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Frage zur Instandhaltung von Dampflokomotiven

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 09.01.21 22:38

Hallo Zusammen,

gewöhnlich wurde in Richtlinien/ Drucksachen der Arbeitsumfang der einzelnen Schadgruppen an den Schienenfahrzeugen festgelegt. In der Dampflokunterhaltung war das die 999 383, dort gab es die Schadgruppen L 2 bis L 5. In dieser Drucksache wurde der Arbeitsaufwand an einer Dampflokomotive, in einer bestimmten Schadgruppe, beschrieben und nach welchem 946 Teilheft die betreffenden Teile stets zu unterhalten waren.
Später gab es bei den Dampflokomotiven dann nur noch die Schadgruppen L 5, L 6 und L 7. Die Schadgruppen L 1 bis L 4 fielen ersatzlos weg.

Ab wann gab es diese neue Richtlinie/ Drucksache, bzw. ab wann wurde die neue Art der Instandhaltung praktiziert?
Weiß Jemand dazu etwas Genaueres.

Danke für klärende Antworten


Beste Grüße
Bernd



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.01.21 14:37.

Re: Frage zur Instandhaltung von Dampflokomotiven

geschrieben von: 86_018

Datum: 10.01.21 17:34

Hallo Bernd,

bei der DR dürfte der 01.01.72 der Stichtag für die geänderte Schadgruppeneinteilung gewesen sein. Diesbezügliche Betriebsbucheintragungen zeigen dies.
Eine im November 1971 begonnene und Ende Januar 1972 abgeschlossene Zwischenuntersuchung an einer Lok wurde noch als L 3 eingetragen. Ab Januar 1972 begonnene Ausbesserungen erhielten die neuen Bezeichnungen.

MfG
Helmut

Re: Frage zur Instandhaltung von Dampflokomotiven

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 11.01.21 21:40

Hallo und guten Abend Helmut,

danke für deinen Hinweis. ich denke du hattest Einblick in ein entsprechendes Betriebsbuch.

Das passierte dann ja doch schon recht früh. Ich hatte immer vermutet das die Umstellung der Schadgruppen in der Dampflokinstanthaltung mit der Neuauflage der 946 in Zusammenhang stand.


Beste Grüße

Bernd

Re: Frage zur Instandhaltung von Dampflokomotiven

geschrieben von: 86_018

Datum: 12.01.21 12:36

Hallo Bernd,

in dieser Zeit gab es noch weitere Kuriositäten. Auf einem Foto der 99 1562-0 ist zu lesen ZU RAW Cs; Wt DSF Gö;27.10. 70; L 5 1.3.73; an der
99 1561-2 stand ZU RAW Cs; Wt "DSF" Gö; 20.5.71; L 5 15.4. 72. In beiden Fällen wurde nach einer Zwischenuntersuchung auch das Datum der nächstfolgenden Zwischenausbesserung, jetzt L 5 angeschrieben. Auch aus diesen Angaben läßt sich der Zeitpunkt der Änderung bei den Schadgruppeneinteilungen relativ eingrenzen. Übrigens die Revisionsanschriften im Raw Görlitz sind wohl auch einer persönlichen Note des Schriftenmalers
geschuldet. In den 1960er Jahren war vielfach zu lesen Letzte ZU oder HU. Damit war nicht zwingend gemeint die letzte Ausbesserung vor der z-Stellung.
Manche damals so bezeichnete Lokomotiven fuhren noch Jahrzehnte.

MfG
Helmut

Re: Frage zur Instandhaltung von Dampflokomotiven

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 13.01.21 19:34

Hallo Helmut,

eine "L 5" war vor 1972 außerplanmäßig und eine "Generalreparatur" oder "Rekonstruktion". Nach 1972 was das eine Zwischenuntersuchung, also das was vor 1972 eine "L 3" war.

