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[CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: kabelschmidt

Datum: 28.08.25 19:04

Am Montag meldete Radio Prag:
[deutsch.radio.cz]

Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus – und soll in einen Stiftungsfonds überführt werden. Als Vorbild dient die Schweiz mit der „Stiftung Historisches Erbe der SBB“.

Kabelschmidt

Re: [CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: Signal

Datum: 28.08.25 21:33

Es liest sich wie das traurige Lied, wie man es aus Deutschland kennt: Mit zunehmendem Wettbewerb kann sich die staatliche Bahn nicht mehr leisten, hohe Beträge für die Kulturpflege der historischen Fahrzeuge auszugeben - und will sich mehr daraus zurückziehen.
Gruß vom Signal

Re: [CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: tmmd

Datum: 28.08.25 23:13

Es ist aber auch nicht die Aufgabe eines Eisenbahnunternehmens Museen zu betreiben.

Re: [CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: Signal

Datum: 29.08.25 10:35

tmmd schrieb:
Es ist aber auch nicht die Aufgabe eines Eisenbahnunternehmens Museen zu betreiben.
Das kommt eben darauf an:

Im Wettbewerb ist die staatliche Bahn ein Eisenbahnverkehrsunternehmen unter vielen und hat die Aufgabe, wettbewerbsfähig in ihrer Kostenstruktur zu sein.

Solange die Staatsbahn aber flächendeckend DAS (mehr oder weniger einzige) Eisenbahnunternehmen war/ist/wäre, gehört so etwas durchaus dazu, weil es eine wichtige Aufgabe der Eisenbahn ist, auch ihre Geschichte zu bewahren und für sich zu werben.

Und so sieht man an der aktuellen Entwicklung im Eisenbahnmuseum eben auch, welche Folgen die Entwicklung der Eisenbahn derzeit hat...

Gruß vom Signal

Re: [CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: Alexander Bergner

Datum: 29.08.25 16:38

Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Entwicklung auch in Tschechien eintreten sollte - ich habe mich schon immer gewundert, wenn auch im positiven Sinne, wie viel historisches Eisenbahnmaterial sich eine solch verhältnismäßig kleine (Staats-)Bahngesellschaft in einem eher kleinen europäischen Land so leistet. Zum Vergleich kann man ja mal in Richtung Benelux oder Skandinavien schauen, dort ist das Engagement „offizieller Stellen“ in Sachen Eisenbahngeschichte und Bewahrung historischer Schienenfahrzeuge meist auf ein einziges größeres Museum und die dortigen Ausstellungsstücke beschränkt, alles weitere in diesem Feld wird dann auch dort von Vereinen, Verbänden, Interessengruppen o. ä. geleistet...

Zitat:
Solange die Staatsbahn aber flächendeckend DAS (mehr oder weniger einzige) Eisenbahnunternehmen war/ist/wäre, gehört so etwas durchaus dazu, weil es eine wichtige Aufgabe der Eisenbahn ist, auch ihre Geschichte zu bewahren und für sich zu werben.
Nein, diese Aufgabe gibt es – leider – nicht! Sie ist rein freiwilliger Natur. Letztlich ist auch eine (staatliche) Eisenbahngesellschaft nur ein Unternehmen, und die einzige Aufgabe eines Unternehmens ist und bleibt es, möglichst Gewinne und keine Verluste zu erzielen. Alles andere, von der Schaffung von Arbeitsplätzen bis hin zur Bereitstellung von Produkten oder Dienstleistungen für den Markt bzw. die Allgemeinheit ist nur ein erwünschter Nebeneffekt, sozusagen die Wirkung der Ursache nach „Gewinnstreben“. Daher ist die Idee mit der Stiftung vielleicht gar nicht so verkehrt – in Deutschland oder der im verlinkten Beitrag als positives Beispiel erwähnten Schweiz hätten die großen (staatlichen) Bahngesellschaften in den letzten Jahrzehnten bestimmt deutlich mehr historisch wertvolle Schienenfahrzeuge dem Schrottplatz zugeführt, wenn sich deren Unterhalt direkt in den Jahresbilanzen negativ niedergeschlagen hätte! Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Eisenbahn, so wie ihr Betrieb hier in Europa aufgezogen und abgewicklet wird, eher ein Verlust- und Zuschussgeschäft ist und wohl auch bleiben wird.

