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EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: DerSteuermann

Datum: 17.07.20 21:19

Hallo zusammen,
Bahnfahren könnte so schön sein - wenn das Tarifsystem nicht wäre... Nachfolgend geschilderte Begebenheit möchte ich Euch nicht vorenthalten.
Am vergangenen Mittwoch entschloss ich mich, meinen Anfang März gebuchten und unverschämt günstigen EU Super-Sparpreis einzulösen und mich ins schöne Wien zu begeben. Dazu hatte ich [www.bahn.de] studiert, wo explizit vermerkt ist, dass die Corona-Kulanz auch im internationalen Verkehr gilt und die Zugbindung bis maximal 31. Oktober aufgehoben ist. Auch sonst war ich bestens vorbereitet, d. h. das zum Handy-Ticket gehörige PDF ausgedruckt und die Mitte April ausgelaufene BahnCard eingesteckt. Erste Kontrolle auf dem Weg nach Salzburg verlief weitestgehend komplikationslos, bei der Fahrkartenkontrolle wurde allerdings auch die aktuelle BahnCard kontrolliert. Aber man ist ja gut ausgestattet.
Im RailJet zeigte das Gerätchen dann erwartungsgemäß an, dass das Ticket ungültig sei. Es war ja auch ursprünglich für Ende März gebucht, das ist ja schon ein Weilchen her. Mit Hinweis auf den bereits von der DB verpassten Stempel aufs Online-Ticket durfte ich aber dennoch weiterfahren.
Im schönen Wien hatte ich schon die Ahnung, dass die Strategie des Hinwegs auf dem Rückweg - ebenfalls mit EU Super-Sparpreis - so nicht funktionieren könnte und begab mich in Wien an den ÖBB-Schalter. Der Herr dort meinte aber, ich dürfe auch mit dem Rückfahr-Ticket (separat gebucht) fahren, die Kulanz-Regelung der DB gelte.
Also eingestiegen und siehe da, der ÖBB-Kollege im Zug hatte von der Kulanz-Regelung noch nie gehört und auch die DB-Homepage noch nie gesehen (bei der ÖBB gibt es ja immerhin WLAN... ;-)). Interessierte ihn allerdings auch nicht. Natürlich zeigte das Prüfgerät erwartungsgemäß ein ungültiges Ticket, denn auch bei der Buchung war die Rückfahrt für Ende März vorgesehen. Also für den etwa 5-fachen Preis des EU Super-Sparpreises ein Ticket aufgedrängt bekommen und zähneknirschend bezahlt. Nach dem Umstieg in Salzburg befanden die Kollegen der DB das Ticket dann erwartungsgemäß sehr wohl für gültig... (Übrigens wollten auch die die aktuelle BahnCard sehen - obwohl unter o. g. Link nur die zum Zeitpunkt der gebuchten Fahrt gültige BahnCard genannt wird.)
Also daheim angekommen gleich zum Schalter und die Geschichte erzählt. Die geht jetzt zum DB-Kundendialog und wird in den nächsten Wochen bearbeitet.
So schön die Fahrt also auch war, in Erinnerung bleibt, dass man für einen Schwarzfahrer gehalten wurde und jetzt seinem Geld hinterherrennen darf. Schade, liebe DB und ÖBB - das trübt die Freude doch gewaltig... Wie schön wäre es, wenn die Bahnverwaltungen miteinander reden würden! Und wenn man sich auf die Angaben der Bahn-Homepage verlassen könnte. Noch besser wäre es, man hätte ein Tarifsystem ohne Schikanen, mit dem man zu einem günstigen, aber angemessenen Preis ohne Verdacht der Schwarzfahrt befördert würde. Man darf ja wohl noch ein bisschen träumen... ;-)
Gruß, Der Steuermann



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.07.20 21:24.

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: Cer

Datum: 17.07.20 23:52

Ich denke du kannst dich auf die DB Infos verlassen und wirst das Geld anstandslos zurück bekommen.

Natürlich ist die europäische Vernetzung ausbau- und verbesserungswürdig, keine Frage.

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: didikong

Datum: 18.07.20 01:08

Immerhin konntest Du fahren.

Eine Freundin von mir hatte für insgesamt acht Personen bereits im Dezember zwei Super-Sparpreise Schweiz für die Eishockey-WM Mitte Mai in Lausanne gebucht. Die WM fiel verständlicher Weise aus, und die Grenze Deutschland-Schweiz war am Tag der geplanten Reise für internationalen Touristenverkehr nach wie vor geschlossen - auch der gebuchte Zug fuhr nur bis Basel Bad anstatt nach Basel SBB, wo Anschluss an einen innerschweizer Zug bestanden hätte. Die Bahn selber gab Ende April bereits eine "Umbuchung" von einer direkten Verbindung Hamburg - Basel SBB/Basel SBB - Lausanne auf eine Verbindung mit mehrmaligem Umsteigen bekannt, was allein schon zu einer Stornierung der Reise hätte führen dürfen (zumindest die Zugbindung würde ja in diesem Falle aufgehoben werden).

Da die Reise nach dem 4. Mai stattfinden sollte, weigert sich die Bahn standhaft, das Ticket zu erstatten - man könne ja bis Oktober die Reise antreten. Schwachsinn, weil der Grund der Reise eben im Mai lag.

Das Interessante ist allerdings, dass der besagte Zug, mit dem die acht Leute hätten fahren sollen, laut DB-Auskunft auch tatsächlich nur bis Basel Bad fuhr. Lt. DB-Auskunft hätte man von Basel Bad mit der Straßenbahn(!) nach Basel SBB fahren sollen. Eine Garantie dafür, dass acht Hamburger auf dem Weg zur Freizeitbeschäftigung nach Lausanne mit der Straßenbahn hätten die Grenze überqueren dürfen/können, gab die Bahn natürlich nicht - und das interessiert die auch nicht. Mit anderen Worten weigert sich die Bahn, das Super Sparpreis Ticket für eine gebuchte Verbindung, die so definitiv NICHT möglich gewesen wäre, zu erstatten. Selbst wenn die Leute am 15. Mai gefahren wären, sie wären spätestens an der Grenze gestrandet. Welch ein Schwachsinn, es sind also nicht nur die Auslandbahnen, auch innerhalb der DB herrscht Unfähigkeit hoch fünf.

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: JumpUp

Datum: 18.07.20 09:48

Hast du es über die Fahrgastrechte eingereicht? Da müsste dir nach der Regelung "Verspätung am Zielort größer einer Stunde, deshalb Fahrt nicht angetreten" der vollständige Ticketpreis erstattet werden.

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: DerSteuermann

Datum: 18.07.20 12:09

Nein, das geht an den Kundendialog. Ich will auch nur die ÖBB-Fahrkarte wieder erstattet haben. Die DB-Fahrkarte habe ich ja auch benutzt und der QR-Code wurde ja auch gescannt. Das passt schon soweit, zumal der EU-Super-Sparpreis wirklich sehr günstig war. Wenn man halt so viel Aufhebens darum macht, verdient die Bahn sicher nichts mehr daran. Deshalb verstehe ich das Geschäftsmodell nicht...
Gruß, Der Steuermann

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 18.07.20 12:27

didikong schrieb:
Das Interessante ist allerdings, dass der besagte Zug, mit dem die acht Leute hätten fahren sollen, laut DB-Auskunft auch tatsächlich nur bis Basel Bad fuhr. Lt. DB-Auskunft hätte man von Basel Bad mit der Straßenbahn(!) nach Basel SBB fahren sollen. Eine Garantie dafür, dass acht Hamburger auf dem Weg zur Freizeitbeschäftigung nach Lausanne mit der Straßenbahn hätten die Grenze überqueren dürfen/können, gab die Bahn natürlich nicht - und das interessiert die auch nicht.

Ersatzverkehr mit der Straßenbahn zwischen den beiden Baseler Fernbahnhöfen kommt öfter mal vor, vor allem bei geplanten Ausfällen (bei ungeplanten wird eher auf die S-Bahn verwiesen, es kommt immer wieder mal zu vorzeitigem Wenden in Basel Bad Bf). Die Anerkennung der Fahrscheine in der Straßenbahn ist in solchen Fällen geregelt. Der Grenzübertritt erfolgt dabei nicht in der Straßenbahn (die ist Schweizer Binnenverkehr), sondern im Badischen Bahnhof (der Bahnsteigbereich ist deutsches Zollgebiet, alles andere Schweizer Zollgebiet). Anfang Mai wäre der Grenzübertritt gescheitert, Mitte Mai wäre er je nach Datum zwar illegal gewesen, mangels Kontrollen wäre er aber nicht verhindert worden.

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: D 2027

Datum: 18.07.20 12:35

DerSteuermann schrieb:
Nein, das geht an den Kundendialog. Ich will auch nur die ÖBB-Fahrkarte wieder erstattet haben. Die DB-Fahrkarte habe ich ja auch benutzt und der QR-Code wurde ja auch gescannt.

