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1. Beitrag: Aufarbeitung der 97 501 durch ZHL

geschrieben von: Michael Staiger

Datum: 20.09.13 19:26

Die Aufarbeitung der 97 501 durch die Freunde der Zahnradbahn Honau – Lichtenstein e. V. (ZHL)in Reutlingen

Hallo 97 501-Freunde

da wir ja bis zur Inbetriebnahme der Lok am 20. Oktober 2012 über 26 Jahre dranrumschraubten und ich selber bereits Mitte der 70er einen Restaurierungsversuch machte, möchte ich euch in nächster Zeit immer mal wieder ein bisschen davon Berichten

https://s12.directupload.net/images/200616/wyr25vc2.jpg

Schon die Übernahme der 97 501 in den Vereinsbesitz mit der Überführung von Obernzell (Bay.) ins württembergische Tübingen wäre eine Erzählung wert, möchte mich jetzt aber zunächst der Aufarbeitung widmen.
Da wir in Reutlingen von der Stadtverwaltung „nur“ eine leere Lagerhalle ohne Arbeitsgrube im Gleis zur Nutzung überlasen bekamen fanden wir 1986 eine, zunächst bezahlbare, Bleibe in meiner ehem. Dienststelle, dem Bw Tübingen.
Da die 97 501 seit 1962 nur für wenige Jahre unter Dach stand, war ihr Zustand recht desolat. Fast alle Blechteile unter 3mm Stärke konnten nur noch als Schnittmuster zur Neuanfertigung dienen, die Siederohre im Kessel konnten teilweise mit dem Finger „durchbohrt“ werden.

https://s12.directupload.net/images/200616/8zdldq7t.jpg

So fassten wir schon sehr bald den "folgenschweren" Entschluss, die 97 501 in alle ihre Bestandteile zu zerlegen und jedes Teil von Grund auf bestmöglich Aufzuarbeiten. Das ganze sollte jedoch so weit als irgendmöglich in Eigenleistung erfolgen, denn die Vereinskasse enthielt nur ein paar hundert Mark – da war an ein "Aufarbeiten lassen" nicht zu denken.
Glücklicherweise hatte mir ein unserem vorhaben wohlgesonnener Maschinenamts-Mitarbeiter eine DB-Aufarbeitungsvorschrift (DV946) zeitweilig zum kopieren überlassen und ein eisenbahnfreundlicher Druckereibesitzer seinen Kopierer zur Verfügung gestellt, so daß uns von der Seite „Lokinstandsetzung“ her (fast) keine Frage offen blieb – musste nur tagelang kopieren.
Bei der Zerlegung gingen wir mit größter Vorsicht zu Werke, um alle Bauteile auch wieder reparieren zu können. Recht schnell waren Kohlenkasten, Führerstandsboden und linke Führerhauswand abgebaut und gaben den Blick auf den in diesem Bereich dramatisch zerfressenen Rahmen preis. Der unterm Boden liegende Hilfsluftbehälter sah eher einem Stück Baumstamm mit grober Rinde ähnlich. Als nächstes musste der Kessel runter, der war jedoch im Komplettzustand zu schwer für die beiden vorhandenen Kranbrücken, so daß alles einschliesslich der Rauch- und Siederohre demontiert werden musste.

https://s12.directupload.net/images/200616/yzd5c6y9.jpg
Jede Schraube und Mutter musste bis zur Weissglut erhitzt oder gar abgebrannt werden, bevor irgend ein Teil abgenommen werden konnte, die Rohre wurden an der Feuerbüchsrohrwand kesselseitig abgebrannt, eine äusserst beengte und (kalk-) staubige Angelegenheit. Von der Rauchkammer aus wurden die Rohre mit dem Brenner eingeschnitten damit sich die Aufweitung zusammenziehen kann. Wir schweissten dann an jeden Rohrüberstand vorne einen Bügel an um es dann mit dem Kettenzug über die Aufweitung hinweg herausziehen zu können.

https://s12.directupload.net/images/200616/dodgg48v.jpg
Nachdem alle 152 Rohre gezogen waren, mussten nur noch etwa 10 Schubkarren Kalk aus dem Langkessel geschaufelt und gesaugt werden.

https://s12.directupload.net/images/200616/zlzrtq5h.jpg
Der jetzt leere Kessel konnte nun problemlos mit den vorhandenen Kranbrücken vom Rahmen gehoben werden.

Das wars mal für heute, Fragen beantworte ich gerne

Gruß aus Lichtenstein (Württ.)
Michael

Zur nächsten Folge: [www.drehscheibe-foren.de]



7-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.06.20 22:52.
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
MfG aus Dresden
Johannes

http://blog.windbergbahn.de/wp-content/themes/_wbb_final/images/img_1.jpg

Wir fahren wieder!
die Windbergbahn - mit Volldampf bergan.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:09:20:19:45:30.

Re: Aufarbeitung der 97 501 durch ZHL

geschrieben von: Jan Borchers

Datum: 20.09.13 23:21

Toll, es zeigt, dass man aus dem Nichts etwas schaffen kann, was Hand und Fuß hat. Damals hätte kaum einer ne Wette abgeschlossen, dass die Lok je wieder fährt und schon gar nicht in der DB-Welt von heute.

Re: Aufarbeitung der 97 501 durch ZHL

geschrieben von: Morpheus (M.F.)

Datum: 21.09.13 07:36

Ich kann vor eurer Leistung nur den Hut ziehn.
Was ihr da in den Jahrzehnten mühevoller Arbeit geschafft habt ist der reine Wahnsinn.

Ich wünsch euch viel Freude mit der 97 501.
Und wer weiß. Vielleicht wird es ja mal was positives zu der ehemaligen Zahnradstrecke ergeben.

MfG
Matthias

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:09:21:07:37:31.
Dem kann ich mich nur vorbehaltlos anschließen!
Danke für den ersten Teil des Aufarbeitungsberichtes (oder -abenteuers).
Grüße
Ulrich

Re: Aufarbeitung der 97 501 durch ZHL

geschrieben von: meckisteam

Datum: 21.09.13 11:12

Wo käme man hin ohne die Leute die einfach das tun was alle für unmöglich halten ?

Meine allergrößte Hochachtung ...

geschrieben von: MichiS

Datum: 21.09.13 12:01

... für Euer Durchhaltevermögen!

Re: Aufarbeitung der 97 501 durch ZHL

geschrieben von: martin welzel

Datum: 24.09.13 14:16

Michael,

ich bin begeistert über das, was ihr geschafft habt. Und gerne werde ich mir euer Schmuckstück nächstes Jahr (hoffentlich) einmal aus der Nähe anschauen!

Danke für diesen Appetithappen, der Lust auf mehr macht!

Martin
Hallo aus dem Sauerland,
danke Michael fürs Zeigen der Bilder bzw. für die Mühe der "Wiederbelebung" der Bilder.
Die Mitglieder der ZHL können stolz drauf sein, die Lok wieder hergerichtet zu haben und dann noch DB-Strecken-tauglich gemacht zu haben.
Ich hatte ja 2016 Gelegenheit, die Lok bei den "Hockete-Veranstaltungen" in Reutlingen in Aktion erleben zu dürfen.
Viele Grüße
Jens Schumacher