DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 15 - Museumsbahn-Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Dieses Forum dient dem Erfahrungsaustausch über den Erhalt und Betrieb historischer Fahrzeuge. Dazu zählen auch Beiträge zu Bahnen, die planmäßig Dampfbetrieb anbieten, sowie Touristikbahnen, die nicht der Definition von Museumsbahnen im strengeren Sinne entsprechen.
Dieses Forum dient NICHT zum Veröffentlichen von Sichtungsbildern - diese gehören in die Bild-Sichtungen. Bildberichte über Museen und historische Fahrzeuge, sowie die damit in Verbindung stehende Infrastruktur sind jedoch willkommen.
Für Veranstaltungsankündigungen bitte die Termine-Seiten verwenden. Weiterführende Informationen sind hier gestattet, Berichte über Veranstaltungen aber bitte auf eine Diskussion je Veranstaltung begrenzen. Berichte über Veranstaltungen aus früherer Zeit (älter als 10 Jahre) sind nach wie vor im Historischen Forum willkommen.
Moderatoren: Klaus Habermann - JensMerte - TCB
Ich möchte heute an ein kleines Jubiläum erinnern. Vor rund dreißig Jahren, Ende Januar 1991, erreichten drei 750 mm-spurige Heeresfeldbahnlokomotiven vom Typ HF130C aus der Schweiz Sachsen. Da die Loks sich auch heute noch in Sachsen befinden, möchte ich kurz Fotos von der Ankunft der Loks zeigen.

Wie kam es damals dazu ? Schon im Sommer 1990 bereiste ich das Erzgebirge um die Heimat meiner Familie kennenzulernen. Nebenbei besuchte ich auch die Schmalspurbahnen und Bahnmuseen. Beim Schmalspurbahmuseum in Rittersgrün und bei der IG Preßnitztalbahn in Großrückerswalde erzählte man mir von der bislang erfolglosen Suche nach einer kleinen Diesellok für Rangier- und Fahrzwecke. Die damals in Sachsen vorhandenen Loks der LKM Bauarten Ns4 und V10C waren noch nicht verfügbar. Schon 1988/89 hatte ich schon von drei in der Schweiz abgestellten 750 mm-spurigen Diesellokomotiven der Bauart HF130C gehört die zum Verkauf standen. Wie Gespräche mit dem Verkäufer ergaben, sollten diese Loks allerdings nur en bloc abgeben werden.

Bei den Loks handelte es sich um ehemalige Lokomotiven der Rheinbauleitung Rorschach der Sankt Gallischen Rheinkorrektion. Die Loks wurden 1967 beschafft und dienten dem Bau der Rheintalautobahn N13. 1972 endete der Gleisbetrieb und die Loks wurden wieder an den ursprünglichen Verkäufer zurückverkauft. Dabei handelte es sich um die Schlatter AG in Münchwilen/Aargau. Dieses Unternehmen handelt überwiegend mit Stollenbau Materialien. Da die Loks über einen Stangenantrieb verfügten waren sie für den Stollenbau nicht verwendbar und standen viele Jahre auf dem Lagerplatz des Unternehmens.

Sowohl das Museum in Rittersgrün als auch die damalige IG Preßnitztalbahn (IGP) in Großrückerswalde waren an der Übernahme einer Lok interessiert. Die dritte Lok wollte ich übernehmen. Die Wiedervereinigung und Währungsunion brachten dann die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen für das Vorhaben. Der von Herrn Schlatter gewünschte en bloc Verkauf war möglich. Das Problem waren die 1990 nicht vorhandenen Kommunikationsmittel. Handy, E-Mail und Fax gab es nicht. Telefone waren eher selten. Gott sei dank verfügten das Rittersgrüner Museum und der damalige Museumsleiter über ein Telefon. Schwierig war die Kommunikation mit der IGP. Der dortige Kontaktmann und Käufer der Lok war damals Lokführer bei der Deutschen Reichsbahn und meist nur brieflich erreichbar. Trotzdem haben wir es geschafft.

