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Werte Gemeinde!

In der einzigen lesenswerten Zeitung des deutschsprachigen Raums fand ich diesen Artikel.

Nun bin ich etwas weit weg vom Geschehen, aber hat irgendjemand nähere Informationen, wie die Wagenkästen auf die Höhe gekommen sind?

Gruß

(Hessischer) Stationsvorsteher




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:12:14:15:54:23.
Moin,

danke. Im Artikel steht, dass die Wagen auf der Straße nach oben kamen.
Auf Openstreetmap finde ich den San Giacomo-Pass gerade nicht, da muss also erstmal eine analoge Karte ran. Doch: [www.OpenStreetMap.org]. Und auf [goo.gl] sind die Pfeiler sichtbar, auf denen die Wagen standen.

Viele Grüße
Sören

Hallo Stationsvorsteher,

zu Deiner Frage kann ich Dir keine Antwort geben. Aber Eisenbahnwagen ohne Räder sind doch ein robuster Container, den man vorfertigen kann. Man kann auch Rollböcke mit Gummirädern druntersetzen anstelle der Drehgestelle.

Mich hat anfangs die Empfindlichkeit der Schweiz erstaunt. Aber auch die NZZ hat das symbolische Bild nicht erklärt. Zehn Jahre vorher hatte das Deutsche Reich im Westen in einem Eisenbahnwagen kapituliert. Und die Mussolini's hatten das Ereignis quasi schon vorbereitet, in Sichtweite der heiligsten Festung der Eidgenossen.

Vielleicht helfen heute solche Geschichten beim Nachdenken, wenn man (scheinbar) gedankenlos Symbole verwendet, die andere in Kampfstimmung bringen. Oder man den Erklärbar geben muss, weil fremde Symbole einen selbst aufregen.

Viele Grüße, saxobav.
Die Fundamente der Eisenbahnwagen am San Giacomo-Pass sind auch heute noch gut zu sehen.

https://lh3.googleusercontent.com/BIbF3n9oUj7T04voNUOGa8i_tv-opS15P0Yt1QajYWB42xjsbhea7D0JKwZLPlJCk1IsmVjzqq2qO08bHcXwc7l-XiQxe6Aq83dws4_FbjfVLctAhPSwFFGRHhhY7MliMjIR4RxmPsCcc0Rf-fYoqqVp85VhrxAvu7SJspfFw6KwjifYhp5sbeGzpTUeo8JyfEJ7kPr-kTwwZxssiz6sJ6uhuRqT9yZejy5Vvlv1m4fnbhaqCMcCdTjHtAfEMoHR2UUMX8m-EPgnwkdtUJxS8IWWreLFAU2_-jtcHSP4Pd1ra04ySvhrwKhqpiE7ayESTNt9EYkmrY6UhYThMwOYmEbdZmKuSqmUsC3gxqri4JD54XElnUHjSk-jE-VDoWRzHFENcQsbFPPwfx6OhDPBhXw0ntDzg_Xtp1LHa3_ywsvIMjW5D-PKgY_5NaGosRr-_dRZrUUbHFrzwdSpyclde_5SxFOiuUCVQjqZnZZ5orAEFHkIo-vDypDMm4KsNeIUqqWBUxfjfFzJILbuX5dR84mvCNjdYQhHJmDL2KAQo8Q4BpX8HBp0bs70oxdh1NDjTqdrInpsn6zp_LJNmksv7JpYItS67BsnuJyBo6ko3xCbIkL8Qdzxwjoc0-vOAjYo-edZCTZya_Qio_3rw6oYtFPZAbvPuhIIATOWsT8QmknTeb_wxEvFrraNUI-t6Q=w971-h510-no?authuser=0
n46.4568, e8.4429

Ich kann den Artikel der NZZ leider nicht ganz lesen. Aber damals haben die Italiener diese Bahnwagen auf den San Giacomo Pass transportiert, um der Schweizer Armee zu demonstrieren, dass sie auch in der Lage wären, Kanonen da hinauf zu bringen. Denn der San Giacomo Pass ist bloss 15 Kilometer von der wichtigen Festung San Gottardo entfernt - also in Schussdistanz der Kanonen!
Die Schweizer waren richtig geschockt. Man hätte nie gedacht, dass die Italiener die Flanke der Gotthard-Festung und das Südportal des Gotthard-Eisenbahntunnels bedrohen könnten. Die gesamten Verteidigungsanlagen am St. Gotthardpass wurden daraufhin erweitert und der neuen Bedrohung aus dem Westen angepasst. Und das bloss wegen zwei Eisenbahnwagen...

