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01 1075 - Warum der "Rückbau"?

geschrieben von: A. Hartmann

Datum: 30.06.19 16:55

Hallo,
Kurze Frage bezüglich der 01 1075. Kann mir hier ein Wissender oder ein Eisenbahnfreund den wirklichen Grund nennen, warum die Niederländer die Lok auf Kohlefeuerung zurückgebaut haben? Ist die Öl-Feurung doch wesentlich komfortabler und auch bei Brandgefahr die Lok vielzügiger einsetzbar.
Aber bitte keine Spekulationen.
Viele Grüße Axel Hartmann



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 30.06.19 19:46.
Hallo Axel,

der Rückbau der 01 1075 erfolgte ja bereits 1992. Die Ölfeuerung hat im Betrieb viele Vorteile aber du musst eine Öllok aber auch erst mal in Betrieb bekommen. Dazu muss bei einer Öllok das kalte und zähflüsssige Schweröl erst mal extern vorgeheizt werden. Erst ab ca. 80°C wird das Schweröl dann erst flüssig. Das geht aber nicht überall, dazu ist heißer Dampf notwendig. Ich könnte mir vorstellen dass diese Möglichkeit in den Niederlanden 1992 nirgendwo mehr gegeben war. Schließlich fuhr man den Niederlanden schon lange Elektrisch (bzw. Dieselelektrisch) und zum Heizen der Züge wurde auch kein Dampf mehr genutzt sondern die Züge elektrisch geheizt.

Bei einer herkömmlichen Kohlelok kannst du, egal wo die Lok steht, einen Tag vorher ein Feuer machen und den Kessel zuerst mit Holz und dann mit Kohle langsam hoch heizen. Für eine Museumslok die nicht täglich in Betrieb steht dürften das die Gründe gewesen sein dass sich die Niederländer gegen die Ölfeuerung entschieden haben.

Grüße
Markus

Re: 01 1075 - Warum der "Rückbau"?

geschrieben von: 41 052

Datum: 30.06.19 19:16

Moin.

Zu der Zeit, als die 01 1075 betriebsfähig aufgearbeitet wurde, gab es ja schon 2 01.10 Öl.
01 1066 und 01 1100.
Irgendwann habe ich mal gehört, das man daher in den NL wieder eine Kohle 01.10 aufarbeiten wollte.

Gegenbeispiel (erst vor kurzem bei einem Gespräch gehört), das die 41 241 in den NL auch wieder auf Kohle Feuerung betriebsfähig auf gearbeitet würde.
Man suchte dort expliziert nach Zeichnungen eines Aschkastens für eine 03.10 / 41 mit Neubaukessel.
Unsere 41 052 wird aber definitiv eine Ölfeuerung bekommen.

Gruß!
Hallo Markus,
danke für deine verständliche Erklärung! Aber das weiß ich alles. Habe selbst noch 1972 bei der DB die Heizerprüfung mit zusätzlicher "Ölprüfung" abgelegt.
"41 052" :-) hat vermutet, dass der Rückbau auf Kohle eine bewusste Entscheidung* der Niederländer gewesen ist.
Aber wer weiß das wirklich genau?
Viele Grüße Axel
* bei den in unseren Breiten immer länger werdenden Trockenperioden mit ihren Einschränkungen (Brandgefahr - Absage der Fahrten siehe: 03.10 Abschiedsfahrt) würde ich mir heute genau überlegen, eine Lok auf Kohlefeuerung zurückzubauen. Ein Öler darf bei Brandgefahr dann nämlich meistens fahren.
Grund war die leichtere Brennstoffbeschaffung - Kohle bekommt man überall, ist leicht zu transportieren, schweres Heizöl ist da etwas schwieriger. Das leichtere Anheizen ohne Fremddampf wurde schon genannt. Außerdem wurde die Kohlefeuerung gewählt, da andere Loks in Holland auch so gefeuert sind und die Heizer damit Erfahrung haben.
Nachzulesen in Fachliteratur aus dem Aufarbeitungsjahr in Meiningen.
Dass damals andere ölgefeuerte 01.10 betriebsfähug waren, ist meiner Erinnerung nach niemals ein Grund für die Kohlefeuerung gewesen.

