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 15 - Museumsbahn 

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Dieses Forum dient zum Erfahrungsaustausch für die Besitzer, bzw. Betreiber historischer Eisenbahnfahrzeuge, sowie für alle Personen, welche sich für den Erhalt und Betrieb solcher Fahrzeuge interessieren.
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Berichte über Veranstaltungen in früherer Zeit (älter als ca. 10 Jahre) sind nach wie vor im Forum Historische Bahn willkommen.
Moderatoren: Klaus Habermann - JensMerte - TCB
Ich hatte Gelegenheit, dem Wagenteam vom Eisenbahnmuseum Leipzig bezüglich dieses in Aufarbeitung befindlichen 1.Klasse-Städteexpreßwagens...

http://www.web113.c14.webspace-verkauf.de/a_wagen00.jpg

http://www.web113.c14.webspace-verkauf.de/a_wagen10.jpg

...über die Schulter zu schauen.


Mancher wird sich wohl schon gefragt haben: "Wann ist es so weit mit dem Wagen? Wann wird er in den Sonderzügen der Plagwitzer zu sehen sein? Wann kann man mitfahren?"
"Gemach, gemach, gut Ding will Weile haben...", muß man da entgegnen. Denn - wie so oft - kommt es manchmal anders (oder in diesem Falle "etwas dicker"), als man denkt.

Zunächst einmal gilt der Grundsatz bei der Wiederinbetriebnahme eines seit längerer Zeit abgestellten Fahrzeuges, daß man sorgfältig, gründlich und für lange Zeit haltbar arbeiten muß. Sparsamkeit am falschen Ende sorgt dabei nur für Frust, da die "Bastelei" und "Herumdokterei" sonst nicht endet.


Zur Fußbodensanierung...

http://www.web113.c14.webspace-verkauf.de/a_wagen02.jpg

http://www.web113.c14.webspace-verkauf.de/a_wagen01.jpg

...mußten in den einzelnen Abteilen die Inneneinrichtung und auch die Innenverkleidung weitestgehend ausgebaut werden.


Was dabei bezüglich der Zweikanal-Luftheizung zum Vorschein kam, schmeckte den Aktiven etwa so, wie ein Boxhieb in die Magengrube: Massive Korrosionsschäden an sämtlichen Teilen der Luftkanäle!

http://www.web113.c14.webspace-verkauf.de/a_wagen04.jpg

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Völlig korrodierte Luftklappe:

http://www.web113.c14.webspace-verkauf.de/a_wagen03.jpg


Da hilft kein Basteln oder Flicken! Man entschloß sich also zum kompletten Neubau aller luftführenden Einrichtungen, die innerhalb des Wagenkastens liegen. Um künftig der Luftfeuchtigkeit und dem Kondenswasser so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten, kam weitestgehend verzinktes Material zum Einsatz. Dabei mußte auch der recht komplexe Klappenmechanismus replikiert werden, welcher den Fahrgästen im Abteil eine individuelle Temperatureinstellung ermöglicht. Dabei werden durch Betätigen eines Hebels jeweils zwei Klappenpaare im Warmluft- und im Kaltluftkanal gegenläufig mehr oder weniger geöffnet bzw. geschlossen.

Hier ein nicht isolierter Kaltluftkanal, der auch gleichzeitig als Träger des Klappen-Verstellmechanismus' dient:

http://www.web113.c14.webspace-verkauf.de/a_wagen06.jpg


Der darunterliegende Warmluftkanal ist isoliert, wobei gut verarbeitbare, zeitgemäße, brandhemmende und für die Verwendung in Schienenfahrzeugen zugelassene Isolierstoffe verwendet werden:

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Hier sind beide Luftkanäle vereinigt und der Luftklappenmechanismus beider Kanäle ist verbunden. Die Verbindungsstangen der beiden Luftklappen je Kanal liegen übrigens innerhalb der Luftkanäle.

http://www.web113.c14.webspace-verkauf.de/a_wagen08.jpg


Eingebaut sieht das Ganze dann so aus, wobei man auch wieder ein Stück des sanierten Trapezblech-Wagenbodens sieht:

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Wie ich finde, eine ansprechende Leistung des Wagenteams, wobei dann gewiß auch jeder versteht, daß derartige in der Freizeit geleistete, enorme Arbeit eine gewisse Zeit braucht.

