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Rhönzügle entgleist

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 01.07.18 20:02

Hallo zusammen,

heute ist das Rhönzügle bei der Fahrt um 13:33 von Ostheim nach Fladungen, kurz nach der Abfahrt in Ostheim am BÜ an der Bionade-Fabrik verunglückt.
Ein Traktor mit Heuwagen hat den Zug nicht bemerkt (trotz Pfeifsignal) und ist noch kurz vorm Zug über den BÜ gefahren. Lok 98 886 hat dabei den Heuwagen gerammt und ist mit dem ersten Wagen des Zuges (ein G10) entgleist.
Das Heu fing sofort Feuer, eine Seitenwand des G10 wurde dabei beschädigt. Zugpersonal und das Personal einer dem Zug folgenden Brandschutzlok (Köf III) waren sofort mit Feuerlöschern zur Stelle um das Schlimmste zu verhindern. Einsatzkräfte waren sehr schnell zur Stelle, Krankenwagen, Feuerwehr und das THW.
Zum Glück wurde niemand schwer verletzt. Die Fahrgäste wurden dann von der Feuerwehr schnell vom Zug weggeholt, da wohl zeitweise die Gefahr eines Kesselzerknalls der Lok bestand.
Die Speisepumpen in der Lok mussten trotz des brennenden Heus am Laufen gehalten werden.

Nach dem Schrecken wurden die Fahrgäste im Biergarten der Bionadefabrik mit Limonade verköstigt. Da kein Bus aufzutreiben war und die Strecke erst mal gesperrt ist, wurden die Fahrgäste nach und nach mit Einsatzfahrzeugen von DRK und Feuerwehr nach Fladungen gebracht.

Schon die Hinfahrt von Fladungen nach Ostheim stand unter keinem guten Stern: Hinter einer Kurve lag ein dicker abgebrochener Ast oder Stamm auf dem Gleis. Hier konnte der Zug aber noch mit einer Notbremsung rechtzeitig zum Stillstand gebracht und das Hinderniss beseitigt werden.


Viele Grüße

Matthias
Der drohende Kesselzerknall entspringt wohl eher der Phantasie eines Provinzreporters. Eine Wasserkühlung von aussen würde beim Wolkenbruch jeden Dampfzug stoppen. Hoffentlich ist der Lok nichts wirklich Ernstes zugestoßen, der verbogene Schornstein läßt sich richten.
Sorry, habe es nicht gemerkt, dass es schon einen Pfad dazu gab! Bin vorhin erst aus der Rhön zurück gekommen.

Von der Gefahr einer Kesselexplosion war vor Ort schon die Rede. Allerdings in dem Zusammenhang, dass die Speisepumpen weiter laufen sollten - trotz des Feuers um die Lok.
Den Kessel mit Wasser zu kühlen ist wohl eher eine Erfindung der Pressefuzzis, davon war vor Ort keine Rede.

Was den Schaden an der Lok betrifft ist da wohl alles erst mal Spekulation. Der Schornstein war schief, ob die Rauchkammer was abbekommen hat kann ich nicht sagen. Die Pufferbohle war noch mit dem Anhänger verkeilt und um die Lok Berge von Heu und Qualm, so dass man auch vom Fahwerk nicht viel sehen konnte.

VG, Matthias

Regionaltypisches Ereignis

geschrieben von: 67Meller

Datum: 01.07.18 21:44

Erst Heustreu und dann Heufurt!

Sorry, aber der musste jetzt einfach sein ;-)

Gute Besserung dem Zügle
67Meller
Gehört aber, meiner Meinung nach, hier ins MuBa-Forum. Also alles richtig.

Gruß Dampflokfan87

Heustreu

geschrieben von: Seku

Datum: 02.07.18 19:45

67Meller schrieb:
Erst Heustreu und dann Heufurt!


War das nicht Stroh ?

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: andreas +

Datum: 02.07.18 20:14

MatthiasL schrieb:
Von der Gefahr einer Kesselexplosion war vor Ort schon die Rede. Allerdings in dem Zusammenhang, dass die Speisepumpen weiter laufen sollten - trotz des Feuers um die Lok.