Guten Morgen,

nur mal so am Rande: beim Scannen des QR-Codes auf der Hinfahrt müsste doch angezeigt werden, dass die Fahrkarte schon auf dem Hinweg nach Wien zwar "ungültig" im technischen Sinne war, aber zur Fahrt verwendet wurde. Nun habe ich keine Ahnung was der Schaffner für Informationen auf seinem Terminal hat, aber das wäre doch eine Möglichkeit gewesen damit auch auf die Gültigkeit der Rückfahrt zu pochen.

Weiss vielleicht jemand, wie die Anzeige bei den zwar abgelaufenen, aber im Sinne der Kulanzregelungen gültigen Online-Tickets für den Zugbegleiter aussieht? Kann der erkennen, dass die Fahrkarte schon vorher genutzt wurde? Das Problem dürfte sich ja vmtl. noch öfters bei reisefreudigen Usern (nicht nur im Ausland) und unkundigem Zugpersonal stellen... ich habe auch noch einen SSP nach Westerland vom 13.03.2020 rumliegen :-(((

Gruss
Erik

P.S. Die Frage zum Servicecenter FGR bezog sich auf die Gruppenfahrt nach Lausanne. Hier wäre in der Tat die Einreichung über Fahrgastrechte die bessere Variante gewesen, da ist die Sache nämlich ganz eindeutig, weil der Zug nicht gefahren ist.

Der Tod eines einzelnen Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik!

(Karl Lauterbach, Maskenstalinist)

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: X73900

Datum: 18.07.20 14:11

didikong schrieb:
Das Interessante ist allerdings, dass der besagte Zug, mit dem die acht Leute hätten fahren sollen, laut DB-Auskunft auch tatsächlich nur bis Basel Bad fuhr. Lt. DB-Auskunft hätte man von Basel Bad mit der Straßenbahn(!) nach Basel SBB fahren sollen. Eine Garantie dafür, dass acht Hamburger auf dem Weg zur Freizeitbeschäftigung nach Lausanne mit der Straßenbahn hätten die Grenze überqueren dürfen/können, gab die Bahn natürlich nicht - und das interessiert die auch nicht. Mit anderen Worten weigert sich die Bahn, das Super Sparpreis Ticket für eine gebuchte Verbindung, die so definitiv NICHT möglich gewesen wäre, zu erstatten. Selbst wenn die Leute am 15. Mai gefahren wären, sie wären spätestens an der Grenze gestrandet.
D 2027 schrieb:
Zitat:
P.S. Die Frage zum Servicecenter FGR bezog sich auf die Gruppenfahrt nach Lausanne. Hier wäre in der Tat die Einreichung über Fahrgastrechte die bessere Variante gewesen, da ist die Sache nämlich ganz eindeutig, weil der Zug nicht gefahren ist.

Ja, wenn gar kein Zug fuhr (keine Ahnung, wie da die Straßenbahn zu bewerten ist) oder die Ankunft am Zielort entsprechend verspätet gewesen wäre.

Anzumerken ist aber noch, dass die Möglichkeit der Einreiseverweigerung durch die Grenzpolizei nach geltender Rechtslage und gemäß den Beförderungsbestimmungen keinen Anspruch auf eine kostenfreie Stornierung der Fahrkarte begründet. Kulanz des Beförderungsunternehmens wäre da natürlich zu wünschen, aber grundsätzlich geht das Risiko der Einreiseverweigerung mit dem Fahrgast heim, nicht nur bei der Bahn, sondern auch bei Flügen, Fährüberfahrten usw.

Gruß
X73900

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 18.07.20 21:10

X73900 schrieb:
Ja, wenn gar kein Zug fuhr (keine Ahnung, wie da die Straßenbahn zu bewerten ist)

Die Straßenbahn ist ein Ersatzverkehrsmittel, das bei geplanten Zugausfällen auch mit Festlegung auf eine konkrete Fahrt in die Verbindung eingebaut wird. Die Übergangszeiten sind auch realistisch angesetzt (unter Normalbedingungen, nicht bei coronabedingter Grenzschließung), so dass das faktisch nichts anderes ist als der Verweis auf einen Ersatzzug. Die Fahrzeitverlängerung hält sich in Grenzen, die Straßenbahn hat durch Vermeiden der Innenstadt recht brauchbare Fahrzeiten, und die meiste Zeit geht bei den Übergängen verloren. Man ist auch nicht an die genannte Ersatzfahrt gebunden, man kann jede Fahrt der Linie 2 benutzen.

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: rvdborgt

Datum: 18.07.20 22:18

didikong schrieb:
Eine Freundin von mir hatte für insgesamt acht Personen bereits im Dezember zwei Super-Sparpreise Schweiz für die Eishockey-WM Mitte Mai in Lausanne gebucht. Die WM fiel verständlicher Weise aus, und die Grenze Deutschland-Schweiz war am Tag der geplanten Reise für internationalen Touristenverkehr nach wie vor geschlossen - auch der gebuchte Zug fuhr nur bis Basel Bad anstatt nach Basel SBB, wo Anschluss an einen innerschweizer Zug bestanden hätte. Die Bahn selber gab Ende April bereits eine "Umbuchung" von einer direkten Verbindung Hamburg - Basel SBB/Basel SBB - Lausanne auf eine Verbindung mit mehrmaligem Umsteigen bekannt, was allein schon zu einer Stornierung der Reise hätte führen dürfen (zumindest die Zugbindung würde ja in diesem Falle aufgehoben werden).

Da die Reise nach dem 4. Mai stattfinden sollte, weigert sich die Bahn standhaft, das Ticket zu erstatten - man könne ja bis Oktober die Reise antreten. Schwachsinn, weil der Grund der Reise eben im Mai lag.
Die entscheidende Frage ist: war die zu erwartende Verspätung am Zielort größer als eine Stunde? Wenn ja, dann einfach Beschwerde beim EBA einreichen, weil die Fahrkarte dann auf Grund von Verordnung 1371/2007 erstattet werden muss. Sonst würde ich einen Schlichtungsantrag bei der söp stellen.

Gruß,
Rian

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: Kralle

Datum: 18.07.20 22:50

Hallo,

hat jemand schon Erfahrung mit der Kulanzregelung in Tschechien oder der Slowakei gemacht? Habe hier noch 2 Fahrkarten von Mai rumliegen, die ich im August nutzen möchte.
Gerade im Schlafwagen wären endlose Diskussionen in der Nacht nicht gerade toll.

Meine Reiseberichte findet ihr in Zukunft auch hier:

[www.facebook.com]

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: didikong

Datum: 19.07.20 01:04

Ich könnte es ja verstehen, wenn man während der Corona-Hochphase im April ein Ticket für den Mai gekauft hätte, dass einem dann bewusst gewesen sein müsste, dass die Einreise verweigert werden könnte.

Da das Ticket jedoch bereits im Dezember gekauft wurde, war an Corona und Grenzschließungen EU-Schweiz nicht im Entferntesten zu denken. Und offiziell waren die Grenzen noch bis Ende Mai geschlossen, also definitiv am Tag der Reise (weshalb die DB selbst keinen einzigen Zug zwischen Deutschland und der Schweiz anbieten konnte). Es kann doch nicht sein, dass man tatsächlich bis an die Grenze fahren müsste, von wo aus die Bahn (oder deren Partnerunternehmen) einen nicht weiterbefördern kann, um dann die Heimreise anzutreten und das Ticket wegen nicht erbrachter Leistung einzureichen.

Da das Ticket un aufgrund der "Kulanz" bis Oktober gültig ist, könnte man sich dann theoretisch einen Zug aussuchen, der ausfällt? Z.B. regelmäßig schauen, ob morgens ein Zug von Hamburg nach Basel ausfällt und sagen, man hätte diesen Zug nehmen wollen, der fiel jedoch aus, wodurch sich die Fahrzeit dementsprechend verlängert hätte?

Schon bei einem Ersatzzug einer niedrigeren Produktklasse oder eines daraus resultierenden wahrscheinlichen Anschlussverlustes ist ja beispielsweise die Zugbindung bereits ab dem Abgangsbahnhof aufgehoben; wenn ich aller voraussicht nach mein Ziel wesentlich verspätet erreichen werde, darf ich - auch unterwegs - die Fahrt komplett abbrechen und bekomme das Geld erstattet.

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: Löschzug

Datum: 19.07.20 06:57

Bei solchen herabwürdigen Diskussionen immer versuchen das der ZUB seinen Teamleiter oder sonst jemanden kontaktiert, es kann kann ja nicht sein das man als Kunde so verprellt wird, da steigt mir die galle hoch wenn ich sowas höre.

