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[AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: chnookie

Datum: 14.10.20 16:00

Der neue ÖBB Rahmenplan für die Infrastrukturinvestitionen ist heute (endlich) veröffentlicht worden:
[www.bmk.gv.at]

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: Avala

Datum: 14.10.20 16:40

Nicht nur veröffentlicht, auch beschlossen wurde er heute durch den Ministerrat. Und es war ein langer Weg...

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: no-night

Datum: 15.10.20 19:28

Hoffentlich heißt die Elektrifizierung WN-Loipersbach auch die Weiterführung der Drahten bis Sopron... leider wird darüber jenseits der Grenze nicht gesprochen, aber vielleicht nun...



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.10.20 19:29.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: Avala

Datum: 15.10.20 19:57

Zitat
Hoffentlich heißt die Elektrifizierung WN-Loipersbach auch die Weiterführung der Drahten bis Sopron... leider wird darüber jenseits der Grenze nicht gesprochen, aber vielleicht nun...
Der Raaberbahn ist das Projekt bekannt und es wird keinesfalls nur bis zur Grenze elektrifiziert.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: 38815

Datum: 15.10.20 22:48

chnookie schrieb:
Der neue ÖBB Rahmenplan für die Infrastrukturinvestitionen ist heute (endlich) veröffentlicht worden:
[www.bmk.gv.at]
Zitat
Ebenso ist vorgesehen, eine vollständige Elektrifizierung aller heimischen Bahnstrecken bis zum Jahr 2035 zu erreichen.
Oh je, ich rieche schon die nächste Welle von Stilllegungen.


Besorgte Grüße

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: HSB Tw 44

Datum: 15.10.20 23:53

Ich würde ja gerne Gutes hoffen, aber die Realität in Österreich ist leider in diesem Bereich auch nicht besser als in Deutschland. Eher umgekehrt: echte Reaktivierungen sind in .at leider Fehlanzeige, das Gegebteil ist der Fall.
Und auch Versuche mit Akkus oder anderen Technologien täuschen nicht darüber hinweg, dass man lieber einstellt oder nichts macht, als diese neuen Konzepte auszuprobieren.

Mögliche Ideen hatten wir hier vor ein paar Monaten hier ja schonmal. Passieren wird lwiser nichts. Die tatsächliche Politik sieht - absichtlich überspitzt - mit der Koralmbahn nach einem großen Österreich-FV-Ring mit gnädig gewährten Zweigen aus, weniger nach einem System mit echten Ästen, hinter denen Konzepte stehen.

Westlich Hollabrunn werden seit Jahren Millionen verbaggert für eine einzige Ortsugehung (inkl. zweimaliger Verlegung der Staatsstraße), während Reaktivierungen, für die kein Stundentakt, sondern 4 gezielte Züge am Tag ausreichend wären, völlig ignoriert werden.

--

Edit: Nota bene: man schafft es ja nichtmal, die Wiener S7 auf einen 15-Minuten-Takt zu bringen, weil man Dummheit in Beton gegossen und den Rest des Geldes im VAT versenkt hat.

---
Die EU-Bildungsminister: Lesen gefährdet die Dummheit




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.10.20 23:56.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: Avala

Datum: 16.10.20 07:52

Zitat:
Zitat:
Ebenso ist vorgesehen, eine vollständige Elektrifizierung aller heimischen Bahnstrecken bis zum Jahr 2035 zu erreichen.
Oh je, ich rieche schon die nächste Welle von Stilllegungen.

Besorgte Grüße

Das ist eine Verkürzung, die dort steht; gemeint ist eine vollständige Dekarbonisierung. Das muss nicht unbedingt infrastrukturseitig sein.

PS: Weiter unten auf der Seite steht es eh im Detail.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.10.20 07:58.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: Avala

Datum: 16.10.20 07:57

HSB Tw 44 schrieb:
Westlich Hollabrunn werden seit Jahren Millionen verbaggert für eine einzige Ortsugehung (inkl. zweimaliger Verlegung der Staatsstraße), während Reaktivierungen, für die kein Stundentakt, sondern 4 gezielte Züge am Tag ausreichend wären, völlig ignoriert werden.

