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 08/02 - Alpenlandforum 

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Quelle: YouTube
Nun ist er also gekommen, DER! Tag. Der letzte Tag. Wieder wird eine Bahnverbindung zu Grabe getragen. Wieder hat die Straße gesiegt, Menschen müssen nun in kalten, unbeheizten Buswartehäusschen an lauten Straßen auf den Bus warten, der mal mehr, mal minder zuverlässig und pünktlich kommt. Jeder, der auf den Bus angewiesen ist, kann von der Unzuverlässigkeit dieses Verkehrsmittels ein Lied singen. Im Winter, bei glatten Straßen kommt der Bus auch gern mal gar nicht.

Doch, bevor ich euch jetzt auf den letzten Tag im Schweinbarther Kreuz mit nehme, wir die emotionale Verabschiedung der Eisenbahn im Wiener Gürtel erleben werden, möchte ich noch ein paar neue, interessante Fakten aufzeigen, das einmal mehr aufzeigt, wie eine Bahn zum Spielball der Politik wurde. Das die Eisenbahn im Einzugsgebiet der Großstadt Wien Potenzial hat, erkannte der im Weinviertel heimische Politiker Karl Wilfing, der vom 28. April 2011 bis zum 22.03.2018 als Nachfolger von Johann Heuras Landesrat für Bildung, Jugend, Raumordnung und öffentlichen Verkehr in der Landesregierung Pröll V war:

Bild 1:
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Bild 2:
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Bild 2 (Fortsetzung)
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2017 bekräftigte er die Rolle der Lokalbahnen als wichtiger Zubringer zu den Hauptbahnen und machte auch in den öffentlichen Tageszeitungen keinen Hehl draus, wie der NÖN berichtet:

Bild 3:

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Man sieht also, der damalige Verkehrslandesrat Karl Wilfing erkannte die wichtige Rolle der Bahn, mehr noch, er war für eine Verbesserung der Strecke, für die Beseitigung der zahlreichen "Langsamfahrpassagen", wie er sie nannte. So verwunderte es auch nicht, das im September 2017 in einem vom Land Niederösterreich herausgebrachten, öffentlich einsehbaren Gutachten: [www.noe.gv.at] die Lokalbahn einen festen Platz in der Mobilitätslandschaft inne hatte. Das Gutachten sah vor, für einen Zeitraum von 10 Jahren weiterhin Nahverkehr auf den Strecken zwischen Obersdorf-Groß Schweinbarth/Gänserndorf-Bad Pirawarth zu bestellen. Auch der Fahrplan stand fest, hier ein Auszug:

Bild 4:
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Bis zum Dezember 2029 sollte der Schienenverkehr "gesichert sein". Anbei weitere interessante Details aus dem Gutachten, man beachte, das die Fahrgastzahlen von 6500 auf 11000 Personen gesteigert hätten können, das entspricht 40%:

Bild 5:
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Bild 6:
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Bild 7:
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2017 titelte das Gutachten folgendermaßen: "die Zukunft beginnt heute", "Attraktive Regionalbahnen":

Kamptalbahn;
Traisentalbahn;
Erlauftalbahn und:

Das Schweinbarther Kreuz;

0,4 Millionen Zugkilometer p.a.
sollten erbracht werden, wie es im Gutachten heißt:

Bild 8:
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Bild 9:
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Bild 10:

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Bild 11:
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Doch, wie es so ist:

Bild 12:
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Was ist eine Unterschrift wert? Was sind Aussagen von Politikern wert?
Das fragen sich die Menschen heute in der Region und fühlen sich verarscht... Politiker reden gerne mal so, wie sie es für ihre Karriere brauchen. Kommen dann neue Politiker "an die Macht", werden die Karten oftmals neu gemischt. Niederösterreich ist ein Bundesland, das leider zu gern auf die Straße setzt - diesen Eindruck habe ich bei meinen zahlreichen Besuchen dort seit 2006 jedenfalls gewonnen (und nach Gesprächen mit den Anwohnern dort auch diese selbst). Man denke nur an die beispiellose Zerstörung der Ybbstalbahn, leider hat Karl Wilfing dort auch sein "Ok" zum Abriss gegeben, in einem Interview bezeichnete er deren Zerstörung als "sinnvoll".

Seit dem 22. März 2018 ist nun Ludwig Schleritzko (https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Schleritzko) für die Finanzen und die Mobilität (Straßenbau und öffentlicher Verkehr) in Niederösterreich verantwortlich. Und schon ist alles anders. Die Karten wurden neu gemischt. Die ÖBB haben keinen Cent in die "Beseitigung der Langsamfahrpassagen", wie Karl Wilfing es beschrieb, investiert, nein. Das Schweinbarther Kreuz war ja im ÖBB Netz 2025+ nicht enthalten, weshalb vom Land Niederösterreich, aus dem Regierungssitz in Sankt Pölten eindeutige Signale in Richtung ÖBB hätten gehen müssen, was wohl aber nicht der Fall war. Wir erinnern uns, bereits vor fast 10 Jahren, 2010, verloren die ÖBB am Weiterbetrieb der Strecken das Interesse. Entgegen der Zusicherung von Wilfing, die Bahn weiterbetreiben zu wollen, wurde kein Infrastrukturvertrag zwischen der ÖBB und dem Land Niederösterreich beschlossen. Stattdessen war im Frühjahr 2019 nun folgendes aus dem Verkehrsbüro zu lesen:

Bild 13:
https://abload.de/img/screenshot_20200203-2lvkjn.jpg

Unter dem Titel "Schweinbarther Kreuz wird zur Innovationsregion mit deutlich verbessertem Mobilitätsangebot" wurde im Frühjahr 2019 die Katze aus dem Sack gelassen. Man schob der ÖBB den schwarzen Peter zu, die die Strecke angeblich zu sperren will.