In Ö auch passiert: Damals recht frisch das man im Heimatland auch Interrail Berechtigung hat (Fahrt bis zur Grenze frei), das wollte Genosse ZUB nicht wissen, ich hab da rauf bestanden das er das gefälligst abklärt, es hat etwa 2h gebraucht bis er zähneknirschend zu mir kam und es eingesehen hat. den Hinweis wieder mal TarifKenntnisaufzufrischen könnte ich mir nicht verkneifen .
didikong schrieb:
Ich könnte es ja verstehen, wenn man während der Corona-Hochphase im April ein Ticket für den Mai gekauft hätte, dass einem dann bewusst gewesen sein müsste, dass die Einreise verweigert werden könnte.

Da das Ticket jedoch bereits im Dezember gekauft wurde, war an Corona und Grenzschließungen EU-Schweiz nicht im Entferntesten zu denken. Und offiziell waren die Grenzen noch bis Ende Mai geschlossen, also definitiv am Tag der Reise (weshalb die DB selbst keinen einzigen Zug zwischen Deutschland und der Schweiz anbieten konnte). Es kann doch nicht sein, dass man tatsächlich bis an die Grenze fahren müsste, von wo aus die Bahn (oder deren Partnerunternehmen) einen nicht weiterbefördern kann, um dann die Heimreise anzutreten und das Ticket wegen nicht erbrachter Leistung einzureichen.
Ich finde auch, dass die DB hier die Fahrkarte aus Kulanz erstatten sollte. Bei der SNCF in Frankreich ist es nach wie vor so, dass alle Fernverkehrsfahrkarten wegen Corona jederzeit kostenfrei storniert werden können.

Zur formalrechtlichen Frage muss man zwischen Zugangebot und Grenzregime unterscheiden.

Die DB ist auch während der Corona-Krise durchgehend in die Schweiz gefahren (Basel Badischer Bahnhof liegt in der Schweiz). Und ab Basel war auch durchgehend die Weiterbeförderung nach Lausanne sichergestellt. Dass man in Basel zwischen den zwei Bahnhöfen die Straßenbahn nehmen musste, war natürlich etwas umständlich, in anderen Städten (Paris, London, Prag, Budapest...) gibt es so etwas aber auch. Früher, als noch alle RE/RB in Basel im Badischen Bahnhof endeten, war es auch in Basel durchaus üblich, vom Badischen Bahnhof mit der 2 bis SBB weiter zu fahren, um in SBB wieder den Zug zu nehmen. Grundsätzlich gab es also auch während der Krise durchgehend ein Beförderungsangebot von Hamburg nach Lausanne.

Was die Grenze betrifft, war sie ja nie vollständig geschlossen. Schweizer konnten immer einreisen, ebenso Deutsche und sonstige Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz. Ebenso waren berufsbedingte Einreisen möglich. Ob man einreisen kann, kam also auf die Papiere und die Situation an. Ein Schweizer mit Wohnsitz in Hamburg z.B., der Bekannte in Lausanne besuchen will, hätte jederzeit einreisen können, ebenso ein Deutscher, der beruflich in der Schweiz zu tun hat. Wenn einem die Einreise verweigert wird, ist das - rechtlich gesehen - kein Problem des Verkehrsunternehmens, das seine Beförderungsleistung ja angeboten hat, sondern des Fahrgasts.

Dies nur, um den Sachverhalt mal etwas zu sortieren. Wie schon oben geschrieben, richtig fände ich, wenn die DB hier, analog zur SNCF, auf Grund der unerwarteten Sondersituation kulant wäre.

Gruß
X73900

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: Polarfuchs

Datum: 19.07.20 12:37

Ich finde, diese "Kulanzregelung" an sich ist eine Frechheit. In meiner Familie gab es einen Fall, bei der ein bei der DB gebuchtes Ticket von Österreich nach Berlin wegen des deutschen Einreiseverbots nicht verwendet werden konnte (!), und die DB meint allen Ernstes, man kann ja bis Oktober fahren und das man da so kulant sei. Es gibt allerdings keinen Grund mehr, jetzt dieses Ticket zu verwenden, das heißt das Geld ist weg, da sich die DB weigert, das Ticket zumindest als Gutschein zu erstatten. Es geht nicht einmal darum, dass die Reise nicht angetreten werden wollte, sondern es war schlicht und ergreifend nicht erlaubt.

Jede Fluglinie hatte kulantere Umbuchungsoptionen, und das will schon etwas heißen.

Meine persönliche Konsequenz aus dieser Erfahrung ist, dass ich vorerst für Reisen nach oder durch Deutschland von Buchungen über die DB absehen werde, denn wer weiß, wie sich die Lage in den nächsten Wochen/Monaten entwickelt. Ich wäre nicht überrascht, wenn die Reisefreiheit wieder mehr eingeschränkt wird - und die Erfahraung zeigt, dass DB-Tickets dann wertlos werden können ...

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: D 2027

Datum: 19.07.20 12:54

Polarfuchs schrieb:
Ich finde, diese "Kulanzregelung" an sich ist eine Frechheit. In meiner Familie gab es einen Fall, bei der ein bei der DB gebuchtes Ticket von Österreich nach Berlin wegen des deutschen Einreiseverbots nicht verwendet werden konnte (!), und die DB meint allen Ernstes, man kann ja bis Oktober fahren und das man da so kulant sei. Es gibt allerdings keinen Grund mehr, jetzt dieses Ticket zu verwenden, das heißt das Geld ist weg, da sich die DB weigert, das Ticket zumindest als Gutschein zu erstatten. Es geht nicht einmal darum, dass die Reise nicht angetreten werden wollte, sondern es war schlicht und ergreifend nicht erlaubt.

Jede Fluglinie hatte kulantere Umbuchungsoptionen, und das will schon etwas heißen.

Hallo,

jetzt muss ich aber doch mal ausnahmsweise die DB in Schutz nehmen. Die Kulanzbedingungen fand ich vorbildlich und man kann es beim besten Willen nicht dem Beförderer anlasten, dass der Reisende die Grenze nicht überqueren kann. Wenn der Zug gefahren ist, liegt das Erfüllen der Grenzübertrittsbedingungen ausschließlich beim Reisenden und nicht beim Beförderer; der hat nämlich nicht die Grenzschließungen veranlasst (das war ein Horst S. aus I.) und ist auch nicht für die Einhaltung der Paßgesetze durch den Reisenden verantwortlich. Das ist allgemeine Praxis, auch in der Luftfahrt und das Angebot der DB die Reise später durchzuführen ist mehr als nur großzügig! Einen rechtlichen Anspruch auf Rückerstattung in diesem Fall gibt es nämlich nicht.

Anders sieht es aus, wenn der Zug wegen Grenzschließungen - wie in unserem Fall nach Lausanne - nicht gefahren ist. Hier greifen die gesetzlichen Fahrgastrechte und die DB hat in solchen Fällen das Geld anstandlos und prompt ausgezahlt. Ein Feld übrigens, bei dem sich die Airlines nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben; man google einmal "Rückerstattungen Luftfahrt Corona" und freue sich über das Geschäftsgebahren der DB. Ja, es gab Fehler wo versehentlich Gutscheine ausgestellt wurden, aber auf die Reklamation kam immer sofort das Geld... hatte selbst drei solcher Fälle.

Gruss
Erik

der auch fürchtet, dass die europäische Reisefreiheit spätestens im September wieder beendet wird

Der Tod eines einzelnen Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik!

(Karl Lauterbach, Maskenstalinist)




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.07.20 12:54.
X73900 schrieb:
Die DB ist auch während der Corona-Krise durchgehend in die Schweiz gefahren (Basel Badischer Bahnhof liegt in der Schweiz).

Das ist so nicht ganz richtig. Der Badische Bahnhof liegt zwar in der Schweiz, der Bahnsteigbereich samt Zugangstunnel ist aber deutsches Zollgebiet und auch grenzkontrolltechnisch Deutschland. Die DB liefert die Kunden am Badischen Bahnhof noch im deutschen Zollgebiet ab, von dem aus die Schweiz nur durch Grenzkontrolle erreicht wird. Der Staatsvertrag formuliert es zwar anders, faktisch läuft es einvernehmlicherweise aber so ab. Dank staatsvertraglicher Regelung kann die deutsche Kontrolle auch im Bahnhof erfolgen.

Im Normalfall gibt es daneben noch die Nutzung des Badischen Bahnhofs für den Schweizer Binnenverkehr Basel - Riehen, diese wurde aber komplett unterbunden, indem in Riehen und Riehen Niederholz durchgefahren wurde. Vom Südtunnel, der grenzkontrolltechnisch so etwa den Status eines Wanderwegs hat, bestand in dieser Zeit kein Zugang zu den Bahnsteigen. Der Bahnsteigbereich war ohne Einreise nach Deutschland nicht zugänglich, wohingegen Personen mit Aufenthalt in Deutschland sich problemlos im Bahnsteigbereich aufhalten konnten.

Somit trifft die Aussage, die DB wäre in die Schweiz gefahren, die damalige Realität nur sehr bedingt.