Ab einer bestimmten Schräglage der Lok besteht die Gefahr, daß die Feuerbüchsdecke nicht mit Wasser bedeckt ist und, insbesondere wenn der Heizer kurz vor dem Zusammenstoß gut Kohle aufgelegt hat, die Feuerbüchsdecke ausglühen / aufreißen kann, was eine Kesselzerknall zur Folge haben könnte. Da ist es sinnvoll, den Wasserstand im Kessel möglichst hoch zu halten, durch Zuspeisen von Wasser den Kesseldruck / die Temperatur im Kessel zu senken, und, soweit möglich, das Feuer aus der Feuerbüchse zu entfernen.

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 02.07.18 21:03

Das ist korrekt - die Lok stand auch relativ schräg nach der Entgleisung. Ich denke auch, dass die Wasserstandsanzeiger bei Schräglage nicht mehr richtig anzeigen.

Hier ist noch mal ein Bericht der Mainpost - mit Bildern von der Bergung der Lok:

[www.mainpost.de]

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: 042 096-8

Datum: 02.07.18 21:20

Im Gegensatz zum News-Thread anständige und logische Argumente ohne Spinnereien um "des Kaisers Bart" .

Link

geschrieben von: Seku

Datum: 02.07.18 21:20

Der Link führt zu einer Seite, die nur zahlende Benutzer lesen können.

Versucht es mal hier

[m.mainpost.de]

Re: Link

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 02.07.18 21:48

Hmm das Problem tritt manchmal auch bei mir auf. Einfach die Seite noch mal neu laden, dann sollte es gehen - ohne was zu zahlen.

Re: Heustreu

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 02.07.18 21:51

Hallöle,

nein das war eindeutig Heu. Heutzutage kann die Presse nicht mal mehr Stroh und Heu unterscheiden.
(bestätigt durch meine Mutter, in der Landwirtschaft aufgewachsen)

Gruß, Matthias

Re: Kesselzerknall.

geschrieben von: Bergmensch

Datum: 02.07.18 22:16

Ein verunfallter Kessel zerknallt nich einfach. Der glüht vielleicht aus und ist dann auch erst mal hin. Zerknallen würde er erst wenn auf ausgeglühten Stahl nachgespeist wird.
Also einfach Feuer ausgehen lassen und der Rest ist Sache einer Kesselschiede.

edit. Überschrift angepasst.

Gruß von ganz oben der Bergmensch.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.07.18 22:17.

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: MatthiasL

Datum: 02.07.18 22:31

Hier noch ein paar Aufnahmen von mir.

Der Zug kurz vor Abfahrt in Ostheim (ca 13:30):

https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/none/path/scea5e0a3b2c0f5fb/image/i490c0b88bf0da903/version/1530562881/image.jpg


Kurz nach dem Unfall (13:45):
https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/none/path/scea5e0a3b2c0f5fb/image/ifed93269c09f07dd/version/1530562882/image.jpg


https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/none/path/scea5e0a3b2c0f5fb/image/i145a1c760c6ee44e/version/1530562882/image.jpg

Auch wenn es hier kaum was zur Sache tut: es ist Heu und kein Stroh - wie man hier deutlich schon an der Dicke und der Farbe der Halme erkennt.

VG, Matthias

Re: Rhönzügle entgleist + ? Kesselzerknall

geschrieben von: DuKabina?!

Datum: 02.07.18 22:32

MatthiasL schrieb:
Das ist korrekt - die Lok stand auch relativ schräg nach der Entgleisung. Ich denke auch, dass die Wasserstandsanzeiger bei Schräglage nicht mehr richtig anzeigen.

Hier ist noch mal ein Bericht der Mainpost - mit Bildern von der Bergung der Lok:

[www.mainpost.de]
Da haben aber einige Leute richtig schwer Ahnung vom Betrieb eines Landdampfkessels, Respekt.

Punkt 1:
Die Bilder, die ich in den Links sehen konnte, zeigten die entgleiste Lok nicht wirklich in extrem beängstigender Schräglage. Mag sein, dass die Perspektiven verzerrt sind aber für mich sieht das so aus, dass die Lok derartige Schräglagen auf (modernen) Gleislagen mit entsprechender Kurvenüberhöhung auch locker erreichen kann.

