Während gefühlt das halbe Forum mit Abschiedsfahrten beschäftigt war, wollte ich dank Urlaub und Fahrplanwechsel noch eine kleine Rundfahrt durchs Ländle unternehmen, um zu schauen, wie es denn nach dem Fahrplanwechsel so läuft. Natürlich hat das alles nur zum Teil geklappt, dafür hat die DB mit gewohnter Zuverlässigkeit gesorgt. An allem war sie aber nicht schuld.
Wo das Taktkonzept funktioniert, funktioniert es aber prima.
Randbedingungen waren: Ausgangspunkt S-Weilimdorf, BW-Ticket, Sohnemann um 8:30 in der Kita abliefern und bis 16:30 wieder abholen. Die Stadtbahn ist nicht weiter erwähnenswert, aber der Bonatzbau sieht trotz aller farblicher Lichtgestaltung einfach nur traurig aus.
Aber er wird ja zu einer weiteren Mall in Stuttgart werden, die wir in Anbetracht der Unterversorgung durch Milaneo, Königsbau-Passagen, Dorotheenquartier und Gerber so dringend brauchen. Die Baustelle des neuen Bahnhofs ist allerdings eindrucksvoll (Foto durch die Scheibe hindurch):
Eigentlich wollte ich Richtung Gäu, eine Runde über die frisch elektrifizierte Schönbuchbahn drehen, über die Ammertalbahn nach Tübingen und dann vielleicht Richtung Alb. Eigentlich. Es ging nämlich gleich so los:
Ursache war ein PU zwischen Böblingen und Herrenberg. Die +80 der Vorleistung waren schon reichlich optimistisch, real lief der Verkehr erst gegen 11:00 Uhr wieder. Also runter zur S-Bahn, dort sah es besser aus. Die Anzeiger im Probebetrieb machten ihre Sache ganz ordentlich:
In Böblingen angekommen, hatte die Schönbuchbahn für die frisch elektrifizierte Strecke natürlich das passende Rollmaterial aufgeboten. Die S-Bahn macht standesgemäß einen Bogen um den Hausbahnsteig, der damit der Schönbuchgbahn gehört. Elektrifiziert ist die Strecke jedenfalls (Foto aus Zimmerschlag):
Oder doch nicht ganz. Von den nagelneu gebrauchten 426 war keine Spur zu sehen, dafür etwas anderes Altbekanntes: ein 650. OK, dann machen wir uns mal auf die Suche nach den Elektrotriebwagen, irgendwo müssen sie ja sein. Bis zur Rückkehr nach Böblingen ist vielleicht auch der PU aufgeräumt.
Wildes Getippe auf dem Handy fördert zutage, dass in Zimmerschlag der Gegenzug komfortabel erreichen zu sein müsste. Also dann dort aussteigen. Die Nebenbahnromantik hält sich dort aber mittlerweile ziemlich in Grenzen. Zweigleisig, elektrifiziert und natürlich alles nagelneu wirkt nicht mehr nach verträumter Nebenbahn. Wenn ich daran denke, dass die Strecke vor 30 Jahren endgültig stillgelegt und entwidmet werden sollte...
Kann mir jemand die Logik der Abfahrtsanzeiger erklären? Vielleicht haben ja nur die 650 Live-Daten?
Manche Dinge sind noch nicht so ganz fertig. Ein neues Schild für Zinmmerschlag ist vermutlich schon bestellt. Für das alte hat man wohl keinen Mast mehr gefunden und es einstweilen auf dem Bahnsteig abgestellt. Wenn also jemand ein Souvenir suchen sollte... ;)
Auch ein Fahrkartenautomat hat den Weg noch nicht gefunden (vielleicht wird es aber auch keine geben und der Fahrkartenverkauf ist an Bord). Die Regelung finde ich allerdings sehr kundenfreundlich:
Ein Zugbegleiter war übrigens tatsächlich an Bord - spannenderweise in DB-Uniform und auch von der DB ausgeliehen. Der (sehr freundliche) Zub meinte nur, das habe so auf seinem Schichtplan gestanden.
Nach ein paar Minuten Wartezeit (in Anbetracht der Kälte und der doch eher abgeschiedenen Lage reichten die auch) tauchten dann doch noch die erwarteten 426 auf. DIe WEG scheint bei ihnen eine Neigung zur Rudelbildung zu vermuten und fördert streng nach Einstein-Konzept diese Begabung. Das sieht real dann so aus:
Vor dem neuen Zeug namens Strom scheinen sie im Schönbuch übrigens echt Respekt zu haben. Jeder metallische Gegenstand in erreichbarer Nähe ist mit einem Querschnitt geerdet, über den sich problemlos ein anfahrender ICE speisen ließe. Diese Teile sind jedenfalls reichlich vorhanden:
Zurück in Böblingen stellt sich die Frage, wie es denn nun dem PU geht. Im Bahnhofsvorfeld steht 101 029 mit einer IC-Garnitur - kein gutes Zeichen. Ein paar Minuten später wird sie dann ihre Garnitur leer Richung Stuttgart schieben.
