollenden HLB-Triebwagen und dem UFO-artigen Bauwerk der Merck-Kläranlage. In Höhe des Gebüschs rechts befand sich einst das Gebäude der Blockstelle Sensfelder Weg, an der die Kurve aus Arheilgen in die Umgehungsbahn einmündete (vgl. https://www.walter-kuhl.de/riedbahn/darmstadt/blockbirnbaum.htm).

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5441.jpg


Den Bereich unmittelbar rund um den Nordbahnhof möchte ich hier überspringen und verweise bspw. auf https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?004,4291550,4291550#msg-4291550, https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?004,4225708,4225708#msg-4225708 (Bild 3) oder https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?004,8151853,8151853#msg-8151853 (Bilder 3 bis 5).

Bild 12:
Nun befinden wir uns im Abschnitt zwischen Darmstadt Nord und Darmstadt-Kranichstein. Der Nachschuss auf den HLB-Triebwagen zeigt neben einem wartenden VIAS-Itino und dem mächtigen Empfangsgebäude des Nordbahnhofs auch den Richtungsanzeiger ‚B‘ für ‚Bergschneise‘ sowie den Sachverhalt, dass die eigentlich durchgehende Güterumgehungsbahn hier nur auf Hp 2 befahren wird.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5470.jpg



Bild 13:
Der Vorschuss zum vorigen Bild zeigt den HLB-ET 185, wie er die lange Gerade aus Kranichstein angerollt kommt. Das Blocksignal, dessen Mast sich rechts ins Bild geschmuggelt hat, deckt die beiden folgenden BÜ, das Vorsignal gehört bereits zum ESig Kranichstein.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5459.jpg



Bild 14:
Regelrechte Landschaftsmotive sind in diesem Abschnitt möglich. Bemerkenswert erscheint die rechts des Triebwagens erkennbare Rangierhalttafel – ein Relikt des früheren Anschlusses Schmitt & Ziegler am Nordbahnhof?

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5530.jpg



Bild 15:
Der Blick in die Gegenrichtung auf den gleichen Zug offenbart den Anlass zur Wahl gerade dieses Fotostandorts: oberhalb der Strecke befindet sich ein äußerlich weitgehend im Originalzustand befindliches Bahnwärter-Wohnhaus aus den 1860er Jahren der Zeit der Streckeneröffnung 1874.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5526.jpg



Bild 16:
Im abendlichen Streiflicht biegt HLB-ET 186 auf die Gerade zum Nordbahnhof ein. Auch aus dieser Richtung deckt ein Blocksignal die beiden BÜ, das Einfahrsignal des Nordbahnhofs zeigt Vr 2 und kündigt die Weiterfahrt Richtung Bergschneise an.

http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5560.jpg



Bild 17:
Zum Abschluss ein Blick auf die aus Kranichstein ausfahrende RB 75. Der dritte der BÜ zwischen Nordbahnhof und Kranichstein liegt bereits unter Deckung des Kranichsteiner Einfahrsignals.

Rechts der Güterumgehung ist das ehemalige Gütergleis zur Odenwaldbahn zu erkennen, noch weiter rechts kennzeichnet der offenstehende Schrankenbaum die Personenzugstrecke zwischen Nordbahnhof und Kranichstein


http://schrankenposten.de/Service/20-03_FD/IMGP5559.jpg



Ich hoffe, es hat gefallen.


Grüße, Volker



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.03.20 07:46.

Re: Auf nicht-verschlungenen Wegen durch Darmstadt

geschrieben von: andreas +

Datum: 17.03.20 20:03

Volker Blees schrieb:
Ich hoffe, es hat gefallen.

Grüße, Volker
Ja, sehr schön, auch dank Karte nachvollziehbar
Hallo Volker,

deine Motivwahl zeigt mir, was ich noch so alles aus der Verbindungsbahn hätte rausholen können. Das Bahnwärterhaus in Bild 15 habe ich nie so wahrgenommen. Aber wenn so schön freigeschnitten ist, ergeben sich auch neue Motive.

Das Bahnwärterhaus kann frühestens von 1874 sein, da müsste man in den Geschäftsberichten der Hessischen Ludwigsbahn nachschlagen. Die Rangierhaltetafel kann ich nicht zuordnen, denn der Anschluss Schmitt + Ziegler ging nach Westen. Vielleicht für Merck? Heute fährt die Übergabe für Merck ja über Kranichstein, aber war das immer so?

Gruß, Walter

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau-Erfelden, und mehr, auf https://www.walter-kuhl.de/riedbahn/.
Neueste Seite: Industrie- und Feldeisenbahnen in Hessen 1893.
Mein DSO-Inhaltsverzeichnis.

Bahnwärterhaus und Betriebliches in DA Nord

geschrieben von: Volker Blees

Datum: 18.03.20 08:10

Hallo Walter,

Zitat
Das Bahnwärterhaus in Bild 15 habe ich nie so wahrgenommen. Aber wenn so schön freigeschnitten ist, ergeben sich auch neue Motive.
Es ist recht eingewachsen. Ich war selbst erstaunt, wie gut es sich von der Schafweide gegenüber aus präsentiert. Das Gebäude steht auch unter Denkmalschutz; leider ist es noch nicht im DenkXWeb enthalten und die Leseprobe aus der Denkmaltopographie Hessen zu eisenbahnbezogenen Bauten, in der es auch enthalten war, ist offenbar nicht mehr online.

Zitat
Das Bahnwärterhaus kann frühestens von 1874 sein, da müsste man in den Geschäftsberichten der Hessischen Ludwigsbahn nachschlagen.
Danke, hab's korrigiert.

Zitat
Die Rangierhaltetafel kann ich nicht zuordnen, denn der Anschluss Schmitt + Ziegler ging nach Westen. Vielleicht für Merck? Heute fährt die Übergabe für Merck ja über Kranichstein, aber war das immer so?

Die Ausfahrt aus dem Anschluss Merck ist "schon immer" (spätestens, seit Nord vom Hbf aus gesteuert wird) durch ein Hauptsignal gesichert, da braucht es keine Rangierhalttafel. Und von und nach Merck muss man immer nach bzw. von Kranichstein fahren; ein Richtungswechsel in Darmstadt ist nicht möglich (Disclaimer: ich will nicht ausschließen, dass seit dem Upgrade der Betriebsstelle Darmstadt Nord zu einem Bahnhof 2005 ein Richtungswechsel in Gleis 4 am Bahnsteig möglich wäre).

Die Orientierung des Anschlusses Schmitt & Ziegler nach Westen ist kein Widerspruch zur Ra 10-Tafel an dieser Stelle, denn beim Wagentausch musste u.U. das Streckengleis Kranichstein --> Nord genutzt werden.

Mit Interesse habe ich am Sonntag übrigens wahrgenommen, dass im Personenzugteil von Darmstadt Nord rangiert werden kann: die VIAS aus dem Odenwald endeden auf Gleis 2 und setzten dann über das Streckengleis Richtung Darmstadt Hbf nach Gleis 1 um.

Grüße
Volker
Hej,

vielen Dank für die Bilder!

Sind einige gute Motive dabei, muss ich mir mal für bessere Zeiten merken.

Gruß
Tz 4683
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