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 15 - Museumsbahn 

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Moderatoren: Klaus Habermann - JensMerte - TCB

? zur Mollschen T3

geschrieben von: kts

Datum: 07.10.19 22:20

Hallo,
ich habe letztens beschlossen, die Betriebsfähigkeit von 89 7159 zu erforschen. Ja sie wird vom Betreiber als Betriebsfähig vermeldet. Mein Wissen endet damit, das sie eine HU benötigte um 2019 zu dampfen. Revisionsdaten.de lehrte mich das sie die nummer in Zweitbesetzung trägt, da die eigentliche Trägerin der Nummer irgendwann zerlegt wurde. Die Bezeichnung der KPEV führt ins Nirvana. Bildquellen, auf die ich zugreifen kann zeigen keine aktuellen Revisionsanschriften. Daher die Frage aus Gerhard Molls Heimatbezirk: welches Revisionsdatum hat die Maschine aktuell?

Re: ? zur Mollschen T3

geschrieben von: Flachschieber

Datum: 08.10.19 15:44

kurze Antwort. Die Lok hat aktuell keine Revision. Sie ist noch teilzerlegt und wartet nur auf den Zusammenbau (Kessel usw ist auch fertig). Allerdings verzögert sich der Zusammenbau immer weider auf Grund des Grundproblemes aller Museumsbahnen. Zu wenig Personal bzw. das Personal ist mit dem Fahrbetrieb schon so ausgelastet, dass geplante Arbeiten an der T3 leider immer wieder zurück gestellt werden müssen.
Ich kann aber bestätigen, dass die Arbeiten weiter am Laufen sind. Also alles nur noch eine Frage der Zeit.

Re: ? zur Mollschen T3

geschrieben von: schienenloewe

Datum: 08.10.19 18:43

derzeit wird der Rahmenwasserkasten innenbeschichtet

Re: ? zur Mollschen T3

geschrieben von: kts

Datum: 09.10.19 07:34

Vielen lieben Dank für die ausführliche und detailierte Information. Wäre mir das nicht zu weit, würde ich in die Arbeiten einsteigen.
Lieben Gruß aus dem Siegerland

Re: ? zur Mollschen T3

geschrieben von: Palatino

Datum: 10.10.19 10:34

Hallo kts,

zur Geschichte der Museumslok "89 7159" möchte ich ein paar Zeilen aus dem Buch "Die Baureihe 89.70" von Gerhard Moll und Hanjürgen Wenzel, EK-Verlag 1981, zitieren:

Zunächst beschreibt Gerhard Moll seine vergeblichen Bemühungen um den Erhalt einer ehemals bei der Bundesbahn eingesetzten T 3. Nachdem dies nicht von Erfolg gekrönt war, wendete sich sein Interesse den nopch existierenden Privatbahn-T 3 zu:

Im Walzwerk Schwerte(Ruhr) stand 1965 noch eine T 3 der zweiten Bauart in technisch gutem Zustand in Reserve. Die Lok wurde untersucht und vermessen. Sie entsprach genau dem Musterblatt M III-4e (2). Die Werksleitung war von dem Plan, die Lok zu erhalten, geradezu begeistert. Im Herbst 1968 konnte sie günstig übernommen werden. Ein freundliches Schreiben der Geschäftsleitung ermöglichte den Ankauf zu einem mehr als niedrigen Schrottpreis. Leider aber war die Lok nicht von der Staatsbahn. Sie entstammt der Henschelserie 10035 - 10040, die an verschiedene Eigentümer ging:

10035 Shantung Baugesellschaft, China
10036 Usines d'isbergues (Frankreich (Nr. 31)
10037 Eisenindustrie Menden und Schwerte => 89 7159
10038 Gardelegen - Haldensleben - Weferlingen 10 = 295, später Bebitz - Alsleben => 89 6140
10039 Gardelegen - Haldensleben - Weferlingen 11 = 296, später Kleinbahn AG Genthin => 89 6016
10040 Gewerkschaft Amalie, Essen

Dieser vermeintliche Mangel musste in Kauf genommen werden. Aber - wohin mit der Lok, wohin überführen, wo aufarbeiten? Hier muss die damalige BD Wuppertal lobend erwähnt werden. Man tat damals wirklich alles, um uns zu helfen. Am 15. Dezember 1968 wurde die Lok von 211 234 von Schwerte nach Erndtebrück geschleppt. Dort - so hieß es amtlich - könne die Lok untergestellt und aufgearbeitet werden.

