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 15 - Museumsbahn 

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Moderatoren: Klaus Habermann - JensMerte - TCB
Moin,

derzeit befindet sich die Torfbahn im Himmelmoor in Quickborn noch im Winterschlaf, zumindest was den öffentlichen Fahrbetrieb betrifft. Gelegentlich sind aber doch Arbeitszüge auf der Strecke unterwegs, denn zur Wahrung der Verkehrssicherheit mussten in den letzten Monaten verschiedene Vegetationsarbeiten durchgeführt werden. So konnte man auch Ende Januar einen Arbeitszug im winterlichen Moor antreffen.

https://up.picr.de/35010804nu.jpeg
(Dieses Foto wurde mir freundlicherweise von Franziska Zelck zur Verfügung gestellt, die natürlich Besitzerin des Urheberrechts dieser Aufnahme bleibt.)

Ein paar Worte zur Geschichte der Torfbahn im Himmelmoor

Ein letztes Mal fuhr die Torfbahn des Torfwerkes im Himmelmoor Ende Juni 2018 raus und kehrte mit acht vollen Loren zurück. Dann ging nach 150 Jahren eine Ära zu Ende. Es ist eine historische Zäsur, die sich dieser Tage in
Quickborn ereignet. Die Fuhre steht vor der Halle des Torfwerks, um verarbeitet zu werden. Acht Loren voll Torf. 40 Kubikmeter, die 16 Tonnen wiegen. 150 Jahre industrieller Torfabbau – eine Ära geht zu Ende.

Als der heutige Betriebsleiter im Jahr 1977 als Fabrikmeister anfing, gab es noch 15 festangestellte Mitarbeiter und 50 Strafgefangene, die täglich aus Neumünster zum Torfstechen ins Himmelmoor gebracht und wieder zurück transportiert wurden. Die Gefangenen mussten mit der Hand arbeiten. 40 laufende Meter, etwa 30 Kubikmeter – war ihr Tagessoll. Den Torf mussten sie mit der Schaufel 80 Zentimeter tief ausgraben und ihn in Quadersoden einen Meter hoch aufschichten, damit er trocknen konnte. Wer die doppelte Menge schaffte, bekam eine Packung Tabak in der Woche extra.

Die Blütezeit hatte der Torfabbau im Himmelmoor in der Vor- und Nachkriegszeit. Damals arbeiteten auf dem Areal bis zu 2500 Menschen, die sich zu fünft jeweils eine kleine Parzelle von 15 bis 30 Kubikmeter Torf teilten, die sie selbst ausgraben, trocknen und wegschaffen mussten. 24 Kubikmeter reichten damals, um ein Familienhaus im Winter zu heizen. Das endete abrupt 1960, als das Heizöl billiger wurde. Auch die Gefangenen kamen nach 1990 nicht mehr. Strafgefangene waren seit 1915 eingesetzt worden, im Zweiten Weltkrieg auch Kriegsgefangene.

Der König Christian VII. von Dänemark und Norwegen, der auch Herzog von Schleswig und Holstein gewesen war, hatte die Ränder des Moores in 1000 bis 5000 Quadratmeter große Parzellen an die Bauern der benachbarten Dörfer Bilsen, Borstel-Hohenraden, Hemdingen, Quickborn und Renzel verteilt, damit sie den Torf als Brennstoff nutzen konnten. Darum seien bis heute etwa 250 Hektar des äußeren Moores in Privatbesitz. Sie gehören 450 Eigentümern.

In den 1870er Jahren begann der industrielle Torfabbau unter Zuhilfenahme von ersten Maschinen im Zentrum des Moores. Seit 1920 gehörte das Torfwerk der Familie Hornung aus Neumünster, mittlerweile in dritter Generation. Die Abbaufläche – einst 150 von 660 Hektar – gehört seit 2008 den Landesforsten. Mit Erwerb der Flächen durch die Landesforsten endeten dann auch die Lorenfahrten für Besucher, die 25 Jahre lang seit 1982 fast täglich anboten wurden. Bis zu 3000 Menschen fuhren mit der Bahn Sommer für Sommer durchs Moor. Wenn die Quickborner Bürgermeister auswärtigen Besuch hatten, stand immer eine Fahrt auf dem Programm. Jahrzehntelang wurden jedes Jahr etwa 40.000 Kubikmeter Torf aus dem Moor geholt. Längst nicht mehr mit der Schaufel, sondern mithilfe einer Fräse, die den Torf oberflächig abtrug und dann entlang der Schienen ablagerte. Die Maschine wurde von den Mitarbeitern des Torfwerkes selbst gebaut.

