Ein frohes neues Jahr 2025 wünsche ich allen Anwesenden!
Mittlerweile ist es mir schon fast zur Gewohnheit geworden, um den Jahreswechsel herum nach dem aktuellen Stand der Württembergischen Schwarzwaldbahn zwischen Weil der Stadt und Calw zu schauen. Auch dieses Mal bin ich der Chronistenpflicht wieder nachgekommen und habe meine Bilder aktualisiert. Da letztes Jahr von der Moderation (ohne Erklärung oder sonstiges Feedback) die sorgsam mit Links versehenen Einzelbeiträge zusammen in einen Thread gekippt wurden, gibt es dieses Jahr eben einen sehr langen Beitrag.
Die Bilder sind bei zwei verschiedenen Begehungen im Abstand von 3 Wochen aufgenommen worden, daher ist die erste Hälfte schneereich, die zweite einfach nur kalt. Der Oberbau ist bis auf den kritischen Abschnitt zwischen Althengstett und Heumaden fertig, es fehlt aber noch die komplette Leit- und Sicherungstechnik. Das hier ist vermutlich meine letzte Komplettbegehung, die Strecke ist ein bisschen langweilig geworden. Zum einen kenne ich viele Stellen nahezu in- und auswendig, zum anderen ist eine komplett neue Bahnstrecke eben weitgehend frei von Überraschungen. Ich freue mich auf die erste Mitfahrt - dafür müssen aber noch die Fledermäuse und die EU-Kommission zustimmen.
Wer die älteren Berichte sucht:
2021,
2022,
2024.
Die Württembergische Schwarzwaldbahn wurde 1872 fertiggestellt und verbindet Stuttgart mit Calw, wo Anschluss an die Nagoldtalbahn von Pforzheim nach Horb besteht. Während auf dem östlichen Abschnitt seit 1978 die S-Bahn verkehrt (S6 von Weil der Stadt nach Schwabstraße, mittlerweile im Viertelstundentakt), ist auf dem westlichen Abschnitt seit 1983 kein Personenverkehr mehr. Im Zuge von Reaktivierungsbemühungen laufen zur Zeit Bauarbeiten zur Wiederinbetriebnahme. Das geplante Verkehrskonzept zwischen Calw und Stuttgart ist auch hier im Forum regelmäßig Gegenstand von Diskussionen, ebenso wie in der Lokalpolitik der beiden beteiligten Landkreise Böblingen und Calw.
Weil der Stadt
Wie jedes Mal frage ich mich, warum um alles in der Welt die S-Bahn nicht einen Bahnsteig hat, der am anderen Ende auf den Busbahnhof geht. Platz wäre genug, und das Umsteigen würde deutlich vereinfacht. [Bild 1]
Links am Bauzaun ist ein neu errichteter Bahnsteig mit vermutlich 55cm zu erkennen, an dem dann die Züge der HHB halten werden. Das macht den Umstieg zur S-Bahn ein bisschen schwierig, weil mit Fußweg und Treppensteigen verbunden. Bis 1983 hielt der Schienenbus einfach am S-Bahnsteig, fertig. [Bild 2]
Auf der Strecke bis zum BÜ über den Malersbuckel hat sich einfach gar nichts verändert (außer ein paar verschwundenen Bauzäunen). Der BÜ dagegen hat sich enorm verändert: Fundamente für vier Schranken und zwei Ampeln. Die Ansteuerung ist entweder unterirdisch oder an einem anderen Ort angebracht, jedenfalls ist vor Ort kein Schalthäuschen mehr. Der ganze Aufwand bindet übrigens
ein Wohnhaus und ein paar Schrebergärten an. Es würde mich nicht wundern, wenn die Kosten für den BÜ den Wert des Wohnhauses übersteigen würde.
Vor der Neuordnung der B295 an der Stelle war es vermutlich die Zufahrt zur Ostelsheimer Steige. [Bild 3]
Ein paar hundert Meter weiter: zwischen Anfang 2024 und Anfang 2025 hat sich nur das Wetter geändert. Der Schnee ist am nächsten Tag übrigens wieder geschmolzen. Sonderlich kalt war mir bei der Wanderung nicht, nur mein Handyakku machte vorzeitig schlapp. [Bilder 4a, 4]
Der mitten im Wald gelegene BÜ war letztes Jahr Ende der Ausbaustrecke. Das hat sich fundamental geändert. Auch das Schalthäuschen ist einem neuen Exemplar gewichen. Die Bahnübergänge sind nun übrigens alle mit Andreaskreuzen nichttechnisch gesichert. Zugfahrten wären also theoretisch möglich. [Bilder 5a, 5]
Detail des neuen Schalthäuschens. [Bild 6]
Nach dem BÜ geht es durch einen Einschnitt. Auch dort liegen nun Gleise. Auf dem Kabelkanal kann man recht bequem laufen, man muss nur ab und an die Seite wechseln.