Dieselben Gründe dürften auch für 41 241 gelten.

Immerhin haben Teile der Ölfeuerung überlebt

geschrieben von: dampfhappi

Datum: 30.06.19 20:05

Laut Homepage der Stoomstichting hat man Teile der Ölfeuerung der 1075 konserviert eingelagert, um sie bei der für die kommenden Jahre geplanten Wiederinbetriebnahme der 41 105 verwenden zu können.
Dort steht übrigens auch, dass die bei der 1075 eingebaute Variante der niederländischen Zugbeeinflussung (ATB-E) nur eine Vmax von 90 km/h zulässt.

Where there’s scrap, there’s hope ... (alte britische Museumsbahnerweisheit)
Hallo Axel, hallo Shadow200,

ein weiterer Grund für den Rückbau auf Kohle könnte der Preisvorteil der Kohle sein.
Zu einem nicht näher bestimmten Tag X sah das so aus:
eine Tonne schweres Heizöl: 700 €, eine Tonne Kohle 450 €.
Mittlerweile dürfte beides teurer geworden sein.

1991 entschieden

geschrieben von: VictorPM

Datum: 30.06.19 22:21

Das ist eine Entscheidung die die SSN 1991 getroffen hat, als es auf einmal die phantastische Möglichkeit gab diese Maschine nach 16 Jahren Stillstand in Meiningen aufzuarbeiten.
Soviel ich weiß haben sie es bis heute nie bereut :-)
Daß es damals schon zwei betriebsfähige ölgefeuerte 01.10 gab, könnte in der Tat eines der Gründe gewesen sein. "Wir machen es mal anders."
Und die damaligen Mitarbeiter fanden es vielleicht auch einfach eine tolle Herausforderung, diese Lok mit Kohle zu feuern :-)
Wichtig war natürlich auch, daß Kohle einfacher und billiger zu bekommen waren.
Erfahrung mit Ölfeuerung hatte die SSN mit der 41 105.

Gruß, Victor

NL




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 30.06.19 22:31.

Re: 1991 entschieden

geschrieben von: Jan Groenendaal

Datum: 01.07.19 09:54

Dabei kommt noch, dass in 1991 Meiningen noch nicht die Kenntnis hatte von DB Ölfeuerungs-anlagen.
Für den Neubau vom Tender und Rostfeuerungs-anlage wurden Bauzeichnungen von einer 45 benutzt.
>ein weiterer Grund für den Rückbau auf Kohle könnte der Preisvorteil der Kohle sein.
>Zu einem nicht näher bestimmten Tag X sah das so aus:
>eine Tonne schweres Heizöl: 700 €, eine Tonne Kohle 450 €.

Hallo,


so darfst du das nicht rechnen....vergleiche mal die Rechweite von einer Tonne Öl zu einer Tonne Kohle...
Da wirst eine verblüffende Feststellung machen :) ;) :) ;)


Gruss
Michael

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Ein Heizer kannte sehr wohl den Unterschied!

geschrieben von: A. Hartmann

Datum: 01.07.19 11:30

Hallo Michael,
hallo an die Anderen ,
das Verhältnis der "Energieausbeute" zwischen Steinkohle und Erdöl beträgt ca. 1 : 1,6.
Die "Schrubberei" vor den schweren Zügen mit den Dampfloks bei den Bw's Osnabrück oder Hamburg oder nachher auch zum Teil in Rheine hätte man mit Kohlemaschinen (Leistung der Heizer) nie durchhalten können.
Ein Heizer in Emden wusste sehr wohl den Unterschied zwischen einer Kohle- und einer Öl-44er zu schätzen!
Viele Grüße Axel Hartmann



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 01.07.19 11:40.
Eine Kohlefeuerung schont aber den Kessel viel mehr. Nach dem Umbau der 44 1093 wurde das ja damals auch für 03 1010 erwogen aber aus eben diesen Gründen verworfen.

