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Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: no-night

Datum: 20.03.20 15:55

WBC schrieb:
MrEnglish schrieb:
So schön ich die Fahrt mit der Bahn finde, und so toll eigentlich die Kombination aus Zahnradbahn und Schiff wäre (in dieser Kombination meines Wissens einmalig), so wenig glaube ich an einen Fortbestand.
Ganz ehrlich: Die Bahn ist in der jetzigen Form (ohne Verlängerung nach Pertisau) auch relativ unnötig. Man zahlt 31 € pro Nase für eine Fahrt wo man großteils vegetationsbedingt keinerlei Aussicht hat, unten schaut man auf die verhüttelte Gegend und oben im schönen Teil fährt man verhältnismäßig kurz. Wenn man zum Achensee rauf will ist die Busfahrt viel billiger und genauso schön, fürs Dampffeeling tut es die Zillertalbahn genauso (solang es noch geht) und wenn man unbedingt mit einer Zahnradbahn fahren ist man am Schafberg definitiv besser aufgehoben.
Kommt man zu einem anderen Vergleich mit Schafberg und Schneeberg (sollten wir jetzt bitte weder schweizerische, noch deutsche Zahnradbahnen einmischen, das ist wirklich Apfel und Birne), sei Ergebnis noch ernüchternder...

1. Beide andere Bahnen haben ja mehr Investitionen in Fuhrpark durchgeführt. Die erste hat die "Youngtimer"-Dampfloks, die andere die Salamandern...

2. Sie sind Teile einer größeren Gruppierung (SLB bzw. NÖVOG), welche zwar auch kein Wunder bedeuten können, aber die Mitteln - da meine ich mehr als Geld - besser umgeschoben werden... und solche übergreifende Organisationen können auch Marketing besser beisteuern.

Mit Elektrifizierung und Einsatz der hierher geholten Appenzeller könnte zwar Punkt 1. gemeistert werden (aber nur dann, wenn es wirklich mehr von Daseinsvorsorge übernimmt), sogar in diesem Fall wäre es jedoch alleine zu klein. Ob Zillertalbahn alleine, oder eine "Tiroler Verkehrsgesellschaft" aus IVB/STB und ZB... sonst wäre es höchstens als Museumsbahn vorstellbar, dazu jedoch wieder viel zu aufwändig. (Und gerade in Österreich wurde es mehrmals gezeigt, daß auch dieses Betriebsform kein Garantie sein dürfte...)

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: WBC

Datum: 20.03.20 16:57

no-night schrieb:
Ob Zillertalbahn alleine ...
Der Witz war nicht schlecht. Die ZB ist bekanntlich selber relativ "am Sand" und ist ausreichend mit sich selbst beschäftigt besonders durch die Investitionen in den Wasserstoffbetrieb.
Die Achenseebahn dürfte sich in eine lange Liste von touristisch orientierten Unternehmen einreihen, die in Tirol jetzt in die Insolvenz gehen. Wenn sich kein privater Mäzen findet, entscheidet das Land Tirol, ob es ohne die Bahn besser zu fahren meint als mit ihr. In der jetzigen Situation sind sehr viele mittelständische Unternehmen auf staatliche Unterstützung - und sei es nur auf Absicherung von Krediten- angewiesen. Da sollte eigentlich auch die Achenseebahn Anspruch auf Aufschub haben , bis wieder unter normalisierten Bedingungen entschieden werden kann.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: def

Datum: 20.03.20 18:20

Peter Illertr schrieb:
Die Achenseebahn dürfte sich in eine lange Liste von touristisch orientierten Unternehmen einreihen, die in Tirol jetzt in die Insolvenz gehen. Wenn sich kein privater Mäzen findet, entscheidet das Land Tirol, ob es ohne die Bahn besser zu fahren meint als mit ihr. In der jetzigen Situation sind sehr viele mittelständische Unternehmen auf staatliche Unterstützung - und sei es nur auf Absicherung von Krediten- angewiesen. Da sollte eigentlich auch die Achenseebahn Anspruch auf Aufschub haben , bis wieder unter normalisierten Bedingungen entschieden werden kann.
Man sollte bei Staatshilfen allerdings schon darauf achten, nicht hirntote Patienten nochmal ein, zwei Jahre künstlich am Leben zu erhalten, bis sie endgültig über den Jordan gehen, so dass nicht nur sie, sondern auch die Staatshilfen weg sind. Davon hat niemand was. Staatshilfen sollten sich m.E. (nicht nur in der Tourismusbranche) zunächst auf Unternehmen konzentrieren, die ohne Corona gut dagestanden hätten. Das trifft auf die Achenseebahn offensichtlich nicht zu.