Gruss Pelzer



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:12:14:18:47:13.
pelzer schrieb:
...

Ich kann den Artikel der NZZ leider nicht ganz lesen. Aber damals haben die Italiener diese Bahnwagen auf den San Giacomo Pass transportiert, um der Schweizer Armee zu demonstrieren, dass sie auch in der Lage wären, Kanonen da hinauf zu bringen. Denn der San Giacomo Pass ist bloss 15 Kilometer von der wichtigen Festung San Gottardo entfernt - also in Schussdistanz der Kanonen!
Die Schweizer waren richtig geschockt. Man hätte nie gedacht, dass die Italiener die Flanke der Gotthard-Festung und das Südportal des Gotthard-Eisenbahntunnels bedrohen könnten. Die gesamten Verteidigungsanlagen am St. Gotthardpass wurden daraufhin erweitert und der neuen Bedrohung aus dem Westen angepasst. Und das bloss wegen zwei Eisenbahnwagen...

Gruss Pelzer
Mir ist der Artikel auch aufgefallen.

Hier Auszüge aus dem Artikel:


Zitat
Mussolini und die provozierenden Bahnwaggons im Hochgebirge
Unter dem italienischen Diktator Mussolini werden am Pass San Giacomo auf rund 2300 Metern über Meer zwei Eisenbahnwagen aufgestellt. Das ist eine gezielte Provokation an der Grenze und führt zu energischen Gegenmassnahmen der Schweiz – ein Blick zurück.

1930 – mitten in der faschistischen Ära des Diktators Benito Mussolini – verwirklicht der Mailänder Architekt Piero Portaluppi auf der italienischen Seite des Passes ein irrwitziges Projekt. Auf die Pfeiler setzt er einen Speisewagen und einen Schlafwagen, blau gestrichen und ausgestattet mit rotem Samt, goldenen Stuckaturen, Zentralheizung, fliessend Wasser und elektrischem Licht. «Wagristoratore San Giacomo Pescatore» nennt er die bizarre Gaststätte. Nur drei Autostunden von Mailand entfernt, soll sie Alpinisten, Ausflügler und vor allem die verwöhnte Mailänder Oberschicht in ihren Automobilen auf den Pass locken. Portaluppi schwärmt, der «Wagristoratore» liege in einer unberührten Landschaft, «reich an leuchtender Alpenflora, Nadelgehölzen, klaren Bergseen, umgeben von einer Korona von Bergkolossen, deren Gipfel majestätisch in den blauen Himmel emporragen, in einem Szenario vollkommener alpiner Schönheit».

Der Gotthard in Schussweite
Doch die extravagante Waggonherberge ist nicht bloss ein Spleen eines schwärmerischen Architekten, sondern eine gezielte Provokation mit erheblicher politischer Sprengkraft. So ist es auch kein Zufall, dass der italienische Arbeitsminister Giuseppe Bottai, Mitgründer der faschistischen Partei und Mussolini-Vertrauter der ersten Stunde, die Gaststätte zur Eröffnung im August 1930 mit einem Besuch beehrt. Der Pass ist nämlich eine strategisch bedeutsame Stelle und spielt in den militärischen Dispositionen Italiens eine wichtige Rolle. Das Val d’Ossola liegt wie ein Keil zwischen dem Tessin und dem Wallis. Das nördliche Nebental Val Formazza berührt am San Giacomo fast das Bedrettotal. Nur 14 Kilometer Luftlinie sind es vom Pass bis Airolo und zum Südportal des Gotthard-Bahntunnels. Nirgendwo sonst kommt Italien den Verkehrswegen durch und über den Gotthard so nahe. Und wer Bahnwagen auf den San-Giacomo-Pass bringen kann, der kann auch Truppen und schweres Geschütz dort hinauf transportieren. Der Gotthard liegt in Schussdistanz der italienischen Artillerie.