Aber schließlich sollen sich die Fahrgäste im Wagen ja ähnlich wohl fühlen, wie dieser Genießer hier ;-) :

http://www.web113.c14.webspace-verkauf.de/schoen_warm.jpg



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 06.01.18 15:32.
Moin,


schön zu sehen, wie auch solch wichtigen arbeiten in Wort und Bild gewürdigt werden. Respekt!


Grüße nach Leipzsch.
Hallo.Hochachtung vor eurer Arbeit.Zusammen mit den drei Bm(h)e vom Erfurter Bahnservice ,kann da schon ein kurzer Städteexpress der DR gebildet werden.Allerdings waren die langen Halberstädter ja nur als Verstärker unterwegs.

Viele Grüße


der Neitecfreak aus dem geneigten Gera


Herzlichen Dank für diese Dokumentation der "Restarbeiten" , die doch sehr aufwändig sind. Als Außenstehender sieht man nur das Ergebnis - jetzt ist der Aufwand für solch einen Wagen einschätzbar. Ich möchte meine Hochachtung für diese Arbeiten hier reinschreiben. Ich drücke allen Freiwilligen die Daumen, damit dieser Wagen wieder fahren kann.

Eine Frage bewegt mich noch. Mit welchen Stoff (grauen PLatten) wurde die Seitenwände gedämmt ?

saum
Tolle Leistung der Ehrenamtlichen in Leipzig. Danke für die Wasserstandsmeldung.
saum13 schrieb:

Eine Frage bewegt mich noch. Mit welchen Stoff (grauen PLatten) wurde die Seitenwände gedämmt ?


Mit dem gleichen Material, womit heutzutage auch hochmoderne Eisenbahnfahrzeuge gedämmt werden. Selbstverlöschend/brandhemmend, dennoch physiologisch völlig unbedenklich, gegen Schwitzwasserbildung wirkend und noch dazu leicht verarbeitbar.
Glaswolle in Folienkissen kam jedenfalls nicht mehr in Frage...
Guten Tag Heizer Jupp,

als erstes möchte ich auch meine Anerkennung Eurer Arbeit kund tun und habe noch ne Frage zur Heizung.
Da ich nur Laie bin, war ich der Annahme, dass die Heizung in den älteren Wagen über Stahlrohre mit Dampf erfolgt.
Jetzt muss ich sehen, dass hier Luftkanäle verlegt werden ( bzw. auch waren).
Mein Frage, von wo kommt die Wärme, wie entsteht sie?

Meine Vermutung, eventuell mit Dampf (oder auch Strom) über ein Heizregister/Wärmetauscher und die Verteilung mittels Gebläse in die Kanäle.

An welcher Stelle im Wagen befindet sich so was.


VG Jan H.
Korrekt, die Erwärmung der Luft erfolgt zentral über elektrische Heizregister und einen Dampf-Wärmetauscher.
Erkennbar sind solche Wagen an den seitlichen Luftansauggitern in Wagenmitte.
Heizregister und Wärmetauscher liegen in dem Bereich unter dem Wagen.
Bei den Halberstädtern der DR ar das do Standard während m-Wagen der DB als Energieträger für die Heizung der Einzelabteile überwiegend Wasser nutzen. Viele Wege führen nach Rom...

Einziger Haken an solchen moderneren Heizungen kann im gelegentlichen Museumseinsatz schon mal sein dass nach längerer Standzeit im kalten die Wagenbatterie in der Lage sein muss die Heizungssteuerung und vor allem Gebläse zu versorgen sonst kann man sie auch mit Dampf nicht vorheizen während alte Hochdruckdampfheizungen Hhzk oder Niederdruckdampfumlaufheizungen Nuhz immer funktionieren sobald Dampf da ist. Dafür haben letztere Wagen dann aber unzählige einzelne elektrische Heizkörper statt des großen Heizregisters was eine Unterhaltung der elektrischen Heizung teurer machen wird...
ich danke Dir für die Erläuterungen, da lag ich ja gar nicht so verkehrt.

Gruß Jan H.
Etwa in der Mitte unterm Wagenboden ist das Herzstück der Anlage angebracht, das zu einem Klimagerät erweiterbare Luftheizgerät. Dieses wird quer zur Fahrtrichtung von Luft durchströmt.