Der Entwässerungsschacht rechts ist einer von zahllosen an der Strecke. Wasser ist allüberall ein großes Thema. [Bild 7]
Ein paar hundert Meter weiter kann man schon den Ostelsheimer Tunnel erahnen. [Bild 8]
Blick zurück aus der Luft. Im Hintergrund ist Weil der Stadt zu sehen, die zu sehende Kurve ist die aus Bild 7. [Bild 9]
Die Strecke verschwindet nun im Tunnel. Wenn man genau hinschaut, lässt sich links, gerade so im Wald liegend, die alte Strecke erkennen. Dort liegen sogar noch die Gleise der Hacksbergschleife, die aber nicht mehr in Betrieb gehen wird. [Bild 10]
Von unten sieht das dann so aus. Links ist vermutlich die Aufstellfläche für Rettungskräfte. Letztes Jahr war hier noch Baustelle. [Bilder 11a, 11]
Im Tunnel sieht es dann so aus. Hier gibt es eher keine Nischen für Fledermäuse, ganz im Unterschied zu den beiden alten Tunneln in Althengstett und Calw. [Bild 12]
Im weiteren Verlauf des Tunnels wird es dann reichlich dunkel, und auf dem Seitenweg sind einige Löcher nicht abgedeckt. Aufpassen ist also angesagt - aber das ist bei einer derartigen Tour sowieso selbstverständlich. Falls mal ein BEMU in Flammen aufgehen sollte: es sind insgesamt drei Hydranten in Tunnelnischen angebracht. Weiß jemand, wie die gespeist werden? [Bild 13]
Wenig überraschend sind die ersten Graffitikünstler auch schon aufgetaucht, wobei es sich bisher sehr in Grenzen hält. Ist ja auch keine Großstadt. [Bild 15]
Das Tunnelportal von außen. Der Hügel im Hintergrund mit dem Mast obendrauf ist der Hacksberg, um den die alte Strecke herumführt. Man ahnt, wie viel kürzer die neue Strecke ist. Der Ort im Hintergrund müsste Dätzingen sein. [Bild 16]
Nach mal aus der Nähe. [Bild 17]
Ostelsheim
Vor drei Jahren war die Bautelleneinrichtungsfläche noch voll mit diversen Jungsträumen. [Bild 18a]
Das ist alles verschwunden. Hat den Vorteil, dass man sich als Drohnenpilot mitten hinein stellen kann, ohne dass sich jemand daran stört.
Die Strecke ist eben aus dem Tunnel aufgetaucht und liegt nun wieder auf der alten Trasse. Diese geht schnurgerade am Rand von Ostelsheim vorbei. Im Bereich von Ostelsheim liegen zwei Gleise. Das Neubaugebiet rechts neben der Strecke scheint inzwischen komplett bebaut zu sein. [Bild 18]
Letztes Jahr hatte ich mich noch gefragt, ob das Neubaugebiet seine provisorische Zufahrt behält und ein BÜ eingerichtet wird. Ob §2(1) EBKrG sein hässliches Haupt gehoben hat oder die Ostelsheimer keinen Durchgangsverkehr wollten, weiß ich nicht. Ich vermute aber eher Ersteres. Letztes Jahr konnte man hinter der Baumgruppe noch mit dem Auto über die Schienen auf die Landesstraße fahren. [Bild 19]
Das Neubaugebiet aus der Nähe. Über mangelnden Bahnanschluss kann man sich hier nicht beschweren, etwa in Bildmitte ist der neue Bahnsteig zu erkennen. Wer beim Daimler in Sindelfingen schafft (was hier häufig vorkommen dürfte), hat von der neuen Verbindung aber nicht viel. [Bild 20]
Vor dem Bahnsteig ist noch ein kurzes Schienenstück mit einem Fahrzeug drauf. In diesem Bereich ließe sich der Mittelbahnsteig deutlich verlängern, falls die Notwendigkeit bestehen sollte. Für einen ICE-Halt in Ostelsheim wird es aber trotzdem nicht reichen. [Bild 21]
Der Kleinwagen noch mal aus der Nähe. Den wird man hier wohl mit dem Kran runterheben müssen. Ein bisschen rätselhaft ist es aber schon, warum der da steht. [Bild 22]
Wer die ganzen Baumaschinen am Tunnel vermisst hat, wird hier ein bisschen entschädigt. An Baggern herrscht wahrlich kein Mangel, auch wenn die Anzahl für die Menge der hier noch anstehenden Erdarbeiten ein bisschen sehr großzügig erscheint. [Bild 23]
Der neue Bahnhof Ostelsheim (ob hier Züge beginnen und enden können, weiß ich nicht, aber mindestens eine Weiche ist definitiv vorhanden). Der Zugang zum Mittelbahnsteig erfolgt über eine Treppe und eine Rampe, dann über ein einfaches Drängelgitter. Sicherungstechnik oder eine Vorbereitung dafür ist nicht erkennbar.