Insgesamt bleibt auch die Frage, wie lange der Tourismus in Tirol braucht, um sich zu erholen. Gerade das Fehlverhalten, das die dortigen Behörden im Zuge der Corona-Krise an den Tag gelegt haben, von der anfänglich nicht vorhandenen Reaktion auf die Hinweise aus Island bis zur schließlich überstürzten Abreise möglicherweise Infizierter knapp zwei Wochen später (und das ohne sie in Quarantäne zu stellen), ist eine verdammt schlechte Werbung für die Region.

Es ist schon erstaunlich, dass sich die "Klartext"-Fraktion immer am meisten aufregt, wenn man Rassisten "Rassisten" nennt. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Mut zur Wahrheit!

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 20.03.20 22:18

Erst mal noch der Hinweis auf den vorherigen Thread, der erst vor einigen Tagen geschlossen wurde und in dem schon einiges an Argumenten steht: [www.drehscheibe-online.de]

WBC schrieb:
Ganz ehrlich: Die Bahn ist in der jetzigen Form (ohne Verlängerung nach Pertisau) auch relativ unnötig. Man zahlt 31 € pro Nase für eine Fahrt wo man großteils vegetationsbedingt keinerlei Aussicht hat, unten schaut man auf die verhüttelte Gegend und oben im schönen Teil fährt man verhältnismäßig kurz. Wenn man zum Achensee rauf will ist die Busfahrt viel billiger und genauso schön, fürs Dampffeeling tut es die Zillertalbahn genauso (solang es noch geht) und wenn man unbedingt mit einer Zahnradbahn fahren ist man am Schafberg definitiv besser aufgehoben.

Man findet für vieles Alternativen, das ist nicht das entscheidende Argument. Wir hatten das Thema schon öfter, und dass die Rechnung mit mal eben den Berg rauf und weiter zum See und wieder zurück für etwa 30 Euro, bloß weil mit Dampf gefahren wird, auf Dauer nicht mehr aufgehen wird, war schon länger Thema. Einerseits braucht man die Busladungen, die dann oben noch eine Rundfahrt auf dem Achensee und das Mittagessen mitnehmen, andererseits stirbt diese Kundschaft ständig weg, und nachfolgende Rentnergenerationen sind nicht mehr ganz so leicht zu bespaßen. Wenn man sich darauf konzentrieren wollte, dürfte man nur noch bestellte Fahrten anbieten, wodurch aber die Einzelfahrgäste verloren gingen. Letztlich stimmt es schon, man bekommt zu wenig fürs Geld.

no-night schrieb:
Mit Elektrifizierung und Einsatz der hierher geholten Appenzeller

Das hängt nicht so direkt aneinander. Wenn man schon elektrifiziert, hat die Weiternutzung alter Fahrzeuge von anderswo eher wenig Sinn, zumal die nicht barrierefrei sind.

Die erste Entscheidung wäre, ÖPNV zum Verbundtarif anzubieten. Mit was dann auch immer, vielleicht muss man dafür auch nicht elektrifizieren.

no-night schrieb:
könnte zwar Punkt 1. gemeistert werden (aber nur dann, wenn es wirklich mehr von Daseinsvorsorge übernimmt), sogar in diesem Fall wäre es jedoch alleine zu klein. Ob Zillertalbahn alleine, oder eine "Tiroler Verkehrsgesellschaft" aus IVB/STB und ZB... sonst wäre es höchstens als Museumsbahn vorstellbar, dazu jedoch wieder viel zu aufwändig. (Und gerade in Österreich wurde es mehrmals gezeigt, daß auch dieses Betriebsform kein Garantie sein dürfte...)

Vor dem ÖPNV steht die Insolvenz. Das ist auch die Konsequenz daraus, dass die Achenseebahn AG zumindest unter den bisherigen Führungen nichts von ÖPNV und Verbundtarif wissen wollte. Nach der Insolvenz müsste sowieso eine neue Gesellschaft gegründet werden.