Auf Anregung von Herrn Schlatter wurde ein Bahntransport geplant. Alle Loks sollten vom Bahnhof Laufenburg in der Schweiz zunächst nach Grünstädtel gehen. Dort gab es eine leistungsfähige Verladeanlage des Formenbaus Schwarzenberg (?). Die Güterabfertigung in Grünstädtel hatte auch Erfahrungen mit Transporten aus der Schweiz im Zuge des Projektes Pumpspeicherwerk Markersbach. So konnte auch die Verzollung gut gelöst werden.

Nach der Ankunft gelangten die Lokomotiven "Churfirsten" (Gmeinder 4005/1943) und "Falknis" (Gmeinder 4233/1946) am 30.01.1991 nach Rittersgrün. Die Schwesterlok "Pizol" (Gmeinder 4234/1946) kam dann später nach Jöhstadt. Die Lok 4005 befindet sich noch heute in Rittersgrün. Die beiden Schwesterlokomotiven 4233 und 4234 befinden sich aktuell im Bertsdorfer Lokschuppen des Interessenverbandes Zittauer Schmalspurbahnen. Die Lok 4233 des Autors hat heute die Nummer Köf 6001, die Schwesterlok 4234 gehört heute zum Verein 1. Friedländer Bezirksbahnen im benachbarten Friedland/CZ. Ihre Nummer ist T36 002.

Hier nun Bilder von der Ankunft der Loks in Grünstädtel. Alle Foto stammen von Jörg Seidel.

Joerg Seidel Rittersgrün 1991 Ankunft HF Loks 002 low.jpg

Alle drei Loks kamen am 29.01.1991 auf einem belgischen Res-Wagen in Grünstädtel an. Die Abfahrt im Schweizer Bahnhof Laufenburg war am 15.01.1991 erfolgt. Im Hintergrund sehen wir die Krananlage.

Joerg Seidel Rittersgrün 1991 Ankunft HF Loks 006 low.jpg

Die Kran- und die Gleisanlagen gibt es in Grünstädtel heute m.W. nicht mehr.

Joerg Seidel Rittersgrün 1991 Ankunft HF Loks 008 low.jpg

Den Transport nach Rittersgrün am 30.01.1991 übernahm diese Tatra-Zugmaschine mit Goldhöfer-Anhänger. Beide Fahrzeuge gehörten damals ebenfalls dem Schwarzenberger Formenbau (?). Die Straße nach Rittersgrün war spiegelglatt gewesen.

Joerg Seidel Rittersgrün 1991 Ankunft HF Loks 014 low.jpg

In Rittersgrün standen für die Abladung zwei mobile Takraf Kräne zur Verfügung. Sie waren allerdings nicht sehr leistungsfähig.

Joerg Seidel Rittersgrün 1991 Ankunft HF Loks 015 low.jpg

Als erste Lok erreichte die Churfirsten (Gmeinder 4005) die Rittersgrüner Gleise.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.02.21 09:08.

Aktuelles Foto aus Bertsdorf

geschrieben von: JörgS

Datum: 31.01.21 12:34

Torsten Bartsch vom Interessenverband Zittauer Schmalspurbahnen hat mir dieses aktuelle Foto von den beiden Loks 4233 (links) und 4234 (rechts) geschickt. Etwas versteckt dahinter steht noch die Köf 6003 der Rügenschen Bäderbahn. Vielen herzlichen Dank !

IMG-20210131-WA0000.jpg
Hallo Jörg!

Sehr interessant! Auch die Verladetechnik wäre ja heute ein Highlight in jedem Museum. Die Krananlage in Grünstädtl sieht dabei da ja noch fast wie neu aus.

Gruß

Andreas
Hallo Jörg,

danke für die Erinnerung an dieses Ereignis. "Drei auf einen Streich", das passiert auch nicht oft. War damals schon eine kleine Sensation. Schön, daß sich für alle drei Loks dann Betreiber dinden ließen.
Und die Geschichte zeigt mal wieder, so was braucht immer einen, der sich mit persönlichem Einsatz darum kümmert! Danke für Dein Engagement.

Herzliche Grüße
Uwe