Nachdem auch an anderen kleineren Bahnhöfen schon vor vielen Jahren Unterführungen oder technische Sicherungen (Winden und Blaubeuren fallen mir spontan ein) nachgerüstet wurden, hat mich diese simple Konstruktion hier etwas überrascht. [Bilder 24, 25]
Blick zurück Richtung Weil der Stadt. Bei jeder Tour falle ich hier rein: der Weg ist nämlich eine Sackgasse. Aber man hat einen guten Überblick, ganz ohne Drohne. Der Bahnsteig ist im Hintergrund zu erahnen. [Bild 26]
Gleiche Position, nur Blick Richtung Calw. Die Strecke ist bolzengerade, wie man hier sagt. Die früher noch vorhandenen Telegrafenmasten sind restlos verschwunden. [Bild 27]
Vermutlich das Ausfahrvorsignal Richtung Calw bzw. sein Fundament. Das EStW hat wohl Lieferverzug, insgesamt beneide ich die Verantwortlichen nicht - theoretisch sollten hier ja schon seit einem Jahr Züge fahren. Schön finde ich, dass der örtliche Sandstein für die Aufmauerung verwendet wurde, jedenfalls zum Verblenden. Reiner Beton wäre sicher billiger gewesen. [Bild 28]
Die Strecke war ja schon mal zweigleisig, aber beim faktischen Neubau scheint man mehr Platz zu brauchen als vor 160 Jahren. Der Hang rechts ist abgegraben worden, um die Trasse zu verbreitern. [Bild 29]
Kurz vor dem Sportplatz, der an den Lichtmasten im Hintergrund zu erkennen ist, führen die Gleise wieder zusammen. Die Radlenker sehen überaus massiv aus - braucht man für die relativ leichten Triebwagen tatsächlich etwas derart Massives? Auch die Schwellen sind hier deutlich breiter als auf anderen Teilen der Strecke. [Bild 30]
Detail des Radlenkers. Wie man an der Schiene sieht, ist hier schon einige Tage nichts mehr gefahren. [Bild 31]
Der Weichenantrieb. Er erscheint mir für diese Nebenbahn extrem aufwändig. Wenn ich mit meinen bescheidenen Kenntnissen richtig interpretiere, sind das drei Antriebe und zwei Verschlüsse. [Bild 32]
Die Weichenzungen sind auf Rollen gelagert, auch das ist gefühlt ziemlicher Aufwand. Vielleicht rechnet sich das ja über geringere Wartungskosten? [Bild 33]
Blick zurück auf Ostelsheim. Links der Sportplatz, rechts der Bildmitte die eben ausführlich besprochene Weiche, ganz rechts die Straße von Ostelsheim nach Althengstett. [Bild 34]
Ein paar Meter weiter kreuzt die Straße dann die Gleise. Am hinteren Bildende erkennt man bereits den Althengstetter Tunnel. Der BÜ ist, wie die anderen auch, mit Andreaskreuzen gesichert. [Bild 35]
Vergleichsbild von vor vier Jahren [Bild 35a]
Stand bis zur Betriebseinstellung hier noch ein normales Bundesbahn-Schalthäuschen aus Beton, ist inzwischen ein Monstrum aus Fertigbeton eingezogen. Für eine BÜ-Sicherung ist das massiv überdimensioniert. Wird das ein abgesetzter Stellrechner? [Bild 36]
Zum Tunnel bin ich diesmal nicht gelaufen, weil ich die treppenähnliche Abflussrinne (der einzige Ausgang neben dem Tunnelmund) nicht bei Eis und Schnee hochklettern wollte. Am Bildende ist er zu erkennen, und man erahnt, wie tief der Einschnitt davor ist. Schemenhaft zu erkennen ist der Innentunnel, der verhindern soll, dass sich Züge und Fledermäuse ins Gehege kommen. Ich wäre ja neugierig, was passieren würde, wenn sich während einer Sanierung eine Fledermaus in einem NBS-Tunnel niederließe.