Peter Illertr schrieb:
Die Achenseebahn dürfte sich in eine lange Liste von touristisch orientierten Unternehmen einreihen, die in Tirol jetzt in die Insolvenz gehen. Wenn sich kein privater Mäzen findet, entscheidet das Land Tirol, ob es ohne die Bahn besser zu fahren meint als mit ihr. In der jetzigen Situation sind sehr viele mittelständische Unternehmen auf staatliche Unterstützung - und sei es nur auf Absicherung von Krediten- angewiesen. Da sollte eigentlich auch die Achenseebahn Anspruch auf Aufschub haben , bis wieder unter normalisierten Bedingungen entschieden werden kann.

Nein. In weniger prominenten Fällen mögen solche Versuche eh schon gescheiterter Unternehmen, sich hinter höherer Gewalt zu verstecken, funktionieren. Bei der Achenseebahn nicht. Die Achenseebahn AG ist nicht in der Lage, den geplanten Saisonbeginn zu realisieren, und zwar aus Gründen, die allein bei der Achenseebahn AG liegen. Das weiß man in Tirol nun, und das wird man auch berücksichtigen. Auch wenn man in Tirol (oder auch generell in ÖVP-dominierten Regionen Österreichs) grundsätzlich bereit ist, Gewerbetreibenden in einem Ausmaß in den Arsсh zu kriechen, das z. B. in Deutschland weitgehend unbekannt ist, wird man nicht ignorieren können, dass all diese Mittel letztlich vom Steuerzahler aufzubringen sind. Da wird man in gewissen Regionen im Westen Tirols, wo man aus Geldgier über Leichen geht, ebenso genauer hinsehen müssen wie bei potenziellen Trittbrettfahrern wie der Achenseebahn AG.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 20.03.20 22:52

Was glaubst du denn wofür der ehemalige Chef sich die Triebwagen auf den Hof gestellt hat? Der war übrigens mal Verbundchef. Ich weiß nicht, wie du auf die Idee kommst die Achenseebahn will keinen Verbundtarif. Es ist anders rum, der Verbund will keine Achenseebahn.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.03.20 15:05.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 20.03.20 23:05

MrEnglish schrieb:
Was glaubst du denn wofür der ehemalige Chef sich die Triebwagen auf den Hof gestellt hat?

Für elektrischen Personenverkehr zu Bergbahnpreisen.

MrEnglish schrieb:
Ich weiß nicht, wie du auf die Idee kommst die Achenseebahn will keinen Verbundtarif.

Zumindest unter den bisherigen Führungen gab es die blumigsten Ankündigungen, was man alles vorhat. Auch wenn das bekanntlich keine umsetzbaren Konzepte waren: Der VVT kam da nie vor. Nicht mal implizit.

MrEnglish schrieb:
Es ist anders Rum, der Verbund will keine Achenseebahn.

Und wer sagt das? Und welche Achenseebahn meinen die?

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 21.03.20 15:11

Keine Ahnung was für Ankündigungen du gelesen und nicht gelesen hast, aber selbstverständlich hat der ehemalige Chef mit SPNV geplant, das hat er mir unter anderem selbst gesagt (und nicht nur er).