Dies stimmt jedoch nur zum Teil.

In folgendem pdf (öffentlich einsehbar) ist für die Verkehre ab Dezember 2019 sehr wohl der Weiterbetrieb der Strecken im Schweinbarther Kreuz vorgesehen:

[www.bmvit.gv.at]

Auf Seite 19 ist dann die R12/13 "Schweinbarther Kreuz" enthalten, jedoch mit folgendem Zusatz:

"Dieses Systemangebot wird nur unter der Bedingung Teil des im gegenständlich vorinformierten Verkehrsdienstevertrag zu vereinbarenden Leistungsgegenstands, dass der noch zu vereinbarende Infrastrukturfinanzierungsvertrag zwischen dem BMVIT und dem Land Niederösterreich bis zum 30. März 2019 unterfertigt wird und darin ein Weiterbetrieb der Infrastruktur dieser Strecke vorgesehen ist".

Dies bedeutet, das die ÖBB nur dann die Strecken weiterbetreibt, wenn also das Land Niederösterreich und die ÖBB den oben angesprochenen Infrastrukturfinanzierungsvertrag abschließen, der die dringend nötige Sanierung und Finanzierung des Weiterbetriebes der Bahn regelt. Sehen wir uns dazu noch ein paar Screenshots von der Bürgerinnitiative an: (für die, die sich alles zur Gänze durchlesen möchten: [regionalbahnstattbus.miraheze.org]

Wo liegt das Interesse der Landespolitik? Beim Bahnbetrieb? Nein, man führt ein neues Bussystem ein.

Bild 14:

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Hier noch aus der Ausschreibung der ÖBB:

Bilder 15-16:
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Damit war klar, in welche Richtung die Weichen für die Weinviertel-Landesbahn gestellt werden. Ins Abstellgleis. Nach fast 120 Jahren wurde die Einstellung beschlossen, als letzter Betriebstag war ursprünglich bereits der 1. September 2019 ins Auge gefasst worden, ab da griff ja das neue "Mobilitäts-Bus-Konzept". Da jedoch -zum Glück- der alte Verkehrsvertrag noch seine Gültigkeit inne hatte, fuhr die Bahn erstmal noch weiter. Allerdings die letzten 4 Monate jetzt parallel mit dem Bus, wie der Fahrplanauszug aufzeigt... Im Abschnitt Gänserndorf-Matzen-Obersdorf fahren Bus und Zug zu fast identischen Fahrzeiten alle 30 Minuten. Das das Ganze absolut sinnbefreit ist, dürfte jedem klar sein. Vermutlich wurde das gemacht, als Vorlaufbetrieb, um der Bahn noch die letzten Fahrgäste zu entziehen. Doch, der Schuss ging nach hinten los, die Menschen benutzten weiterhin den Zug, die Busse fuhren bis auf wenige Ausnahmen leer durch`s Weinviertel.

Bilder 17-19:

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Wer nach Groß Schweinbarth muss, ist in Raggendorf gezwungen, umzusteigen.
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Als Datum der Betriebseinstellung wurde nun für die Strecke Groß Schweinbarth-Bad Pirawarth Freitag, der 13.12.2019 und für die Reststrecken Gänserndorf-Groß Schweinbarth / Obersdorf-Groß Schweinbarth Samstag, der 14.12.2019 vorgesehen. Nach fast 120 Jahren treuer Dienste am Menschen, sei es zur Fahrt in die Arbeit, in die Schule, oder zum Wanderausflug oder wenn man nach dem Besuch eines der zahlreichen Heurigen in der Gegend nicht mehr ganz so standfest war und die Bahn Einen dann sicher wieder heim brachte, all Das würde ab 15. Dezember 2019 für immer der Vergangenheit angehören. Anbei noch ein paar Fahrkarten, die bei den zahlreichen Besuchen und Mitfahrten auf der Bahn entstanden sind:

Bild 20:
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Rechts oben die Fahrkarte vom letzten Zug Bad Pirawarth-Groß Schweinbarth am Freitag, den 13. Dezember 2019.

Bild 21:
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Am 5. November ging die Reise hinüber in die Slowakei zur Nebenbahn Zohor-Zahorska Ves. Auf der Nebenbahn mit Slowakiens westlichsten Bahnhof endete ebenfalls zum 14.12.2019 der Gesamtverkehr. So konnten gleich 2 Bahnen besucht werden in 2 unterschiedlichen Ländern, die eingestellt wurden!