An den Fledermäusen hängt wohl die Wiederinbetriebnahme der ganzen Strecke. [Bild 37]
Althengstett
Auch auf der Althengstetter Seite ist eine ähnliche Konstruktion zu sehen. Leider ist sie auf dem Bild eher schlecht zu erkennen, und in Anbetracht von Wohngebiet und Baumbewuchs wollte ich die Drohne nicht fliegen lassen. [Bild 38]
Im nächsten Leben werde ich Betonschalthäuschenhersteller. Scheint eine einträgliche Tätigkeit zu sein. Diese stehen oberhalb des Tunneleinschnitts auf Althengstetter Seite. [Bild 39]
Blick zurück vom BÜ/Kreisel vor dem Althengstetter Bahnhofsgebäude Richtung Tunnel. Der beginnende Einschnitt ist gut erkennbar. [Bild 40]
Die Veränderungen am Althengstetter Bahnhofsgebäude sind eher subtil. Der Hausbahnsteig ist inzwischen abgebrochen. Das Bahnhofsschild ist schon lange nicht mehr lesbar. [Bild 41]
Auf der anderen Seite ist es dagegen noch da (Foto von 2021, hat sich aber nicht verändert). [Bild 41a]
Auch Althengstett ist zweigleisig und vermutlich nach wie vor Bahnhof, wenn auch mit erheblich verändertem Gleisplan und einem um ca. 200m verschobenen Bahnsteig. [Bild 42]
Die Weichenlaterne an der Verzweigung. Bleibt die oben offen? Dass das Gewicht trotz Lackierung bereits rostet, finde ich etwas irritierend. [Bild 43]
Für kleine und große Jungen ist nach wie vor etwas geboten. Bagger und Eisenbahn, was will man mehr?
Rechts ist schemenhaft der ehemalige Güterschuppen zu erkennen, links der neue Bahnsteig. [Bild 44]
Der neue Bahnsteig ist nur knapp außerhalb des bisherigen Bahnhofs, die wichtigste Bushaltestelle "Rathaus" ist ein paar hundert Meter weiter. Der Zugang geht über diese Straße ohne Gehweg. [Bild 45]
Hier kreuzt die Bahnstrecke die Simmozheimer Straße, direkt neben der Bushaltestelle. Die eben gezeigte Straße vom neuen Bahnsteig mündet von rechts ein. Warum man nicht den Bahnsteig hier hinsetzen konnte, erschließt sich mir nicht. [Bild 46]
Die Brücke über die Gottlieb-Braun-Straße mal von der anderen Seite. [Bild 47]
Etwa einen Kilometer weiter im Industriegebiet von Althengstett. Der Blick geht zurück Richtung Althengstett und Weil der Stadt. [Bild 48]
Vergleichsbild von vor einem Jahr [Bild 48a]
Schauen wir in die andere Richtung, können wir schön sehen, was die letzten Jahre passiert ist. Die Bilder sind nicht an der gleichen Stelle, aber alle im gleichen Bereich und mit der gleichen Blickrichtung aufgenommen.
