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Moderatoren: Klaus Habermann - JensMerte - TCB

Rhönzügle entgleist

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 01.07.18 20:02

Hallo zusammen,

heute ist das Rhönzügle bei der Fahrt um 13:33 von Ostheim nach Fladungen, kurz nach der Abfahrt in Ostheim am BÜ an der Bionade-Fabrik verunglückt.
Ein Traktor mit Heuwagen hat den Zug nicht bemerkt (trotz Pfeifsignal) und ist noch kurz vorm Zug über den BÜ gefahren. Lok 98 886 hat dabei den Heuwagen gerammt und ist mit dem ersten Wagen des Zuges (ein G10) entgleist.
Das Heu fing sofort Feuer, eine Seitenwand des G10 wurde dabei beschädigt. Zugpersonal und das Personal einer dem Zug folgenden Brandschutzlok (Köf III) waren sofort mit Feuerlöschern zur Stelle um das Schlimmste zu verhindern. Einsatzkräfte waren sehr schnell zur Stelle, Krankenwagen, Feuerwehr und das THW.
Zum Glück wurde niemand schwer verletzt. Die Fahrgäste wurden dann von der Feuerwehr schnell vom Zug weggeholt, da wohl zeitweise die Gefahr eines Kesselzerknalls der Lok bestand.
Die Speisepumpen in der Lok mussten trotz des brennenden Heus am Laufen gehalten werden.

Nach dem Schrecken wurden die Fahrgäste im Biergarten der Bionadefabrik mit Limonade verköstigt. Da kein Bus aufzutreiben war und die Strecke erst mal gesperrt ist, wurden die Fahrgäste nach und nach mit Einsatzfahrzeugen von DRK und Feuerwehr nach Fladungen gebracht.

Schon die Hinfahrt von Fladungen nach Ostheim stand unter keinem guten Stern: Hinter einer Kurve lag ein dicker abgebrochener Ast oder Stamm auf dem Gleis. Hier konnte der Zug aber noch mit einer Notbremsung rechtzeitig zum Stillstand gebracht und das Hinderniss beseitigt werden.


Viele Grüße

Matthias
Der drohende Kesselzerknall entspringt wohl eher der Phantasie eines Provinzreporters. Eine Wasserkühlung von aussen würde beim Wolkenbruch jeden Dampfzug stoppen. Hoffentlich ist der Lok nichts wirklich Ernstes zugestoßen, der verbogene Schornstein läßt sich richten.
Sorry, habe es nicht gemerkt, dass es schon einen Pfad dazu gab! Bin vorhin erst aus der Rhön zurück gekommen.

Von der Gefahr einer Kesselexplosion war vor Ort schon die Rede. Allerdings in dem Zusammenhang, dass die Speisepumpen weiter laufen sollten - trotz des Feuers um die Lok.
Den Kessel mit Wasser zu kühlen ist wohl eher eine Erfindung der Pressefuzzis, davon war vor Ort keine Rede.

Was den Schaden an der Lok betrifft ist da wohl alles erst mal Spekulation. Der Schornstein war schief, ob die Rauchkammer was abbekommen hat kann ich nicht sagen. Die Pufferbohle war noch mit dem Anhänger verkeilt und um die Lok Berge von Heu und Qualm, so dass man auch vom Fahwerk nicht viel sehen konnte.

VG, Matthias

Regionaltypisches Ereignis

geschrieben von: 67Meller

Datum: 01.07.18 21:44

Erst Heustreu und dann Heufurt!

Sorry, aber der musste jetzt einfach sein ;-)

Gute Besserung dem Zügle
67Meller
Gehört aber, meiner Meinung nach, hier ins MuBa-Forum. Also alles richtig.

Gruß Dampflokfan87

Heustreu

geschrieben von: Seku

Datum: 02.07.18 19:45

67Meller schrieb:
Erst Heustreu und dann Heufurt!