Best Grüße
Bernd

Re: Frage zur Instandhaltung von Dampflokomotiven

geschrieben von: 86_018

Datum: 13.01.21 22:34

Hallo Bernd,

richtig ist, vor 1972 ging es von L 0 - L 4 und L 5 als Generalreparatur oder Reko. Ab 1972 wurden die bei Dampfloks im Raw durchzuführenden Fristarbeiten ab Zwischenausbesserung früher L 2 zur L 5; Zwischenuntersuchung, früher L 3 zur L 6 und die Hauptuntersuchung, früher L 4 zur L 7.
Die als faktischer Neubau entstandenen IV K und VI K wurden in den 1960er Jahren vielfach als L 5 in die Betriebsbücher eingetragen, weil es nach 1960. der Auslieferung der letzten Neubaudampflok der DDR, 50 4088, keine Neubauten mehr geben darf. Diese neu gebauten Lokomotiven behielten auch ihre alte Betriebsnummer. Reko- Lokomotiven, die bis 1967 entstanden, erhielten aber eine neue Betriebsnummer. Die ehemalige 52 467 wurde im Dezember 1967 als letzte offizielle Rekolok zur 52 8200.

MfG
Helmut

Re: Frage zur Instandhaltung von Dampflokomotiven

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 15.01.21 19:55

Hallo und guten Abend Helmut,

danke für deine Antwort.

Das hat jetzt etwas gedauert mit meiner Antwort.
Da ich grundsätzlich neugierig bin habe ich jetzt mal etwas in verschiedenen Fachbüchern gelesen, da mich das Thema dann doch näher interessierte und dabei habe ich folgendes herausgefunden und zusammengetragen:

Die neuen Grundsätze für künftige Instandhaltungen von Dampflokomotiven

Maßgebend für die künftig durchzuführende Instandhaltungsstufe im Zuführungszyklus ist der Zustand des Fahrgestells.
Die vollzogene Untersuchung der Instandhaltungsstufe L 5, L 6 und L 7 ist am Pufferträger anzuschreiben.

Der Kessel ist als freizügiges Tauschteil mit eigenen Zyklen nach den Instandhaltungsstufen K 5, K 6 und K 7 zu behandeln.

Für den Zuführungszyklus der Lokomotiven zum RAW gelten die von der HvM der DR herausgegebenen Bestimmungen.

Mit Rücksicht auf den begrenzten Zeitraum der Nutzung der Dampflokomotiven, werden diese für die weitere Instandhaltungen wie folgt gegliedert:

Gruppe 1: Lokomotiven, die nur noch die Instandhaltungsstufe L 5 erhalten. Diese können nach § 43 der Eisenbahn Bau- und Betriebsordnung, DV 300, Verlängerungen erhalten.

Gruppe 2: Lokomotiven die noch die Instandhaltungsstufen L 5 und L 6 erhalten. Dabei kann das Fahrgestell nach Zustimmung der HvM der DR aus Gründen des noch verbleibenden Nutzungszeitraumes und des allgemeinen Instandhaltungszustandes zweimal die Instandhaltungsstufe L 6 vor der vorgesehenen Ausmusterung erhalten.

GRUPPE 3: Lokomotiven die die Instandhaltungsstufen L 5, L 6, und L 7 erhalten.

Die Festlegung dieser Baureihen und der Stückzahl der Lokomotiven, die in die vorgenannten Gruppen aufzunehmen sind, wird von der HvM der DR getroffen.
Von den RAW sind für diese Festlegungen auswertbare Unterlagen nach Anforderung der HvM der DR zur Verfügung zu stellen.

Die Anweisungen sind so anzuwenden, das die Betriebssicherheit und Betriebstüchtigkeit im vollen Umfange gewahrt wird und eine wirtschaftliche Instandhaltung der Dampflokomotiven gewährleistet ist. Die Verantwortung der Bahnbetriebswerke erstreckt sich dabei auf eine exakte Vormeldung, die insbesondere alle Hinweise auf Mängel enthalten muss, die nur im Betriebsdienst festgestellt werden können. Der Arbeitsumfang ist bei der Arbeitsaufnahme so festzulegen, dass die Lokomotiven den vorliegenden Betriebszeitraum störungsfrei durchlaufen können. Dabei sind vor Allem die betriebsdienstlichen Einsatzbedingungen zu beachten und zu berücksichtigen.

Vorbeugend sind alle Teile aufzuarbeiten oder zu erneuern, wenn dadurch außerplanmäßige Außerbetriebsetzungen von Lokomotiven vermeiden werden können.


Das klingt aber sehr plausibel.

Beste Grüße
Bernd



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.01.21 20:47.