Status 2021 [Bild 49a]
Status 2024 [Bild 49b]
Status 2025 [Bild 49]
Drei Telegrafenmasten sind hier noch vorhanden, wobei einer inzwischen im Gras liegt (bei Betrachten der Bruchstelle vermutlich ohne menschliche Mithilfe). [Bild 50]
Wir verlassen Althengstett. Der Großteil der Bauarbeiten ist abgeschlossen, aber Kabel sind noch ziehen und zu verbinden. [Bild 51]
Blick zurück auf Althengstett. Ich bitte die schlechte Qualität der Drohnenfotos zu entschuldigen - die Drohne und die SD-Karte wollten absolut nicht miteinander. Auch dass ich in Heumaden drei Supermärkte und zwei Tankstellen abgeklappert habe, um Ersatz zu kaufen, war nicht von Erfolg gekrönt. [Bild 52]
Zum wievielten Mal stehe ich an diesem BÜ? Ich weiß es nicht. Zustand 2021 [Bild 53a]
...und Zustand 2025. Sowohl die Straße als auch die Bahn sind in weitaus besserem Zustand. [Bild 53]
Ja, und nun beginnt das Sorgenkind der Strecke - der Einschnitt zwischen Althengstett und Heumaden. Naturschutz und der bröselige Zustand des Mauerwerks stehen einer Wiederinbetriebnahme entgegen. Immerhin hat sich am Gleis ein bisschen etwas verändert, von der Befahrbarkeit mit Personenzügen ist man aber noch weit entfernt. [Bild 54]
Erkennt man im Vordergrund noch die hundeknochenförmigen Schwellen, die im Bereich von BÜs liegen (wozu eigentlich?), beginnt direkt danach wieder das Reich der fauligen Holzschwellen und der hundertjährigen Gleise. Vermutlich mit viel Muskeleinsatz und Schweiß ist etwa jede vierte Schwelle mit einer Betonschwelle ersetzt worden, so dass man wenigstens mit Baufahrzeugen (lies: Zweiwegebaggern) durchkommt. Bahnbau wie im 19. Jahrhundert. [Bild 55]
Da hinten sollte mal ein Tunnel entstehen. Während des Baus hat man dann festgestellt, dass das nichts wird und hat den Einschnitt gebaut. Deswegen sind hier ausnahmsweise nicht die Fledermäuse, sondern eher irgendwelche Süßwasser-Krebse das Problem. Leider habe ich auch diesmal keine gefunden. [Bild 56]
Blick von oben. Im Vergleich mit der Straße, die oben über den Berg führt, erkennt man, wie tief der Einschnitt ist. [Bild 57]
Die Sorgenstelle. Die Mauern auf beiden Seiten sind in wahrhaft erbärmlichen Zustand. Weil sich da aber inzwischen Flora und Fauna angesiedelt hat, die das nicht erbärmlich, sondern höchst attraktiv findet, steht hier der Naturschutz der Sanierung entgegen. Dass das Wasser zwischen den Steinen herausläuft und die Wände heruntertropft, was massenhaft Eiszapfen produziert, macht es nicht besser.
Geschehen ist aber trotzdem etwas - wer genau hinschaut, sieht auf der rechten Seite einige Bohrungen, in denen vermutlich Erdanker die Mauer im dahinter liegenden Erdreich verankern. Blickrichtung Weil der Stadt. [Bild 58]
Am anderen Ende der Stelle, die nur ca. 200m lang ist. Gegenüber meiner ersten Begehung von 2021 ist hier massiv zurückgeschnitten worden. Blickrichtung Weil der Stadt. [Bilder 59a, 59]
Wir drehen uns wieder um und gehen ein kleines Stückchen Richtung Calw. Wie vorher trifft wieder 1982 ziemlich radikal auf 2025. Ein Drohnenfoto hier habe ich mich nicht getraut, da direkt nebenan die Kaserne ist und ich nicht herausfinden wollte, wie allergisch sie auf Bilder von oben reagieren. [Bild 60]
Direkt hinter der Kurve erwartet uns die Hans-Ulrich-Bayh-Brücke. Anders als in den ganzen Jahren vorher kann man nun darüber laufen, die Bauzäune sind verschwunden. [Bild 61]
Heumaden
Blick zurück, fast schon auf dem Bahnsteig des neuen Hp Heumaden stehend. Rechts sieht man die Bundeswehr-Kaserne, in der sich das KSK befindet, samt Besucherzentrum. [Bild 62]
Der Hp Heumaden und das zugehörige Parkhaus von unten, der Bahnsteig ist am Ende der rechts zu sehenden Treppe. Das Design des Gebäudes wirkt auf mich sehr französisch, es würde auch irgendwo in der Pariser Banlieue nicht weiter auffallen. Für Calw, die Stadt der Parkhäuser, ist es schon fast revolutionär. [Bild 63]
Das neue Parkhaus von oben. Wie auch beim Calwer "Hauptbahnhof" ist der direkte Zugang vom Parkdeck zum Bahnsteig entscheidend, Fußgänger sind eher geduldet. [Bild 64]
Fund am Wegesrand, ganz ohne Bahnbezug. Bei der Stilllegung der Strecke war der 126 noch als Neufahrzeug zu bekommen. [Bild 65]
Und noch mal ohne Bahnbezug. Fahrradampel mit "Radfahrer absteigen", das habe ich sonst auch noch nie gesehen. Hier soll man Auto fahren, Punkt. [Bild 66]
Fußgängerunterführung "Am Rollgraben" unter dem Bahndamm, sicher auch noch bauzeitlich. Als Großstadtbewohner ist man regelrecht irritiert, wenn es hier drin sauber und gepflegt ist. [Bilder 67, 68]
Der alte Hp Heumaden ist komplett verschwunden. Über die Jahre wurde er immer weniger.