X73900 schrieb:
Und ab Basel war auch durchgehend die Weiterbeförderung nach Lausanne sichergestellt. Dass man in Basel zwischen den zwei Bahnhöfen die Straßenbahn nehmen musste, war natürlich etwas umständlich, in anderen Städten (Paris, London, Prag, Budapest...) gibt es so etwas aber auch. Früher, als noch alle RE/RB in Basel im Badischen Bahnhof endeten, war es auch in Basel durchaus üblich, vom Badischen Bahnhof mit der 2 bis SBB weiter zu fahren, um in SBB wieder den Zug zu nehmen. Grundsätzlich gab es also auch während der Krise durchgehend ein Beförderungsangebot von Hamburg nach Lausanne.

Der Vergleich mit anderen Städten hinkt ganz gewaltig, weil hier ein durchgehender Zug gebucht wurde. Die Straßenbahn ist auch tariflich nicht eingebunden und wird nur bei geplanten Zugausfällen für Bahnfahrscheine freigegeben, auch bei ungeplanten Ausfällen besteht da kein Automatismus.

X73900 schrieb:
Was die Grenze betrifft, war sie ja nie vollständig geschlossen. Schweizer konnten immer einreisen, ebenso Deutsche und sonstige Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz. Ebenso waren berufsbedingte Einreisen möglich. Ob man einreisen kann, kam also auf die Papiere und die Situation an. Ein Schweizer mit Wohnsitz in Hamburg z.B., der Bekannte in Lausanne besuchen will, hätte jederzeit einreisen können, ebenso ein Deutscher, der beruflich in der Schweiz zu tun hat.

Ganz grob stimmt das, nur letzteres nicht so ganz, denn ganz gewöhnliche Dienstreisen waren nicht erlaubt, das hätte einer Genehmigung bedurft. Lediglich Grenzgänger mit Ausweis wurden immer akzeptiert.

Umgekehrt war es übrigens schwieriger, denn Anfang Mai durften Deutsche mit Wohnsitz in der Schweiz zwar noch nach Deutschland einreisen, mussten aber in Quarantäne, weil die Schweiz als Risikogebiet eingestuft wurde.

X73900 schrieb:
Wenn einem die Einreise verweigert wird, ist das - rechtlich gesehen - kein Problem des Verkehrsunternehmens, das seine Beförderungsleistung ja angeboten hat, sondern des Fahrgasts.

Auch das ist grundsätzlich zutreffend.
kaufhalle schrieb:
X73900 schrieb:
Die DB ist auch während der Corona-Krise durchgehend in die Schweiz gefahren (Basel Badischer Bahnhof liegt in der Schweiz).
Das ist so nicht ganz richtig. Der Badische Bahnhof liegt zwar in der Schweiz, der Bahnsteigbereich samt Zugangstunnel ist aber deutsches Zollgebiet und auch grenzkontrolltechnisch Deutschland. Die DB liefert die Kunden am Badischen Bahnhof noch im deutschen Zollgebiet ab, von dem aus die Schweiz nur durch Grenzkontrolle erreicht wird.
Das ändert aber nichts daran, dass der Bahnhof in der Schweiz auf Basler Stadtgebiet liegt und auch geeignet ist, die Stadt Basel und mit Umsteigen die übrige Schweiz zu erreichen.

Daraus, dass die Grenzkontrollen üblicherweise beim Verlassen des Bahnhofs erfolgen, abzuleiten, dass der Bahnhof "grenzkontrolltechnisch Deutschland" ist, finde ich etwas fragwürdig. Bei den durchgehenden ICE/EC Deutschland - Schweiz erfolgt die Zollkontrolle und früher auch die Passkontrolle üblicherweise bereits im fahrenden Zug zwischen Freiburg und Basel Bad Bf. Daraus würde ich aber nicht ableiten, dass die Bahnstrecke zwischen, sagen wir mal, Bad Krozingen und Basel Bad Bf bereits "grenzkontrolltechnisch und zolltechnisch Schweiz" ist.

Dass der Bahnsteigbereich in Basel Bad Bf deutsches Zollgebiet ist, möchte ich bezweifeln. Wenn auf den Bahnsteigen etwas verkauft wird (ich meine, gab es da nicht Verkaufsautomaten?), glaube ich nicht, dass die Ware dem EU-Zollregime unterliegt. Es ist lediglich so, dass ein zollfreier Transit durch Basel Bad Bf von und nach Deutschland möglich ist.

Letzlich ist die Situation ähnlich wie an vielen Flughäfen, wo ein Transit ohne Pass- und Zollkontrolle möglich ist, was aber nichts daran ändert, in welchem Land der Flughafen liegt.

kaufhalle schrieb:
Zitat:
X73900 schrieb:
Dass man in Basel zwischen den zwei Bahnhöfen die Straßenbahn nehmen musste, war natürlich etwas umständlich, in anderen Städten (Paris, London, Prag, Budapest...) gibt es so etwas aber auch.
Ob die Straßenbahn im konkreten Fall tariflich integriert war, weiß ich nicht, daher hatte ich ja weiter oben schon geschrieben, dass ich nicht weiß, wie sie im Hinblick auf die Frage des Zugausfalls zu bewerten ist.

Ob der Vergleich hinkt, weiß ich nicht. In Frankreich kann ich auch durchgehende Fahrkarten über Paris buchen und muss dann auf eigene Kosten die Metro zwischen den Bahnhöfen nehmen (oder zu Fuß gehen). In London war es, wenn ich mich richtig erinnere, früher so, dass bei durchgehend gebuchten Fahrkarten über London mit der Zugfahrkarte die U-Bahn genutzt werden konnte. Es kann aber sein, dass das vor einigen Jahren abgeschafft wurde und man die U-Bahn jetzt getrennt zahlen muss.

Gruß
X73900



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.07.20 13:32.
X73900 schrieb:
Das ändert aber nichts daran, dass der Bahnhof in der Schweiz auf Basler Stadtgebiet liegt und auch geeignet ist, die Stadt Basel und mit Umsteigen die übrige Schweiz zu erreichen.

Das ist hier aber nicht die Frage. Eine Einreise in die Schweiz erfolgt mit dem Zug nicht, die ist erst Bahnhof. Nicht umsonst befindet sich der Grenübergang dort und heißt auch so und nicht "Bahnstrecke nahe Weil-Otterbach".

X73900 schrieb:
Daraus, dass die Grenzkontrollen üblicherweise beim Verlassen des Bahnhofs erfolgen, abzuleiten, dass der Bahnhof "grenzkontrolltechnisch Deutschland" ist, finde ich etwas fragwürdig. Bei den durchgehenden ICE/EC Deutschland - Schweiz erfolgt die Zollkontrolle und früher auch die Passkontrolle üblicherweise bereits im fahrenden Zug zwischen Freiburg und Basel Bad Bf. Daraus würde ich aber nicht ableiten, dass die Bahnstrecke zwischen, sagen wir mal, Bad Krozingen und Basel Bad Bf bereits "grenzkontrolltechnisch und zolltechnisch Schweiz" ist.

Das ist lediglich eine Hinterlandkontrolle. Schließlich findet ja auch nur die deutsche Kontrolle dort statt.

X73900 schrieb:
Dass der Bahnsteigbereich in Basel Bad Bf deutsches Zollgebiet ist, möchte ich bezweifeln. Wenn auf den Bahnsteigen etwas verkauft wird (ich meine, gab es da nicht Verkaufsautomaten?), glaube ich nicht, dass die Ware dem EU-Zollregime unterliegt. Es ist lediglich so, dass ein zollfreier Transit durch Basel Bad Bf von und nach Deutschland möglich ist.

Letzlich ist die Situation ähnlich wie an vielen Flughäfen, wo ein Transit ohne Pass- und Zollkontrolle möglich ist, was aber nichts daran ändert, in welchem Land der Flughafen liegt.

Die sind ja auch Zollausland, und man reist in das betreffende Land nicht ein. Wer z. B. von Freiburg nach Rheinfelden über Basel Bad Bf fährt, verlässt zoll- und grenzkontrolltechnisch Deutschland nicht.

Wenn Du das nicht glaubst, hättest Du während der Grenzsperre ja mal versuchen können, am Badischen Bahnhof auf den Bahnsteig zu kommen, z. B. mit der Begründung "Das ist Schweiz, und ich bin Schweizer, und ich will da jetzt hin."

X73900 schrieb:
Ob die Straßenbahn im konkreten Fall tariflich integriert war, weiß ich nicht, daher hatte ich ja weiter oben schon geschrieben, dass ich nicht weiß, wie sie im Hinblick auf die Frage des Zugausfalls zu bewerten ist.

Ich hab doch nun schon mehrmals erklärt, dass die Straßenbahnen zwischen Basel Bad Bf und Bahnhof SBB bei geplanten Ausfällen, bei denen ein Verweis darauf erfolgt, für Bahnfahrkarten freigegeben werden.