Und welche wären das? Mit den 3-4 "gezielten" Verbindungen hat man jahrelang Nebenbahnen betrieben, mit den bekannten Folgen. Es fährt, wer unbedingt fahren muss und das wars. Wenn man Strecken zukunftsfit betrieben will, muss dort das Angebot passen. Und alles unter einem Stundentakt hat langfristig keine Zukunft. Schließlich kostet der Betrieb und die Instandhaltung von Schieneninfrastrukturviel Geld und das wird man für ein Alibiangebot nicht (mehr) zahlen.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: HSB Tw 44

Datum: 16.10.20 13:26

Es ist richtig, daß ein Stundentakt oft das Minimum für einen attraktiven Grundtakt ist – aber eben nicht immer. Wenn man nördlich/westlich von Hollabrunn schaut, hat man z. B. Retz – Drosendorf (über diese und andere Strecken hatten wir an anderen Stelle schonmal gesprochen).
Die Dörfer entlang der Strecke haben eins gemeinsam: sie haben eine hohe Zahl an Menschen, die in Wien arbeiten. Viele fahren mehrmals in der Woche mit dem Auto und haben nur eine kleine Wohnung in Wien. Mit dem Zug tun es nur sehr wenige (es gibt aber welche!), denn man muß erst umständlich mit dem Bus nach Retz oder, wo das von der Entfernung geht, an die FJB fahren und dort umsteigen bzw. umgekehrt. Gerade abends umgekehrt heißen dann aber auch oft, dem Bus hinterherzuschauen und zu warten oder sich gleich abholen zu lassen.

Aber zurück zum Takt: Aus diesen Orten fahren morgens Schüler an die Schulen und Menschen zum Arbeiten nach Retz oder weiter nach Wien. Mittags kommen Schüler zurück, abends die Wien-Pendler. Dazwischen würde auch im Stundentakt kaum Jemand mitfahren, einfach weil keiner mehr da ist. Das ist ein klassisches Beispiel dafür, daß ein Stundentakt nicht immer die beste Lösung sein muß. Hier würde man nur heiße Luft fahren. Besser wäre es, morgens gezielt 2 oder 3 Fahrten nach Bedarf zu machen, mittags abgestimmt auf die Schulen und abends auf die Rückkehrer aus Wien, so ca. ab. 16:00 bis 19:00 stündlich von dort, dann 21:00 und 23:00. Und das Ganze ohne Umsteigen in Retz sondern mit Flügeln; hier könnten Akku-Triebwagen (Cityjet Eco) ihre Stärken ausspielen.
Genau mit so einer Anpassung aber wären die Kosten überschaubar, da nur überschaubare Anpassungen an der Infrastruktur nötig sind, hauptsächlich Bahnsteige (BÜ sind hier an vielen Stellen schon wieder eingerichtet, z. B. Langau). Mit einem Stundentakt müßte man gleich an die LST ran und mehr Kreuzungsmöglichkeiten schaffen, auch um den langsam wieder aufkommenden Güterverkehr nicht zu gefährden – und dann wird es richtig teuer, obwohl man kaum zusätzlichen Nutzen hat.

---
Die EU-Bildungsminister: Lesen gefährdet die Dummheit

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 16.10.20 14:24

Eisenbahninfrastruktur ist teuer, sowohl im Bau als auch im Betrieb, die muss ausgelastet werden. Das was du hier beschreibst war das Todesstoßangebot zahlreicher Nebenbahnen in Deutschland. Beim besten Willen, da fährt man dann wirklich besser ein Busangebot im Takt.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.10.20 08:42.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: HSB Tw 44

Datum: 16.10.20 15:07

Die Infrastruktur hier ist aber für den Saisionverkehr bereits vorhanden, BÜs wurden gerade erst für diesen und den GV gebaut. Es wären also eben keine exorbitanten Kosten, sondern es würden vorhandene Kosten auf mehr Trassen verteilt. Mit Stundentakt muß man LST ausbauen, vielleicht örtlich besetzten etc. Ohne geht es betrieblich einfacher, ohne daß mehr Personal benötigt wird.

Ich habe nichts gegen Stundentakt und finde ihn oft notwendig. Aber das ist eben nicht immer die Lösung und hier wäre er kontraproduktiv, teuer und würde heiße Luft transportieren. Mit ein paar Bussen aber, die eine Stunde herumjuckeln und einem vor der Nase wegfahren, erreichst Du nichts, sondern muß eben Umgehungsstraßen ausbauen. Auch nicht billiger.

