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Moderatoren: Rönshausener - TCB
Hallo zusammen,

die Einstellung (bzw. die dauerhafte "Umleitung") der EC-Züge Hamburg - Kopenhagen hat mich veranlaßt, ein letztes Mal mit der Fähre Puttgarden - Rødby zu fahren. Diese Fähre ist für mich viele Jahre Begleiter, ich habe viel Verwandtschaft in Schweden und seit jüngsten Kindheit (1965 mit 3 Jahren alt) die Verbindung sehr oft genutzt. Auch im Winter 1978, das wir im Schnee vor Rødby mit dem Zug auf dem Rückweg nach D stecken blieben und 3 Tage auf dem Fährschiff Deutschland verbrachten.

Reiseplan 05.11.2019:
- Aachen - Köln mit RE10147
- Köln - Hamburg mit IC2020 (+35')
... Frühstück und Hamburg-Sightseeing in 1 Std (Jungfernstieg, Radhaus, Landungsbrücken)
- Hamburg - Rødby F mit EC33
... Landgang bis 13:30
- Rødby - Hamburg mit EC34 (+17')
- Hamburg - Köln mit IC2321
- Köln - Aachen mit RE101040

Es hat soweit geklappt, die Verspätungen waren im Plan berücksichtigt.

Nun: der EC33 wird in Hamburg Hbf auf Gleis 8 bereitgestellt, Fahrzeuge: 2 dänische Gumminasen, Typ MF (IC3 DSB)

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innen: ein bequemes Fahrzeug, sehr geräumig mit großzügig Platz auch in der 2. Klasse

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der große Moment: Der Zug geht aufs Schiff, es wird im Bug des Schiffes an einer AK festgemacht, nicht mehr wie früher die einzelnen Wagen mit Ketten am Boden verzurrt. Kaum ist der Zug auf dem Schiff fährt das auch direkt ab. Ankunft Puttgarden bis Abfahrt Schiff vergingen keine 10min. An Bord wird man gebeten, den Zug zu verlassen und sich auf Oberdeck zu begeben.

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unterwegs begegnen die Schwesterschiffe unserer Fähre, der "Prinzess Benedikte". Allesamt Hybridschiffe, die deswegen eine lange Dampffahne hinter sich herziehen. Wen das Thema interessiert:
[www.scandlines.de]

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10min vor Ankunft wird über den Schiffslausprecher gebeten, sich wieder in den Zug zu setzen / in die Autos zu gehen. Nach kaum 45min Überfahrt legen wir in Rødby an. Der EC fährt aus dem Schiff und hält am Bahnsteig in Rødby Færge. Ich bin der einzige Reisende, der aus- oder einsteigt.

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Der Bahnhof in Rødby ist ein Schatten seiner Vergangenheit, es gibt nur noch die Gleis 18,19 und 20, der Rest ist Schotterwüste. Die Fahrkartenausgabe ist geschlossen und durch Automaten für Zug- und Fährkarten ersetzt. Auch hier nirgends ein Mensch, außer mir

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Es gibt im Regen nichts zu sehen, doch da, plötzlich kommt die nächste Fähre in Sicht, die "MS Deutschland", die neue Ausgabe dessen, auf dem ich 1978 die erwähnten 3 Tage fest gesessen habe. Ich denke, da mußt Du drauf. Am Automaten das Billet gekauft (75 DKK), durch die automatsische Einlaßsperre und über lange Korridore auf den Fußgängereingang der Fähre. Wieder bin ich allein, der einzige Reisende ohne Auto, der zu Fuß auf die Fähre geht.

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Auf dem Schiff, wie immer einen Hot Dog / røde polser, es geht nicht ohne für mich.

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In Puttgarden im Bahnhof die gleiche Tristesse wie in Dänemark. Lange menschenleere Korridore, Schotterwüste, keine Passagiere, ein Fahrkartenautomat DB (gestört, nimmt kein Geld). Einzig ein geöffneter Informationsraum der Scandlines informiert aufwenig über die Nachteile und Kosten einer festen Fehmarnbeltquerung. Logisch, es würde ihnen einen Großteil der Geschäftsgrundlage entziehen.

