Hallo Thomas,
liebe Freunde von Nebenbahnen,
der Wagen auf Bild Nr. 6 ist tatsächlich der Wagen Nr. 238 der Reinickendorf-Liebenwalde-Groß Schönebecker Eisenbahn.
Ab 1927 wurde diese Eisenbahn zur Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), welche just dieses Jahr (2026) ihr 125stes Jubiläum feiert (Festivitäten waren im Juni).
Er wurde 1923 von der Sächsischen Waggonfabrik Werdau zusammen mit 5 gleichartigen Wagen geliefert (alle sechse: Wagen-Nummern 238 bis 243).
Vom Typ her entspricht er in etwa einem Wagen des DRG-Einheitsbaues Di-21 (zwischen den Kopfträgern klassische durchgehende Langträger,
Sprengwerk, Holzaufbau, beblecht). Er wurde jedoch als Ci geliefert und hatte nur einen Großraum sowie nur ein WC-Kabuff.
Auch gab es nicht die Stirntür-Erweiterung und auch nicht die herunterklappbaren Bühnenbegrenzungen, wie sie bei den vergleichbaren DRG-Wagen
für Lazarettzwecke verbaut waren.
LüP 13,92 m, Achsstand 8,5 m, waren gleich mit den DRG-Wagen.
Bremsbauart war jedoch nicht die Kunze-Knorr-Bremse P (Kkpbr bzw. Kk-GP), sondern eine schnellwirkende Westinghousebremse (Wpbr bzw. W-P).
Der schon genannte WC-Raum lag anders als bei den DRG-Bauarten am NHBrE (Nicht-Handbrems-Ende), dort auf der rechten Wagenseite.
Der Wagen erhielt 1950 bei der DR die Nr. 98839, mit Einführung des Stammnummernsystems war er dann der 310-839.
Der Wagen wurde am 03.07.1969 ausgemustert (letzter Heimatbf. Neuruppin).
Nach seiner Ausmusterung wurde er am 20.05.1970 an das PCK Schwedt (Übersetzung für Westler: Petrolchemisches Kombinat) verkauft .
(Spruch zu DDR-Zeiten [Volksgut]]: "
Janz Berlin tankt Minol!" ).
Anders als für die 3. Wagenklasse üblich, ist heute innen eine 4. Wagenklasse mit Bretterbänken nachgebildet worden.
Wagen 238 im Bf. Wandlitzsee (NEB), nach 1937. Auf der Umfahrung ist der T4 zu sehen, noch ziemlich neu, mit zeitgemäßen Fähnchen.
Der Wagen 238 ist, von den Triebwagen-Beiwagen 255, 256 abgesehen, der einzige erhaltene Reisezugwagen der NEB, wie derzeit bekannt.
Von einem seiner Schwesterwagen ist noch ein Radsatz erhalten und kürzlich in den Besitz des Heidekrautbahnmuseums gelangt:
[
www.drehscheibe-online.de] (auch lesenswert)
Ich hoffe, einige Fragen beantwortet zu haben.
Quellen:
--Jürgen Opravil: Die Heidekrautbahn, Chronik Pankow als Teil des Kulturamtes des Bezirksamtes Berlin-Pankow (Hrsg.), 2. Aufl., 1999,.
--Dirk Endisch: Die Niederbarnimer Eisenbahn AG, Verlag Dirk Endisch, Stendal, 1. Aufl., 2026.
Beste Grüße
VB995
3-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.07.26 22:34.