Aus Prinzip auf Stundentakt bestehen, wo der gar nicht nötig ist, das ist der Todesstoß für Nebenbahnen. Hat man ja auch bei Korbach – Frankenberg – Marburg gesehen: Mit Stundentakt wären die Kosten so hoch gewesen, daß man gar nichts hätte machen können. Wem wäre mit sowas gedient?
Ich bleibe dabei: Taktverkehr aus Ideologie oder Prinzipienreiterei bringt nichts, wenn man Leute vom Auto wegbekommen möchte und es dennoch finanzierbar halten will.

--

Edit:

Nebenbei: der Todesstoß für Nebenbahnen wurde oft aber künstlich und absichtlich herbeigeführt, indem man nämlich eben Luxussanierungen plante und vorrechnete, wo diese gar nicht nötig waren und man dann eben sagen konnte: „das ist zu teuer“ und diese dann, weil man es sowieso wollte, einstellen konnte. Hier hat man nämlich eben gerade nicht nach passenden Lösungen gesucht, die oft billiger gewesen wären und damit die Strecke hätten retten können. Die Bundesbahn wollte das aber einfach nicht.

---
Die EU-Bildungsminister: Lesen gefährdet die Dummheit




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.10.20 15:10.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: kami

Datum: 16.10.20 16:39

MrEnglish schrieb:
Das was du hier beschreibst war das Todesstoßangebot zahlreicher Nebenbahnen in Deutschland.
Bevor mit dem Finger auf andere gezeigt wird: Das war in AT nicht anders. Egal ob Einzelstrecke oder Netz. Bei letzteren war's oft nur ein Infrastrukturnetz und kein Verkehrsnetz. Sprich: Anschlüsse/Übergänge zwischen den Strecken eher (un)glücklicher Zufall.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: 38815

Datum: 16.10.20 17:04

MrEnglish schrieb:
Eisenbahninfrastruktur ist teuer, sowohl im Bau als auch im Betrieb, die muss ausgelastet werden. Das was du hier beschreibst war das Todesstoßangebot zahlreicher Nebenbahnen in Deutschland.
Hör auf den Sachverhalt zu verblenden. Wir sprechen davon, in Betrieb befindliche Strecken stillzulegen. Wie viele Züge könnte man auf der Strecke Kötschach-Villach bestellen mit dem Geld, das die Elektrifizierung des Teils bis Hermagor gekostet hat?

Zitat
Beim besten Will, da fährt man dann wirklich besser ein Busnagebot im Takt.
Damit fährt niemand, der nicht muss und erst recht nicht mit Reisegepäck.
Aber soll man in Österreich nur so weiter machen, dann gibt es im EU-Bahnland-Nr. 1 irgendwann nur noch Hauptstrecken.

Gruß

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 17.10.20 08:45

38815 schrieb:
Zitat
Zitat:
Beim besten Will, da fährt man dann wirklich besser ein Busnagebot im Takt.
Damit fährt niemand, der nicht muss und erst recht nicht mit Reisegepäck.
Aber soll man in Österreich nur so weiter machen, dann gibt es im EU-Bahnland-Nr. 1 irgendwann nur noch Hauptstrecken.
Und wer bitte fährt mit vier Zugpaaren am Tag? Auch nur der der muss.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: 38815

Datum: 17.10.20 13:18

MrEnglish schrieb:
38815 schrieb:
Zitat
Zitat:
Beim besten Will, da fährt man dann wirklich besser ein Busnagebot im Takt.
Damit fährt niemand, der nicht muss und erst recht nicht mit Reisegepäck.
Aber soll man in Österreich nur so weiter machen, dann gibt es im EU-Bahnland-Nr. 1 irgendwann nur noch Hauptstrecken.
Und wer bitte fährt mit vier Zugpaaren am Tag? Auch nur der der muss.
Mit vier Zugpaaren können immerhin Leute fahren, die Reisegepäck mit sich tragen. Das ist bei einem normalen Linienbus unmöglich.
Und offensichtlich ist in Österreich ja Geld da. Man stecke dieses Geld ins Angebot auf einer Strecke, die bereits besteht, dann hätte man 8 oder 16 Paare oder hielte zumindest den Betrieb aufrecht.
In der Realität ist man dafür zu geizig, legt die Strecke still und elektrifiziert für noch viel mehr Geld einen kleinen Teilabschnitt, um einem schwachsinnigen 100%-Elektrisch-Ziel näher zu kommen.

Und ich finde es erschreckend, dass jemand, der für den SPNV tätig ist, solche Ansichten teilt.