15 Lastwagenladungen gingen da täglich vom Hof. Seit fünf Jahren wurde dem dunklen Quickborner Torf zur Hälfte hellerer aus Litauen untergemischt, der dafür eigens nach Schleswig-Holstein gebracht wurde. Der heimische Torf war nicht mehr gut genug für die Containerpflanzen. In den letzten Jahren lag ein Hauptaugenmerk auf der Renaturierung und der Wiedervernässung des Moores. Bis auf 15 Hektar sei die gesamte Fläche inzwischen wieder vollkommen vernässt. Die Natur kann sich erholen. 2,5 Millionen Euro wurden in dieses Projekt investiert und 200 Hektar Ausgleisflächen erworben.

Die Stadt Quickborn kaufte das Torfwerk im September des Jahres 2016, damit das Gelände nach Beendigung der Torfproduktion nicht als Industriebrache endet. Die Stadt will sich mit dem Kauf die Möglichkeit offen halten, das Gelände als Museum, für die Naturkunde oder für kulturelle Zwecke zu nutzen. Sie möchte auch den Betrieb der Torfbahn aufrechterhalten, auf die die Feuerwehr bei Einsätzen in dem Naturschutzgebiet angewiesen ist.

Auch nach Ende des industriellen Torfabbaus und der Schließung des Torfwerkes bietet der im Jahr 2015 gegründete Verein "Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor" von Mai bis Oktober Rundfahrten mit der Torfbahn durch das Himmelmmor an. Nach Produktionsende des Torfwerkes ist nun geplant, das Torfwerk in den nächsten Jahren in enger Zusammenarbeit mit dem Förderverein Himmelmoor und der Stadt Quickborn zu erhalten und zugänglich zu machen. Bereits in den letzten Monaten haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Torfbahn zunehmend Arbeiten zur Instandsetzung des Rollmaterials und des Gleisnetzes vom Torfwerk übernommen. Mit dem Rückzug des Torfwerkes steht die Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor endgültig auf eigenen Füßen.

Mobilitätseingeschränkte Personen sind bei der Torfbahn willkommen

Drei Tüftler der Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor ermöglichen Rollstuhlfahrern die Teilnahme an Rundfahrten. Seit 2018 können auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen an Fahrten durch das Quickborner Himmelmoor teilnehmen. Das war eine ziemliche Herausforderung. Das Aussehen und einige der Funktionen hätten sich erst während des Baus entwickelt: Details wie Stellplatzgröße, Einstiegshöhe, Entgleisungssicherheit und gute Kurvengängigkeit waren zu berücksichtigen.

Herausgekommen ist eine Konstruktion, die die Tüftler als „Niedrigflurlore“ bezeichnen. Ähnlich wie bei einem Lkw-Anhänger, der beispielsweise große Arbeitsmaschinen transportiert, liegt dabei die Fläche zwischen den Achsen tiefer als bei einem normalen Anhänger. Außerdem hat diese Lore vier Achsen, sonst wäre es nicht möglich, enge Kurven zu fahren. Als weitere Anschaffung haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft drei ehemalige Torf-Loren aus Niedersachsen gekauft und für Personenfahrten umgebaut. Sie haben einen niedrigeren Einstieg und sind mit einer Treppenstufe versehen. So könnten auch gehbehinderte Menschen oder solche mit Rollatoren deutlich besser einsteigen. Diese drei Loren werden mit der "Niedrigflurlore" zu einem Zug gekuppelt, so dass 25 Personen plus zwei Rollstuhlfahrer mit jeweils bis zu drei Begleitpersonen Platz finden. Der Zug würde bei Bedarf an den öffentlichen Fahrtagen eingesetzt und stehe darüber hinaus auch für Sonderfahrten zur Verfügung.

Weitere Informationen

Informationen zu Fahrtagen werden unter folgender Homepage veröffentlicht: Torfbahn Himmelmoor

https://up.picr.de/35010805bg.jpeg

Imagefilm der Torfbahn

Im Jahr 2018 entstand ein Film über die Torfbahn, bei dessen gezeigten Impressionen man einen ersten Eindruck über das Himmelmoor gewinnen kann.

Imagefilm

Zum Abschluss eine Bitte an die Besucher der Torfbahn und des Himmelsmoores

Beim Aufenthalt im Himmelmoor sollte das Verhalten der Besucher von Rücksicht gegenüber dem schützenswerten Biotop mit seltenen Tieren und Pflanzen geprägt sein.

Informationen rund um das Himmelmoor gibt es auch beim Förderverein Himmelmoor: Förderverein Himmelmoor


Danke für euer Interesse.

Beste Gröten, René
(Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor e.V.)

Edit: Video als Link in den Beitrag eingebettet und Titel des Beitrages angepasst, Link zur Homepage eingefügt.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.02.19 16:57.