War das nicht Stroh ?

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: andreas +

Datum: 02.07.18 20:14

MatthiasL schrieb:
Von der Gefahr einer Kesselexplosion war vor Ort schon die Rede. Allerdings in dem Zusammenhang, dass die Speisepumpen weiter laufen sollten - trotz des Feuers um die Lok.

Ab einer bestimmten Schräglage der Lok besteht die Gefahr, daß die Feuerbüchsdecke nicht mit Wasser bedeckt ist und, insbesondere wenn der Heizer kurz vor dem Zusammenstoß gut Kohle aufgelegt hat, die Feuerbüchsdecke ausglühen / aufreißen kann, was eine Kesselzerknall zur Folge haben könnte. Da ist es sinnvoll, den Wasserstand im Kessel möglichst hoch zu halten, durch Zuspeisen von Wasser den Kesseldruck / die Temperatur im Kessel zu senken, und, soweit möglich, das Feuer aus der Feuerbüchse zu entfernen.

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 02.07.18 21:03

Das ist korrekt - die Lok stand auch relativ schräg nach der Entgleisung. Ich denke auch, dass die Wasserstandsanzeiger bei Schräglage nicht mehr richtig anzeigen.

Hier ist noch mal ein Bericht der Mainpost - mit Bildern von der Bergung der Lok:

[www.mainpost.de]

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 02.07.18 21:20

Im Gegensatz zum News-Thread anständige und logische Argumente ohne Spinnereien um "des Kaisers Bart" .

Link

geschrieben von: Seku

Datum: 02.07.18 21:20

Der Link führt zu einer Seite, die nur zahlende Benutzer lesen können.

Versucht es mal hier

[m.mainpost.de]

Re: Link

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 02.07.18 21:48

Hmm das Problem tritt manchmal auch bei mir auf. Einfach die Seite noch mal neu laden, dann sollte es gehen - ohne was zu zahlen.

Re: Heustreu

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 02.07.18 21:51

Hallöle,

nein das war eindeutig Heu. Heutzutage kann die Presse nicht mal mehr Stroh und Heu unterscheiden.
(bestätigt durch meine Mutter, in der Landwirtschaft aufgewachsen)

Gruß, Matthias

Re: Kesselzerknall.

geschrieben von: Bergmensch

Datum: 02.07.18 22:16

Ein verunfallter Kessel zerknallt nich einfach. Der glüht vielleicht aus und ist dann auch erst mal hin. Zerknallen würde er erst wenn auf ausgeglühten Stahl nachgespeist wird.
Also einfach Feuer ausgehen lassen und der Rest ist Sache einer Kesselschiede.

edit. Überschrift angepasst.

Gruß von ganz oben der Bergmensch.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.07.18 22:17.

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 02.07.18 22:31

Hier noch ein paar Aufnahmen von mir.

Der Zug kurz vor Abfahrt in Ostheim (ca 13:30):

https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/none/path/scea5e0a3b2c0f5fb/image/i490c0b88bf0da903/version/1530562881/image.jpg


Kurz nach dem Unfall (13:45):
https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/none/path/scea5e0a3b2c0f5fb/image/ifed93269c09f07dd/version/1530562882/image.jpg


https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/none/path/scea5e0a3b2c0f5fb/image/i145a1c760c6ee44e/version/1530562882/image.jpg

Auch wenn es hier kaum was zur Sache tut: es ist Heu und kein Stroh - wie man hier deutlich schon an der Dicke und der Farbe der Halme erkennt.

VG, Matthias

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: DuKabina?!

Datum: 02.07.18 22:32

MatthiasL schrieb:
Das ist korrekt - die Lok stand auch relativ schräg nach der Entgleisung. Ich denke auch, dass die Wasserstandsanzeiger bei Schräglage nicht mehr richtig anzeigen.