(...)

Beim Zusammenbau der T 3 tauchte bei allen Beteiligten die Frage auf, welche Nummer diese Lok nun erhalten solle. Wie erwähnt, war die DB an dieser Lok sehr interessiert und wünschte eine 89er-Betriebsnummer. Vom Hoesch-Konzern kam das Betriebsbuch der Lok 6158 Altona zum Vorschein (Hohenzollern 1894/769). Der Verkauf dieser Lok erfolgte im Jahr 1923, so dass die Lok die Umnummerung nicht mehr erlebte. Verschiedene Umstände sprachen dafür, dass die Schwerter T 3 den Rahmen dieser Lokomotive erhalten hat. Spätere Untersuchungen des Rahmens haben das jedoch nicht bestätigt. So schlug Carl Bellingrodt damals vor, der Lok die Betriebsnumer 89 7159 zu erteilen, da die vorherige Lok, 6157 Altona mit der Hohenzollern-Fabriknummer 768, die Reichsbahn-Nummer 89 7158 getragen hatte. Der Vorschlag fand allseitige Zustimmung, auch bei der DB. So wurde am 28. April 1971 im Bw Siegen die Nummer 89 7159 angebracht. Ob dies richtig war, mag dahingestellt bleiben. Hätten wir der Lok im Hinblick auf das Kesselbaujahr 1910 die "nächste" freie Nummer 89 7579 erteilt, wäre dies sicher ebenso auf Kritik gestoßen. So wurde auf DB-Gleise passende Beschilderung für unsere Lok gefunden. Mit Erfolg legte diese T 3 zahlreiche Sonderfahrten auf DB-Strecken zurück. bis der DB-Dampfboykott sie entgegen allen gegebenen Zusagen von DB-Gleisen verbannte.


Soviel zu der Frage, wie die Moll'sche T 3 zu ihrer Reichsbahn-Nummer kam.

Ich bin froh, dass der Kessel der T 3 endlich fertig ist und sich die Männer der DGEG Neustadt sich an den Zusammenbau der Lok begeben haben. Der Wiederinbetriebnahme sehe ich mit Freude entgegen. Gut Ding will Weile haben.

https://abload.de/img/t3y0k3y.jpg
Blick ins DGEG-Museum Neustadt/Weinstraße im Oktober 1985, auch 89 7159 steht noch unter Dampf. Hinter der T 3 wartet die "Walsum 5" auf ihre Restaurierung und den Umbau zur Schlepptenderlok "Speyerbach", der späteren langjägjährigen Stammlok des Kuckucksbähnels.

Grüße aus der Pfalz

Hubert

Re: ? zur Mollschen T3

geschrieben von: kts

Datum: 10.10.19 11:14

Ich weiß nicht ob es im Buch steht, aber aus verschiedenen Quellen ist mir über die Aufarbeitung bekannt, das der Zustand der Lok beim näheren Hinsehen nicht ganz so gut war, wie die Gruppe um Gerhard Moll angenommen hat. So mussten verschiedene Teile ersetzt und zum Teil auch neu angefertigt werden, Das war nur möglich, da aus dem Umfeld der Gruppe erhebliche Geldspenden beigebracht werden konnten und - wie Meister Moll es ausdrückte - die Siegerländer Industrie kräftig mit geholfen hat. Ob die entsprechenden Betriebe drüber Bescheid wussten, ist mir unbekannt, allerdings weiß ich das auch mal ein Ersatzteil für eine andere von Gerhard Moll gefahrene Lokomotive in einer Nachtschicht in einem siegerländer Industriebetrieb hergestellt wurde, von dem der Betrieb nie erfahren hat.
Ich finde es schön, wenn Teile des Lebenswerkes eines Mannes, den ich bis heute bewundere, fortgeführt werden. Ich wünsche der Mannschaft, die diese Maschine jetzt betreut weiterhin viel Erfolg.