Gruß

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 17.10.20 17:09

Komisch, muss ich mir wohl eingebildet haben wenn ich mit Schigepäck Linienbusgefahren bin. Und wahrscheinlich hab ich mir auch eingebildet, dass ich absichtlich 1,5 h Umsteigezeit vom Bus zum einmal am Tag fahrenden Zug eingeplant habe weil mir ein verpasster Anschluss riesen Umstände gemacht hat (nichts mit nächster Zug eine Stunde später). Ich werde wohl langsam alt.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: HSB Tw 44

Datum: 17.10.20 18:04

Vielleicht ist es Dir beim Lesen durchgerutscht, deshalb will ich es nochmal herausstreichen: Es geht um eine im Saisonverkehr in Betrieb befindliche Strecke, bei der ein extrem starker Berufsverkehr auf Wien ausgerichtet ist. D. h. daß morgens ein Potential von gut 800 bis 1.000 Fahrgästen Richtung Retz/Wien vorhanden ist. Mittags dann Schüler zurück, abends Berufspendler.
Dazwischen wirst Du auch in einem Stundentakt niemanden transportieren, schlicht, weil niemand zum Transportieren da ist: Die sind auf der Arbeit oder in der Schule. Ein Stundentakt würde hier viel Geld kosten, ohne einen Zusatznutzen zu bieten, im Extremfall sogar, ohne einen einzigen Fahrgast zusätzlich zu transportieren.

Der Bedarf zwischen den Orten ist praktisch nicht existent und den wird auch immer das Auto abdecken. Aber die Orte entlang der Strecke haben bei 300 Einwohner 180 Leute, die zur Arbeit nach Wien pendeln, was jetzt mit dem Auto geschieht. Und für die meisten wäre ein solches gezieltes Angebot genau des Richtige: Man braucht zwar nur gut 1:00–1:15 Stunde bis an den Rand von Wien, aber dann wird es im Berufsverkehr grauslich und je nach Ziel kann der Rest nochmal 30–45 Minuten dauern. Wenn man diese Leute dann mit dem Zug in 1:30 oder 1:45 in die Innenstadt bringen kann, ist das eine sehr attraktive Sache (insbesondere, wenn dann nächstes Jahr wirklich das 1-2-3-Ticket kommen sollte).

---
Die EU-Bildungsminister: Lesen gefährdet die Dummheit

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: HSB Tw 44

Datum: 17.10.20 18:06

Aber als Berufspendler planst Du nicht über eine Stunde Umstieg jeden Tag ein, weil der Zug mit 3 Minuten Verspätung ankommt und Du nur noch die Rücklichter vom Bus siehst. Dann läßt Du Dich ein-, vielleicht zweimal abholen und fährst dann mit dem Auto.

---
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Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 17.10.20 18:16

HSB Tw 44 schrieb:
Aber als Berufspendler planst Du nicht über eine Stunde Umstieg jeden Tag ein, weil der Zug mit 3 Minuten Verspätung ankommt und Du nur noch die Rücklichter vom Bus siehst. Dann läßt Du Dich ein-, vielleicht zweimal abholen und fährst dann mit dem Auto.
Ganz genau, deswegen benötigt es Taktverkehre.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 17.10.20 18:22

HSB Tw 44 schrieb:
Vielleicht ist es Dir beim Lesen durchgerutscht, deshalb will ich es nochmal herausstreichen: Es geht um eine im Saisonverkehr in Betrieb befindliche Strecke, bei der ein extrem starker Berufsverkehr auf Wien ausgerichtet ist. D. h. daß morgens ein Potential von gut 800 bis 1.000 Fahrgästen Richtung Retz/Wien vorhanden ist. Mittags dann Schüler zurück, abends Berufspendler.
Dazwischen wirst Du auch in einem Stundentakt niemanden transportieren, schlicht, weil niemand zum Transportieren da ist: Die sind auf der Arbeit oder in der Schule. Ein Stundentakt würde hier viel Geld kosten, ohne einen Zusatznutzen zu bieten, im Extremfall sogar, ohne einen einzigen Fahrgast zusätzlich zu transportieren.