Bild 22:
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Bild 23:
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Ich war bereits mehrere Tage im Vorfeld der Betriebseinstellung vor Ort. Nochmals wurde exzessiv mitgefahren, Fotos gemacht. So wanderte ich einmal von Groß Schweinbarth den parallel der Bahn verlaufenden Wanderweg hinüber über Raggendorf Bahnhof zur Kapelle vom heiligen Rupertus, weiter über den Raggendorfer Berg mit seiner schönen Aussicht ins slowakische... dann hinunter nach Matzen. Und immer wieder musste ein Stopp für ein Bild eingelegt werden. Besonders angenehm war ein Tag im Oktober, als ich ebenfalls an der Bahn verweilte. Ich saß an der Kapelle, auf der Bank, die Sonne brannte auf den Bauch, die Nadelbäume an der Bahn rauschten im starken Wind, es war eine herrliche Ruhe. Ja, hier kann man schön abschalten vom Alltag.

Heute schreiben wir nun Samstag, den 14. Dezember 2019. Der Tag begann so anders als im Oktober. Trüb, grau, stark bewölkt und windig eben dem Anlass entsprechend?? Der an den Vortagen gefallene Schnee war bis auf paar Reste wieder weggetaut. Kein sonderlich einladendes Wetter, um raus zu gehen und zu fotografieren. Während ich im Hotel in Auersthal beim Frühstück saß, überlegte ich mir das Tagesprogramm. Ich rechnete damit, das die Anwohner vermutlich heute alle noch ein letztes Mal mit ihrer Bahn mitfahren würden, die Züge wohl gut voll sein werden und so auch auf jeden Fall an jedem Bedarfshalt stehen würden... Das sollte mir den Vorteil von Nachtaufnahmen auf den Unterwegsbahnhöfen sichern. Im Alltagsbetrieb war das Fahrgastaufkommen oft derart gering, das die Züge ohne Halt an den Stationen außer Bockfließ durchfuhren. Nach dem Frühstück sattelte ich dann also meinen Rucksack und machte mich auf, zum Bahnhof Auersthal, mit seiner wechselvollen Geschichte. Einst fuhr man von hier bis nach Wien hinein... dachte ich mir so, während mein Blick auf den Fahrplanaushang fiel:

Bild 24:
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In Auersthal hatte jemand "klebrige Pfoten" gehabt. Sämtliche Anschläge wie Fahrplan, Informationen zum "Handyticket", hier "Bhf. Auersthal" usw. zieren jetzt vermutlich irgendwo die Wand eines Hobbyraumes. Ein "Arbeitskreis Abschiedskultur" hatte einen "nur am 14.12.2019" gültigen hand-geschriebenen "Ersatzfahrplan" angebracht. Hier sind sie nun: die letzten Zugankünfte/Zugabfahrten, die es in Auersthal geben wird! Und da bei letzten Fahrten natürlich eh schon alles Wurscht ist und Fahrpläne eher Makkulatur sein dürften, sind "alle Angaben ohne Gewähr".

Aber auch auf den anderen Bahnhöfen und Haltestellen waren die Anwohner nicht untätig.

Bild 25:
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Im Ortskern von Auersthal weist am letzten Betriebstag der Bahn dieses Plakat auf einen günstigen Nahverkehr mit der Bahn hin - während der Bahnverkehr hier und heute eingestellt wird. Ist wahrscheinlich österreichischer Humor.

Bild 26-27:
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In Bockfließ weist bereits seit etwa 8. Dezember diese Tafel am Bahnhof auf das bevorstehende, traurige und denkwürdige Ereignis hin.
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Bild 28+29:
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Wolfgang Sobotka war schon beim Ende der Ybbstalbahn mit "im Boot". Ob er hier auch seine Hände mit im Spiel hat, weiß ich allerdings nicht. Aber das Plakat finde ich dennoch mehr als passend, stehen doch die Signale für die Bahn auf Rot, auf Stopp! Nach dem Abschluss der Wahlen machen "wir Volksvertreter", also, die, die vom Volk gewählt wurden, um ihre Interessen zu vertreten, wieder an die Arbeit! Für noch mehr Straßenverkehr. Jawohl, denn genau das wünschen sich hier alle Anwohner: [www.noen.at] UND: [www.noen.at]

Anrainer beklagt zu viele Busse

Weinviertler beschwert sich über Verkehrsprobleme und Grüne-Abgeordneter sieht Aushungern der Region. Die Landes-ÖVP spricht von attraktivem Angebot.