Re: ? zur Mollschen T3

geschrieben von: Markus Heesch

Datum: 10.10.19 18:56

Palatino schrieb:Zitat:
Zunächst beschreibt Gerhard Moll seine vergeblichen Bemühungen um den Erhalt einer ehemals bei der Bundesbahn eingesetzten T 3. Nachdem dies nicht von Erfolg gekrönt war, wendete sich sein Interesse den noch existierenden Privatbahn-T 3 zu

[…]

Aber - wohin mit der Lok, wohin überführen, wo aufarbeiten? Hier muss die damalige BD Wuppertal lobend erwähnt werden. Man tat damals wirklich alles, um uns zu helfen.

[...]

Wie erwähnt, war die DB an dieser Lok sehr interessiert und wünschte eine 89er-Betriebsnummer.
Hallo Hubert,

dazu hätte ich eine Frage. Die Bundesbahn hatte doch zum damaligen Zeitpunkt im AW Schwerte noch die beiden Werkloks "89 002" und "89 003" welche meines Wissens bis heute erhalten sind. Wären diese für eine Aufarbeitung nicht in Frage gekommen? Kann irgendwer diese Frage beantworten?

Vielen Dank.

Re: ? zur Mollschen T3

geschrieben von: Palatino

Datum: 11.10.19 12:27

Hallo Markus,

zu Deinen Fragen darf ich nochmals aus dem in meinem ersten Beitrag erwähnten T3-Buch zitieren:

Humboldt lieferte im Jahre 1899 mit Farbriknummer 32 die Lok 1744 Elberfeld, die ab 1906 die Nummer 6221 Elberfeld trug. Diese T 3 nach M III-4e(2) wurde im Jahre 1924 dem RAW Schwerte als Werklok 2 überwiesen. Im jahre 1967 wurde sie ausgemustert und in Leverkusen-Lützenkirchen aufgestellt. Sie ist inzwischen wieder aufgearbeitet und unter der Obhut der "Dampflok Freunde Rheinland". Warum die Lok allerdings die Betriebsnummer 89 707 erhielt, die ein Experte schon 1968 auf die in Schwerte noch abgestellte Lok schrieb, ist unerfindlich. Wenn man sie in der Nähe tatsächlich mit Reichsbahnnummern versehener Lok desselben Bauloses hätte einnummern wollen, stünde ihr die Betriebsnummer 89 7304 oder 89 7305 zu.

Soweit aus dem Buch von 1981. Ich bin sicher, dass es zu dieser Lok inzwischen Veränderungen gibt.

Zur WL 003 des AW Schwerte schreibt Gerhad Moll:

Diese T 3 nach M III-4e(2) wurde 1898 von Eßlingen mit Fabriknummer 2985 an die Braunschweigische Landes-Eisenbahn geliefert. Sie erhielt die Nummer 13, ab 1938 89 7531 und tat bei der Reichsbahn in den Bw Börßum, Halberstadt, Hannover Hbf, Braunschweig, Oberhausen Osterfeld Süd und Duisburg Ruhrort Hafen Dienst. Bis 1968 wurde sie im AW Schwerte verwendet. Die Städte Hannover und Burgsteinfurt hatten Interesse an der Aufstellung der Lok, wurden jedoch durch die hohen Kosten vom Kauf abgehalten. Die Lok wurde durch das Deutsche Dampflokmuseum in Neuenmarkt-Wirsberg erworben, stand allerdings bis 1975 herum, unter anderem im Bw Lehrte.Im September 1975 rollte sie auf einem Tieflader nach Neuenmarkt-Wirsberg. Da jedoch zu viele Teile bereits fehlten, wurde sie schon 1977 an einen Freizeitpark bei Bad Hersfeld abgegeben. An ihrer Stelle erwarb das DDM die Görlitzer Lokomotive 89 6024 - bekanntlich keine T 3.