X73900 schrieb:
Der Vergleich mit anderen Städten hinkt aber keineswegs. In Frankreich kann ich auch durchgehende Fahrkarten über Paris buchen und muss dann auf eigene Kosten die Metro zwischen den Bahnhöfen nehmen (oder zu Fuß gehen). In London war es, wenn ich mich richtig erinnere, früher so, dass bei durchgehend gebuchten Fahrkarten über London mit der Zugfahrkarte die U-Bahn genutzt werden konnte. Es kann aber sein, dass das vor einigen Jahren abgeschafft wurde und man die U-Bahn jetzt getrennt zahlen muss.

Der Vergleich ist schon deshalb absurd, weil im konkreten Fall ein DB-Zug bis Basel SBB Vertragsgegenstand war.
kaufhalle schrieb:
X73900 schrieb:
Zitat:
Bei den durchgehenden ICE/EC Deutschland - Schweiz erfolgt die Zollkontrolle und früher auch die Passkontrolle üblicherweise bereits im fahrenden Zug zwischen Freiburg und Basel Bad Bf.
Das ist lediglich eine Hinterlandkontrolle. Schließlich findet ja auch nur die deutsche Kontrolle dort statt.
Nein, auch die Schweizer Einreisekontrolle findet in den über Basel Bad Bf hinausfahrenden Fernverkehrszügen bereits ab Freiburg statt. Das war schon immer so und ist auch noch heute bei der Zollkontrolle so (eine Passkontrolle gibt es heute ja normalerweise nicht mehr).

Es gibt auch irgend einen Staatsvertrag, wo geregelt ist, dass die Schweizer schon ab Freiburg kontrollieren dürfen, und wie es gehandhabt wird, wenn sie dort, also auf deutschem Boden, z.B. jemand festnehmen wollen.

kaufhalle schrieb:
Zitat:
Der Vergleich ist schon deshalb absurd, weil im konkreten Fall ein DB-Zug bis Basel SBB Vertragsgegenstand war.
Nach der ICE-Entgleisung auf der Verbindungsbahn vor einiger Zeit wurde mal diskutiert, wer eigentlich bei den ICE zwischen Basel Bad Bf und Basel SBB EVU ist. Ich meine, Ergebnis war, dass es die SBB ist...

Ich räume aber gerne ein, dass die Situation so speziell ist, dass jede Vergleichssituation immer etwas anders sein wird.

Mir ist übrigens noch eine Fallkonstellation eingefallen, die durchaus ähnlich ist. Seit Corona ist nämlich der durchgehende morgendliche TGV Straßburg-Bordeaux gestrichen (auch jetzt noch). Fahrgäste mit Fahrkarten für diesen Zug wurden auf die Umsteigeverbindung über Paris verwiesen, mit erforderlichem Bahnhofswechsel auf eigene Kosten.

Kurios ist dabei, dass die Umsteigeverbindung über Paris trotz des Bahnhofswechsels schneller ist als der Direktzug. Ähnlich wie beim Basler Fall würde sich also auch hier die Frage stellen, ob die erforderliche Metronutzung berechtigt, Fahrgastrechte geltend zu machen und kostenfrei zu stornieren.

Die Frage ist aber natürlich nur theoretisch, da die SNCF ja ohnehin kostenfreie Stornierung akzeptiert.

Gruß
X73900

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: X73900

Datum: 19.07.20 14:30

D 2027 schrieb:
Wenn der Zug gefahren ist, liegt das Erfüllen der Grenzübertrittsbedingungen ausschließlich beim Reisenden und nicht beim Beförderer; der hat nämlich nicht die Grenzschließungen veranlasst (das war ein Horst S. aus I.) und ist auch nicht für die Einhaltung der Paßgesetze durch den Reisenden verantwortlich.
Im konkreten Fall war streng genommen noch nicht mal Horst S. Schuld, sondern die Schweizer Behörden. Nicht mehr möglich war ja die Einreise in die Schweiz. Aus Sicht der deutschen Behörden hätte der Reise formal nichts entgegengestanden, allenfalls wäre nach der Rückkehr eine 14-tägige Quarantäne fällig gewesen (bei Aufenthalt im Ausland länger als 72 Stunden - so war jedenfalls die Regelung in Baden-Württemberg).

Gruß
X73900



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.07.20 14:31.
X73900 schrieb:
kaufhalle schrieb:
X73900 schrieb:
Zitat:
Bei den durchgehenden ICE/EC Deutschland - Schweiz erfolgt die Zollkontrolle und früher auch die Passkontrolle üblicherweise bereits im fahrenden Zug zwischen Freiburg und Basel Bad Bf.
Das ist lediglich eine Hinterlandkontrolle. Schließlich findet ja auch nur die deutsche Kontrolle dort statt.
Nein, auch die Schweizer Einreisekontrolle findet in den über Basel Bad Bf hinausfahrenden Fernverkehrszügen bereits ab Freiburg statt. Das war schon immer so und ist auch noch heute bei der Zollkontrolle so (eine Passkontrolle gibt es heute ja normalerweise nicht mehr).

Es gibt auch irgend einen Staatsvertrag, wo geregelt ist, dass die Schweizer schon ab Freiburg kontrollieren dürfen, und wie es gehandhabt wird, wenn sie dort, also auf deutschem Boden, z.B. jemand festnehmen wollen.
Auch andernorts finden und fanden teils Zollkontrollen auf weiter weg liegenden Abschnitten statt. Gab es früher nicht auch solche zwischen Tuttlingen und Singen? Ohne dass Singen nun deswegen zolltechnisch in der Schweiz läge.
Davon abgesehen, wie will man eine Zollkontrolle eines ganzen ICEs auf der kurzen Fahrt vom Bad Bf nach SBB machen? Entweder man rückt mit 50 Mann an, der Zug macht eine längere Standpause oder eben man muss schon deutlich vor/nach der Grenze kontrollieren um zeitlich durch den Zug zu kommen.

Gruss

Florian
X73900 schrieb:
Nein, auch die Schweizer Einreisekontrolle findet in den über Basel Bad Bf hinausfahrenden Fernverkehrszügen bereits ab Freiburg statt. Das war schon immer so und ist auch noch heute bei der Zollkontrolle so (eine Passkontrolle gibt es heute ja normalerweise nicht mehr).

Und was will der Zoll da kontrollieren? Basel Bad Bf ist vollwertiger Grenzübergang mit Warenabfertigung. Wenn jemand was anzumelden hat, muss er das im Badischen Bahnhof machen und dafür die Fahrt unterbrechen (nein, im Zug geht es nicht). Und Personenkontrollen sind witzlos, weil man zwar in diesem Fall eie Pflicht zum Mitführen eines Ausweises annehmen kann, aber die Schweiz die Weiterfahrt im deutschen Zollraum in Richtung Grenzach oder Lörrach gar nicht verbieten kann.

X73900 schrieb:
Es gibt auch irgend einen Staatsvertrag, wo geregelt ist, dass die Schweizer schon ab Freiburg kontrollieren dürfen, und wie es gehandhabt wird, wenn sie dort, also auf deutschem Boden, z.B. jemand festnehmen wollen.

Die dürfen auf deutschem Boden genauso viel wie die äthiopische Grenzwache oder jeder Zivilist, nämlich Straftäter bis zum Eintreffen befugter Organe festhalten. Festnehmen dürfen sie niemanden. Wär ja noch schöner ...

X73900 schrieb:
Nach der ICE-Entgleisung auf der Verbindungsbahn vor einiger Zeit wurde mal diskutiert, wer eigentlich bei den ICE zwischen Basel Bad Bf und Basel SBB EVU ist. Ich meine, Ergebnis war, dass es die SBB ist...

Ja sicher. Aber was tut das hier zur Sache?

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: Polarfuchs

Datum: 19.07.20 16:59

D 2027 schrieb:
jetzt muss ich aber doch mal ausnahmsweise die DB in Schutz nehmen. Die Kulanzbedingungen fand ich vorbildlich und man kann es beim besten Willen nicht dem Beförderer anlasten, dass der Reisende die Grenze nicht überqueren kann. Wenn der Zug gefahren ist, liegt das Erfüllen der Grenzübertrittsbedingungen ausschließlich beim Reisenden und nicht beim Beförderer; der hat nämlich nicht die Grenzschließungen veranlasst (das war ein Horst S. aus I.) und ist auch nicht für die Einhaltung der Paßgesetze durch den Reisenden verantwortlich. Das ist allgemeine Praxis, auch in der Luftfahrt und das Angebot der DB die Reise später durchzuführen ist mehr als nur großzügig! Einen rechtlichen Anspruch auf Rückerstattung in diesem Fall gibt es nämlich nicht.

Anders sieht es aus, wenn der Zug wegen Grenzschließungen - wie in unserem Fall nach Lausanne - nicht gefahren ist. Hier greifen die gesetzlichen Fahrgastrechte und die DB hat in solchen Fällen das Geld anstandlos und prompt ausgezahlt. Ein Feld übrigens, bei dem sich die Airlines nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben; man google einmal "Rückerstattungen Luftfahrt Corona" und freue sich über das Geschäftsgebahren der DB. Ja, es gab Fehler wo versehentlich Gutscheine ausgestellt wurden, aber auf die Reklamation kam immer sofort das Geld... hatte selbst drei solcher Fälle.