Was aus den Bahnwagen auf dem San-Giacomo-Pass wurde, ist nicht geklärt. Laut dem Blog Archivio Iconografico del Verbano Cusio Ossola wurden sie während des Krieges vernachlässigt und aufgegeben. Ob Partisanen sie anzündeten, als sie sich in die Schweiz absetzten, oder ob es Faschisten waren, die ihnen den Unterschlupf nehmen wollten, muss offenbleiben. Ebenso die Aussage eines später hohen Schweizer Militärs, der im Speisewagen noch 1948 als kleiner Junge eine warme Milch getrunken haben will. Irgendwann wahrscheinlich in den 1950ern verschwanden die Wagen vom Pass. Nur die rätselhaften Pfeiler zeugen noch davon, dass hier die Eroberung des Tessins vorbereitet wurde.

[www.nzz.ch]


.
Hallo,

zunächst mal vielen Dank für den Artikel. Was es alles so gibt, dieses Bauwerk kannte ich noch nicht.

Zur Frage des Transports habe ich mal gegoogelt und den nachfolgenden Beitrag (italienisch) gefunden, der hoffentlich die Fakten präzise wiedergibt: [www.marklinfan.com]

Dort kann man lesen, dass es sich um alte CIWL-Wagen handelte, die die CIWL verkauft hat, als sie von Teakholz-Wagen auf Metall-Wagen umstellte.

Der erste Wagen (wohl ein Speisewagen?) wurde 1929 auf den Pass transportiert. Hierzu wurde er in zwei Stücke geteilt und jedes Teil auf einem Anhänger von einer Zugmaschine hochgezogen. Der Wagen diente dann als "Restaurant-Außenstelle" für das bereits bestehende Albergo in der Nachbarschaft. Eröffnung war 1930.

Zwei Jahre später, also wohl 1931, wurde dann noch ein Schlafwagen auf den Pass gebracht. Aufbauend auf die Erfahrungen beim Transport des ersten Wagens schaffte man es jetzt, ihn in einem Stück auf der Straße zu transportieren.

Das ganze war ein privates Projekt und durch den Architekten Piero Portaluppi geplant. Ein Gebäude, was nach den ursprünglichen Skizzen zwischen den beiden Wagen entstehen sollte, kam nicht mehr zur Ausführung.

Was mir allerdings etwas unklar erscheint: Wenn man den Artikel in der NZZ liest, hört es sich so an, als ob es sich um ein Projekt von Mussolini handelte zur Provokation der Schweiz. In den anderen (zugegebenermaßen italienischen) Quellen, die man so findet, liest es sich so, als ob dort auf private Initiative hin ein besonders originelles Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeit entstanden ist, wie es an und für sich in den Alpen zahlreiche gab. Ein irgendwie staatlicher Einfluss wird nicht erwähnt. Piero Portaluppi war auch sonst während des Faschismus (und auch danach) als Architekt aktiv, scheint aber auf den ersten Blick keine besonderen politischen oder staatlichen Funktionen innegehabt zu haben.

Insofern mag es sicher sein, dass dieses Bauvorhaben die Schweiz irgendwie beunruhigt hat. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob die NZZ dem Architekten und dem Bauherrn womöglich Unrecht tut, sie hier quasi als Handlanger von Mussolini mit einem politischen Ziel darzustellen. Vielleicht weiß jemand der Mitlesenden mehr dazu?

Gruß
X73900
Hier sind die Fundamente:
[map.geo.admin.ch]

Ist wohl wieder einmal Sauregurkenzeit. Das Thema kommt alle paar Jahre mal wieder:
Guggsch

Ob das stimmt?

Ja, seit 1913 ist der Genosse Mussolini ein wenig aus dem Ruder gelaufen!
[www.flickr.com]
Gruss Leo



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:12:15:06:37:55.

Re: Danke! Man lernt hier immer etwas dazu!

geschrieben von: eugenR

Datum: 15.12.20 10:00

Im aktuellen Artikel wird auf Schlüsselpassage aus dem Artikel der NZZ vom November 1925 verwiesen:

Diese vor dem Ersten Weltkrieg entstandene Bewegung sieht sich als Verteidigerin der Italianità in allen italienisch besiedelten Gebieten, strebt den Anschluss der italienischsprachigen Regionen der Schweiz und Österreichs an Italien an und fordert eine Grenzverschiebung an den Alpenhauptkamm, an die «von Gott gewollte Grenze», wie Mussolini sagt.
Handfest werden seine Absichten durch den Strassenbau. Ab 1925 lässt er von Domodossola bis hinauf auf den San-Giacomo-Pass den Fahrweg und weiter oben den Saumweg durch Genietruppen ausbauen. Offiziell dient die 4,5 Meter breite Strasse der touristischen Erschliessung. Aber für die Schweiz ist klar, was dahintersteckt.

