Gude zusammen,
kürzlich ging es anlässlich der Tram WM nach Wien, wo vor und nach der Veranstaltung noch die ein oder anderen Bilder gemacht wurden. Ein Ziel war die innere Aspangbahn, welche Wien und Wiener Neustadt miteinander verbindet. Im Gegensatz zu den anderen Strecken zwischen den beiden Städten ist sie nicht elektrifiziert und durchgehend eingleisig. Vielerorts scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Und an zwei Bahnhöfen findet man auch im Jahr 2025 noch Formsignale. Es dürften die letzten Formsignale Österreichs mit regelmäßigem Personenverkehr sein.
Wir starten im Norden der Strecke und arbeiten uns in südliche Richtung vor:
Nur ca zehn Kilometer von der Wiener Stadtgrenze entfernt liegt der Bahnhof Laxenburg-Biedermannsdorf. Dieser besitzt zwar keine Formsignale mehr, ist
aber dennoch mit mechanisch zu stellenden Weichen und einem kurbel Bahnübergang ausgestattet. Der Fdl hat hier soeben den Abfahrauftrag erteilt und
5047 033 dieselt gemütlich seinem Ziel Traiskirchen entgegen.
Folgen wir der Strecke ca acht weitere Kilometer erreichen wir den Bahnhof Traiskirchen Aspangbahn. Und hier finden wir sie - die Formsignale!
Am nördlichen Einfahrsignal mit Stellung für Langsamfahrt konnte 5047 096 kurz vor erreichen seines Zielbahnhofes fotografiert werden.
Ein paar Meter weiter steht das schnuckelige Gruppenausfahrsignal von Traiskirchen. An beiden Bahnhöfen wird die Ausfahrt über Gruppenausfahrsignale
geregelt. PZB sucht man hier übrigens vergeblich. Aus diesem Grund sind regelmäßige Zugkreuzungen untersagt und man muss für die Fahrt von Wien nach
Wiener Neustadt in Traiskirchen immer umsteigen. So wird 5047 004 auch in Kürze am Bahnsteig wenden und wieder zurück nach Wien fahren...
...am Bahnsteig steht bereits 5047 033 bereit, welcher aus Richtung Wiener Neustadt ebenfalls in Traiskirchen wendet um wieder zurückzufahren. Eine
kuriose Betriebssituation die ich sonst von nirgendwo anders kenne. Die ausgedehten Gleisanlagen werden übrigens noch rege genutzt. Es verkehren von
hier aus Übergabegüterzüge von und zur Wiener Lokalbahn.
Wenige Minuten später gehts für beide Züge weiter. 5047 033 fährt zurück nach Wiener Neustadt während 5047 004 (im Hintergrund zu sehen) zurück
nach Wien fährt. Leider war hier die Fotowolke genau passend zur Stelle...
Nach weiteren neun Kilometern erreichen wir den zweiten mit Formsignalen ausgestatteten Bahnhof Tattendorf. Hier wird die Betriebssituation der Strecke
noch kurioser. Nicht nur, dass das Ausfahrsignal weit hinter Bahnsteig, Ausfahrweiche und sogar hinter einem Bahnübergang steht. Zunächst konnte mit
5047 096 auf dem Weg nach Wiener Neustadt ein weiteres Sonnenbild angefertigt werden. Wir freuten uns darüber, schauten uns in Ruhe das Bild an,
stiegen in den Mietwagen und suchten nach der nächsten Fotostelle auf Maps. Es vergingen sicherlich 10 Minuten bis wir losfuhren. Und das Ausfahrsignal
zeigte nach wie vor Hp1. Wie kann das sein? Gibts irgendwelche Profis aus Österreich die mir das erklären können?
Südlich von Tattendorf kann man die Signale wunderbar umsetzen. Das Einfahrsignal aus Richtung Süden bietet mit den Holzmasten zum Beispiel eine
hervorragende Kulisse für 5047 011 welcher ebenfalls nach Wiener Neustadt unterwegs ist.
Für alle Detailfreaks noch ein Detailbild des Einfahrsignals. Gut zu erkennen die Ketten mit denen das Signal gestellt wird. Ebenso fällt auf, dass es keine
Beleuchtung und somit kein Nachtzeichen des Signals gibt.
Nochmals ca einen Kilometer weiter findet man nun das südlichste Formsignal der Strecke, das Einfahrvorsignal von Tattendorf aus Wiener Neustadt
kommend. Dahin unterwegs war 5047 089 als der Wettergott nochmal ein Einsehen hatte und uns feinstes Abendlicht spendierte. Auch sehr
spannend an diesem Signal, es kann nur Vr 1 und Vr 0 zeigen, während das dazugehörige Einfahrsignal eindeutig auch Hp 2 zeigen kann. Ebenso hat es
keinerlei Nachtzeichen und ist im Gegensatz zu seinen Deutschen Verwandten gelb statt orange.
Weil es so schön ist, auch hier nochmal ein paar Details. Die rostigen Ketten haben es mir besonders angetan...
So, das wars auch schon wieder. Für mich als Freund der älteren Infrastruktur war der Besuch an dieser Strecke das heimliche Highlight des Urlaubs und ich kann es nur jedem Empfehlen dort vorbeizuschauen. Sowohl von der Technik als auch vom Fahrzeugeinsatz eine wunderbare Strecke welche zum Verweilen einlädt. Allzu viel Zeit sollte man sich aber nicht lassen, die betagte Sicherungstechnik soll bis 2027 gegen ein ESTW ersetzt werden. So lange aber werden an den zwei Bahnhöfen noch zwei Mal die Stunde die Signale klappern und die Bahnübergänge bimmeln...
Bis zum nächsten Mal!
Marvin