Die Bahn hat wohl anderthalb Stunden gebraucht, um einen Ersatzverkehr zu organisieren. In fußläufiger Entfernung stehen massenhaft Busse des DB-Regionalverkehrs herum, aber entweder waren Fahrer Mangelware oder es gibt keine passenden Verträge. Deswegen darf Schlienz ran und austesten, wie voll man einen Reisebus denn packen kann. Der Fahrer fuhr zwar, als ob er rohe Eier zu transportieren hätte, aber bei einer Polizeikontrolle hätte es vermutlich ein paar Fragen gegeben. Ach so, eine Ausschilderung gab es auch nicht, aber zwei MA von DB Sicherheit wussten immerhin, wo der Bus fährt. Dieses Prachtexemplar durften wir also nutzen:
Die Fahrt nach Herrenberg war alles andere als ein Vergnügen. Von der Überfüllung des Busses abgesehen, war niemand auf die Idee gekommen, für S-Bahn und für Fernverkehr getrennt Busse fahren zu lassen. Also klapperten wir mit dem Reisebus S-Bahnhof um S-Bahnhof ab, was gefühlt endlos dauerte. Für mich war es ja nicht weiter tragisch, aber die Dame neben mir wollte nach Zürich und war kurz vor der Verzweifeln. Als wir endlich in Nufringen waren, fuhr die S-Bahn wieder. Sichtanschlüsse sind Mist, kann ich da nur sagen...
Irgendwann war dann Herrenberg erreicht. Immerhin ein Beweisfoto gibt es:
Eigentlich war ja der Plan, von Herrenberg dann über die Ammertalbahn nach Tübingen weiterzufahren. Das hat die Bahn aber erfolgreich verhindert - während die Abfahrten als pünktlich angezeigt wurden, waren die Ankünfte mit "Zug fällt aus gekennzeichnet". Hm, ohne Vorleistung keine Rückleistung. Spannend fand ich die Ausrede: "Stellwerksstörung in Tübingen West". Das Stellwerk dort ist seit 1999 Geschichte und durch Rückfallweichen ersetzt...
Richtung Schwarzwald wäre ja reizvoll gewesen, aber dann wäre 16:30 in der Kita knapp geworden - mittlerweile war es nach Mittag. Als dann der Quietschie nach Stuttgart einfuhr, war die Entscheidung für einen raschen Sprint nicht schwer. Frustrierend schnell waren wir wieder in Böblingen. Immerhin kam ich so nach langer Zeit mal wieder zu einer Fahrt über die Panoramastrecke.
Nach rund drei Stunden also mit einer mageren Bilanz und mäßig verbleibender Zeit wieder am Ausgangspunkt. Was nun?, sprach Zeus. Dann schauen wir doch mal, was so aus den letzten Silberlingsreservaten geworden ist: Murrbahn, Hohenlohebahn, Frankenbahn.
Am Nachbargleis steht ein weiterer Silberling-Ersatz: ein FLIRT von GoAhead nach Aalen.
Beeindruckend finde ich ja vor allem, dass man der Schaku komplett in die Unterwäsche schauen kann:
Für mich gibt es dagegen Hamsterbacke in weiß/gelb (RE88619 Stuttgart 13:00, Hessental 13:58):
Im Hintergrund ist noch eine Garnitur 612 zu sehen. Rot stand ihnen besser, finde ich.
Der Talent 2 hat mich überhaupt nicht überzeugt. Abgesehen davon, dass die Inneneinrichtung der Fahrzeuge in etwa die Gemütlichkeit eines Dixi-Klos ausstrahlt, hat das Fahrzeug in einem bestimmten Geschwindigkeitsbereich Resonanzen in Längsrichtung. Fühlt sich in etwa an wie Rodeo-Reiten mit Schienenfahrzeugen.
Ab Hessental war dann Desiro angesagt: RE23430 Hessental 14:03, Heilbronn 14:52.
Die Inneneinrichtung war aber wenigstens ein bisschen auf Ansehnlichkeit und nicht nur auf Abwaschbarkeit ausgelegt, auch wenn das Fahrzeug ebenfalls kein Vergnügen ist. Aber einen Nahverkehrstriebwagen, in den ich gerne einsteige, suche ich sowieso noch. Da der Umstieg in Hessental schnell und effizient war, nur ein Kurzporträt des 642:
In Heilbronn angekommen, war nach all dem weiß/gelb selbst das verblasste Rot, das 147 006 hinter sich hergezogen hatte, ein erfrischender Anblick:
Mir war nach frischer Luft, also spazierte ich zum ehemaligen Buga-Gelände hinüber. Unterwegs zeigte sich ein unerkannter 426 mit der ältesten Schleuse Württembergs:
147 001 beförderte mich dann wieder nach Stuttgart. Überlegungen, ob eine 001 von Bombardier auch tatsächlich Serienqualitäten hat, erledigten sich aber recht fix. Die Fahrt war ohne betriebliche Höhepunkte. Hier kamen die Zub interessanterweise von Abellio. Ich blicke nicht mehr durch. Oder fahren hier DB-Dostos im Auftrag von Abellio, bis sich Bombardier mal bequemt, zu liefern?
Faszinierend sind die gigantischen Räder an der Containerlok. Das hat ja fast Teekessel-Qualitäten:
Zum Abschluss noch etwas, was mich in Kirchheim anlachte. Dürfte auch schon ein paar Tage außer Betrieb sein, ist aber ein hübscher Bau.
Anmerkung zum Schluss: im Gegensatz zu meinen sonstigen Berichten habe ich diesmal mit einer einigermaßen brauchbaren Kamera (Lumix DC-LX100 II) in Raw fotografiert und versucht, die Bilder in RawTherapee nachzubearbeiten. Der fast durchgehend graue Himmel war natürlich nicht hilfreich. Über sachliche Hinweise, was ich hätte besser machen können, wäre ich trotzdem dankbar. Einige Bilder sind auf dem Weg Kamera -> RawTherapee -> Irfanview (zum Runterskalieren) -> Abload leider ziemlich matschig geworden. Wahrscheinlich skaliere ich das nächste Mal besser gleich in RT.
Guten Rutsch an alle!
Max
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:07:24:21:46:41.