Im Dezember werden die Dieselzüge am Schweinbarther Kreuz die letzten Fahrten zurücklegen. Auch wenn die Busse auf den neuen Routen bereits fahren, regt sich nach wie vor Widerstand gegen die noch ausstehende Einstellung des Zugverkehrs. So regt etwa Helmut Hansy in Raggendorf (Gänserndorf) der zusätzliche Verkehr durch die Busse auf. Die Auersthaler Straße sei von dem Verkehrszuwachs extrem betroffen, der Raggendorfer spricht von 140 Busfahrten, da sich hier zwei Buslinien kreuzen. Für die Anrainer hätte das Lärm und Abgase und im Winter wegen des Splitts am Asphalt auch Staub zur Folge. Auch in den Gemeinden Pillichsdorf, Großengersdorf und Bockfließ wurde der zusätzliche Verkehr durch die Busse bereits thematisiert. Die drei Gemeinden liegen auf einer viel befahrenen Pendlerroute. Wenn hier im Berufsverkehr die Busse Halt machen, könnte es zu ärgerlichen Staus kommen.
Hansy hinterfragt zudem die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit des Halbstundentakts bei den Busfahrplänen. Das seien zu viele Busfahrten für den tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung, vor allem im Zeitraum zwischen 9 und 15 Uhr. „Nach welchen betriebs- und volkswirtschaftlichen Grundsätzen hier vorgegangen wurde, ist nicht zu erkennen. Politischer Wille allein ist kein Freibrief, Steuergeld vernunftbefreit einzusetzen“, empört sich der Raggendorfer.
Auch der Grüne-Landtagsabgeordnete Georg Ecker hat keine guten Worte für den neuen Busbetrieb übrig: „Zu geringe Umsteigezeiten, längere Fahrzeiten, undurchsichtige Fahrpläne und bis auf wenige Ausnahmen schlechtere Verbindungen“, bemängelt Ecker. Die Strecke von Leopoldau nach Bockfließ würde laut Ecker nun 55 statt 24 Minuten in Anspruch nehmen (die Busse steuern den Bahnhof Wolkersdorf statt Obersdorf an). „Nicht wenige werden dadurch gezwungen, aufs Auto umzusteigen“, fürchtet Ecker.
Der Landtagsabgeordnete macht die Landes-ÖVP dafür verantwortlich: „Mit diesem Fahrplan hungert die ÖVP Niederösterreich die Region rund ums Schweinbarther Kreuz hinsichtlich des öffentlichen Verkehrs völlig aus“, sagt er. Günter Haslauer von der Landes-ÖVP lässt jedoch ausrichten: „Das Land ist nach der Ankündigung der ÖBB, die Strecke einzustellen, sofort eingeschritten und hat ein attraktives Öffi-Angebot geschnürt.“ ÖVP-Landesrat Ludwig Schleritzko und der VOR haben für das Jahr 2021 bereits E-Busse in Aussicht gestellt.

Es wurde ja nun das Beste Mobilitätsangebot geschaffen (der "billige Bus") und nicht das mit dem vermeintlich "besseren Image" (also der Bahn, man stelle sich hier den City-Jet Eco vor) O-Ton aus einer Politikeraussage. Diese Aussage finde ich sehr interessant, verkündete doch vor 2 Jahren Karl Wilfing noch davon, das die Bahn unverzichtbar sei, und heute, 2019 ist die Bahn ein Verkehrsmittel, spöttisch betrachtet, mit "dem besseren Image"... Jeder darf sich jetzt seinen Teil allein dazu denken...

Na, ob hier auch in ein paar Jahren sich Politiker wie einst im Ybbstal dabei fotografieren lassen, wie sie die "nicht mehr benötigten Stopptafeln" unter "Beifall-Klatschen" der (vermutlich bestellten) Autofahrer abmontieren und dabei grinsend in Kameraaugen von Zeitungsreportern sehen?
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davon unbeeindruckt fährt 5047 050 im Herbst 2019 in den Halt Groß Engersdorf ein.

Nach weiteren Bildern auf dem Gänserndorfer Streckenast fuhr ich dann am Abend langsam nach Bockfließ. Ich wollte unbedingt dabei sein, wenn die Bevölkerung von ihrer Bahn Abschied nimmt. Vorher ging es jedoch gegen 18 Uhr noch einmal zum Heurigen in Bockfließ, bei einem Schichtsalat und einem edlen Tropfen konnte ich mich schon mal auf das einstimmen, das jetzt folgen wird. Als die Uhr langsam, aber unaufhaltsam gen 20 Uhr vor rückte, ging ich hinüber zum Bahnhof. Dort angekommen, war noch Alles ruhig. Ich nahm wohl als letzter Reisender überhaupt im beheizten Warteraum des Bahnhofsgebäudes Platz. Je weiter es auf die letzte Zugsankunft aus Groß Schweinbarth zu Ging, um so mehr füllte sich der Bahnhofsvorplatz.

Bild 30:
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Um kurz vor 21:00 Uhr, am 14. Dezember 2019, stimmte dann die Kapelle des Jugendblasorchesters von Bockfließ (Bockflüss) seine traurige Melodie an, als 5047 060 als letzter Zug die einst wichtige Station von Groß Schweinbarth her erreichte.

Bild 31:
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Und schließlich war es dann soweit: mit nur 2 Minuten Verspätung, am 14.12.2019, um 21:02 Uhr, rollte mit dem voll besetzten 5047 060 zum vorletzten Mal ein Personenzug in den Bahnhof Bockfließ ein.