Der Bedarf zwischen den Orten ist praktisch nicht existent und den wird auch immer das Auto abdecken. Aber die Orte entlang der Strecke haben bei 300 Einwohner 180 Leute, die zur Arbeit nach Wien pendeln, was jetzt mit dem Auto geschieht. Und für die meisten wäre ein solches gezieltes Angebot genau des Richtige: Man braucht zwar nur gut 1:00–1:15 Stunde bis an den Rand von Wien, aber dann wird es im Berufsverkehr grauslich und je nach Ziel kann der Rest nochmal 30–45 Minuten dauern. Wenn man diese Leute dann mit dem Zug in 1:30 oder 1:45 in die Innenstadt bringen kann, ist das eine sehr attraktive Sache (insbesondere, wenn dann nächstes Jahr wirklich das 1-2-3-Ticket kommen sollte).
Das was du da beschreibst kann man vielleicht anbieten wenn man gezielt einen Großbetrieb im Schichtbetrieb anbindet. So fährt die S-Bahn Rhein-Neckar gezielt zu den Schichtzeiten Pendlerzüge direkt in die größte Chemifabrik der Welt. Als Anbindung einer Großstadt mit vielen verschiedenen Arbeitgebern und einem sicher nicht unerheblichen Anteil Pendler die keine fixen Schichtzeiten haben taugt das nicht. Mal noch etwas länger Arbeiten um ein dringendes Thema zu Ende zu bringen? Einen späten, oder sehr frühen Termin wahrnehmen? Nach der Arbeit noch mit den Kollegen was trinken gehen? Oder einfach nur Teilzeit arbeiten? Alles praktisch unmöglich wenn ich nur die Wahl zwischen zwei Zügen am Nachmittag habe um wieder heim zu kommen.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: Signalschruber

Datum: 17.10.20 18:38

Zitat
Und ich finde es erschreckend, dass jemand, der für den SPNV tätig ist, solche Ansichten teilt.
Ich finde es erschreckend, dass einige Eisenbahnfreunde immer noch nicht begriffen haben, dass ein Angebot mit wenigen Zügen zur Hauptverkehrszeit, in denen sich dann nur alle sammeln, die keine andere Wahl haben, keine Zukunft hat. Fragen danach, wie man mit so einem Angebot Rollmaterial und Personal wirtschaftlich auslasten soll, werden dabei einfach ausgeblendet. Genauso denken diese Personen nicht darüber nach, wie mit den geringen Trasseneinnahmen, die Betriebskosten der Infrastruktur gedeckt werden sollen und der langfristige Erhalt durch laufende Instandhaltungsmaßnahmen gesichert werden soll.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.10.20 18:39.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: def

Datum: 17.10.20 23:07

@MrEnglish und Signalschruber:

Mit Verlaub, ihr scheint noch nicht mal ansatzweise eine Idee von der Strecke und der Region zu haben, die HSB Tw 44 beschreibt. Also, nochmal zum Mitmeißeln:

- Wir reden hier nicht von einer Bahnlinie im suburbanen Raum, sondern von einer Gegend, die 50 km von Wien entfernt liegt. Dementsprechend lange dauert die Fahrt nach Wien, weshalb es eben nicht so ist, dass einige um 6 und andere um 11 anfangen zu arbeiten. Und wenn man eh 11-12 Stunden unterwegs ist, wird sich vielleicht auch die Lust in Grenzen halten, abends noch mit den Kollegen einen trinken zu gehen. Man kann also einen Großteil der Pendelnden mit einigen Fahrten am Morgen und einigen am Nachmittag und frühen Abend abgreifen (zu diesen Zeiten kann es ja gern einen Taktverkehr geben). Wer soll denn zwischendurch da groß mitfahren? Drosendorf-Zissendorf, Endpunkt der Strecke, hat 1.200 Einwohnende, der Bezirk Horn (in dem Drosendorf-Zissendorf liegt) 39 EW/km² (der benachbarte Bezirk Hollabrunn, durch den die Bahnstrecke auch verläuft, immerhin 50). Und für diejenigen, die doch etwas später zurückkommen, kann es ja ergänzend ein Rufbussystem geben.

- Nun könnte man in Frage stellen, ob es hier überhaupt Bahnverkehr braucht - und sicher käme niemand auf die Idee, die Lokalbahn Retz - Drosendorf heute neu zu errichten. Nun ist die Strecke allerdings vorhanden und wird für saisonalen Ausflugsverkehr ("Reblausexpress") und Güterverkehr auch betriebsbereit vorgehalten und gepflegt (@Signalschruber: vielleicht verstehst Du diesen Teil nun in Fettschreibung, nachdem dieser Sachverhalt bereits zweimal genannt wurde?). Was also spricht dagegen, die vorhandene Infrastruktur zu den Zeiten, zu denen ein gewisser Bedarf besteht, auch zu nutzen? Zumal, wenn der Cityjet Eco sich bewährt und man so direkte Fahrten aus Wien anbieten kann (ohne Fahrzeuge samt Personal in Retz vorhalten zu müssen)?