Hier ist noch mal ein Bericht der Mainpost - mit Bildern von der Bergung der Lok:

[www.mainpost.de]
Da haben aber einige Leute richtig schwer Ahnung vom Betrieb eines Landdampfkessels, Respekt.

Punkt 1:
Die Bilder, die ich in den Links sehen konnte, zeigten die entgleiste Lok nicht wirklich in extrem beängstigender Schräglage. Mag sein, dass die Perspektiven verzerrt sind aber für mich sieht das so aus, dass die Lok derartige Schräglagen auf (modernen) Gleislagen mit entsprechender Kurvenüberhöhung auch locker erreichen kann.

Punkt 2:
Bei Schräglage sollen die Wasserstandsanzeigen nicht mehr richtig anzeigen? Wieso das denn? Und wofür haben wir den links und rechts einen? Da kann man doch gut erkennen, wie sich die Schräglage auf den tatsächlichen Wasserstand im Kessel ausgewirkt hat und sein Tun danach einrichten. Das Prinzip der verbundenen Gefäße (bitte das Thema aus der Schule, Fach Physik, nochmal wiederholen) ist nicht an irgendwelche Schräglagen gebunden.

Punkt 3:
(Danke an den einen User, der schon darauf verwies) Wenn der Wasserstand einer der beiden Gläser geprüft NW unterschritten hätte, gibts klare Bedienvorschriften:
Absolutes Speiseverbot + Feuer raus und dann passiert nichts.
Diese Verhaltensvorschrift gilt auch im Fall, dass der Wasserstand nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann.

Übrigens mit derart leichtfertig dahin gerotzten Behauptungen von einer Gefahr eines Kesselzerknalls können recht schnell schlafende Hunde geweckt werden, was im schlimmsten Fall alle Betreiber von regelspurigen Dampfloks ausbaden dürfen. Bärendienst also und vielen Dank dafür.

Grüße
Jens

... We are not there yet, we have lost our soul, the course has been set, we're digging our own hole, we're going backwards, armed with new technology, going backwards, to a caveman mentality ...
Music and Lyrics Martin L. Gore (Depeche Mode; Album "Spirit" von 2017, Song "Going backwards"); dem ist leider nichts hinzuzufügen

Re: Kesselzerknall.

geschrieben von: Farjado

Datum: 03.07.18 10:46

Bergmensch schrieb:
Ein verunfallter Kessel zerknallt nich einfach. Der glüht vielleicht aus und ist dann auch erst mal hin. Zerknallen würde er erst wenn auf ausgeglühten Stahl nachgespeist wird.
Also einfach Feuer ausgehen lassen und der Rest ist Sache einer Kesselschiede.

edit. Überschrift angepasst.


Ganz falsch! Ein Kesselzerknall hat mit Nachspeisen erst einmal rein gar nichts zu tun. Es kann den Vorgang u.U. höchstens beschleunigen.

Ablauf eines Kesselzerknalls in kurzen Stichworten:
Temperatur des Wassers im Kessel bei 12 bar ca. 190°C.
Vom Wasser entbößte Feuerbuchsteile werden nicht mehr gekühlt - Feuerbuchsdecke beginnt zu glühen - glühender Stahl hat Festigkeit gegen 0 - Feuerbuchsdecke bricht durch - plötzlicher Druckabfall im Kessel - Wasser im Kessel verdampft schlagartig - Kessel zerknallt.

Aus diesem Grund war es von der Lokmannschaft richtig, unter allen Umständen zu versuchen den Wasserstand hochzuhalten, bis man das Feuer entfernt hat, was unter den gegebenen Umständen sicherlich auch nicht ganz einfach war.





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.07.18 10:48.

Re: Kesselzerknall.

geschrieben von: DuKabina?!

Datum: 03.07.18 16:45

Hallo Farjado,

bevor Du hier jemanden mit dem Spruch "ganz falsch" einbremst, lese doch nochmal nach, wie das so genau ist, mit dem Kesselzerknall (Gutes Buch: Der Lokheizer, dort Seite 94, Punkt 5.).

