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Defekte S-Bahn in Stuttgart Hbf offenbart Organisationsversagen der DB

geschrieben von: Trevithick

Datum: 28.09.19 17:42


Die Stuttgarter Zeitung und der Südwestrundfunk berichteten über ein erneutes Chaos am Stuttgarter Hauptbahnhof. Ein S-Bahn-Zug der Linie S2 (S 7234) blieb am Samstag, 28. September 2019, gegen 14:08 Uhr wegen einer technischen Störung im Tunnelbereich liegen. Hunderte Reisende saßen über eine halbe Stunde in der unbeleuchteten, voll besetzten Bahn fest, da sich die Deutsche Bahn zu einer raschen Bergung des Zuges außerstande sah. Angesichts ansteigender Temperaturen im Wageninneren sprangen schließlich dutzende Fahrgäste aus dem Zug und suchten eigenmächtig den Weg durch den Tunnel ins Freie. Damit begaben sie sich in Lebensgefahr. Verwirrung entstand durch unklare Anweisungen des Notfallmanagers, so dass einige Fahrgäste in die falsche Richtung liefen. Schließlich räumte die Bundespolizei den havarierten S-Bahn-Zug vollständig.

Aufgrund von "Personen im Gleis" sperrte die Bahn den Stuttgarter Hauptbahnhof zeitweise für den kompletten Zugverkehr. Im gesamten Stuttgarter Netz kam es bis gegen 17:00 Uhr zu Zugausfällen und Verspätungen bis zu 60 Minuten. Auf den engen Bahnsteigprovisorien des Hauptbahnhofs drängten sich die orientierungslosen Menschenmassen. Das völlig überforderte Service-Personal zog sich schließlich zurück, so dass sich der DB-Sicherheitsdienst der ratsuchenden und teilweise verärgerten Reisenden annehmen musste.

Am Sonntag, 29. September 2019 stellte die Stuttgarter Zeitung die suggestive Frage, ob den Fahrgästen eine Strafe drohe, die den S-Bahn-Zug eigenmächtig verlassen haben und somit vermeintlich für ein Chaos im gesamten Bahnhof sorgten? Tatsächlich aber hatte die Deutsche Bahn den technischen Defekt am Zug sowie das Organisationsversagen bei seiner planlosen Evakuierung zu verantworten. Ebenso verantwortete die DB die völlig unzureichende Information aller anderen Reisenden im Hauptbahnhof während seiner Komplettsperrung (d. h. unwirksame Meldeketten, unkundiges Service-Personal, falsche Gleisanzeigen infolge Bahnsteigwechsel, akustisch unverständliche Lautsprecherdurchsagen). Diesem Umstand Rechnung tragend erklärte ein Sprecher der Bundespolizei, man werde keine Ermittlungen gegen Fahrgäste einleiten, die den Zug unerlaubt verlassen hätten. Dies zu prüfen sei Sache der Deutschen Bahn. Ein DB-Sprecher erklärte dazu: "Das steht für uns nicht im Fokus. Uns ging es um die Sicherheit der Reisenden."

Am Montag, 30. September 2019 legte die Stuttgarter Zeitung das Ausmaß des Organisationsversagens der Deutschen Bahn bei der Evakuierung des liegengebliebenen S-Bahn-Zugs offen. Demzufolge hatte die Deutsche Bahn weder die Bundespolizei noch die Feuerwehr kurzfristig über den Notfall informiert. Die Landespolizei erfuhr um 14:27 Uhr durch den Notruf einer Reisenden von der Havarie. Die Bundespolizei alarmierte daraufhin um 14:47 Uhr die Feuerwehr. Als diese am Tunnel eintraf, war der Zug bereits weitgehend geräumt. Ein Vertreter der Deutschen Bahn begründete das verbesserungswürdige Kommunikationsverhalten mit dem Umstand, dass die Zugstörung keinen Notruf erforderte. "Normalerweise hätte man die Evakuierung mit eigenem Personal abwickeln können."

Pikanter Weise baut die Deutsche Bahn im Zuge von Stuttgart 21 knapp 60 km neue Tunnelstrecken. Sachverständige warnen regelmäßig vor tödlichen Sicherheitsrisiken beim Tunnelbetrieb, wenn Reisende im Brandfall binnen Minutenfrist aus den Zügen im Tunnel bzw. im Tiefbahnhof evakuiert werden müssten. Die Deutsche Bahn weist derartige Bedenken mit Verweis auf ausgefeilte Sicherheitskonzepte regelmäßig zurück. Vor dem Hintergrund offener Fragen zur Betriebssicherheit des zukünftigen S21-Tiefbahnhofs bzw. seiner Tunnelstrecken wird sich die Bahn nun kritischen Fragen der Öffentlichkeit stellen müssen, warum es ihr am Samstag nicht gelang, den liegengebliebenen S-Bahn-Zug gemäß ihren internen Richtlinien zu evakuieren und zu bergen.



7-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.10.19 10:21.
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