Punkt 2:
Bei Schräglage sollen die Wasserstandsanzeigen nicht mehr richtig anzeigen? Wieso das denn? Und wofür haben wir den links und rechts einen? Da kann man doch gut erkennen, wie sich die Schräglage auf den tatsächlichen Wasserstand im Kessel ausgewirkt hat und sein Tun danach einrichten. Das Prinzip der verbundenen Gefäße (bitte das Thema aus der Schule, Fach Physik, nochmal wiederholen) ist nicht an irgendwelche Schräglagen gebunden.

Punkt 3:
(Danke an den einen User, der schon darauf verwies) Wenn der Wasserstand einer der beiden Gläser geprüft NW unterschritten hätte, gibts klare Bedienvorschriften:
Absolutes Speiseverbot + Feuer raus und dann passiert nichts.
Diese Verhaltensvorschrift gilt auch im Fall, dass der Wasserstand nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann.

Übrigens mit derart leichtfertig dahin gerotzten Behauptungen von einer Gefahr eines Kesselzerknalls können recht schnell schlafende Hunde geweckt werden, was im schlimmsten Fall alle Betreiber von regelspurigen Dampfloks ausbaden dürfen. Bärendienst also und vielen Dank dafür.

Grüße
Jens

... We are not there yet, we have lost our soul, the course has been set, we're digging our own hole, we're going backwards, armed with new technology, going backwards, to a caveman mentality ...
Music and Lyrics Martin L. Gore (Depeche Mode; Album "Spirit" von 2017, Song "Going backwards"); dem ist leider nichts hinzuzufügen

Re: Kesselzerknall.

geschrieben von: Farjado

Datum: 03.07.18 10:46

Bergmensch schrieb:
Ein verunfallter Kessel zerknallt nich einfach. Der glüht vielleicht aus und ist dann auch erst mal hin. Zerknallen würde er erst wenn auf ausgeglühten Stahl nachgespeist wird.
Also einfach Feuer ausgehen lassen und der Rest ist Sache einer Kesselschiede.

edit. Überschrift angepasst.


Ganz falsch! Ein Kesselzerknall hat mit Nachspeisen erst einmal rein gar nichts zu tun. Es kann den Vorgang u.U. höchstens beschleunigen.

Ablauf eines Kesselzerknalls in kurzen Stichworten:
Temperatur des Wassers im Kessel bei 12 bar ca. 190°C.
Vom Wasser entbößte Feuerbuchsteile werden nicht mehr gekühlt - Feuerbuchsdecke beginnt zu glühen - glühender Stahl hat Festigkeit gegen 0 - Feuerbuchsdecke bricht durch - plötzlicher Druckabfall im Kessel - Wasser im Kessel verdampft schlagartig - Kessel zerknallt.

Aus diesem Grund war es von der Lokmannschaft richtig, unter allen Umständen zu versuchen den Wasserstand hochzuhalten, bis man das Feuer entfernt hat, was unter den gegebenen Umständen sicherlich auch nicht ganz einfach war.





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.07.18 10:48.

Re: Kesselzerknall.

geschrieben von: DuKabina?!

Datum: 03.07.18 16:45

Hallo Farjado,

bevor Du hier jemanden mit dem Spruch "ganz falsch" einbremst, lese doch nochmal nach, wie das so genau ist, mit dem Kesselzerknall (Gutes Buch: Der Lokheizer, dort Seite 94, Punkt 5.).

Das Speiseverbot hat nämlich aus gutem Grunde in der Situation des Wasserstandes unter NW seine Berechtigung. Du stellst hier mit dem Hinweis auf die veringerte Festigkeit des Stahls bei steigenden Temperatur des Materials der Feuerbuchsdecke bei deren Entblößung von Wasser nur die Halbe Wahrheit dar.

Im vorliegendem Fall dürften ein Paar Umstände dafür gesorgt haben, dass eine latente Gefahr nicht gegeben war:

Punkt 1: Ich gehe mal für die Lokmannschaft davon aus, dass die nicht mit Stiftwasser unterwegs war (Stiftwasser: Wasserstand auf der Marke NW).