Das Speiseverbot hat nämlich aus gutem Grunde in der Situation des Wasserstandes unter NW seine Berechtigung. Du stellst hier mit dem Hinweis auf die veringerte Festigkeit des Stahls bei steigenden Temperatur des Materials der Feuerbuchsdecke bei deren Entblößung von Wasser nur die Halbe Wahrheit dar.

Im vorliegendem Fall dürften ein Paar Umstände dafür gesorgt haben, dass eine latente Gefahr nicht gegeben war:

Punkt 1: Ich gehe mal für die Lokmannschaft davon aus, dass die nicht mit Stiftwasser unterwegs war (Stiftwasser: Wasserstand auf der Marke NW).

Punkt 2: Die Temperatur in der Feuerbüchse dürfte nach dem unfallbedingten Halt um einiges niedriger sein, als wenn die Lok arbeiten würde, denn es fehlt der Abdampf der Dampfmaschinen zur Feueranfachung. Das kann man auch den Bildern entnehmen. Es räuchert nur fröhlich aus der Esse. Es kann auch davon ausgegangen werden, dass man in der Situation nicht mal den Rußbläser angestellt hatte. Folglich ist das von Dir beschriebene Szenario des glühenden Stahls wohl auszuschließen. Stahl beginnt bei rund 800 Grad Celsius mal gerade eben kirschrot zu glühen.

Punkt 3: Bei Stillstand der Lok nach dem Unfall fehlt zum stetigen Verringern des Wasserstandes eines: der wichtigste Dampf- und damit Wasserverbraucher, nämlich die arbeitenden Dampfmaschinen.
Sprich, wenn man vorher ordentlich im Hinblick auf den Wasserstand unterwegs war, muss eine solche Situation nicht latent gefährlich im Hinblick auf einen drohenden Kesselzerknall sein.

Grüße
Jens

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Re: Kesselzerknall.

geschrieben von: dampfachim

Datum: 03.07.18 17:30

Hallo Leute,

ich weiß nicht, wo hier alle das Problem sehen?
So wie die Lok dort stand, war sie sowieso nicht einsatzfähig. Sie stand senkrecht und vorn hoch. Also läuft das Wasser schon mal in Richtung Feuerbüchse und kühlt deren Decke. Womöglich wurden einige Rauch- bzw. Heizrohre an der Rauchkammerrohrwand entblößt. Aber die sind dort keiner direkten Strahlung ausgesetzt und es besteht in der zur Verfügung stehenden Zeit keinerlei Gefahr.
Mag natürlich sein, dass der Wasserstandsanzeiger auf der Lokführerseite unter NW anzeigte. Das hängt vom vorher vorhandenen Wasserstand ab, ist hier aber zu vernachlässigen, weil NW 10 cm über der höchsten Erhebung der Feuerbüchsdecke angeordnet ist und bei diesem kleinen Kessel und der auf den Fotos sichtbaren Schräglage keine Entblößung stattfinden kann. Also genug Zeit für den Heizer das Feuer vom Rost zu entfernen. Ich weiß nicht, ob die Lok einen Kipprost hat, oder ob mit der Schaufel ausgeschlackt wird, ist aber völlig unerheblich. Nachdem das Feuer aus ist, kann nichts, aber auch Garnichts mehr passieren. Da braucht es keinen einzigen Liter Wasser (und darf es bei Unterschreiten NW) auch gar nicht. Für einen geübten Heizer bei dieser Rostfläche maximal 5 Minuten Arbeit (es kommt ja nicht auf jeden Krümel Glut an), für ungeübte Hobbypersonale womöglich 10 Minuten. Dem Kessel wird kein Haar gekrümmt und die Lok kann nach dem Aufgleisen vorsichtig angeschleppt werden. Ist noch ausreichend Wasser (mind. NW) im Glas, kann man ganz entspannt ein großes Loch ins Feuer kratzen, noch etwas Nachspeisen und das Feuer langsam erlöschen lassen. Man braucht es nicht mehr.
Jens hat es schon gesagt. Bei geschlossenem Regler (Luftpumpe, Lichtmaschine und Bläser können angesichts der Situation auch zu) verdampft eine zu vernachlässigende Wassermenge, jedenfalls wenn man genug über NW im Glas hat. Und immer schon gelassen bleiben, keine Hektik aufkommen lassen, damit die zufälligen Zeugen keine Angst bekommen.