Ich bin mir nebenbei bemerkt ziemlich sicher, dass auch die hier immer wieder gerne genannten Autohersteller in ihren Werksmuseen ebenfalls „ausmisten“ werden, wenn es mit deren wirtschaftlicher Situation so weiter geht und sich im Zweifelsfall das historische Erbe noch irgendwie zu Gewinn machen lässt! Denn auch die betreiben ihre Marketing-Museen nur aus purer Publicity und nicht, weil sie eine so große Liebe zur eigenen Historie hätten (die zudem bei vielen Automobilproduzenten nicht immer bedenkenlos „vorzeigenswert“ war, und damit ist nicht nur die Zeit des Zweiten Weltkrieges gemeint). Die heute eher im Mittelklasse-Segment (sofern es das überhaupt noch gibt) vertretenen Hersteller wie Opel oder Ford oder auch die anderen Marken deren Mutterkonzerne hatten übrigens noch nie eigene Museen oder Ausstellungszentren...


Viele Grüße an das DSO-Forum,

Alexander Bergner



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2025:08:29:16:42:25.

Re: [CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: Buegelfalte

Datum: 30.08.25 12:55

Alexander Bergner schrieb:
Ich bin mir nebenbei bemerkt ziemlich sicher, dass auch die hier immer wieder gerne genannten Autohersteller in ihren Werksmuseen ebenfalls „ausmisten“ werden, wenn es mit deren wirtschaftlicher Situation so weiter geht und sich im Zweifelsfall das historische Erbe noch irgendwie zu Gewinn machen lässt! Denn auch die betreiben ihre Marketing-Museen nur aus purer Publicity und nicht, weil sie eine so große Liebe zur eigenen Historie hätten (die zudem bei vielen Automobilproduzenten nicht immer bedenkenlos „vorzeigenswert“ war, und damit ist nicht nur die Zeit des Zweiten Weltkrieges gemeint). Die heute eher im Mittelklasse-Segment (sofern es das überhaupt noch gibt) vertretenen Hersteller wie Opel oder Ford oder auch die anderen Marken deren Mutterkonzerne hatten übrigens noch nie eigene Museen oder Ausstellungszentren...
Sowohl Opel als auch Ford besitzen eigene Fahrzeugsammlungen, in denen die Firmengeschichte archiviert wird. Die von Opel ist sogar äußerst umfangreich. Auch die anderen Hersteller haben mehr Fahrzeuge als die, die in den Werksmuseen ausgestellt sind. Daimler-Benz besitzt mehrere über das Stadtgebiet verteilte unscheinbare Hallen, in denen hunderte Fahrzeuge eingelagert sind. Prototypen, Studien, aber auch z.B. das jeweils letzte produzierte Exemplar einer jeden Baureihe. Vom Flügeltürer z.B. hat man neben den im Museum gezeigten Fahrzeugen noch ein gutes Dutzend weitere Exemplare in verschiedenen Zuständen. Da stehen aber auch zig unscheinbare C-, E- oder S-Klassen, die man nur ab und an für Presseveranstaltungen ans Tageslicht holt.

Grüße,
Björn

Re: [CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: Alexander Bergner

Datum: 30.08.25 18:57

Zitat:
Sowohl Opel als auch Ford besitzen eigene Fahrzeugsammlungen, in denen die Firmengeschichte archiviert wird. Die von Opel ist sogar äußerst umfangreich. Auch die anderen Hersteller haben mehr Fahrzeuge als die, die in den Werksmuseen ausgestellt sind. Daimler-Benz besitzt mehrere über das Stadtgebiet verteilte unscheinbare Hallen, in denen hunderte Fahrzeuge eingelagert sind. Prototypen, Studien, aber auch z.B. das jeweils letzte produzierte Exemplar einer jeden Baureihe. Vom Flügeltürer z.B. hat man neben den im Museum gezeigten Fahrzeugen noch ein gutes Dutzend weitere Exemplare in verschiedenen Zuständen. Da stehen aber auch zig unscheinbare C-, E- oder S-Klassen, die man nur ab und an für Presseveranstaltungen ans Tageslicht holt.
Hallo Björn,

ja, dass praktisch alle Automobilkonzerne – derzeit noch – sehr große „Produktarchive“ pflegen, habe ich nicht in Zweifel gezogen. Ich bleibe allerdings bei meiner Überzeugung, dass diese auch nur so lange wirklich gehegt und gepflegt werden, so lange es wirtschaftlich noch irgendwie vertretbar ist. Sobald dieses Feld als „Kostenfaktor“ erkannt ist, dürfte damit schneller als so mancher glauben mag, Schluss sein - selbst bei den Renommiermarken! Zumal Du mich in gewisser Weise sogar bestätigst: Die beiden beispielhaft genannten Firmen/Marken mögen zwar einiges an „museal Verwertbaren“ besitzen, doch sie zeigen es der Öffentlichkeit nicht in Form einer Dauerausstellung. Der einzig logische Grund dafür dürfte sein, dass man sich den Betrieb eines solchen Ausstellungszentrums rein finanziell einfach nicht leisten möchte (bzw. es aufgrund der eher mäßigen wirtschaftlichen Lage des eigenen Unternehmens gar nicht kann), anders als etwa Mercedes-Benz, BMW oder VW...