Ja, ihr habt ja recht, dass bei den allermeister Strecken ein Taktverkehr vonnöten ist, und natürlich ist er auch für Fahrgäste am attraktivsten. Aber hier reden wir nun einmal von einer der wenigen Strecken, die vielleicht nicht ins 08/15-Schema passen. Im konkreten Fall könnte die Forderung nach einem Stundentakt sogar kontraproduktiv sein.

Es ist schon erstaunlich, dass sich die "Klartext"-Fraktion immer am meisten aufregt, wenn man Rassisten "Rassisten" nennt. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Mut zur Wahrheit!




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.10.20 23:29.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: chnookie

Datum: 18.10.20 20:53

38815 schrieb:
Zitat:
Ebenso ist vorgesehen, eine vollständige Elektrifizierung aller heimischen Bahnstrecken bis zum Jahr 2035 zu erreichen.
Oh je, ich rieche schon die nächste Welle von Stilllegungen.
Neben den im Rahmenplan explizit genannten Strecken (über 500km) gibt es noch einen Posten für eine Phase 2 der pi mal Daumen für weitere rund 320km reicht.

Bleiben mE als Wackelkandidaten (abgesehen von reinen GV Strecken) folgende Strecken:
Bad Fischau-Brunn - Wöllersdorf – Gutenstein
Leobersdorf – Weißenbach-Neuhaus
Spielfeld-Straß – Bad Radkersburg
Attnang-Puchheim – Schärding

Und ggf. natürlich die Reststrecken die aktuell nicht zur Elektrifizierung vorgesehen sind:
Sattledt – Grünau im Almtal
Kleinzell – Aigen-Schlägl

Insbesondere Attnang-Puchheim – Schärding dürfte mit Batteriezügen (mit aktueller Technik) kaum wirtschaftlich zu betreiben sein.

Re: [AT] ÖBB Rahmenplan 2021-2026

geschrieben von: Meyer-schlom

Datum: 18.10.20 23:55

Signalschruber schrieb:
Zitat
Und ich finde es erschreckend, dass jemand, der für den SPNV tätig ist, solche Ansichten teilt.
Ich finde es erschreckend, dass einige Eisenbahnfreunde immer noch nicht begriffen haben, dass ein Angebot mit wenigen Zügen zur Hauptverkehrszeit, in denen sich dann nur alle sammeln, die keine andere Wahl haben, keine Zukunft hat. Fragen danach, wie man mit so einem Angebot Rollmaterial und Personal wirtschaftlich auslasten soll, werden dabei einfach ausgeblendet. Genauso denken diese Personen nicht darüber nach, wie mit den geringen Trasseneinnahmen, die Betriebskosten der Infrastruktur gedeckt werden sollen und der langfristige Erhalt durch laufende Instandhaltungsmaßnahmen gesichert werden soll.
Ich verstehe deine Zweifel und bei den meisten Strecken werde ich dir mit mindestens Zwei-Stunden Takt im Idealfall Stundentakt Recht geben. Aber Retz - Drossendorf, bei aller Liebe wirklich ein Stundentakt. Da könnten die zusätzlichen Züge ein Zuckerl für die NÖVOG sein, dass sie Geld verdienen und die Strecke wird ja wegen dem Reblaus-Express und dem GV sowieso erhalten bleiben. Unter diesen Umständen, warum macht es keinen Sinn, hier den Verkehr auf die Schüler bzw. Lastrichtung auszurichten. In Retz koppelt man einen REX aus Znojmo dran und macht eine attraktive Durchbindung nach Wien. Fordern hier ja immer alle so viele, nach dem Motto, umsteigen macht eine Verbindung unattraktiv. Es gibt Strecken, die passen halt nicht ins Schema F.

Nachfrage zu Marchegger Ostbahn

geschrieben von: ChrisM

Datum: Gestern, 08:49:25

Hallo zusammen,


verstehe ich dieses Dokument [www.bmk.gv.at] richtig, dass mit dem neuen Plan auch der vollständige zweigleisige Ausbau des Marchegger Asts kommt?