Gruss
Erik

der auch fürchtet, dass die europäische Reisefreiheit spätestens im September wieder beendet wird
Da bin ich komplett anderer Meinung. Es geht hier nicht um alltägliche Einreisebedingungen, die sich ändern, und für deren Erfüllung natürlich der Fahrgast verantwortlich ist. Wir reden von einer monatelangen Grenzschließung innerhalb der EU, innerhalb des Schengen-Gebiets, das es so in der Form in der EU noch nie gegeben hat. Hier dem Fahrgast zu sagen: "Naja, Pech für dich, du kannst ja irgendwann sonst mal fahren, wenn/falls die Grenzen wieder offen sind" halte ich für ziemlich mies. Ich erwarte keine Erstattung, aber die Möglichkeit einer Umbuchung. Die ÖBB haben internationale Spraschiene-Tickets anstandlos erstattet (!), die DSB haben zuggebundende nicht-stornierbare Tickets in dieser Zeit ohne Probleme erstattet - egal, ob der Zug fuhr oder nicht (das sind beiden anderen für mich relevanten Bahngesellschaften, deswegen der Vergleich mit denen). Das ich rechtlich einen Anspruch auf Erstattung durch die DB habe, behaupte ich nicht, sonst würde ich gegen das Verhalten der DB rechtlich vorgehen. Ich hätte mir aber erwaret, das Ticket zumindest in einen Gutschein umwandeln zu lassen. Meine Konsequenz ist daher: Keine Buchung mit der DB mehr. Die ÖBB und DB haben gezeigt, wie vertrauensbildende und tatsächlich kulantes Verhalten aussehen kann.

Ja, die meisten Fluggesellschaften haben mit ihrem Verhalten bei Flugstreichungen in den letzten Monaten definitiv keinen positiven Eindruck hinterlassen. So sehr ich das Problem für die Fluglinien (keine Einnahmen, jedoch Milliarden an Rückerstattungen auszubezahlen) nachvollziehen kann, ist das aus Kundensicht trotzdem inakzeptabel, und ich vermute, dass einige daraus auch die Konsequenz ziehen werden (ich zumindest tue es), dass sie dieses Risiko beim künftigen Planen von Reisen berücksichtigen werden. Die Fluglinien haben aber zumindest begriffen, dass man den Kunden in der aktuellen Zeit Flexibilität geben muss, damit sie zurückkommen, und bieten zum Teil an, dass selbst die günstigsten Tickets umgebucht werden können (unabhängig davon, ob der Flug storniert wird oder nicht). Ich weiß also, dass ich zumindest den Ticketwert nicht verliere (auch wenn bei einer Flugstreichung die Erstattung rechtswiedrig nicht genehmigt werden sollte oder ewig dauert). Die DB hingegen bietet Supersparpreise an, die im Falle von Grenzschließungen vermutlich wieder wertlos werden, wenn ich nicht irgendwann später auf genauer der gleichen Strecken fahren möchte, oder das Ticket verfällt komplett, wenn ich die Reise nicht mehr antreten möchte (zB aufgrund eines plötzlich erhöhten Risikos an meinem Ziel).
Florian Ziese schrieb:
Gab es früher nicht auch solche zwischen Tuttlingen und Singen?

Gemäß Staatsvertrag dürfen die Schweizer auf deutschem Boden bis und ab Singen und Freiburg kontrollieren, die Deutschen auf Schweizer Boden bis und ab Schaffhausen und Basel SBB. Ab Tuttlingen dürfen die Schweizer also nicht kontrollieren. Die Deutschen können die Kontrolle natürlich auf Deutschem Boden beginnen, wo sie wollen, also auch schon in Tuttlingen oder noch früher.

[www.admin.ch]

Gruß
X73900
kaufhalle schrieb:
Und was will der Zoll da kontrollieren? Basel Bad Bf ist vollwertiger Grenzübergang mit Warenabfertigung. Wenn jemand was anzumelden hat, muss er das im Badischen Bahnhof machen und dafür die Fahrt unterbrechen (nein, im Zug geht es nicht).
Naja, der Zoll kontrolliert, was er immer so kontrolliert. Ob verbotene Substanzen mitgeführt werden. Ob die Freimengen bei Waren eingehalten werden.

Bist Du sicher, dass im ICE keine Waren angemeldet werden können? Ich frage, weil in den RE ja ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass keine anmeldepflichtigen Waren mitgeführt werden dürfen. In den ICE habe ich diesen Hinweis noch nicht bemerkt.

Die eidgenössische Zollverwaltung meint dazu:
Ist im Zug Zollpersonal anwesend, müssen Sie alle mitgeführten Waren unaufgefordert anmelden. Die mündliche Anmeldung ist verbindlich.
Ist kein Zollpersonal anwesend, können Sie
- den Zug beim Grenzbahnhof verlassen und Ihre privaten Waren schriftlich anmelden ...;
- oder die Waren nachträglich, innerhalb von 7 Tagen, bei jeder Zollstelle während der Öffnungszeiten zur Verzollung anmelden.
[www.ezv.admin.ch]

kaufhalle schrieb:
X73900 schrieb:Zitat:
Es gibt auch irgend einen Staatsvertrag, wo geregelt ist, dass die Schweizer schon ab Freiburg kontrollieren dürfen, und wie es gehandhabt wird, wenn sie dort, also auf deutschem Boden, z.B. jemand festnehmen wollen.
Die dürfen auf deutschem Boden genauso viel wie die äthiopische Grenzwache oder jeder Zivilist, nämlich Straftäter bis zum Eintreffen befugter Organe festhalten. Festnehmen dürfen sie niemanden. Wär ja noch schöner ...
Das ist nicht richtig. Die Schweizer Grenzwache darf gemäß Staatsvertrag auf deutschem Boden innerhalb der Grenzabfertigungszone Schweizer Staatsbürger und Staatsangehörige von Drittstaaten festnehmen und in die Schweiz verbringen. Sie darf allerdings keine deutschen Staatsbürger festnehmen und in die Schweiz verbringen. Deutsche Staatsbürger darf sie nur bei den deutschen Behörden "vorführen" (steht so im Staatsvertrag). Zur Grenzabfertigungszone gehören auch die Züge zwischen Basel und Freiburg.

Das gleiche gilt natürlich umgekehrt auch für die deutsche Bundespolizei auf Schweizer Boden.

Siehe
[www.admin.ch]
[www.admin.ch]

Art. 4 Abs. 1 des Vertrags vom 01.06.1961:

In der (Grenzabfertigungs-)Zone gelten die Rechts- und Verwaltungsvorschriften des Nachbarstaates, die sich auf die Grenzabfertigung beziehen... Sie werden ... von den Bediensteten des Nachbarstaates im gleichen Umfang und mit allen Folgen wie im eigenen Staatsgebiet durchgeführt. Personen dürfen jedoch nur wegen Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über die Grenzabfertigung des Nachbarstaates oder, wenn sie von den Behörden des Nachbarstaates gesucht werden, festgenommen und in den Nachbarstaat verbracht werden.

Gruß
X73900



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.07.20 17:38.
X73900 schrieb:
kaufhalle schrieb:
Und was will der Zoll da kontrollieren? Basel Bad Bf ist vollwertiger Grenzübergang mit Warenabfertigung. Wenn jemand was anzumelden hat, muss er das im Badischen Bahnhof machen und dafür die Fahrt unterbrechen (nein, im Zug geht es nicht).
Naja, der Zoll kontrolliert, was er immer so kontrolliert. Ob verbotene Substanzen mitgeführt werden. Ob die Freimengen bei Waren eingehalten werden.

Mengen oberhalb der Freimengen kann man beim Zoll im Bahnhof anmelden. Oder man steigt im Badischen Bahnhof um, dann es geht es den Schweizer Zoll gar nichts an, was man dabei hat.

X73900 schrieb:
Bist Du sicher, dass im ICE keine Waren angemeldet werden können? Ich frage, weil in den RE ja ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass keine anmeldepflichtigen Waren mitgeführt werden dürfen. In den ICE habe ich diesen Hinweis noch nicht bemerkt.

Demnach nicht mehr so ganz, wahrscheinlich ist Warenanmeldung im Zug möglich. Aber ungeachtet des tatsächlichen Orts der Abfertigung nominell am Badischen Bahnhof.

X73900 schrieb:
Das ist nicht richtig. Die Schweizer Grenzwache darf gemäß Staatsvertrag auf deutschem Boden innerhalb der Grenzabfertigungszone Schweizer Staatsbürger und Staatsangehörige von Drittstaaten festnehmen und in die Schweiz verbringen. Sie darf allerdings keine deutschen Staatsbürger festnehmen und in die Schweiz verbringen. Deutsche Staatsbürger darf sie nur bei den deutschen Behörden "vorführen" (steht so im Staatsvertrag). Zur Grenzabfertigungszone gehören auch die Züge zwischen Basel und Freiburg.
Das gleiche gilt natürlich umgekehrt auch für die deutsche Bundespolizei auf Schweizer Boden.