Bild 32:
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Fotografierende Anrainer, grölende Jugendliche einer Gruppe von etwa 20 Leuten, die jetzt, bewaffnet mit einer Kiste Puntigamer, dem "bierigen" Bier aus der Steiermark, zum Bahnsteig liefen, um noch eine letzte Runde mit "ihrer Lokalbahn" nach Obersdorf und wieder zurück mitzufahren. Es hatte aber irgendwie auch etwas "schönes", diese Einstellung. Menschen, die sich vielleicht schon länger nicht mehr gesehen hatten trafen sich, es wurde miteinander geredet, ältere Damen/Herren erzählten mir Schwanks ihrer Lokalbahnerlebnisse. Erstaunen darüber, was ein Bahnfreund aus Sachsen, "das liegt doch in der ehemaligen DDR?!" hier im Weinviertel bei einer Bahneinstellung macht?! "Wie haben sie das erfahren?" wurde ich gefragt. Ich blieb entgegen der ursprünglichen Idee, mit hinüber nach Obersdorf mitzufahren, in Bockfließ. Mitbestreiter der Bürgerinitiative verteilten Handzettel über einen "Regiojet" Weinviertel, der hier einmal fahren soll, in 32 Minuten nach Leopoldau hinüber. Sollten die Bemühungen Früchte tragen. Ich kam mit Anwohnern ins Gespräch, viele bedauerten die Einstellung. Eine Dame erzählte von ihren Eltern, die früher Zigarrettenhülsen drehten. Jeden Montag fuhren sie mit ihrer Ware nach Stammersdorf, wo sie dann in die Straßenbahn umstiegen und ihre Ware an verschiedene Trafiken verkauften, von dem Geld wurden dann lebensnotwendige Dinge eingekauft, bevor es am Nachmittag mit dem Zug wieder heim ging. Die Zeit verging wie im Flug. Die Ankunft des letzten Zuges rückte immer näher. Die letzten Minuten für die Weinviertel-Landesbahn brechen unaufhaltsam an.

Lassen wir jetzt 2 Videos sprechen, die ich angefertigt habe.


21:30 Uhr war es soweit. 5047 060-8 rollt unter den Klängen des Jugendblasorchesters in die kleine Station ein:

Video 1:
Quelle: YouTube
Der Triebwagen ist zum Bersten voll besetzt, jeder möchte noch einmal mit. Im Zug fuhr auch der Dienststellenleiter mit, der es sich nicht nehmen ließ, sich von Stammfahrgästen zu verabschieden, die im Zug mit fuhren.

Video 2:
Quelle: YouTube
Ich bestieg nun mit zittrigen Beinen den letzten Zug im Schweinbarther Kreuz, R 7259! Es war für mich ein sehr emotionaler Moment. Viele Menschen gaben ihrer Eisenbahn das letzte Geleit, sie winken mit den Taschentüchern, die Musikkapelle spielte wie einst zur Eröffnung am 26.04.1903, als die Lokalbahn feierlich eröffnet wurde. Als sie Wohlstand brachte, den dringend benötigten Fortschritt. Man konnte nun lange Güterzüge bilden und hohe Tonnagen von A nach B transportieren. Milch zur Molkerei nach Stammersdorf. Dünger für die Felder empfangen. Alles, was früher, bis in die 1990er Jahre hier auf Schienen gefahren wurde, einmal am Tag. Und heute von massenhaft LKW über den ganzen Tag Lärm und Co2 durch Reifenabrieb verursacht, jedoch hauptsächlich Lärm, wenn sich die Laster durch die Orte quälen. Das Triebfahrzeugpersonal lachte noch ein letztes Mal mit seinen Stammfahrgästen, die sich ebenfalls am Bahnhof eingefunden hatten, es wurde sich herzlich Geschenken voneinander verabschiedet, bevor mit kräftigem, beidseitigem Pfeifen der kleine, prall gefüllte Triebwagen für immer Bockfließ verließ. Unter großer Anteilnahme nahmen Mensch und Tier Abschied von ihrer Lokalbahn.

Tief und schwarz war die Nacht, als 5047 060 mit ein wenig Verspätung und mehr oder weniger dauerpfeifend hinüber nach Groß Schweinbarth rollte. Im Zug war festliche Stimmung, kurz vorm Ziel dankte der ÖBB Dienststellenleiter von Groß Schweinbarth mit einer emotionalen Ansage den Fahrgästen für ihre Treue zur ÖBB und wünschte allen Gesundheit, eine besinnliche Adventzeit und alles Gute für die Zukunft. Die letzten 1,5 km bis in den Bahnhof Groß Schweinbarth wurden dann dauerpfeifend befahren. Eigentlich wäre der Gänserndorfer Zug, der aus 5047 038 bestand, als letzter in Groß Schweinbarth eingefahren, aufgrund unserer Verzögerung war es dann aber unser Zug. Nach der Ankunft wurden beide Triebwagen aneinander rangiert. Inzwischen hatte sich auch der Bus eingefunden.

