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Mit dem Zug ins Wendland (Teil 0, 15 Bilder)

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 20.09.18 08:34

Herzlich willkommen zu einer neuen Serie!


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In der nächsten Zeit möchten wir euch in einer Mischung aus Aufnahmen zwischen 1970 und 2018 die Staatsbahnstrecken im Wendland und weiter bis zu den nächsten Abzweigbahnhöfen näherbringen. Wir, das sind Wolf-Dietmar (hier im Forum als 55 4630 unterwegs), Christoph (ccar), Carsten (Philosoph) und ich (Sören Heise). Los geht es heute mit einem etwas textlastigen Teil zur Gegend selbst und ihrer Eisenbahngeschichte.


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Als Wendland wird heute die Nordostecke Niedersachsens bezeichnet. Es dürfte überregional in erster Linie durch Gorleben und den dortigen Atommülleimer bekannt sein. Dafür gibt es sicher andere Foren, so dass wir dieses Thema in dieser Serie nur am Rande behandeln werden. Hobby-Kriminologen erinnern sich an die erst kürzlich aufgeklärten Göhrde-Morde. Aber auch die sind hier fehl am Platze. Der Mörder war übrigens der Gärtner.
Das Wendland ist mehr oder minder deckungsgleich mit dem Landkreis Lüchow-Dannenberg. Der ragte einstmals ziemlich stark in die DDR hinein, im Norden von der Elbe begrenzt. Neben der Dömitzer Straßenbrücke stellen einige Fähren die Verbindung über den Fluß her. In der Elbe befinden sich die Dreiländerecke zwischen Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg (bei Dömitz, gleichzeitig das Westende Brandenburgs) sowie Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt (bei Schnackenburg, gleichzeitig der östlichste Punkt Niedersachsens).


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Wendland00-01 by Sören Heise, auf Flickr

1 Die größte Fähre zwischen dem Wendland und Rechtselbien ist die „Tanja”. Sie fährt ganz im Norden zwischen Neu Darchau und Darchau (Kreis Lüneburg).




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Wendland00-02 by Sören Heise, auf Flickr

2 Am anderen Ende des wendländischen Elbufers liegt Schnackenburg. Wir schauen dorthin vom Deich bei Stresow.



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Wendland00-03 by Sören Heise, auf Flickr

3 Das fast direkt an der Grenze gelegene Dort Stresow wurde 1310 erstmals erwähnt. Viele Einwohner mussten es 1952 verlassen. Im Winter 1973 kam der Befehl für die letzten, die verblieben waren. 1974 erfolgte der Abriss des Dorfes, nur ein Hof ist noch erhalten (Link zum Tagesspiegel).



Der Name Wendland geht zurück auf die Jahre um 1700. Damals bezeichnete der Pastor aus Wustrow die slawischen Bewohner der Gegend, deren Leben er beschrieb, als Wenden. Wissenschaftlich gesehen ist Wenden heute eine Sammelbezeichnung für Slawen, die innerhalb des deutschen Sprachraums siedeln. Der Pastor beschrieb nach heutiger Terminologie das slawische Volk der Polaben. Der Name bedeutete soviel wie die, die an der Elbe leben. Diese assimilierten sich im 18. Jahrhundert an die deutschsprachige Bevölkerung der Gegend. Ihre Sprache ist ausgestorben, aber die Anlage ihrer Dörfer als Rundlinge, die gibt es immer noch. Und auch die Ortsnamen sind oft slawischen Ursprungs. Das ist aber nicht nur im Wendland so, wie das Beispiel Berlin zeigt.


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Die Eisenbahn kam recht spät ins Wendland, das eine dünnbesiedelte Region ohne große Städte oder bedeutende Bodenschätze, abseits der Verbindungen zwischen den Metropolen, ist. Als erstes wurde es nur ganz im Süden tangiert, durch die Bahnstrecke Stendal - Uelzen. An ihr verfügt es mit Schnega heute über einen einzigen Bahnhof. Zweiter im Bunde war die Bahnstrecke von Wittenberge nach Lüneburg, bekannt durch die Castor-Transporte und die seit 1945 als Ruine dastehende Dömitzer Brücke. Diese Strecke erschloss den Nordteil und vermittelte mit Dannenberg und Hitzacker zweien der vier Städte im Wendland einen Anschluss an die weite Welt. Noch vor der Jahrhundertwende erreichte eine Nebenbahn von Ludwigslust her Dömitz.
Schnackenburg sollte als einzige der vier Wendlandstädte nie Eisenbahnanschluss erhalten, allerdings gab es kurz vor 1900 Planungen eines Ingenieurs für eine Kleinbahn Osterburg - Schnackenburg mit einem Abzweig nach Arendsee und 1913 einen Leserbrief in der Lokalpresse, der ebenfalls eine Eisenbahn nach Schnackenburg, das in die Altmark orientiert war, vorschlug (Quelle).
Für Lüchow bestand der Eisenbahnanschluss zunächst aus einer Stichbahn von Süden her, aus Salzwedel. Einige Jahre später erfolgt die Verlängerung der Strecke nach Dannenberg. Letzte im Bunde der Staatsbahnlinien war die Verbindung von Uelzen nach Dannenberg. Sie wurde erst in der Weimarer Republik fertiggestellt.