Ist ja alles ganz nett. Ändert aber nichts daran, dass der Grenzübertritt erst im Badischen Bahnhof erfolgt und nicht in Otterbach. Denn das war die eigentliche Frage.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.07.20 17:48.
kaufhalle schrieb:
Ist ja alles ganz nett. Ändert aber nichts daran, dass der Grenzübertritt erst im Badischen Bahnhof erfolgt und nicht in Otterbach. Denn das war die eigentliche Frage.

Äh, doch, der Grenzübertritt erfolgt natürlich im fahrenden Zug auf Höhe von Otterbach. Ab dann ist man in der Schweiz, mit allen Konsequenzen. Wenn man dann z.B. im Zug oder auch auf dem Bahnsteig im Badischen Bahnhof eine Straftat verübt, wird man von der Schweizer Polizei festgenommen und von einem Schweizer Gericht nach Schweizer Recht verurteilt. Und zwar auch dann, wenn man eigentlich nur auf der Durchreise von Müllheim nach Bad Säckingen war.

Die deutsche Bundespolizei und der deutsche Zoll dürfen im Badischen Bahnhof dagegen nur auf Grund des Staatsvertrags ihrer Tätigkeit nachgehen, und nur in dem durch den Staatsvertrag zugelassenen Rahmen.

Umgekehrt ist es natürlich genauso. Bei einer ICE-Fahrt in Richtung Norden gilt ab Otterbach deutsches Recht, selbst wenn die Schweizer Ausreisekontrolle und die deutsche Einreisekontrolle (so sie denn stattfinden) erst auf Höhe von Bad Krozingen erfolgen.

Gruß
X73900
X73900 schrieb:
kaufhalle schrieb:
Ist ja alles ganz nett. Ändert aber nichts daran, dass der Grenzübertritt erst im Badischen Bahnhof erfolgt und nicht in Otterbach. Denn das war die eigentliche Frage.

Äh, doch, der Grenzübertritt erfolgt natürlich im fahrenden Zug auf Höhe von Otterbach. Ab dann ist man in der Schweiz, mit allen Konsequenzen. Wenn man dann z.B. im Zug oder auch auf dem Bahnsteig im Badischen Bahnhof eine Straftat verübt, wird man von der Schweizer Polizei festgenommen und von einem Schweizer Gericht nach Schweizer Recht verurteilt. Und zwar auch dann, wenn man eigentlich nur auf der Durchreise von Müllheim nach Bad Säckingen war.

Die deutsche Bundespolizei und der deutsche Zoll dürfen im Badischen Bahnhof dagegen nur auf Grund des Staatsvertrags ihrer Tätigkeit nachgehen, und nur in dem durch den Staatsvertrag zugelassenen Rahmen.

Umgekehrt ist es natürlich genauso. Bei einer ICE-Fahrt in Richtung Norden gilt ab Otterbach deutsches Recht, selbst wenn die Schweizer Ausreisekontrolle und die deutsche Einreisekontrolle (so sie denn stattfinden) erst auf Höhe von Bad Krozingen erfolgen.

Wenn Du in einem Flughafentransitbereich Mist baust, bekommst Du es auch mit der Polizei eines Staats zu tun, in den Du nie eingereist bist. Das ist am Badischen Bahnhof genau so: Schweizer Staatsgebiet, Deutsches Zollgebiet. Am Flughafen Basel oder am Autobahngrenzübergang Weil (dem in Richtung Süden nach der Einreise in die Schweiz noch etwa 700 m deutsches Gebiet folgen) verhält es sich ja auch entsprechend.

Als die ICE nur bis Basel Bad Bf gefahren sind, war demzufolge auch keine Kontrolle duchzuführen, da die Einreisekontrolle dann erst im Bahnhof durchzuführen war.

Der Vergleich mit Bad Krozingen ist Unfug, weil da kein Grenzübergang ist.

Meinungen und Deinungen...

geschrieben von: D 2027

Datum: 19.07.20 18:43

Polarfuchs schrieb:
Da bin ich komplett anderer Meinung. Es geht hier nicht um alltägliche Einreisebedingungen, die sich ändern, und für deren Erfüllung natürlich der Fahrgast verantwortlich ist. Wir reden von einer monatelangen Grenzschließung innerhalb der EU, innerhalb des Schengen-Gebiets, das es so in der Form in der EU noch nie gegeben hat. Hier dem Fahrgast zu sagen: "Naja, Pech für dich, du kannst ja irgendwann sonst mal fahren, wenn/falls die Grenzen wieder offen sind" halte ich für ziemlich mies. Ich erwarte keine Erstattung, aber die Möglichkeit einer Umbuchung. Die ÖBB haben internationale Spraschiene-Tickets anstandlos erstattet (!), die DSB haben zuggebundende nicht-stornierbare Tickets in dieser Zeit ohne Probleme erstattet - egal, ob der Zug fuhr oder nicht (das sind beiden anderen für mich relevanten Bahngesellschaften, deswegen der Vergleich mit denen). Das ich rechtlich einen Anspruch auf Erstattung durch die DB habe, behaupte ich nicht, sonst würde ich gegen das Verhalten der DB rechtlich vorgehen. Ich hätte mir aber erwaret, das Ticket zumindest in einen Gutschein umwandeln zu lassen. Meine Konsequenz ist daher: Keine Buchung mit der DB mehr. Die ÖBB und DB haben gezeigt, wie vertrauensbildende und tatsächlich kulantes Verhalten aussehen kann.


Nun,

ich bin nach wie vor der Ansicht, dass es eine recht grosszügige Kulanz war, nachdem es - kurzfristige Grenzschliessung hin oder her - keinerlei rechtliche Grundlage für die DB gab auf ihre Einnahme zu verzichten, trotzdem eine Verlängerung der Fahrkarten anzubieten. Dass es immer Unternehmen gibt, die es grosszügiger handhaben wie die von Dir erwähnten Bahnen oder gar keine Kulanz wie div. dt. Verkehrsverbünde walten lassen, ist ja unbestritten und im ersteren Falle auch sehr zu loben. Aber die DB für ihre Kulanz, es gab übrigens auch Gutscheine für nicht zu nutzende Bahncards und Statuspunkte für Comfort-Kunden, zu verdammen ist in meinen Augen nun wirklich nicht angebracht... auch wenn dabei individuelle Härten auftreten.

Nicht dass Du denkst ich wisse nicht von was ich rede: bei mir liegt auch noch ein SSP vom 13.03. nach Westerland, der wahrscheinlich (Maskenpflicht!) ungenutzt verfallen wird, herum und auf zwei Globalpreisen für den Dacia nach Alba Iulja bin ich auch sitzen geblieben. Der ist nämlich genau am gebuchten Abend für rumänische Krankenschwestern gefahren, nachdem er vorher wochenlang ausgefallen war. Pech für die Kuh Elsa...

Und die plötzliche Flexibilität von Airlines, Hotels und auch Bahnen in Coronazeiten kaum noch unstornierbare Tickets anzubieten, dürfte schlicht und ergreifend marktwirtschaftliche Gründe haben... sonst bucht nämlich niemand mehr irgendwas.

Beste Grüsse
Erik

P.S. @X73900: die Grenzen waren ja von beiden Richtungen geschlossen; da war unser Bundeshorst schon nicht ganz unbeteiligt. Und besonders übel nehme ich ihm, dass er am 15.05. die t. Grenzen weiterhin geschlossen hielt, obwohl die Eidgenossenschaft ihre bilateral wieder geöffnet hätte. Vielen Dank für einen weiteren Monat in diesem Staat eingesperrt sein und wenn wir noch über sein Personal von der NVA äh Bundespolizei anfangen zu reden, werden wir nie mehr fertig.

Herr Spahn meinte ja dass wir uns nach Corona viel zu verzeihen haben und da hat er sicher nicht unrecht... aber bei Vollhorst machen wir bitte eine Ausnahme. Gott vergibt, Django nie! ;-)

Der Tod eines einzelnen Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik!

(Karl Lauterbach, Maskenstalinist)




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.07.20 18:44.

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: Herre Elk

Datum: 19.07.20 19:20

Kralle schrieb:
Hallo,

hat jemand schon Erfahrung mit der Kulanzregelung in Tschechien oder der Slowakei gemacht? Habe hier noch 2 Fahrkarten von Mai rumliegen, die ich im August nutzen möchte.
Gerade im Schlafwagen wären endlose Diskussionen in der Nacht nicht gerade toll.
ČD und ZSSK ist immer sehr vom Personal abhängig. Stempel jeglicher Art bewirken jedoch meist Wunder.