Es handle sich eindeutig um eine Militärstrasse, analysiert die NZZ Anfang November 1926 in zwei langen Berichten. Der San-Giacomo-Pass bilde von Natur aus «das Sprungbrett zum Angriff auf den St. Gotthard». Über die neue Strasse würden Truppen «in beliebiger Zahl, ausgeruht, mit schwerer Artillerie und allem Kriegsbedarf wohlversehen, im Automobil von einer Stunde zur andern aufzutreten im Stande» sein. Schroff weist die NZZ die Aufforderung zurück, die Schweiz solle für den Fremdenverkehr die Nordzufahrt zum Pass ebenfalls ausbauen. «Wenn die San Giacomostrasse auf der Schweizer Seite abgenommen und nach Airolo als Automobilstrasse geführt wird, so können Panzerwagen und Truppenautomobile aus der Umgebung von Domodossola innerhalb einiger Stunden bei Nacht und Nebel Airolo, den Gotthardtunnel und die Gotthardpasshöhe erreichen und sich des Kerns und Stützpunktes unserer Alpenverteidigung versichern, bevor unsererseits ein Mann aufgetrommelt wäre.» Diese Strasse sei ein «Vorstoss gegen das Herz unserer südlichen Landesfront» und bedeute die «Erleichterung eines Überfalls».

Laut Archiv der NZZ erschien in den späteren Jahren bis 1955 einzig am 25.August 1935 (Sonntag) ein Artikel der diese Bahnwagen erwähnte:
Da hatte jemand bei einer Wanderung diese räderlosen Wagen in grosse Blachen eingehüllt 1 km hinter der Grenze zu Italien "wiederentdeckt".

Zur Kriegszeit waren diese Wagen offensichtlich kaum mehr ein Thema. Aber dass die Gotthardfestung zu dieser Zeit noch auf dem Stand des ersten Weltkriegs war ist ja kein Geheimnis. Vermutlich sollte der Artikel von 1925 eben auch die Schweizer Bevölkerung wachrütteln!

EugenR

Re: Danke! Man lernt hier immer etwas dazu!

geschrieben von: chnookie

Datum: 15.12.20 10:26

eugenR schrieb:
Zur Kriegszeit waren diese Wagen offensichtlich kaum mehr ein Thema. Aber dass die Gotthardfestung zu dieser Zeit noch auf dem Stand des ersten Weltkriegs war ist ja kein Geheimnis. Vermutlich sollte der Artikel von 1925 eben auch die Schweizer Bevölkerung wachrütteln!

So macht es am meisten Sinn. Eine öffentliche Provokation und Demonstration der Leistungsfähigkeit der Strasse durch den italienischen Staat wäre ja widersinnig, wenn man gleichzeitig annimmt, dass die Strasse dem Einmarsch ins Tessin dienen sollte.

Re: Danke! Man lernt hier immer etwas dazu!

geschrieben von: pelzer

Datum: 15.12.20 12:26

chnookie schrieb:
eugenR schrieb:
Zur Kriegszeit waren diese Wagen offensichtlich kaum mehr ein Thema. Aber dass die Gotthardfestung zu dieser Zeit noch auf dem Stand des ersten Weltkriegs war ist ja kein Geheimnis. Vermutlich sollte der Artikel von 1925 eben auch die Schweizer Bevölkerung wachrütteln!

So macht es am meisten Sinn. Eine öffentliche Provokation und Demonstration der Leistungsfähigkeit der Strasse durch den italienischen Staat wäre ja widersinnig, wenn man gleichzeitig annimmt, dass die Strasse dem Einmarsch ins Tessin dienen sollte.
Um die „Leistungsfähigkeit der Strasse“ ging es dabei überhaupt nicht.