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Wendland00-04 by Sören Heise, auf Flickr

4 Blick auf Schnackenburg. Ziemlich sicher hätte der Hafen ein Anschlussgleis erhalten.



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Wendland00-05 by Sören Heise, auf Flickr

5 Angeln ist auch in Gesellschaft ein einsames Hobby.



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Wendland00-06 by Sören Heise, auf Flickr

6 Eine kleine Fähre verbindet Schnackenburg mit Lütkenwisch.



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Wendland00-07 by Sören Heise, auf Flickr

7 Blick im Gegenlicht über die brandenburgisch-niedersächsische Grenze.


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Die deutsche Teilung machte aus den Strecken ins Wendland Stichstrecken: Dannenberg - Dömitz und Lübbow - Salzwedel wurden 1945 zuletzt befahren. Die Amerikalinie erlebte nach der Wende eine langsame Wiederauferstehung, seit etwa 20 Jahren ist sie wieder durchgehend in Betrieb.


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Wendland00-08 by Sören Heise, auf Flickr

8 Bei Kaltenhof quert die Kreisstraße den Bahndamm. Im Hintergrund ist der Wegweiser zur Dömitzer Brücke zu erkennen.



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Wendland00-09 by Sören Heise, auf Flickr

9 Unmittelbar südlich von Lübbow quert die Bundesstraße 248 die einstige Zonengrenze. Wir werden zu dieser Stelle zurückkehren. Und natürlich auch de Dömitzer Brücke besuchen. ;-)



Nie eingestellt war die Verbindung zwischen Lüneburg und Dannenberg. Au fer heute als Wendlandbahn bezeichneten Strecke ist seit Dezember 2014 Erixx unterwegs. Der Streckenzustand gibt mit einem Fahrzeug nur einen Dreistundentakt her, aber der hält die Fahrgäste nicht von der Nutzung ab. Zwischen Dannenberg und Lüchow liegt noch das Gleis, allerdings ist die Strecke wegen einer kaputten Brücke gesperrt.

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Wendland00-10 by Wolf-Dietmar Loos via Sören Heise, auf Flickr

10 Eine Kleinlok ist in Dannenberg Ost nicht mehr stationiert.



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Wendland00-11 by Sören Heise, auf Flickr

11 Die Nachfrage in den wenigen Zügen ist erfreulich hoch.



Daneben gab es mit der Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn (LSE) eine Privatbahn. Sie verband die Gemeinden östlich Lüchows mit der Kreisstadt. Der Zugverkehr ist schon lange Geschichte. Personenverkehr bestand von der Eröffnung 1911 bis 1969, danach gab es nur noch einen Gleisanschluss vom Staats- zum Kleinbahnhof in Lüchow (2006 stillgelegt). Das Unternehmen besteht noch heute und betreibt seit Herbst 2016 nach einer Direktvergabe den Busverkehr im Landkreis, bis dahin hatte die Regionalbus Braunschweig als Nachfolgerin des Bahnbusses die meisten Konzessionen inne. Seit dem 1. August 2018 gilt ein neuer Fahrplan, mit ihm verkehren im gesamten Wendland an Wochenenden und Feiertagen abgesehen von einigen Fahrten in die Nachbarkreise nur noch Rufbusse. Bis dahin gab es zwischen Lüneburg, Hitzacker, Dannenberg und Lüchow noch einige Linienbusfahrten. Und die meisten Orte hatten am Wochenende gar keinen ÖPNV. Wie viele Fahrgäste durch die Rufbusse für den ÖPNV gewonnen werden, sei offen gelassen.
Wie sieht es beim „Schienenersatzverkehr” entlang der stillgelegten Bahnstrecken aus?
Die Hauptaufgabe der Busse ist hier der Schülerverkehr. Für normale Fahrgäste ist der Fahrplan zumeist unbrauchbar.
-> Zwischen Dannenberg und Lüchow gibt es noch das dichteste Angebot. Der Fahrplan ist unvertaktet, man bietet montags bis sonnabends immerhin Anschlüsse von und zu den Zügen in Dannenberg. An Sonntagen fahren lediglich drei Rufbuspaare (oder auch nicht).
-> Von Lüchow nach Salzwedel gibt es Ansätze eines Taktverkehrs. Während in der Woche bis zu elf Verbindungen bestehen, fahren am Wochenende lediglich vier Rufbuspaare.
-> Zwischen Dannenberg und Uelzen gibt es montags bis freitags nur Umsteigeverbindungen, drei von und vier nach Uelzen auf der Gesamtstrecke. Das sind im Wendland bis auf eine Fahrt Rufbusse. Sonnabends gibt es kein Angebot, was aber am Kreis Uelzen liegt. An Sonntagen bietet die LSE zwei Rufbuspaare zwischen Dannenberg und Uelzen an.
-> Von Dannenberg nach Dömitz gibt es lediglich Rufbusse. Am Wochenende fahren zwei Paare, an Wochentagen gibt es bis zu fünf Verbindungen. Zuganschlüsse in Dannenberg sind Glückssache, die im LSE-Fahrplan angegebenen Umsteigezeiten schwanken zwischen einer (!) und siebenundsiebzig Minuten.