Bild 33+34:
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Der ÖBB Dienststellenleiter hielt nun eine Abschiedsrede, dankte den Eisenbahnern für ihre Arbeit. Dem Busfahrer wünschte er eine gute Fahrt, und "übertrug ihm" nun offiziell die Transportaufgaben von der Bahn. Der Lokführer des letzten Zuges erhielt ein kleines Präsent, hier ein Pressefoto: [www.noen.at] während Pressefotografen fleißig ihre Bilder anfertigten, um damit am Folgetag ihre Regionalpresse zu bestücken, taten wir Bahnfreunde dies ebenfalls. Aber, um in 20 Jahren, wenn hier vermutlich keine Gleise mehr liegen, uns vielleicht bei einer Bahndammwanderung erinnern? An Ludwig Schleritzko, an Karl Wilfing? Die ÖBB und ihrer Stilllegungspolitik, die EU-Politiker, die hier Geld für die Radwegerrichtung locker gemacht hatten?

Nachdem jeder sein Abschiedsfoto im Kasten hatte, war er dann gekommen, der Moment. Der Leereisezug, bestehend aus den beiden letzten Triebwagen im Schweinbarther Kreuz, 5047 060 und 5047 038, verließ mit laut aufbrüllenden Motoren ein letztes Mal Groß Schweinbarth. Mit einem nicht enden wollenden Pfeifkonzert in allen Tonlagen entschwand der Zug in die dunkle Nacht.

Nun war es also soweit. Groß Schweinbarth hat keine Bahn mehr.
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Kurz vor der Abfahrt des entgültig letzten Zuges, der ein Leerpersonenzug war. Der ÖBB Dienststellenleiter wird den abfahrenden Zug gleich mittels einer "Biertaufe" vom Bahnhof Groß Schweinbarth verabschieden.

Bild 35:
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Da steht er nun, der "neue" Personennahverkehr, die italienische Gummieisenbahn. Ein moderner Bus des 1975 in Turin/Italien gegründeten Herstellers IVECO befördert nun im 30 Minutentakt die Fahrgäste im Einzugsbereich des Schweinbarther Kreuz. In Kürze wird er abfahren. Es ist inzwischen 22:10 Uhr. Nachdem alle Reisenden nach Hause gegangen sind, bzw. die angereisten Bahnfreunde im Bus Platz genommen hatten und heim fuhren, blieb ich noch etwas hier, denn auf dem Bahnhof war noch lange kein Ende! Ich wollte noch etwas abschalten, die Stimmung "genießen".

Bild 36:
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Obwohl es ein trauriges Ereignis war, war die Stimmung hier so gar nicht traurig. Im Bahnhof war für die nächsten Stunden noch ein letztes Mal richtig Leben. Die Eisenbahner feierten ihren ganz persönlichen Abschied, es wurde gelacht, geweint, der "Leichenschmaus" kredenzt. Zu belegten Brötchen, heißen Würstschen wurde sicher so mancher Schwank zum Besten gegeben. Für die Eisenbahner stirbt jetzt ihre Familieneinsatzstelle, sie werden nun sicher stressigen S-Bahndienst in anonymen Großstadt-Dienststellen schieben müssen.

Das gemütliche umher-dieseln durch die sanfte Weinviertel - Hügellandschaft, zwischen Ölpumpen hindurch-alles ab jetzt vorbei. Gegen Mitternacht machte auch ich mich dann auf den Fußweg hinüber nach Auersthal zu meinem Hostel durch leergefegte Straßen einer idyllischen Ortschaft im Weinviertel. Ein letztes Mal sog ich das Flair des Weinviertel auf. Durch die dunkle, gespenstige Nacht ging es nun, vom Mond beleuchtet unter teilweise Sternenhimmel. Beim passieren der Hügel leuchtet und blinkt rot der schier unendliche Park aus Windmühlen, die fleiß0ig Ökostrom erzeugen und wohl bald Elektrobusse damit versorgen werden.

Bild 37:
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am trüben 15. Dezember 2019 war er vollzogen, der Verkehrsträgerwechsel. Im 30 Minutentakt donnern jetzt durch die engen Ortsdurchfahrten Busse. In Kürze wird mein Bus kommen, um mich -übrigens als einzigen Fahrgast- nach Wolkersdorf zu befördern.

Eine Bürgerinitiative kämpft nun um eine Erhaltung der Bahn. Mit der Graz - Köflacher Eisenbahn ist inzwischen auch ein neuer Betreiber gefunden worden. Doch, damit dieser zum Zuge kommt, müsste das Land Niederösterreich zuerst Leistungen bestellen. Doch der Zug dazu ist "sprichwörtlich" abgefahren. Raggendorf bekommt einen Busbahnhof, investiert werden dazu 400.000 Euro. In Wolkersdorf, Gänserndorf und Bad Pirawarth wird alles für den Betrieb mit Elektrobussen vorbereitet-die Region wird zur Modellregion in Puncto E-Busbetrieb.

Da wird man wohl kaum noch einmal Zugverkehr bestellen. Das wäre erst Recht Krampf.