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: Kralle

Datum: 19.07.20 19:24

Herre Elk schrieb:
Kralle schrieb:
Hallo,

hat jemand schon Erfahrung mit der Kulanzregelung in Tschechien oder der Slowakei gemacht? Habe hier noch 2 Fahrkarten von Mai rumliegen, die ich im August nutzen möchte.
Gerade im Schlafwagen wären endlose Diskussionen in der Nacht nicht gerade toll.
ČD und ZSSK ist immer sehr vom Personal abhängig. Stempel jeglicher Art bewirken jedoch meist Wunder.
Na dann lass ich mir da irgendwo an einem Servicepoint auf der Anreise doch noch einen Stempel draufdrücken.

Meine Reiseberichte findet ihr in Zukunft auch hier:

[www.facebook.com]

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: pausanias2

Datum: 19.07.20 20:47

Hat jemand schon Erfahrungen, ob die von der DB gewährte Corona-Kulanz auch vom schweizerischen Zugpersonal (SBB, BLS) akzeptiert wird, sofern ein entsprechendes DB-Sparpreisticket mit Zugbindung vorhanden ist? Anschlussfrage wäre - akzeptiert die DB im Rahmen der Corona-Kulanz auch internationale Tickets der SBB nach Deutschland, sofern diese vor dem 13. März gelöst wurden?

Re: drei interessante Links zum Thema Badischer Bahnhof

geschrieben von: X73900

Datum: 19.07.20 21:30

Christof 421 schrieb:
Danke für die interessanten Links, die ich noch nicht kannte.

Der Fall mit der Schweizerin mit Haftbefehl in Deutschland ist ja schon kurios. Hätte die Polizei sie mal nach Deutschland einreisen lassen, dann hätte man sie festnehmen können. Hatte die Bundespolizei Personalmangel und konnte der Dame nicht hinterherfahren, oder wollte sie dem Steuerzahler die Kosten des Gefängnisaufenthalts ersparen?

Gruß
X73900

Re: Meinungen und Deinungen...

geschrieben von: X73900

Datum: 19.07.20 21:34

D 2027 schrieb:
P.S. @X73900: die Grenzen waren ja von beiden Richtungen geschlossen; da war unser Bundeshorst schon nicht ganz unbeteiligt. Und besonders übel nehme ich ihm, dass er am 15.05. die t. Grenzen weiterhin geschlossen hielt, obwohl die Eidgenossenschaft ihre bilateral wieder geöffnet hätte. Vielen Dank für einen weiteren Monat in diesem Staat eingesperrt sein und wenn wir noch über sein Personal von der NVA äh Bundespolizei anfangen zu reden, werden wir nie mehr fertig.
Da möchte ich ich Dir in keiner Weise widersprechen. Wenn ich nur an die Farce denke, wo man sich geeinigt hatte, die Grenzen am gleichen Tag zu öffnen. Alle wollten um 0:00 Uhr öffnen, nur Deutschland um 23:59 Uhr öffnen, ist ja noch der gleiche Tag...

Aber in einem eventuellen Rechtsstreit in der konkreten Angelegenheit könnte man nicht mal geltend machen, dass der 100-%ige Eigner des bundeseigenen Bahnunternehmens die Reise selbst verunmöglicht hat. Das Bahnunternehmen und sein Eigner könnten da auf Entscheidungen im Ausland verweisen.

Gruß
X73900

Re: Meinungen und Deinungen...

geschrieben von: didikong

Datum: 19.07.20 22:48

Wie wäre denn die Situation ohne Corona gewesen, wenn die gebuchte Verbindung im Laufe der Zeit den Fahrweg ändert und aus einer Verbindung mit einmaligem Umstieg eine Verbindung mit dreimaligem Umstieg wird?

Die Ankunft wäre definitiv 60 Minuten später erfolgt, in Basel SBB bestanden 11 Minuten Umsteigezeit. Laut Fahrplanauskuft verkehrte der gebuchte Zug ausserplanmässig nur bis Basel Bad, Ankunft dort 22 Minuten vor Abfahrt des Anschlusszuges. Auf der Rückfahrt fünf Tage später (noch immer waren die Grenzen geschlossen) wurde eine Verbindung von Lausanne über Zürich mit zweimaligem zusätzlichen Umsteigen statt der durchgehenden Verbindung Lausanne-Basel SBB/Basel SBB-Hamburg vorgeschlagen, die dementsprechend ebenfalls wesentlich länger dauerte als gebucht, da auch diese Verbindung laut Fahrplan gestrichen wurde.

Die Bahn schreibt auf ihrer Internetseite https://inside.bahn.de/was-tun-wenn-es-mal-schief-laeuft/ :

Zitat
Bei einer zu erwartenden Verspätung von mehr als 60 Minuten am Zielbahnhof haben Sie mehrere Möglichkeiten die Reise abzubrechen oder davon zurückzutreten:

* Sie können die Reise nicht antreten und sich den Fahrkartenpreis erstatten lassen.
* Sie können die Reise abbrechen und sich den Anteil des Fahrkartenpreises für die nicht genutzte Strecke erstatten lassen.
* Sie können die Reise abbrechen, wenn sie sinnlos geworden ist, zum Ausgangsbahnhof zurückkehren und sich den Fahrkartenpreis erstatten lassen.
Fakt ist, die Bahn konnte ihre gebuchte Verbindung nicht liefern. Wenn ich mich auf einen bestimmten Zug festlege(n muss), dann kann ich auch erwarten, dass diese Verbindung geliefert wird. Das wäre doch genauso, als wenn ich im Restaurant eine Steak bestelle und im vorwege bezahle, der Ober mir aber nach zwanzig Minuten sagt, Steak sei alle und dafür Tofu anbietet. Alternativ könne ich ja heute aufs Essen verzichten und innerhalb eines halben Jahres wiederkommen und hoffen, dass es dann Steak gibt. Ich denke nicht, dass das rechtlich und auch und gerade mit EU-Recht vereinbar ist.

Lieben Gruß,
Didi

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: pausanias2

Datum: 21.07.20 16:30

Gemäss soeben erhaltener Auskunft des SBB-Kundenzentrums wird die Corona-Kulanzregelung der DB (vor dem 13. März gelöste Tickets bis 31. Oktober ohne Zugbindung gültig) auch von den SBB akzeptiert.

Leider habe ich noch keine Antwort auf die Frage, ob die DB denn eventuell auch SBB-Tickets für Reisen CH-->DE oder DE-->CH bis am 31. Oktober akzeptiert, sofern sie vor dem 13. März gelöst wurden. Ich poste die Antwort hier, sobald ich sie bekomme; vielleicht weiss da jemand auch mehr.


pausanias2 schrieb:
Hat jemand schon Erfahrungen, ob die von der DB gewährte Corona-Kulanz auch vom schweizerischen Zugpersonal (SBB, BLS) akzeptiert wird, sofern ein entsprechendes DB-Sparpreisticket mit Zugbindung vorhanden ist? Anschlussfrage wäre - akzeptiert die DB im Rahmen der Corona-Kulanz auch internationale Tickets der SBB nach Deutschland, sofern diese vor dem 13. März gelöst wurden?

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: warakorn

Datum: 21.07.20 17:18

Zitat
Also für den etwa 5-fachen Preis des EU Super-Sparpreises ein Ticket aufgedrängt bekommen und zähneknirschend bezahlt
Hast Du für den deutschen Streckenanteil etwa auch bezahlt?

Zitat
Also daheim angekommen gleich zum Schalter und die Geschichte erzählt.

Und? Und was soll ein Schalter von DB Vertrieb zu einem von den ÖBB-ausgebenen Ticket sagen?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.07.20 17:20.

Re: EU Super-Sparpreis und Corona-Kulanz

geschrieben von: DerSteuermann

Datum: 22.07.20 13:02

Hallo warakorn,
Zitat
ZitatZitat:
Also für den etwa 5-fachen Preis des EU Super-Sparpreises ein Ticket aufgedrängt bekommen und zähneknirschend bezahlt
Hast Du für den deutschen Streckenanteil etwa auch bezahlt?

Ich hab für die ganze Strecke noch mal bezahlt, weil ich ja mit meinem Anliegen zur DB gehen wollte (die mir den SSP verkauft hat), und wenn ich da mit einer innerösterreichischen ÖBB-Fahrkarte gekommen wäre, hätte man bei der DB sich ja für nicht zuständig erklären können...

Zitat
ZitatZitat:
Also daheim angekommen gleich zum Schalter und die Geschichte erzählt.

Und? Und was soll ein Schalter von DB Vertrieb zu einem von den ÖBB-ausgebenen Ticket sagen?

Der Kollege am Schalter hat beide Tickets aufgenommen und an den Kundendialog weitergeleitet. Die befassen sich jetzt damit. Die Antwort steht noch aus.
Gruß, Der Steuermann

P. S. Die eleganteste Notlösung wäre es wohl gewesen, den ÖBB-Schaffner bis zur Grenze hinzuhalten. Der Anschlusszug stand am Gleis gegenüber - dort hätte man sofort feststellen können, dass mein SSP noch gültig ist. Hinterher ist man immer schlauer...