Der Zahnradbetrieb ist horrend teuer, dafür kann man ein Vielfaches an Busverehf bestellen. Die Vorteile der Bahn sind einfach zu klein um die Kosten zu rechtfertigen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.03.20 16:49.
MrEnglish schrieb:
Was glaubst du denn wofür der ehemalige Chef sich die Triebwagen auf den Hof gestellt hat? Der war übrigens mal Verbundchef. Ich weiß nicht, wie du auf die Idee kommst die Achenseebahn will keinen Verbundtarif. Es ist anders rum, der Verbund will keine Achenseebahn.
Aber das ist wirklich die Frage was man mit diesen Triebwagen denn wollte. Sie sind nicht barrierefrei und müssten erst mal teuer dafür umgebaut werden (die AB setzte diese Triebwagen zwar mit drei Niederflursteuerwagen ein, diese hat man aber behalten...). Sie müssen erst mal für die steile Strecke am Achensee umgebaut werden, denn die Strecke Altstätten-Gais mit 160 o/oo (gleich steil wie die Achenseebahn) durften diese Triebwagen nicht befahren (dass dürfen nur die 11 Jahre jüngeren "Nachbauten"). Zudem sind die Triebwagen bis zu einer Elektrifzierung über 40 Jahre alt. Man kann darüber diskutieren ob die Triebwagen in der Schweiz noch ein paar Jahre längere eingesetzt hätten werden können. Aber ein Neubeginn am Achensee mit Fahrzeugen, die ein paar Jahre vor ihrem Lebensende stehen?
Für ein ÖPNV braucht es grundlegende Gleiserneuerungen, neue Bahnsteige, Sicherungsanlagen, Bahnübergangssanierungen und eben die teuere Elektrifizierung, wenn man die AB-Triebwagen einsetzen will. Das alles wird verdammt teuer. Macht es da Sinn, kurz vor ihrem Lebensende stehende Triebwagen teuer umzubauen, die dann trotzdem noch alt sind und in einigen Jahren ersetzt werden müssen?
Wirtschaftlicher dürfte es da eher sein, sich gleich von Stadler ein paar GTW auf den Hof stellen zu lassen, die dann auch die nächsten 30 Jahre ohne grösseren Aufwand fahren können. Macht vor allem ein viel attraktiveres Bild für potentielle Kunden als wenn man an den alten Triebwagen herumbastelt um da irgendwie einen barrierefreien Einstieg hineinmurkst.

Und tariflich ist das schon ein Problem, mehr als den jetzigen Verbundtarif mit dem Bus darf die Fahrt mit der modernisierten Achenseebahn nicht kosten. Bleibt die Frage, wer die Differenz bezahlen will...

Ein Konzept, bei der man Bergbahnpreise für elektrische Fahrzeuge verlangen will, dürfte gründlich in die Hose gehen. Selbst wenn die Fahrt nur noch 20 statt 30 Euro kostet, sind die Fahrzeuge und Strecke zu unattraktiv. Es geht ja eben nicht auf einen Berg hinauf, sondern man fährt quasi von Boden eines Tal zum Talboden eines anderen Tals. Ein nicht unerheblicher Teil der Fahrgäste steigt auch "oben" ein, um hinunter und dann wieder hinauf zu fahren.

Die Fahrt mit der Dampflok und der alten Wagen ist sicher heute einer der Hauptgründe zur Fahrt, auch die steile Strecke hinauf mit Zahnrad ist gut für die Werbung (und hebt von anderen Bahnen wie der Zillertalbahn ab). Und dann eben, dass die Strecke in so altem Zustand ist, bei dem seit Betriebsbeginn fast nichts verändert wurde. Zumindest bei meinem letzten Besuch vor einigen Jahren fuhr man eigentlich komplett ohne Strom, kein Strom auf dem Zug, kein elektrischen Weichen, nicht mal Blinklichter oder Schranken an den Bahnübergängen, die Pumpe zum Wasserfassen mit Dampf betrieben und nicht mit Strom. In den Gebäuden wird es zwar Strom, aber trotzdem macht das natürlich ein Flair aus, das man selten findet und sich auch herumspricht. Klar ist aber auch, auf der gleichen Infrastruktur kann man nicht gleichzeitig ÖPNV als Busersatz durchführen...

Gruss

Florian



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.03.20 17:03.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 21.03.20 17:11

MrEnglish schrieb:
Keine Ahnung was für Ankündigungen du gelesen und nicht gelesen hast, aber selbstverständlich hat der ehemalige Chef mit SPNV geplant, das hat er mir unter anderem selbst gesagt (und nicht nur er).

Ich kenne das, was öffentlich gesagt wurde, und da ist zwar von regulärem elektrischen Verkehr die Rede, aber nie von bestelltem Nahverkehr zum Verbundtarif. Es wurde immer sorgfältig drumherumgeredet. Im übrigen wäre es dafür nötig gewesen, den zukünftigen Besteller davon zu überzeugen, dass er was bestellen soll. Dafür waren etliche Jahre Zeit, aber die Achenseebahn wollte immer nur Geld, um irgendwelche selbstgemachten Löcher im bisherigen Betrieb zu stopfen.

MrEnglish schrieb:
Def Zahnradbetrieb ist horrend teuer, dafür kann man ein Vielfaches an Busverehf bestellen. Die Vorteile der Bahn sind einfach zu klein um die Kosten zu rechtfertigen.