Die Bahnanlagen werden vorerst für 1 Jahr vorgehalten, für einen "Neuen" Betreiber, wenn er denn ein Konzept vorlegen kann. Auch Sonderfahrten sind so aktuell noch möglich. Doch die entgültige Einstellung und Entwidmung der Bahn dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Und am Ende ergeht es ihr dann wie der Ybbstalbahn im Nationalpark Eisenwurzen, wo das Land Niederösterreich 10 Millionen Euro locker machte, um einen Fahrradweg auf der Bahntrasse mit Designermöbeln zu errichten.

Damit endet der Bericht über den Verkehrsmord, der im Wiener Gürtel verübt wurde. Die Täter werden nie verurteilt werden-bis dahin, wo die verfehlte Verkehrspolitik dann zugegeben wird, sind die längst abgetaucht.

Als Abschluss/Abschied soll noch folgendes Video die Stammersdorfer Lokalbahn, wie sie in unseren Herzen auf ewig weiterleben wird, zeigen. In unsere Herzen ist sie schon vor langer Zeit eingefahren, und hier wird sie auch weiterfahren.

Video 3:
Quelle: YouTube

Gruß, 219 003-1



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.02.20 19:37.
Bei allem Verständnis für Frustration und Trauer über Streckenschliessungen usw.: ich finde den Titel Verkehrsmord unangemessen.

Biotoms Reiseberichte: [www.drehscheibe-online.de]
Doch, das kommt schon hin... Leider...
Danke für den traurig- schönen Beitrag!
Sehr gern. Es war mir ein Bedürfnis, diesen Frevel jedem aufzuzeigen, der hier begangen wird. Wie oft hört und liest man in den Medien von zugesperrten Eisenbahnen, und 10 Jahre später ist das Gejammere groß. Man braucht nur mal nach Deutschland zu gucken, wo Proffessoren (!) Bahnlinien zur Reaktivierung empfehlen, wo man vor 20 Jahren gelacht hat. Und die Menschen dort wollen ihre Bahn, mit sinnvollen Konzepten wäre auch was drin, wie Karl Wilfing es in den verlinkten Gutachten erkannt hat.

Und was eine Touristikbahn wie im Waldviertel inzwischen jährlich an Fahrgastzahlen hat, beweist es-die Bahn macht Sinn. 2001 endete der Regelverkehr Gmünd-Groß Gerungs. Auch hier-leere VT 5090. Fahrgastzahlen jenseits von Gut und Böse. Und heute wo nur Touristenzüge fahren, mit sinnvollem Konzept, rennen die Leute die Waldviertler Schmalspurbahn ein.

Gruß, 219 003-1

Etwas mehr Sachlichkeit hätte nicht geschadet

geschrieben von: D 2027

Datum: 14.02.20 23:36

Auch ich kann nachvollziehen, dass Dich das Thema berührt und Chapeau für diese Fleißarbeit. Ein sehr interessanter Beitrag mit vielen schönen Fotos garniert.

Aber ein kleines bißchen weniger reißerisch und ideologisch hätte dem Bericht gut getan. Es fällt so nicht nur schwer diesen zu lesen, sondern leider angesichts der zahlreichen sprachlichen Stilbrüche auch mit zunehmender Lesedauer schwer ihn ernst zu nehmen.

Trotzdem vielen Dank für´s Einstellen. Ich bin selbst seit über 20 Jahren immer mal wieder aus Spaß - meistens jedoch, so ehrlich muß man sein, ziemlich alleine - mitgefahren und werde die Strecke vermissen. Das war von Wien aus immer mal ein schöner Ausflug auf ein Viertel grünen oder auch zwei... :-)

Erik

Alles kann passieren, alles ist möglich. Die Welt ist groß und wir sind wunderschön!

Re: Etwas mehr Sachlichkeit hätte nicht geschadet

geschrieben von: 219 003-1

Datum: 15.02.20 19:28

Hallo D2027,

Danke für die Blumen und die Kritik, okay, zugegeben, ich halte seeeehr viel von der Schiene, daher auch die ideologische Schreibweise ;) es geht mir sehr nahe, was da gemacht wurde. Ja, das reißerische passiert mir 7mmer wieder. Beim nächsten Bericht der dann ein Buch wird, werde ich versuchen weniger reißerisch zu agieren.

Gruß, 219 003-1
da gibt es nur eines: Onlinepetition und an den Petitionsausschuss des Österreichischen Bundesparlaments und an das Landesparlament, in dem die Strecke liegt. UND wichtig: gibt es Güterverkehrskunden, die auf die Schiene wollen ??
219 003-1 schrieb:
Und was eine Touristikbahn wie im Waldviertel inzwischen jährlich an Fahrgastzahlen hat, beweist es-die Bahn macht Sinn. 2001 endete der Regelverkehr Gmünd-Groß Gerungs. Auch hier-leere VT 5090. Fahrgastzahlen jenseits von Gut und Böse. Und heute wo nur Touristenzüge fahren, mit sinnvollem Konzept, rennen die Leute die Waldviertler Schmalspurbahn ein.
Gut, ich war nur einmal da, vor zwei Jahren, hatte aber nun wirklich nicht den Eindruck, dass die Touristenzüge gut angenommen werden. Und das liegt daran, dass es eben kein Konzept gibt. Was soll man denn als (womöglich auch noch autoloser) Tourist mit 1-2 Zügen pro Tag anfangen? Da kann an hin- und zurückfahren, mehr aber auch nicht, und Groß Gerungs ist jetzt auch nicht so spektakulär, dass man da überhaupt hin muss. Das Problem ist doch: das Angebot auf den Schmalspurbahnen ist dünn, und Busverkehr findet am Wochenende in der Region praktisch nicht statt, Hop-On-Hop-Off zwischen Attraktionen ist nicht möglich. Und so beschränkt man die Zielgruppe auf Eisenbahninteressierte, denen Eisenbahnfahren genug ist. Aber lockt man die dafür ins abgelegene Waldviertel?