Zunächst entscheidet eine stellmotorisch betätigte Umluftklappe, ob das Gebläse die Luft durch das gangseitige Seitenwandgitter oder aus dem Wageninneren ansaugt.

Der Luftstrom aus dem Gebläse wird dann aufgeteilt. Der obere Luftstrom durchströmt das Heizregister, in welchem Dampfheizschlangen und Heizwiderstände hintereinander angeordnet sind.

Der untere Luftstrom durchströmt eine Kammer, welche im beschriebenen Wagen leer ist, die aber werkseitig bereits zum Einbau des Kühlregisters einer Klimaanlage vorbereitet wurde.

Der obere, erwärmte Luftstrom und der untere, ungeheizte Luftstrom kommen in einen Mischer, wo eine sensorisch gesteuerte und stellmotorisch betätigte Mischklappe in Abhängigkeit von Außentemperatur, erreichter Innentemperatur und gewähltem Heizprogramm regelt, wie warm letztendlich die Warmluft ist, die in den unteren der beiden parallellaufenden Luftkanäle im Wageninneren geblasen wird. Die ungeheizte Luft strömt hingegen in den oberen der beiden Kanäle.

Beide Kanäle liegen, wie Ihr auf meinen Bildern sehen konntet, übereinander an der abteilseitigen Außenwand überm Wagenboden.
Am ersten und letzten Abteil enden sie in Schläuchen und diese leiten die Luft dann in die Toiletten und Waschräume und letztendlich Warmluft als Einfrierschutz zu den Wassertanks im Dach.

Damit die Reisenden die Temperatur in ihrem Abteil noch individuell regeln können (so sie sich denn einig werden), gibt es noch den manuell betätigten Klappenmechanismus, der pro Abteil je zwei Ausströmklappen für Warmluft und Kaltluft gegenläufig mehr oder weniger öffnet oder schließt.

Es ist richtig, daß zum Heizen des Wagens Strom für das Gebläse, die Stellmotoren und die Regelelektronik gebraucht wird. Während der Fahrt liefern die Generatoren genügend Energie, während die benötigte Energie beim Vorheizen den Batterien entnommen wird. Das ist in der Tat nach längerem Fahrzeugstillstand und besonders im Winter nicht unproblematisch...

Da diese Wagen nach einem Baukastenprinzip konzipiert sind, bestünde je nach verwendeter Fahrzeugausrüstung aber auch die Möglichkeit, die Energieversorgung komplett oder teilweise aus der Zugsammelschiene oder aus einer Fremdeinspeisung vorzunehmen.
Wie es nun bei dem beschriebenen Wagen konkret ist, muß ich bei Gelegenheit mal noch genauer ergründen...



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.01.18 15:35.
Danke für Deine ausführliche Antwort, dass klingt sehr interessant. Ist die Reglungstechnik noch original oder erst aus den letzten Nachwendejahren und
ist der ABme 1./2. Klasse Typ Y auch so ausgerüstet? Dieser ist ja noch ein paar Jahre älter.

Bei den Bildern kann man wirklich sehen, welcher Aufwand für solch eine Instandhaltung betrieben werden muss.
Jeder, der noch mit seinen Händen ( ich auch ) arbeiten muss, weis diese Leistung zu schätzen.

Gruß Jan H.
Die Regelungstechnik im Städteex-Wagen ist noch original.
Der ABme hat noch keine Zweikanal-Mischluftheizung.
Neitecfreak schrieb:
Allerdings waren die langen Halberstädter ja nur als Verstärker unterwegs.
Sagt Wer? Die 12Bmh waren Verstärker, die B(o)m die Ablösung für die Y/B70.
Trebor schrieb:
Neitecfreak schrieb:
Allerdings waren die langen Halberstädter ja nur als Verstärker unterwegs.
Sagt Wer? Die 12Bmh waren Verstärker, die B(o)m die Ablösung für die Y/B70.
Hallo.Ich bezog mich mit meiner Aussage auf die Halberstädter Großraumwagen vom EBS.Mit dem Erscheinen der 26,4m Abteilwagen aus Halberstadt in den Städteexpresszügen,liefen die orangen Großraumwagen als Verstärker.

Viele Grüße


der Neitecfreak aus dem geneigten Gera


Danke für die interessanten Bilder !

Hab ich so noch nie gesehen....


Freu mich auf die Wagen...


LG nach LL

Bahnstern !

Nur echt mit Baureihe 112-114-143-155-156