Am Bahnsteig in Puttgarden, nur noch Gleise 2 (Regio) und 3 (EC vom und zum Schiff) werden befahren. Es läßt sich aber phantastsich die Ankunft der Fähre und das Ausschiffen des EuroCity 34 beobachten, der mich (vermutlich) zum letzten Mal von hier weg bringt.

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Der Zug kommt, hält an, ich steige zu. Dann, der Zug der von Kopenhagen, über das Schiff und zum Bahnsteig Puttgarden tadellos funktionierte, hatte Probleme und fuhr erste mit +17 ab, technische Störung am Zug sagte das RIS. Aber für Umsteigen in Hamburg war genug Zeit, notfalls wäre ich einen IC später nach Köln gefahren, das war einkalkuliert.

Trotz 24 Stunden auf den Beinen ohne Schlaf: Ich freue mich, das ich mir diesen persönlichen Abschied von der langen Tradition gegönnt habe. Alles Handyphotos, wegen dem Regen

viele Grüße aus Aachen
G.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.11.19 17:37.
Vielen Dank für den spannenden Bericht!

Ich bin vor einigen Jahren mal dort gewesen (die Diesel-IC fuhren noch), habe es aber leider nicht mehr geschafft, das Ganze zu wiederholen.

Ich erinnere mich noch gut an den Schock beim ersten Anblick von Puttgarden, einst der Stolz der DB. Ich habe mich weit zum Bahnsteigende hinaus
getraut und bin fast von den Bahnhofsmöwen angegriffen worden, die das Areal wohl für sich beanspruchen. Wenn man sich die Signale anschaut, erkennt
man die doppelte Bedeutung von "zwei Weißen"

Viele Grüße aus dem Nordkreis, Franz-Josef
Danke für den Bildbericht!


110er Mensch schrieb:
innen: ein bequemes Fahrzeug, sehr geräumig mit großzügig Platz auch in der 2. Klasse
... und gepolsterte Sitze !

10min vor Ankunft wird über den Schiffslausprecher gebeten, sich wieder in den Zug zu setzen


http://www.g52249.de/_ablage/_vogelflug/09.jpg

Das Zugsymbol ist ja mega interessant. Wann haben die Scandline-Verantwortlichen denn das letzte Mal einen von den Zügen gesehen, die sie da befördern? Im Bahnhof Roedby übrigens genau so. ;D

Ich liebe übrigens diesen fast oder tatsächlich vorhandenen morbiden Charme der total verlorenen Einsamkeit ebenfalls. Ich erlebe ihn jedes Jahr Anfang/Mitte Dezember auf der TT-Nachtfähre ab Trelleborg, dieses Jahr ist wieder die Peter Pan gebucht: Leere Kabinengänge, kein Mensch auf dem dunklen 'Sonnen'deck und morgens zum Frühstück habe ich 6-10 Tische für mich allein. Eine Stewardess erzählte, daß man zu der Jahreszeit auch nur noch für die Fracht fahre. Die Trailer, die da auf dem Schiff stehen.
In Roedby war ich herbstens auch schon, habe mich am schrottigen Danhotel vorbei durch das kleine menschenleere Gewerbeareal westwärts gegen den scharfen Wind zu den Dünen durchgeschlagen und 2 Stunden dem Sonnenuntergang zugesehen. Aber da muß man echt dick eingepackt sein wie ein Polarforscher. Der Anblick der Restfragmentbahnhöfe Roedby und Puttgarden ist natürlich ein einziges Grauen. Hier soll es einst Schlafwagenzüge nach Stockholm/Oslo und Paris/Rom gegeben haben? Kann ja gar nicht sein. Es scheint, daß auch alte Kursbücher wie gedruckt lügen können...

Gruß, Olaf

(,“)
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Neue Bahnfahrzeuge? System Bananenreife: Ware reift beim Kunden!
genau aus dem Grund hab ich das Eisenbahnsymbol fotografiert, es ist so oldfashioned.

Aber der Reisende wird es kaum mit einem Bus verwechseln und der Bordcrew erspart es womöglich zahllose Fragen.