Mit Dampfbetrieb ganz sicher. Aber wo sollen sonst drastische Mehrkosten herkommen? Mehraufwand ist es sowieso, schon weil der Busbetrieb verkürzt und nicht ganz eingestellt werden kann.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: no-night

Datum: 21.03.20 17:48

Florian Ziese schrieb:
Ein Konzept, bei der man Bergbahnpreise für elektrische Fahrzeuge verlangen will, dürfte gründlich in die Hose gehen.
Lieber für solche elektrische Fahrzeuge, wie diese Appenzeller. Die haben aber ja ein weiterer Manko als Älter: sind für Alltagsverkehr bestimmt, und nicht für Tourismus.

Hätte man z.B. die alten Rowan-Züge von der Jungfrau geholt (einer aus Kerzers steht ja im Lokschuppen von Kořenov (CZ) - auch eine Zahnradbahn, leider mit dem unpassenden Normalspur...), das könnte noch Flair haben.

Oder Modernität in einer geeigneten Verpackung zu servieren... das vertreibt Touristenattraktion keinesfalls, es wurde auch mit bei den anderen zwei Zahnradbahnen Österreichs gezeigt. Daneben zwei Dampfzug (einen mit den rot-weißen Wagen, anderen mit der bunten Gaisberg-Garnitur) für die höhere Fahrpreise zu behalten... das könnte auch noch wirtschaftlich sein.


Florian Ziese schrieb:
Zitat:
Zumindest bei meinem letzten Besuch vor einigen Jahren fuhr man eigentlich komplett ohne Strom, kein Strom auf dem Zug, kein elektrischen Weichen, nicht mal Blinklichter oder Schranken an den Bahnübergängen, die Pumpe zum Wasserfassen mit Dampf betrieben und nicht mit Strom.
Kein Strom auf dem Zug ist aber Eigentor... wären die Fahrzeuge beheizt und beleuchtet, könnte auch Betriebszeit länger dauern... fahrten in Winter oder zu Mondschein... da könnten manche Festkosten auch aus niedrigeren Preisen gedeckt werden.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: CH-Mirage

Datum: 21.03.20 18:04

Salü @no-night

Die Jungfraubahn (ich erwähne sie wegen Deiner interessanten Idee des JB-Rowan-Zugs) hat die gleiche 1000mm-Spur wie die Achenseebahn.

Das Problem dürfte eher das ‘exotische’ Drehstrom-System mit der nötigen doppelpoligen Fahrleitung und das andere Zahnstangen-System sein (JB: Strub, AsB: Riggenbach).

Ciao
Ueli



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.03.20 18:57.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 21.03.20 19:26

Florian Ziese schrieb:
Aber das ist wirklich die Frage was man mit diesen Triebwagen denn wollte. Sie sind nicht barrierefrei und müssten erst mal teuer dafür umgebaut werden (die AB setzte diese Triebwagen zwar mit drei Niederflursteuerwagen ein, diese hat man aber behalten...). Sie müssen erst mal für die steile Strecke am Achensee umgebaut werden, denn die Strecke Altstätten-Gais mit 160 o/oo (gleich steil wie die Achenseebahn) durften diese Triebwagen nicht befahren (dass dürfen nur die 11 Jahre jüngeren "Nachbauten"). Zudem sind die Triebwagen bis zu einer Elektrifzierung über 40 Jahre alt. Man kann darüber diskutieren ob die Triebwagen in der Schweiz noch ein paar Jahre längere eingesetzt hätten werden können. Aber ein Neubeginn am Achensee mit Fahrzeugen, die ein paar Jahre vor ihrem Lebensende stehen?

Es sind sich wohl alle, einschließlich der derzeitigen Führung der Achenseebahn AG, einig, dass mit diesem Zeugs nicht auszurichten ist.

Florian Ziese schrieb:
Für ein ÖPNV braucht es grundlegende Gleiserneuerungen, neue Bahnsteige, Sicherungsanlagen, Bahnübergangssanierungen und eben die teuere Elektrifizierung, wenn man die AB-Triebwagen einsetzen will.