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Wendland00-12 by Sören Heise, auf Flickr

12 DAN-CP 24 im attraktiven LSE-Design auf der Fahrt nach Dannenberg war mir wenige Minuten zuvor entgegengekommen. Hier überquert er nach einer Stichfahrt nach Langenhorst am ehemaligen Bahnhof Jameln die Bahnstrecke Salzwedel - Dannenberg. Im Fahrplan habe ich diese Verbindung nicht gefunden, der ist aber recht unübersichtlich.



Das als kleiner Exkurs zum Busverkehr. Wir werden uns ansonsten nicht weiter mit der LSE befassen. Somit stehen auf unserem Fahrplan die Strecken:
-> Salzwedel - Uelzen
-> Salzwedel - Lüchow - Dannenberg
-> Uelzen - Dannenberg
-> Ludwigslust - Dömitz nebst abzweigenden Strecken und
-> Wittenberge - Dömitz - Dannenberg - Lüneburg

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Wendland00-13 by ccar via Sören Heise, auf Flickr

13 Am 26. Juni 1995 präsentierte sich der Abzweigbahnhof Wieren recht nebenbahnmäßig. Damals war er nur eine Zwischenstation zwischen Braunschweig und Uelzen.




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Wendland00-14 by Philosoph via Sören Heise, auf Flickr

14 Einer der Zwischenbahnhöfe zwischen Uelzen und Dannenberg ist Weste. Carsten war vor 14 Jahren dort, somit sind seine Bilder wertvolle Zeitdokumente.



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Wendland00-15 by Sören Heise, auf Flickr

15 Eisenbahnarchäologie kann so einfach sein. Der Bahndamm der Strecke Wittenberge - Dömitz westlich von Lanz.



Diese Strecken und ihre Stationen möchten wir euch in der nächsten Zeit näherbringen. Die eine oder andere Aufnahme habt ihr vielleicht schon gesehen, aber noch nicht in diesem Kontext. Der Schwerpunkt der Serie liegt auf der Dokumentation der Stationen im Wandel der Zeit. Bilder aus den Orten entlang der Strecken gibt es übrigens nicht, denn fast alle meiner Aufnahmen entstanden auf Autotouren.


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Ich hoffe, dass ich die einzelnen Folgen im Wochenrhythmus immer mittwochs gegen 18 Uhr einstellen kann. Wir beginnen mit der Strecke von Salzwedel nach Uelzen.


Viele Grüße
Sören



Literatur (Auswahl):
- Eisenbahnzeit im Wendland. Schriften des Museums Wustrow, Band 2. Wustrow 1990.
- Markus Gilsig, 100 Jahre Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn. Berlin 2011.
- [www.kdtroeger.de] (diverse Unterseiten dort und im Forum)





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 06.03.19 11:24.

Na denn mal los. Es freut mich.

geschrieben von: Stefan Meyer

Datum: 20.09.18 20:46

Moin,

eine Ecke, die ich mag.
Vielleicht kann ich etwas beitragen.

Gruß
Stefan

Wie schön :-)

geschrieben von: Sunyani

Datum: 21.09.18 14:47

Ihr Lieben,

das ist ein Beginn nach meinem Geschmack - links und rechts nach der Geschichte und dem Land schauen :-)

Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung und werde sicher auch das eine oder andere beitragen können!

Mit besten Grüßen

Rainer / Isernhagen

Re: Mit dem Zug ins Wendland (Teil 0, 15 Bilder)

geschrieben von: teq

Datum: 03.10.18 21:40

Ich freue mich auch auf diese Serie!

Ich war immer gerne im Wendland, nur die Nutzung des ÖPNV war eine Zumutung. Schade, dass dies auch nach der zweiten Fahrplanumstellung innerhalb weniger Jahre immer noch so bleiben scheint. Bis vor ein paar Jahren gab es wenigstens noch einige durchgehende Busse nach Uelzen (vorbei an schönen alten dänischen Wartehäuschen, die ein wenig aussehen wie Muscheln ).