MfG

"Damit auch ich was zu meckern habe: Ich finde immer die künstliche Dampfentwicklung durch Abblasen an den Zylindern fürchterlich. Sicher gibt das für den ambitionierten Laien tolle Fotos, den Sound jedoch zerstört es vollkommen. :-("

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Hallo Matthias,
"Eine Kohlefeuerung schont aber den Kessel viel mehr." Diese These wird immer wieder aufgestellt.
AW Braunschweig Kesselschlosser und RAW Meiningen-Schlosser haben das nicht bestätigt. Es kam aber immer wieder auf die Feuerführung an; und da wurden Fehler bei Kohle und Öl gemacht!
Was aber immer wieder bei der DR und der DB vorkam (dass war den (R)AW's auch bekannt), dass die Öler oft viel zu schnell hochgeheizt wurden.
Darüber hinaus wurden sie in vielen Diensten ständig überfordert; sei es z. B. die 01.10 Öl* in Kassel, Osnabrück und Hamburg; oder die 03.10 Öl und 50.50 im Norden der DDR mit ihren sehr schweren Kesselwagenzügen.**
Viele Grüße Axel Hartmann
* die 01.10 Kohle wurden deswegen später (ab ca. 1963) auch eher im Eilzugdienst eingesetzt
** selbst oft gefilmt; die schweren Anfahrten der 50.50 nach Überholung durch 03.10 (z. B. in Chorin)

Re: 01 1075 - Warum der "Rückbau"?

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 01.07.19 17:09

Alle bisher genannten Argumente sind nachvollziehbar. Der Klimawandel dürfte es der Kohlelok in Zukunft schwer machen, gerade in der sommerlichen Hauptsaison. Wurde wohl auch deswegen der Big Boy auf Öl umgebaut oder nur Anpassung an die anderen Maschinen ?

Re: 1991 entschieden

geschrieben von: VictorPM

Datum: 01.07.19 18:52

Stimmt, auch ein wichtiger Grund damals.

Gruß, Victor

NL

Danke für die Antworten ! (o.w.T)

geschrieben von: A. Hartmann

Datum: 02.07.19 14:10

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.07.19 14:11.

Re: 01 1075 - Warum der "Rückbau"?

geschrieben von: bigboy4015

Datum: 02.07.19 15:06

Das mit Bigboy hat auch andere Gründe.
Schon in den 1970ern waren Bekohlungsanlagen in den USA kaum mehr zu finden und die UP hat eine lange Tradition mit Ölfeuerung. Die ewig im Dienst stehende 844 hatte schon seit der Inbetriebstellung in 1944 Ölfeuerung.
Challenger #3985 fuhr bis 1979 kohlegefeuert, nur, die UP eigenen Gruben in Utah waren lange schon geschlossen und andere Kohlesorten überzeugten nicht. Dazu der Aufwand mit der Kohle die transportiert und verladen werden musste. Öl, selbst die zähe Pampe Bunker C, war deutlich einfacher zu handhaben und zur Lok zu transportieren.
Ölfeuerung ist im Westen der USA schon lange weit verbreitet, auch z.B. die SP GS-4 #4449 hat nie was anderes verfeuert.

Im Osten der USA sind auch heute noch Kohle gefeuerte Loks viel häufiger im Einsatz.

Und ein großer Vorteil ist, dass die Ölfeuerung keine Böschungsbrände auslösen kann, im UP Land nicht zu verachten.