2021 [Bild 69a]
2024 [Bild 69b]
2025 (aus der Gegenrichtung fotografiert) [Bild 69]
Erhalten geblieben ist dagegen dieses wunderbare Ensemble. Ich hätte ja gerne noch in den Fernsprechkasten reingeschaut, der sogar offen stand, aber nachdem nebenan jemand auf der Terrasse saß, habe ich mich lieber zurückgehalten. [Bild 70]
Wieder ein paar hundert Meter weiter. Die Strecke verlässt Heumaden wieder. Während die Straße (rechts im Bild zu erkennen) sich in Serpentinen ins Tal schlängelt, macht die Bahn einen großen Umweg durch den Wald. Blick zurück Richtung Weil der Stadt. [Bild 71]
Und noch etwas weiter kommt der Tunnel in Sicht. Wer auf dem Bild genau hinschaut, erkennt links unten den weiteren Verlauf der Strecke, nachdem sie rund 60m Höhe verloren hat. [Bild 72]
Um genau zu sein, erkennt man noch nicht den Tunnel, sondern den Eisenbahntunnel im Fledermaustunnel oder so ähnlich. Die Konstruktion ist gigantisch groß und lang. Und nur echt mit dem neu eingeführten Signal Fl0 (Halt für Fledermäuse) ;) [Bild 73]
Fuchsklinge
Wo die Bahn in ein paar Sekunden durch den Tunnel fährt, war ich mal wieder eine Dreiviertelstunde zu Fuß über den Berg unterwegs. Immerhin mit Teepause in der Welzberghütte, von der sich dieser nette Blick aufs Kloster Hirsau ergab. [Bild 74]
Der Tunnelausgang auf der Calwer Seite ist seit letztem Jahr mit viel Beton stabilisiert worden. Letztes Jahr hatte ich noch etwas Bedenken bezüglich der Stabilität. [Bild 75a]
Im Verlauf des letzten Jahres wurde das unter Anwendung von
opus caementitium nachhaltig geändert. Hier scheint der Naturschutz keine allzu großen Bedenken gehabt zu haben, auch nicht der Denkmalschutz. Der Fledermauserziehungstunnel (der die Fledermäuse dazu bringen soll, nur an der Tunnelwand zu bleiben und nicht in die Nähe der Züge zu fliegen) geht natürlich bis hier durch. [Bild 75]
Das Gasthaus Fuchsklinge. Ob der Hp Fuchsklinge, der sich in der Wellblechhütte befindet, wohl jemals angefahren wird? In Anbetracht der Infrastruktur vermutlich nicht mit Personenzügen, sondern eher im Rahmen einer Tour mit dem neuen Klf des WSB-Vereins. [Bild 76]
Wo letztes Jahr noch ein großer Erdhaufen lag, ist nun einfach eine moderne Nebenbahnstrecke. [Bild 77]
Ein größerer Schwellenvorrat, etwa 280 Stück, wenn ich mich nicht verzählt habe. Das reicht aber gerade mal für etwa 170m Strecke, also nur einen kleineren Teil dessen, was im Feldhütte-Einschnitt noch verbaut werden muss. [Bild 78]
Schwellenstapel und Strecke aus der Luft. In der Bildmitte erkennt man den ehemals höchsten Bahndamm Württembergs, 64m ist der wohl hoch. Allerdings ist er relativ kurz, und vermutlich war man ganz froh, den Aushub von Tunnel und Strecke hier in der Nähe abladen zu können. [Bild 79]
Calw
Es geht überschaubar spannend weiter. Lagen letztes Jahr hier noch die neuen Schienen quer den Hang hoch, sind sie inzwischen verbaut. [Bild 80]
Die Streckenläuferin versieht ihren Dienst bereits eifrig. Ein bisschen neidisch bin ich ja schon, ich würde auch gerne bequem über die Schiene laufen können, anstatt entweder über die Schwellen zu hampeln oder immer wieder mit dem Kabelkanal die Streckenseite wechseln zu müssen. [Bild 81]