Viele Grüße an das DSO-Forum,

Alexander Bergner

Re: [CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: exilvogt2000

Datum: 31.08.25 12:04

tmmd schrieb:
Es ist aber auch nicht die Aufgabe eines Eisenbahnunternehmens Museen zu betreiben.
Das ist falsch!
Und zwar vollkommen und absolut.

Warum hat denn die selige Deutsche Reichsbahn einen äußerst umfangreichen Traditionspark aufgebaut?
[de.wikipedia.org]
Weil die DR so reich war? Und wenn sie so reich war, warum hat es dann hinten und vorn an Investionen gemangelt? Das ist also falsch!
Weil die DR noch immer eine Dampflokreserve brauchte? Teilweise wahr, aber dann hätte man sich auf wenige einheitliche Fahrzeuge konzentriert und niemals die Exoten bewahrt!
Warum also sonst?
Weil der Arbeitsmarkt problemtisch war! Die Löhne waren für DDR Verhältnisse gut, aber in anderen Branchen konnte man sein Geld leichter und ohne Schichtarbeit verdienen.
Also musste ein Alleinstellungsmerkmal für die Personalwerbung her.
Und genau dafür waren die Eisenbahnfeste mit den Dampfloks gut, wenn nur jeder 100 Besucher über eine Arbeit bei der Eisenbahn nachgedacht hat, war das den Aufwand als Nachwuchsförderung wert.
Der Rest der Besucher war immerhin mehr ider weniger begeistert und hat sich dann die Eisenbahn als Transportmittel genutzt oder zumindest keine Schwierigkeit als nörgelnder Nachbar gemacht. Also Preiswerte Werbung!

Jetzt überlegen wir mal, wo hier die Parallelen zum Heute sind?
Warum könnte es jetzt sinnvoll sein, ein wenig Geld für Werbung und Nachwuchsförderung so anzulegen wie unsere Vorfahren?

Re: [CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: mb1181

Datum: 31.08.25 17:00

Hi!

BMW soll über 1200 Fahrzeuge in der Sammlung haben. Alles von Isetta bis Formel1 Auto. Wo will man wem das alles zeigen, ohne gleichzeitig eine Armee von Wachleuten zu beschäftigen?

VG
Matthias

Re: [CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: Canaris

Datum: 31.08.25 20:20

tmmd schrieb:
Es ist aber auch nicht die Aufgabe eines Eisenbahnunternehmens Museen zu betreiben.
Es ist insbesondere nicht Aufgabe eines Eisenbahnunternehmen, die permanenten Schlechtleistungen auch noch durch eine inakzeptabel besch...ene Informationspolitik formzuvollenden!!!

Wie konkret soll also die Verschrottung der paar Museumsfahrzeuge etwas am Kernpronlem ändern?
Ablasshandlung?
Aktionismus?

Ausserdem wird gern vergessen, dass von den heutigen Triebzügen kaum einer erhalten werden wird, da zu lang und zu digitalkrambelastet.
Daher beschränkt sich das Problem doch auf die heute vorhandenen Fahrzeuge.

Gruß
Canaris

Re: [CZ] Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus

geschrieben von: telefonbahner

Datum: 01.09.25 10:01

exilvogt2000 schrieb:
tmmd schrieb:
Es ist aber auch nicht die Aufgabe eines Eisenbahnunternehmens Museen zu betreiben.
Warum hat denn die selige Deutsche Reichsbahn einen äußerst umfangreichen Traditionspark aufgebaut?

Jetzt überlegen wir mal, wo hier die Parallelen zum Heute sind?
Warum könnte es jetzt sinnvoll sein, ein wenig Geld für Werbung und Nachwuchsförderung so anzulegen wie unsere Vorfahren?
Hallo zusammen,
Werbung und "Nachwuchsförderung" geht doch heute nur noch in der flachen Scheinwelt denn warum seinen A.... vom Sofa heben wenn die bunten Bildchen frei Haus geliefert werden?
Welches neu strukturierte Unternehmen ist noch stolz auf seine Herkunft oder Firmengeschichte ?
Schaut euch mal um was für ein Kahlschlag in der Museumswelt hierzulande stattfindet.
Bei so manchem Museum weiß man nicht mehr ob man sich in der Verkaufsabteilung eines Großanbieters für Heimelektronik oder doch noch im Museum befindet.
Da ist es nicht verwunderlich, wenn auch traurig, das in unserem Nachbarland die selbe bescheidene Museumskultur wie in D Einzug hält.

Gruß Gerd aus Dresden
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