Letzteres will ja niemand. Ansonsten sollte man den Investitionsbedarf schon bei jedem einzelnen Punkt hinterfragen. Der Zahnradabschnitt braucht derzeit wohl keine Sanierung. Die Flachstrecke war als sanierungsbedürftig angemeldet. Ob das wirklich nötig oder nur Luxusvorstellungen entsprang, ist schwer zu beurteilen. Allerdings ist dort ein ungewöhnlich leichtes Schienenprofil verbaut, das ich so noch nirgendwo sonst für Meterspur gesehen habe, auch nicht bei Straßenbahnen. So ungefähr wie dort müssen Pferdebahngleise ausgesehen haben. Das ist sicher nicht zukunftsfähig, aber der Aufwand zur Erneuerung mit zeitgemäßem Gleismaterial dürfte vertretbar sein und das Erscheinungsbild nicht beschädigen.

Dass die Haltestellen (sowohl vorhandene als auch neu zu bauende) zeitgemäße Bahnsteige bekommen müssen, ist klar, dürfte aber auch nur räumlich begrenzt sichtbar werden.

Sicherungsanlagen? Zweizugbetrieb kriegt man heute auch schon hin. Ich weiß nicht, was da wirklich nötig ist.

Die Elektrifizierung dürfte wohl das teuerste sein und das Erscheinungsbild am wesentlichsten beeinträchtigen. Bliebe die Frage, ob es Alternativen gäbe.

Florian Ziese schrieb:
Das alles wird verdammt teuer. Macht es da Sinn, kurz vor ihrem Lebensende stehende Triebwagen teuer umzubauen, die dann trotzdem noch alt sind und in einigen Jahren ersetzt werden müssen?

Sicher nicht. Das erinnert an den Versuch, der Murtalbahn die demnächst überzähligen Fahrzeuge der Waldenburgerbahn aufzuschwatzen - ebenfalls nicht barrierefrei und kaum jünger als die Bestandsfahrzeuge. Hat sich inzwischen wohl erledigt.

Das Problem mit dem Appenzeller Schrott wird sich wohl durch die Insolvenz erledigen. Der Insolvenverwalter wird das Zeugs als Schrott verwerten lassen, und dann ist das Thema hoffentlich abgehakt. Es lenkt nämlich von den realen Problemen und Möglichkeiten ab.

Florian Ziese schrieb:
Wirtschaftlicher dürfte es da eher sein, sich gleich von Stadler ein paar GTW auf den Hof stellen zu lassen, die dann auch die nächsten 30 Jahre ohne grösseren Aufwand fahren können. Macht vor allem ein viel attraktiveres Bild für potentielle Kunden als wenn man an den alten Triebwagen herumbastelt um da irgendwie einen barrierefreien Einstieg hineinmurkst.

So etwa. Geht das auch mit Akku?

Florian Ziese schrieb:
Und tariflich ist das schon ein Problem, mehr als den jetzigen Verbundtarif mit dem Bus darf die Fahrt mit der modernisierten Achenseebahn nicht kosten. Bleibt die Frage, wer die Differenz bezahlen will...

Das Land Tirol. Wenn man die bisher bei der Achenseebahn versenkten Mittel zum Bestellen von Nahverkehr benutzt, geht schon einiges.

Florian Ziese schrieb:
Die Fahrt mit der Dampflok und der alten Wagen ist sicher heute einer der Hauptgründe zur Fahrt, auch die steile Strecke hinauf mit Zahnrad ist gut für die Werbung (und hebt von anderen Bahnen wie der Zillertalbahn ab). Und dann eben, dass die Strecke in so altem Zustand ist, bei dem seit Betriebsbeginn fast nichts verändert wurde.
Zumindest bei meinem letzten Besuch vor einigen Jahren fuhr man eigentlich komplett ohne Strom, kein Strom auf dem Zug, kein elektrischen Weichen, nicht mal Blinklichter oder Schranken an den Bahnübergängen, die Pumpe zum Wasserfassen mit Dampf betrieben und nicht mit Strom. In den Gebäuden wird es zwar Strom, aber trotzdem macht das natürlich ein Flair aus, das man selten findet und sich auch herumspricht. Klar ist aber auch, auf der gleichen Infrastruktur kann man nicht gleichzeitig ÖPNV als Busersatz durchführen...