Die Fähren, mit denen ich übersetzte, waren durchaus gut besetzt, 250 Zugreisenden, Autos, Lkw-Fahrer, usw. Nur war bei dem Wetter fast Niemand draußen auf dem regennassen Sonnendeck.Ich habs genossen...

In Rødby ist der Bahnhof (den ich von den drei Tagen dort festsitzen im Jahr 1978 gut kenne) arg gerupft. Am Bahnsteig (es gab deren 8) wurden die Dächer entfernt und vor allem die Zufahrten zum Schiff reduziert. Es gibt nur noch ein Fährbett, wo Eisenbahnzüge verladen werden können, und dann auch nur über und auf ein Gleis. Die Vier- oder Fünfwegeweichen, die auf die Gleise auf dem Schiff verteilten, sind verschwunden. Das ganze Areal ist eine riesige Schotterwüste, weil viel abgebaut wurde und nicht - wie in Puttgarden - mit Sh2 Scheiben gesichert vor sich hin rottet.

Was da mal für Züge fuhren... ja. Wir saßen immer im Skandinavien Express Paris Nord - Kopenhagen. Aber Ziele in der Schweiz, Italien, Niederlande sah man dort am Zug neben sich stehen, zeilweise sogar auf der selben Fähre. Von vielen Zügen verblieb ein (Groß)Teil der Züge in Puttgarden, 3 oder 4 Wagen wurden übergesetzt und dazu dann weitere Wagen von einem anderen internationalen Zug, sowie ebenso mal Güterwagen neben den Reisezugwagen auf dem Schiff standen. So der ehem. TEE Merkur, dessen 2 Wagen 1. Klassen zwischen Gütern standen.

Alles Vergangenheit, der Effizienz geopfert und - wenn man ehrlich ist - sitzen fast nur Reisende Hamburg - Kopenhagen im Zug, Zwischenstationen sind unbedeutend und ohne viel Reisendenaufkommen, denen es gleich ist, wo der Zug lang fährt.

viele Grüße aus Aachen
G.

(der sich wundert, das sein Bericht schon 1700 mal angesehen wurde)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.11.19 21:09.
Herzlichen Dank für diesen tollen Bildbericht!
Habe eine ähnliche Reise für Dienstag, 19. November gebucht und bin schon sehr gespannt.

Habe Dir noch eine PN geschrieben.

Schöne Grüße aus der Rhön

Frank
hier mein gefällt mir
und die PN ist beantwortet.

Gute Reise auf Schienen über die Ostsee

G.
Ach @#$%&,

ich wollte da eigentlich auch noch mal hin, bevor es vorbei ist..... Danke fürs Mitnehmen.


Gruß aus Hamburg

Matthias
Hallo,

vielen Dank für den schönen Bericht.

Auch ich habe diese Tour noch mitgenommen. Beim Besuch meiner Schwiegermutter in Hamburg fuhr ich mit ihr am 30. Oktober bei Kaiserwetter mit EC 33 von Hamburg nach Nyköbing und mit EC 34 zurück.

Gruß
Jochen
110er Mensch schrieb:
viele Grüße aus Aachen
G.

(der sich wundert, das sein Bericht schon 1700 mal angesehen wurde)
Warum wundert's Dich? Der Mensch gruselt sich halt gern. Und das klappt angesichts der beiden Fähr-Bahnhöfe mit ihrer grandiosen Vergangenheit und ihrer desaströsen Zukunft bestens.

Vielen Dank für Deinen Bericht, ganz besonders eben wegen der Erinnerungen aus einer Zeit in der selbst Saßnitz - Trelleborg nur ein Traum für mich war.
Jetzt fällt es etwas leichter zu akzeptieren daß ich meine persönliche "Erst- und Abschiedsfahrt" auf der Vogelfluglinie schon vor einigen Jahren unternahm. Damals natürlich noch nicht wissend das es ein unfreiwilliger Abschied wird.

Noch ein bildlicher Nachtrag zum Dankeschön:

http://bahnhof-oschatz.de/900/X-DK_Roedby-Faehre_2007-10-15_01.JPG

^"STOP HERE", sonst gibt's was auf die (Gummi-) Nase!

................... Gruß von Niels .......................

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am gestern, 20:27:32.