PS: Dampflok+Klimawandel+Umweltschutz = Dampflokverbot?
Ich habe da immer so ein ganz komisches Bauchgefühl wenn ich daran denke. Wieviel Einfluss hätten die Dampfbefürworter bei einem Verbot von Feuerungsanlagen ohne Filtersystem oder was einem Beamten in Brüssel oder Berlin sonst einfällt.
Auch wenn es nur 0,00... Prozent der CO2 Emmissionen betrifft... Man setzt gern "Zeichen" und begründet es mit "Irgendwo müssen wir anfangen."

Kann Paranoia sein oder die Erfahrung von 35 Jahre im Öffentlichen Dienst...

Bigboy4015




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.07.19 15:13.
Moin,
muss so um '74 gewesen sein. Die Maschine steht gedreht und mit ergänzten Vorräten in Emden Hbf und wird in kürze ihren Eilzug nach Rheine bespannen:


https://abload.de/img/lok-fertigupk4y.jpg



Foto im Rahmen dieser Sonderfahrt am 22.06.2019 in Emden aufgenommen [www.drehscheibe-online.de]


Kleiner Kalauer am Rande:
So war ich auch am letzten Wochenende zu einem Kurzbesuch in Lingen. Beim 50 minütigen Aufenthalt in Leer treffe ich auf dem Bahnsteig einen Hobbykollegen, wir plaudern eine Runde.
Erzähle ihm also, dass ich die Woche vorher 011 075 "verfolgt" hätte und er so: "Die habe ich früher noch als 012 075 fotografiert..."
Darauf ein klassischer Böttcher (keine Ahnung aber voll den Lauten machen): "Kann nicht sein, die war immer schon mit Kohlefeuerung!" (genau aus dem Gedanken, warum sollte man eine ursprüngliche Öllok auf Kohle umbauen, genau wissen tat ich es natürlich nicht). Da hat der Kollege mal eben bummelig sein Flickr account ausgegraben und mir tatsächlich Fotos von 012 075 gezeigt. Das war super, konnte ich doch kräftig "zu Kreuze" kriechen und mal eben gaaaanz kleine Brötchen backen...;;;;;-)

Schönen Gruß aus Bremen

Michael

Re: 01 1075 - Warum der "Rückbau"?

geschrieben von: Michael Staiger

Datum: 03.07.19 20:55

bigboy4015 schrieb:
...

PS: Dampflok+Klimawandel+Umweltschutz = Dampflokverbot?
Ich habe da immer so ein ganz komisches Bauchgefühl wenn ich daran denke. Wieviel Einfluss hätten die Dampfbefürworter bei einem Verbot von Feuerungsanlagen ohne Filtersystem oder was einem Beamten in Brüssel oder Berlin sonst einfällt.
Auch wenn es nur 0,00... Prozent der CO2 Emmissionen betrifft... Man setzt gern "Zeichen" und begründet es mit "Irgendwo müssen wir anfangen."

Kann Paranoia sein oder die Erfahrung von 35 Jahre im Öffentlichen Dienst...
Hallo,

es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen daß diese Gefahr besteht, deshalb ist es absolut wichtig daß möglichst alle Museumsbahnen den Verband bei seiner politischen Lobbyarbeit unterstützen. Empfehle hier jedem Verbands-Skeptiker zum einen mal nachzulesen, was da in den letzten Jahren erreicht wurde und dann mal selber versuchen, etwas politisch zu erreichen. Als einzelner Verein kann man örtliche Unterstützung finden, aber z. B. bei Umweltschutz- oder Sicherheitsauflagen eine bundesweite Lösung erreichen zu wollen kannst einfach vergessen.
Bei historischen Fahrzeugen, egal ob Schiene oder Strasse gibt es schon Ausnahmeregelungen. So manche sind allerdings nur EU-Vorschläge, die erst noch in Bundesrecht umgesetzt werden müssten. Das geschieht aber nur mit entsprechendem Druck, den natürlich nur ein Verband mit großen Mitgliederzahlen erreichen kann.

Gruß
Michael