Damals – in der Zeit vor den leistungsfähigen Bombern – demonstrierten Italien eindrücklich, dass es sich mit Kanonen auf Schussdistanz den Gotthard-Festungen und dem Gotthardtunnel nähern kann – und das so, dass die Schweizer Armee dem nichts entgegenhalten konnte. Schachmatt!

Denn die Festungskanonen konnten nicht bis zum San Giacomo-Pass schiessen; sie waren zu klein und hauptsächlich für einen Angriff von Süden ausgerichtet. Und die gezogene Artillerie konnte aus den Tälern kaum bis zum San Giacomo-Pass hinauf schiessen, denn die Überhöhung beträgt etwa 1‘000 Meter. Und das war für die damaligen Kanonen schon sehr viel.
Die italienischen Kanonen hingegen konnten von da oben den Bahnhof Airolo und den Gotthardtunnel beschiessen und dazu auch noch mehrere Festungen von der Flanke her bedrohen. Und hier oben standen sie völlig sicher und geschützt vor gegnerischem Artilleriebeschuss. Leistungsfähige Flugzeuge hatte die Schweizer Luftwaffe in den 1930-Jahren eh kaum.

Die italienische „Eroberung“ des San Giacome-Passes hat einen (nie stattgefundenen) Einmarsch ins Tessin erst möglich gemacht.

Mit der aufkommenden Militärfliegerei in den Jahren darauf änderte sich die strategische Bedeutung der Alpenfestungen dann sowieso stark. Und mit dem Aufkommen der Raketenwaffen in der Nachkriegszeit verloren sie endgültig ihre Bedeutung. Den Festungen erging es wie den grossen Schlachtschiffen, sie wurden überflüssig und heute gibt es keine mehr.

Gruss Pelzer

Re: Danke! Man lernt hier immer etwas dazu!

geschrieben von: Urs Nötzli

Datum: 17.12.20 19:59

Grüezi

man schaue sich mals die Karten der Region an. Der Fischsee, in dessen Tal die Strasse liegt, ist praktisch rund herum von Schweizer Teritorium umschlossen. Auf dem Passo San Giacomo gab es eine Schweizer Garnison, erschlossen durch Seilbahnen. Von Italien her nicht einsehbar.
Ob da italienische Truppen von den Bergen herum nicht schon beim Anmarsch unter Feuer gekommen wären, ist zumindest möglich.
Weiter ist zu bedenken, dass die dortige Bevölkerung deutschsprachige Walser waren und sind, welche selbst familäre Beziehungen ins Goms hatten. Zudem gab es Partisanen, beide Gruppen hätten die Schweizer Seite mit Sicherheit rechtzeitig bei italienischen Truppenkonzentrationen gewarnt.

Dass die Schweiz die Weiterführung der Strasse ablehnten, zeigt doch, dass man sich der Gefahr bewusst war. Die CIWL-Wagen dort oben, hatten mit Kriegsvorbereitungen nichts zu tun. Im Gegenteil, sollen sie den italienischen Organen ein Dorn im Auge gewesen sein,
was auch zur möglicherweise nur partiellen Zerstörung der Wagen führte. Die Berichte dazu gehen ja total auseinander und der Schweizer, der dort noch in den 50er-Jahren etwas getrunken haben sollte, war ja ein Kenner des Gebietes. Dies lässt sich alles nicht mehr eruieren, Zeugen sind verstorben.

Leo hat schon recht, die Wagen kommen alles paar Jahre wieder in der Presse, neue Erkenntisse gibt es kaum, nur Spekulationen!
Auch ich werde dauernd alle paar Jahre darnach gefragt. Die Einzigen, welche militärisch mehr wissen könnten, wären wohl italienische Armee-Archive.
Klar, dass man sich in der Schweiz Sorgen machte, so nah an die Gotthardfestung kam man nur am Passo San Giacomo! Nur - die Strassensituation in der Gegend waren rudimentär und ein schnelles Vorrücken fragwürdig. Möglicherweise schreckte dies das italienische Armeekomando davon ab, zumal ein Unterbruch des Nord-Süd-Verkehrs Italien wohl geschadet hätte.

Mit Sicherheit wird das Ganze in ein paar Jahren wieder ein historisches Wiederholungsthema sein.

Urs

Re: Danke! Man lernt hier immer etwas dazu!