Man wird da sicher Kompromisse finden können. Wenn man ohne Oberleitung auskommt, wäre das meiste vom Erscheinungsbild schon gerettet. Aber z. B. der Bahnhof Eben kann hinterher nicht mehr aussehen wie jetzt.

no-night schrieb:
Daneben zwei Dampfzug (einen mit den rot-weißen Wagen, anderen mit der bunten Gaisberg-Garnitur) für die höhere Fahrpreise zu behalten... das könnte auch noch wirtschaftlich sein.

Denke ich auch. Aber nur noch nebenbei.

no-night schrieb:
Kein Strom auf dem Zug ist aber Eigentor... wären die Fahrzeuge beheizt und beleuchtet, könnte auch Betriebszeit länger dauern... fahrten in Winter oder zu Mondschein... da könnten manche Festkosten auch aus niedrigeren Preisen gedeckt werden.

Man hat vereinzelt Abendfahrten mit stationärem Abendessen angeboten. Zumindest das ging also offensichtlich.

Vor einigen Jahren war auch erstmals ein Winterbetrieb, zunächst nur für November und Dezember angekündigt. Realisiert wurde das aber nicht, die Ankündigung wurde klammheimlich und ohne jegliche Erklärung wieder einkassiert.

Hinsichtlich besserer Ausnutzung der Festkosten stimmt das, zumindest in der Theorie. Jeder Mehrverkehr muss ja nur die Grenzkosten wieder reinbringen. Allerdings ist die Auslastung in schwächeren Zeiten ziemlich dünn, so dass selbst die Grenzkosten eine Hürde darstellen.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: no-night

Datum: 21.03.20 19:28

CH-Mirage schrieb:
Salü @no-night

Die Jungfraubahn (ich erwähne sie wegen Deiner interessanten Idee des JB-Rowan-Zugs) hat die gleiche 1000mm-Spur wie die Achenseebahn.

Das Problem dürfte eher das ‘exotische’ Drehstrom-System mit der nötigen doppelpoligen Fahrleitung und das andere Zahnstangen-System sein (JB: Strub, AsB: Riggenbach).

Ciao
Ueli
Gruezi Ueli

Ich wollte damit nur daran reflektieren, daß bei Weiterführung eines reinen touristischen Betriebs nur solche elektrische Fahrzeuge Attraktivität hätten... insbesondere dort, wo das Betrieb selbst vielmehr die Attraktion ist, als die Umgebung der Strecke (egal ob Berglandschaft selbst, oder Aussicht davon).

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: no-night

Datum: 21.03.20 19:36

kaufhalle schrieb:
Allerdings ist die Auslastung in schwächeren Zeiten ziemlich dünn, so dass selbst die Grenzkosten eine Hürde darstellen.
Ist Achensee und die enge Umgebung in Winterzeit unattraktiv? (Frage nicht zu meckern, sondern da ich die dortigen Verhältnisse nicht komplett kenne.) Berglandschaften sollen doch gerade das Vorteil haben, nicht nur in warmen Jahreszeiten Besucher anzulocken... und bei Achensee kann es sogar besser gelten als bei einer kahlen Spitze mit nur Schnee drumherum.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 21.03.20 20:33

no-night schrieb:
kaufhalle schrieb:
Allerdings ist die Auslastung in schwächeren Zeiten ziemlich dünn, so dass selbst die Grenzkosten eine Hürde darstellen.
Ist Achensee und die enge Umgebung in Winterzeit unattraktiv? (Frage nicht zu meckern, sondern da ich die dortigen Verhältnisse nicht komplett kenne.) Berglandschaften sollen doch gerade das Vorteil haben, nicht nur in warmen Jahreszeiten Besucher anzulocken... und bei Achensee kann es sogar besser gelten als bei einer kahlen Spitze mit nur Schnee drumherum.

Da bin auch nur sehr begrenzt auskunftsfähig. Der Schwerpunkt liegt dort sicher im Sommertourismus. Die Rofanseilbahn erschließt auch Wintersportziele, aber die Achenseebahn hat als Zubringer dafür im Winter nie eine Funktion gehabt. Eine ÖPNV-Achenseebahn könnte das ändern. Hervorgehoben wird immer, dass der Achensee nie zufriert. Zumindest der Achensee selbst dürfte daher eher kein Ziel darstellen.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: CH-Mirage

Datum: 21.03.20 20:41

no-night schrieb:
CH-Mirage schrieb:
Salü @no-night

Die Jungfraubahn (ich erwähne sie wegen Deiner interessanten Idee des JB-Rowan-Zugs) hat die gleiche 1000mm-Spur wie die Achenseebahn.