Ferner gibt es in dem Buch noch ein paar Informationen zu einer weiteren Werklok der DB, der WL 004 des AW Siegen, um die sich Gerhard Moll auch bemüht hat:

Als 1960 beim Bw Siegen die T 3 mit der Gerätenummer 004 des AW Siegen - ehemals 6189 Elberfeld - ausgemustert wurde, entstand bei Mitverfasser Gerhard Moll der Gedanke, gerade eine preußische T 3 müsste doch der Nachweltr erhalten bleiben, eine Überlegung, die unabhängig von ihm auch der leider allzufrüh verstorbene Eisenbahnfreund Schmid aus Eßlingen angestellt hatte. Aber die Begeisterung für dieses Vorhaben war doch sehr gering. Höflich fragte Gerhard Moll beim Amtsvorstand des MA Siegen, ob die von so vielen Eisenbahnern im Siegerland geschätzte T 3 verschrottet werden sollte. Der gestrenge Herr gab zu verstehen, daß dies doch nicht Sache eines Lokomotivführer-Anwärters sei. Aber so erfuhr man, dass die Siegener T 3 als technisches Lehrstück zur Lokführerschbule Wuppertal-Clausen komme. So geschah es denn auch. Dort aber wurde die damals älteste betriebsfähige Lokomotive der DB völlig vernachlässigt, obwohl sie in gutem Zustand aufgestellt worden war. Nach oberflächlicher Behandlung im Bw Wuppertal-Vohwinkel im Jahre 1972 verkommt sie nun völlig auf einem Kinderspielplatz in Schwalbach(Ts.)

Soweit die Zitata aus dem genannten Buch. Ich glaube, auch zu der WL 004 des AW Siegen gibt es inzwischen einen neuen Sachstand.

Ich hoffe, damit die Fragen beantwortet zu haben.

Grüße aus der Pfalz
Hubert

Re: ? zur Mollschen T3

geschrieben von: kts

Datum: 11.10.19 13:19

Palatino schrieb:
Soweit die Zitata aus dem genannten Buch. Ich glaube, auch zu der WL 004 des AW Siegen gibt es inzwischen einen neuen Sachstand.

Ich hoffe, damit die Fragen beantwortet zu haben.

Grüße aus der Pfalz
Hubert
Die Überreste dieser Maschine befinden sich in Obhut des Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V. und trägt die Nummer 89 7005 in Zweitbesetzung. Es wäre schön, wenn sie als Austellungsstück hergerichtet werden könnte.

Re: ? zur Mollschen T3

geschrieben von: Carsten Frank

Datum: 12.10.19 14:24

Die WL 003 war dann wohl die Lok beim See Park Kirchheim.
Dort stand sie mit 2 B3yg und einem Bi ex Hersfelder Kreisbahn (?) gegenüber vom Hotel am Parkplatz.
[www.flickr.com]

Später wurde sie gegen eine meininger Cfl getauscht, mittlerweile ist alles weg.
[www.myheimat.de]

Edit: sie ging anschließend erst nach Finsterwalde und dann nach Heilbronn
[www.eisenbahn-museumsfahrzeuge.com]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.10.19 14:28.

Re: ? zur Mollschen T3

geschrieben von: LiteraD

Datum: 13.10.19 17:16

Gerhard Moll hat sich um diverse T 3 gekümmert, auch wohl um die in Kassel/Bayreuth. Entweder war die Verwendungsfestlegung unumstößlich oder Preisfrage nicht lösbar. Für die damalige mutige Initiative musste die Finanzfrage ohne Sponsorenhintergrund lösbar sein.

Gruss LiteraD