Hier hat man offenbar versucht, die Lok unter Feuer zu halten, was angesichts der sichtbaren Beschädigung der Saugzuganlage und der nicht sicht- oder einschätzbaren Beschädigungen des Lauf- und Triebwerks völlig überflüssig war. Dieser ganze Blödsinn mit dem Kesselzerknall hätte gar nicht in die Presse kommen brauchen. Feuer raus und ganz entspannt zusehen, wie die Feuerwehr die Heuballen löscht, dann Unfallstelle beräumen, Fahrzeuge aufgleisen und Strecke mit Hilfslok räumen.

So ist es, wenn übermotivierte Laien an Presseleute ohne fachliche Ahnung geraten. ;-)

Viele Grüße

Dampf-Achim Rickelt

Lokführer und Ausbilder

Bleibt doch auf dem Teppich...

geschrieben von: Roststab

Datum: 03.07.18 18:09

An keiner Stelle ist von Kesselzerknall oder einer solchen theoretischen Gefahr die Rede. Zitiert wird ein Fahrgast, seines Zeichens Feuerwehrmann, der das Bespritzen des Lokkessel mit Wasser kommentiert. Sinngemäß sagte er: "Eine Explosion hätte uns noch gefehlt!" Weshalb er diesen Satz sagt, wissen wir nicht.

Alles andere interessiert nicht im Geringsten. Keiner von uns war dabei und kann etwas zum Vorfall sagen. Wir wissen nicht warum die Pumpen liefen, vielleicht hatte man das Feuer schon rausgeworfen und ließ die Pumpen laufen, damit der Achskasten nicht ausglüht. Hat die Lok überhaupt einen Kipprost? Nicht jede Lok hat zwei sichtbare Wasserstände. Vielleicht war der eine so niedrig daß man unbedingt den Wasserstand erhöhen wollte. Alles Vielleicht, evtl. und möglicherweise. Mit Vermutungen kommt man nicht weiter und jede Diskussion ist hier fehl am Platz.

Frei nach Trapattoni: "Ich habe fertig!"

Re: Bleibt doch auf dem Teppich...

geschrieben von: Heizer Jupp

Datum: 03.07.18 21:49

Eigentlich wollte ich meinen Senf hier nicht auch noch dazugeben, nachdem drei mir zweifelsfrei als Dampflokfachleute bekannte User klar dargelegt haben, warum keine Gefahr eines Kesselzerknalles bestand.

Auslöser des Blödsinns war ein dampfloktechnischer Laie, der offenbar völlig unbewußt und völlig unbeabsichtigt "die Pferde scheu gemacht" hat.

Ob man den Kessel tatsächlich in der irrigen Ansicht bespritzt hat, ihn zur Vermeidung irgendwelcher vage vermuteter Gefahren kühlen zu müssen, wird ja auch nirgends so richtig deutlich. Abgesehen davon, daß das wegen der Kesselbekleidung und der darunter befindlichen wärmeisolierenden Luft auch ein ziemlich nutzloses Unterfangen gewesen wäre...