Punkt 2: Die Temperatur in der Feuerbüchse dürfte nach dem unfallbedingten Halt um einiges niedriger sein, als wenn die Lok arbeiten würde, denn es fehlt der Abdampf der Dampfmaschinen zur Feueranfachung. Das kann man auch den Bildern entnehmen. Es räuchert nur fröhlich aus der Esse. Es kann auch davon ausgegangen werden, dass man in der Situation nicht mal den Rußbläser angestellt hatte. Folglich ist das von Dir beschriebene Szenario des glühenden Stahls wohl auszuschließen. Stahl beginnt bei rund 800 Grad Celsius mal gerade eben kirschrot zu glühen.

Punkt 3: Bei Stillstand der Lok nach dem Unfall fehlt zum stetigen Verringern des Wasserstandes eines: der wichtigste Dampf- und damit Wasserverbraucher, nämlich die arbeitenden Dampfmaschinen.
Sprich, wenn man vorher ordentlich im Hinblick auf den Wasserstand unterwegs war, muss eine solche Situation nicht latent gefährlich im Hinblick auf einen drohenden Kesselzerknall sein.

Grüße
Jens

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Re: Kesselzerknall.

geschrieben von: dampfachim

Datum: 03.07.18 17:30

Hallo Leute,

ich weiß nicht, wo hier alle das Problem sehen?
So wie die Lok dort stand, war sie sowieso nicht einsatzfähig. Sie stand senkrecht und vorn hoch. Also läuft das Wasser schon mal in Richtung Feuerbüchse und kühlt deren Decke. Womöglich wurden einige Rauch- bzw. Heizrohre an der Rauchkammerrohrwand entblößt. Aber die sind dort keiner direkten Strahlung ausgesetzt und es besteht in der zur Verfügung stehenden Zeit keinerlei Gefahr.
Mag natürlich sein, dass der Wasserstandsanzeiger auf der Lokführerseite unter NW anzeigte. Das hängt vom vorher vorhandenen Wasserstand ab, ist hier aber zu vernachlässigen, weil NW 10 cm über der höchsten Erhebung der Feuerbüchsdecke angeordnet ist und bei diesem kleinen Kessel und der auf den Fotos sichtbaren Schräglage keine Entblößung stattfinden kann. Also genug Zeit für den Heizer das Feuer vom Rost zu entfernen. Ich weiß nicht, ob die Lok einen Kipprost hat, oder ob mit der Schaufel ausgeschlackt wird, ist aber völlig unerheblich. Nachdem das Feuer aus ist, kann nichts, aber auch Garnichts mehr passieren. Da braucht es keinen einzigen Liter Wasser (und darf es bei Unterschreiten NW) auch gar nicht. Für einen geübten Heizer bei dieser Rostfläche maximal 5 Minuten Arbeit (es kommt ja nicht auf jeden Krümel Glut an), für ungeübte Hobbypersonale womöglich 10 Minuten. Dem Kessel wird kein Haar gekrümmt und die Lok kann nach dem Aufgleisen vorsichtig angeschleppt werden. Ist noch ausreichend Wasser (mind. NW) im Glas, kann man ganz entspannt ein großes Loch ins Feuer kratzen, noch etwas Nachspeisen und das Feuer langsam erlöschen lassen. Man braucht es nicht mehr.
Jens hat es schon gesagt. Bei geschlossenem Regler (Luftpumpe, Lichtmaschine und Bläser können angesichts der Situation auch zu) verdampft eine zu vernachlässigende Wassermenge, jedenfalls wenn man genug über NW im Glas hat. Und immer schon gelassen bleiben, keine Hektik aufkommen lassen, damit die zufälligen Zeugen keine Angst bekommen.

Hier hat man offenbar versucht, die Lok unter Feuer zu halten, was angesichts der sichtbaren Beschädigung der Saugzuganlage und der nicht sicht- oder einschätzbaren Beschädigungen des Lauf- und Triebwerks völlig überflüssig war. Dieser ganze Blödsinn mit dem Kesselzerknall hätte gar nicht in die Presse kommen brauchen. Feuer raus und ganz entspannt zusehen, wie die Feuerwehr die Heuballen löscht, dann Unfallstelle beräumen, Fahrzeuge aufgleisen und Strecke mit Hilfslok räumen.

So ist es, wenn übermotivierte Laien an Presseleute ohne fachliche Ahnung geraten. ;-)

Viele Grüße

Dampf-Achim Rickelt

Lokführer und Ausbilder

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