Die Brücke über den Welzbergweg. Die Brückenköpfe für die zweigleisige Führung sind noch da, aber die Brücke selbst ist nur eingleisig. Vor ein paar Jahren stand sie noch in Althengstett quer auf den Gleisen. [Bilder 82a, 82]
Das hier ist ein Mastfundament als Fertigelement. Sieht man auch nicht alle Tage. Der obere Teil ist wohl eine Unterputzdose für Erwachsene. [Bild 83]
Das ist durchaus mit Verstand konstruiert: an den beiden diagonal angebrachten Schrauben kann man das Element hochheben, die vier Schraubenlöcher an den Längsseiten sind zum Nivellieren gedacht. Der Aufkleber deutet darauf hin, dass die Elemente gerne auch mal an der falschen Stelle angehoben werden, was ihnen vermutlich nicht wirklich guttut. [Bild 84]
Noch ein paar Schritte weiter, und wir haben das Ende der Strecke erreicht: Bahnhof Calw, Gleis 2 (oder wie auch immer das heißen wird). Wenn man von oben nach unten mit einem Schienenfahrzeug fahren will, dürften das rund 100 km sein.
Der Steg ist inzwischen eingehoben, der Bahnsteig weitgehend fertig. Am Treppenturm wird noch gearbeitet. [Bild 85]
Auf dem Bahnsteig, einschließlich barrierefreiem Zugang, Blindenleitstreifen usw. [Bild 86]
Ende der Strecke. Das Gebäude im Hintergrund ist das Landratsamt Calw, von wo das Projekt "Württembergische Schwarzwaldbahn" maßgeblich vorangetrieben wurde. [Bild 87]
Man muss schon genau hinschauen, aber die Gleise sind noch da. Hier geradeaus geht es weiter über die bekannte Fischbauchträgerbrücke in den alten Calwer Bahnhof und weiter nach Nagold. Toll wäre es gewesen, wenn eine Durchbindung von Nagold nach Stuttgart möglich gewesen wäre, aber vermutlich lohnt sich das nicht. Theoretisch könnte man dann Umleiterverkehr für die Gäubahn fahren und die Zürcher ICs nach Stuttgart 21 führen, aber das wird wohl auf lange Zeit oder dauerhaft Utopie bleiben. [Bild 88]
Fazit
Hatte ich sonst immer geschrieben "es geht voran", so lässt sich nun konstatieren "eigentlich ist fast alles fertig." Das EStW hat wohl massiv Lieferverzug, und damit braucht man die LST auch nicht einzubauen. Der Feldhütte-Einschnitt ist nach wie vor ein Elend, hier fehlt wohl das Placet der EU-Kommission für den Weiterbau. Und die Fledermäuse in den beiden historischen Tunneln müssen wohl auch noch dressiert werden, dass sie den Zügen nicht in die Quere kommen.
Mit etwas Glück lässt sich das alles im Laufe des Jahres 2025 lösen und 2026 baulich umsetzen. Ganz vorsichtig optimistisch könnte es zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 klappen, dass ein moderner Triebwagen fährt anstatt der gut ausgelasteten Buslinien. Dann muss ich mich hier auch nicht mehr von einem im Bus rauchenden(!) Busfahrer zuqualmen lassen.
Vielleicht fahre ich kommendes Jahr noch mal an den Feldhütte-Einschnitt, aber vermutlich sind die Markgröninger Strecke und die Zabergäubahn in nächster Zeit interessanter. On verra.
Danke fürs Lesen - ist sehr lang geworden, aber eine Aufteilung in Einzelbeiträge ist ja offensichtlich in diesem Unterforum unerwünscht.
Viele Grüße,
Max
Auch dank des Forums bin ich ein bisschen in Europa herumgekommen. Damit ihr auch etwas davon habt:
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