Was ich aus dieser Sache - wenn es denn tatsächlich um das Kühlen des Kessels gegangen sein sollte - und auch aus eigenem Erleben beim Brand des Traktionsgleichrichters einer Ludmilla mit der Feuerwehr erlebt habe, gibt mir doch auf andere Weise zu denken und einen bisher noch kaum beachteten Aspekt zu beleuchten:
Leider sind auch die engagiertesten Feuerwehleute ganz überwiegend eisenbahntechnische Laien, wenn nicht z.B. ein Eisenbahner mit entsprechenden Fachkenntnissen bei der FFW Mitglied und am Einsatz beteiligt ist. Sollte es Schulungen geben, erscheinen die mir bei weitem nicht ausreichend.
Auch aus so manchem Beitrag von durchaus sehr engagierten und positiv auftretenden DSO-Usern kann man doch mitunter recht laienhafte Vorstellungen und Verkennung der tatsächlichen Zusammenhänge herauslesen. Von den sich hier auch tummelnden Flachzangen und Spinnern mal ganz abgesehen...

Dafür kann man natürlich weder den Feuerwehrleuten, noch dem unbedarften DSO-Nutzer einen Vorwurf machen.

Dumm wird es erst, wenn die Feuerwehr aus Unkenntnis Sinnloses tut (wie z.B. einen ungefährlichen Kessel mit Wasser bespritzen), oder wenn sie aus Unkenntnis Machbares unterläßt, weil sie zu Unrecht Gefahren befürchtet.
Wie gesagt, einen Vorwurf gegen unsere aller Ehren werten Feuerwehren kann und will ich daraus keineswegs konstruieren!

Vielmehr sollte man sich Gedanken machen, wie man Feuerwehren, die auch zu Bahn-Einsätzen gerufen werden können, eisenbahntechnisch so fit macht, daß sie viel besser wissen, was sie machen können, was sie nicht zu machen brauchen und was sie auf gar keinen Fall machen dürfen. Vielleicht können die Bahnfachleute unter uns ja entsprechende Möglichkeiten erkennen. Viele haben ja ihr Verantwortungsgefühl ggü. der Gesellschaft durch ihre gemeinnützigen Freizeitaktivitäten bereits bewiesen. Da dürfte es doch kaum etwas dagegen zu sagen geben, wenn man sich mit den Leuten - nämlich den Feuerwehren - vernetzt, die den Gemeinnutz buchstäblich auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Ich werde bei nächster Gelegenheit unseren Feuerwehrhäuptling im Dorfe mal daraufhin ansprechen.

Joseph
Lokführer aller drei Taktionsarten und Azubi-Fachvermittler



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.07.18 21:55.

Re: Bleibt doch auf dem Teppich...

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 03.07.18 21:56

Dem ist nichts hinzu zu fügen !

Re: Bleibt doch auf dem Teppich...

geschrieben von: Maxl

Datum: 04.07.18 18:32

Hallo,

zumindest früher hat das Notfallmanagement auch Schulungen für Hilfsorganisationen angeboten. War da nicht auch die Rede im Zusammenhang mit den teilweise langen Wartezeiten bei Unfällen auf die Erdung der Oberleitung davon, daß die DB auch Feuerwehren im erden unterweist, wenn sie das möchten?
Wahrscheinlich hat die örtliche Feuerwehr die Vorgehensweise beim Brand eines Druckgaskesselwagens auf die Dampflok übertragen, die sieht ja so ähnlich aus ;-)
Den örtlichen Eisenbahnern wünsche ich jedenfalls, daß sie die Schäden möglichst rasch behoben haben werden.

Gruß,
Maxl

Re: Bleibt doch auf dem Teppich...

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 04.07.18 21:20

Hier wird sehr viel spekuliert und irgendwie schnell der Eindruck von Inkompetenz bei den Einsatzkräften erweckt. Die Beiträge schaukeln sich da irgendwie hoch und immer noch eine Schippe drauf.

Ich kann nur sagen, die Einsatzkräfte haben vorbildlich, ruhig und professionell gehandelt und mit dem Bahnpersonal zusammengearbeitet. DRK und Feuerwehr waren superschnell vor Ort. Alle Fahrgäste werden das in positiver Erinnerung haben.