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 18.12.20 01:51

Die Sperranlagen auf Schweizer Seite am Passo San Giacomo wurden erst 1935 errichtet, 5 Jahr nach dem Restaurant und 6 Jahre nach der Straße. Das war eindeutig eine Reaktion auf den Bau der Straße. Und die Schweizer waren so schlau diese Stellungen nur mit einer Seilbahn zu erschießen, denn die lässt sich im Falle eines Rückzugs einfach zerstören und schaffte dadurch kein Einfallstor für die Italiener.

Frage

geschrieben von: Le Mistral

Datum: 18.12.20 07:17

Urs Nötzli schrieb:
Grüezi

man schaue sich mals die Karten der Region an. Der Fischsee, in dessen Tal die Strasse liegt, ist praktisch rund herum von Schweizer Teritorium umschlossen. Auf dem Passo San Giacomo gab es eine Schweizer Garnison, erschlossen durch Seilbahnen. . . .

Eine Luftseilbahn ist hier verzeichnet, etwa 500m von dem langgezogenen Kasernenbau entfernt. Die Seilbahn ist die schwarze nahezu senkrechte Linie im 1.Quadranten.
link
Schaltet man um auf Bildansicht, ist sie weg, die Talstation ist weg, die Bergstation noch da.

Gibt es für diese Darstellung eine Erklärung?



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:12:18:07:24:21.

Re: Frage

geschrieben von: EC315Agram

Datum: 18.12.20 10:20

Le Mistral schrieb:
Eine Luftseilbahn ist hier verzeichnet, etwa 500m von dem langgezogenen Kasernenbau entfernt. Die Seilbahn ist die schwarze nahezu senkrechte Linie im 1.Quadranten.
link
Schaltet man um auf Bildansicht, ist sie weg, die Talstation ist weg, die Bergstation noch da.

Gibt es für diese Darstellung eine Erklärung?
Die Talstation ist schon noch da, allerdings am Luftbild schwer auszumachen durch das begrünte Dach und die ins Gelände integrierte Bauform.

Gut zu sehen auf Google Street View:
[goo.gl]

(ich hoffe der direkte Link auf das Bild funktioniert)

Re: Danke! Man lernt hier immer etwas dazu!

geschrieben von: Pogg 3000

Datum: 18.12.20 12:09

Urs Nötzli schrieb:
... zumal ein Unterbruch des Nord-Süd-Verkehrs Italien wohl geschadet hätte.

Mit Sicherheit wird das Ganze in ein paar Jahren wieder ein historisches Wiederholungsthema sein.

Urs
Hallo zusammen,

das ist ein intressanter Ansatz. Frei nach dem Motto: "Entweder Ihr lasst unsere Züge passieren oder wir zerstören Euere Bahn..."

Schöne Grüße, Thomas

Hinweis

geschrieben von: Seku

Datum: 18.12.20 17:38

Im Heft 69 der "Eisenbahn-Geschichte" der DGEG erschien dieser Artikel: "Wagristoratore - Ein Hochgebirgs-Restaurant in CIWL-Wagen" mit Bildern

Re: Hinweis

geschrieben von: Le Mistral

Datum: 18.12.20 18:43

Das Heft habe ich leider nicht.

Suche ich im Internet, erscheint zu dem genannten Heft alles mögliche von in epischer Breite einer 64er bis zu Piko und DGEG Bauchnabelbetrachtung, aber nichts zu WaggonLits im Hochgebirge.

Re: Hinweis

geschrieben von: Chapelon claque

Datum: 18.12.20 18:47

DGEG, Heft 69
Schau mal hier:
[dgeg.de]

Re: Danke! Man lernt hier immer etwas dazu!

geschrieben von: 2019

Datum: 18.12.20 21:13

Hallo zusammen,

Untenstehender Link macht klar, was das schweizerische Militär an Vorkehrungen gegen einen Angriff vom Passo di Giacomo traf. Leicht wäre es für die Italiener nicht geworden.

Auch für die Schweiz war es nicht einfach, alles Material musste mit Maultieren transportiert werden. Die Seilbahnen wurden erst 1948 erstellt. Und das Klima im Gotthardgebiet ist äusserst harsch.

[www.raonline.ch]

Gruss Peter
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