Das Problem dürfte eher das ‘exotische’ Drehstrom-System mit der nötigen doppelpoligen Fahrleitung und das andere Zahnstangen-System sein (JB: Strub, AsB: Riggenbach).

Ciao
Ueli
Gruezi Ueli

Ich wollte damit nur daran reflektieren, daß bei Weiterführung eines reinen touristischen Betriebs nur solche elektrische Fahrzeuge Attraktivität hätten... insbesondere dort, wo das Betrieb selbst vielmehr die Attraktion ist, als die Umgebung der Strecke (egal ob Berglandschaft selbst, oder Aussicht davon).
Ja klar, merci.
So allgemein reflektiert bin ich absolut einverstanden.
Excusez, hatte halt den Focus zuerst auf die technischen Aspekte gerichtet.

Salut
Ciao

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 22.03.20 17:23

kaufhalle schrieb:
Da bin auch nur sehr begrenzt auskunftsfähig. Der Schwerpunkt liegt dort sicher im Sommertourismus. Die Rofanseilbahn erschließt auch Wintersportziele, aber die Achenseebahn hat als Zubringer dafür im Winter nie eine Funktion gehabt. Eine ÖPNV-Achenseebahn könnte das ändern. Hervorgehoben wird immer, dass der Achensee nie zufriert. Zumindest der Achensee selbst dürfte daher eher kein Ziel darstellen.

Die Region Achensee ist diejenige in Tirol mit dem ausgeglichensten Verhältnis zwischen Sommer- und Wintertourismus. Man kann am Achensee sowohl alpin als auch nordisch Schilaufen, auch wenn die Schigebiete natürlich nicht mit dem Vergleichbar sind was man sonst so in Tirol findet. Aber die Bahn erschließt kaum wichtige Ziele. Nur die Rofanseilbahn und die Loipen in Maurach werden einigermaßen direkt erschlossen, aber nicht mal das Schwimmbad in Maurach (mehr als 1 km Fußweg). Von den Loipen und Schigebieten in Achenkirch und Pertisau rede ich gar nicht erst, das sind aber blöderweise noch die interessanteren Gebiete. Während ich z.B. vor einigen Wochen in Pertisau durch die schönste Winterlandschaft gelaufen bin, war in Maurach nicht an Langlauf zu denken, es betrifft also auch noch die Schneesicherheit.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.03.20 17:29.

Re: [AT] Achenseebahn bereitet Insolvenzverfahren vor

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 22.03.20 17:32

kaufhalle schrieb:
Es sind sich wohl alle, einschließlich der derzeitigen Führung der Achenseebahn AG, einig, dass mit diesem Zeugs nicht auszurichten ist


Da habe ich leider schon andere Aussagen gehört. Ich hoffe aber, dass derjenige der das gesagt hat damals nur loyal seinem Chef gegenüber war und jetzt eine andere Einstellung dazu hat.
kaufhalle schrieb:Zitat:

Letzteres will ja niemand. Ansonsten sollte man den Investitionsbedarf schon bei jedem einzelnen Punkt hinterfragen. Der Zahnradabschnitt braucht derzeit wohl keine Sanierung. Die Flachstrecke war als sanierungsbedürftig angemeldet. Ob das wirklich nötig oder nur Luxusvorstellungen entsprang, ist schwer zu beurteilen. Allerdings ist dort ein ungewöhnlich leichtes Schienenprofil verbaut, das ich so noch nirgendwo sonst für Meterspur gesehen habe, auch nicht bei Straßenbahnen. So ungefähr wie dort müssen Pferdebahngleise ausgesehen haben. Das ist sicher nicht zukunftsfähig, aber der Aufwand zur Erneuerung mit zeitgemäßem Gleismaterial dürfte vertretbar sein und das Erscheinungsbild nicht beschädigen.

Ich war im Herbst 2018 mit der Achenseebahn unterwegs.
Der obere Flachbahnabschnitt war in einem sehr schlechten Zustand; dort gab es viele Langsamfahrstellen.

MMn besteht dort ein ziemlicher Investitionsbedarf.

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