Nur weil hier irgendwelche Pressefuzzis Tatsachen verdrehen und noch was dazu dichten. Es hat auch meines Wissens niemand den Kessel mit Wasser gekühlt. Nur das brennende Heu um die Lok und den ersten Wagen und darunter musste gelöscht werden.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.07.18 21:34.

Lieber MatthiasL

geschrieben von: Roststab

Datum: 05.07.18 00:37

Zitat: "Hier wird sehr viel spekuliert und irgendwie schnell der Eindruck von Inkompetenz bei den Einsatzkräften erweckt. Die Beiträge schaukeln sich da irgendwie hoch und immer noch eine Schippe drauf."

Da interpretierst du etwas völlig falsch. In keinem Beitrag ist von Inkompetenz der Einsatzkräfte die Rede. Zu meiner Zeit als Betriebsleiter einer Museumseisenbahn mit fester Fahrstrecke hatte ich einen Rettungsplan mit den örtlichen Wehren aufgestellt und vereinbart, daß in regelmäßigen Abständen gemeinsame Übungen mit Zugpersonal und den örtlichen Rettungskräften stattfinden. Um diesen Gedanken des Verstehens einer unbekannten Materie geht es. Von den Eisenbahnern darf, und das belegen einschlägige Berichte, angezweifelt werden, ob speziell die Wehren mit den Besonderheiten des Eisenbahnbetriebes im Allgemeinen und denen des Dampflokbetriebes im Besomderen vertraut sind. Was für eine Großstadt mit Berufswehren nicht selbstverständlich ist, gilt erst recht für das Gros der freiwilligen Wehren auf den Dörfern. Niemand bezweifelt deren Kompetenz und Sachkentnis im Löschen von Gebäuden und Gerätschaften im üblichen Sinne. Doch weiß ein ganz normaler Feuerwehrmann, wie er sich unter einem Fahrdraht verhalten muß? Ich bin sicher, er weiß einiges aber längst nicht alles. Nebenbei bemerkt, darf das erwähnte "erden" nur noch von zugelassenen Bahnmitarbeitern durchgeführt werden. Das von Maxl erwähnte Verfahren ist deshalb nie zustande gekommen.

Eben!

geschrieben von: Peter

Datum: 05.07.18 07:34

Hallo!

Da moechte ich Roststab beipflichten - ich lese da keine Kritik an den Einsatzkraeften, aber einen sehr sinnvollen Vorschlag.

Und mit allen anderen "Kunden" mit besonderen Gefahrenlagen wird so ein Vorgehen ja normalerweise ohnehin praktiziert.
Alle mir bekannten Entsorgungsbetriebe fuehren z. B. regelmaessig geimeinsame Uebungen mit der Feuerwehr durch, damit diese mit den Oertlichkeiten wie auch mit den besonderen Gefahrenalgen vertraut sind.

Aehnlich ist es ja auch mit holzverarbeitender Industrie, Tanklagern usw. - besondere Ereignisse erfordern besondere Massnahmen.
Und dafuer kann man ueben (und als MuBa z. B. auch mal die FFw und deren Familien zu einer (Sonder-)Fahrt einladen - das ist eine tolle Geste und spricht sich rum, macht also auch ausserhalb einen guten Eindruck). MuBa und FFw eint eine ganze Menge.

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind. Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Zudem biete ich Patenschaften fuer meine Fehler an.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: Bw Arnstadt

Datum: 09.07.18 15:03

... ;) Dampfablassen... wäre auch noch eine Maßnahme... ;)

Bis denne
Matthias http://www.mysmilie.de/midi-smileys/froehlich/1/0001.gif
Bw Arnstadt/hist
Kämpfe um das, was dich weiter bringt. Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst. Und trenne dich von dem, was dich runterzieht