Ein Konzept wäre, ein abgestimmtes Bus- und Bahnangebot auf die Beine zu stellen, das auch autolosen Besuchern den Besuch verschiedener Attraktionen erlaubt, und das ganze zunächst in Wien massiv zu bewerben.

Es ist schon erstaunlich, dass sich die "Klartext"-Fraktion immer am meisten aufregt, wenn man Rassisten "Rassisten" nennt. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Mut zur Wahrheit!
Lok35 schrieb:
da gibt es nur eines: Onlinepetition und an den Petitionsausschuss des Österreichischen Bundesparlaments und an das Landesparlament, in dem die Strecke liegt. UND wichtig: gibt es Güterverkehrskunden, die auf die Schiene wollen ??
Es wird wahrscheinlich die regionale Politik recht wenig interessieren, wenn irgendwelche Westösterreicher oder gar Deutsche eine Onlinepetition unterschreiben. Das muss letztlich in der Region geklärt werden, denn dort werden jene Politiker gewählt oder auch nicht gewählt, die die Einstellung der Bahn entschieden haben.

Bei den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich hat sich die ÖVP übrigens auf 52 % verbessert. In Groß-Schweinbarth von 50 auf 75 %, in Bad Pirawarth hat sie zwar etwas weniger Stimmen bekommen, liegt aber noch immer bei weit über 50 %, auch in Matzen-Raggendorf ist sie mit 36 % stärkste Partei. Die Einstellung der Bahn scheint ihr also zumindest nicht geschadet zu haben. (Ich habe jetzt nur für die drei Gemeinden geschaut, die von beiden Streckenästen bedient werden.)

Es ist schon erstaunlich, dass sich die "Klartext"-Fraktion immer am meisten aufregt, wenn man Rassisten "Rassisten" nennt. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Mut zur Wahrheit!
Moin,

die Verkehrsmord-Serie ist eine Träumerei eines in seiner Blase lebenden Ultra-Eisenbahnfreaks. Die Strecke ist schlichtweg nicht konkurrenzfähig.

Lg RhB WR 3811
RhB WR 3811 schrieb:Zitat:
die Verkehrsmord-Serie ist eine Träumerei eines in seiner Blase lebenden Ultra-Eisenbahnfreaks. Die Strecke ist schlichtweg nicht konkurrenzfähig.
So würde ich das auch nicht sehen. Natürlich war die Strecke zuletzt nicht konkurrenzfähig - aber als Folge politischer Entscheidungen!

Die Voraussetzungen für einen einigermaßen wirtschaftlichen Bahnbetrieb waren nun wirklich nicht die schlechtesten:

- Eine Strecke in einer (für österreichische Verhältnisse) flachen Region mit entsprechend wenigen Kunstbauten (keine Tunnel, Brücken allenfalls über Fließe).
- Ein für ländliche Regionen relativ dicht besiedeltes Umfeld mit z.T. sehr ortsnahen Stationen.
- Durch die Lage im Umland einer Millionenstadt recht deutliche Verkehrströme, die die Bahn bedienen kann.

Etwas nachteilig war, dass ausgerechnet der Streckenast mit dem höheren Potential keine Gleisverbindung zum übrigen Streckennetz hatte.

Dass die Strecke gegenüber dem Pkw-Verkehr nicht konkurrenzfähig war, hatte doch verschiedene Gründe:

- Der Bau der A5, der zumindest in Bad Pirawarth einen Teil des Potentials "weggefressen" hat - gerade in Verbindung damit, dass von hier das Angebot besonders schlecht war: teilweise zweifacher Umstieg Richtung Wien, kein Wochenendverkehr, Taktlücke am Mittag.
- Die ausgebaute S8 nach Gänserndorf hat die Konkurrenzfähigkeit der Bahn ebenfalls nicht verbessert (auch auf der Nordbahn waren deshalb rückläufige Fahrgastzahlen zu beobachten).
- Den Milliardeninvestitionen in den Straßenverkehr stand eine jahre-, wenn nicht jahrzehntelange Vernachlässigung der Gleisanlagen des Groß-Schweinbarther Kreuzes gegenüber - natürlich sind mit 10-30 km/h dahinschaukelnde dreißig Jahre alte Triebwagen nicht konkurrenzfähig.
- zu früher Betriebsschluss, zu schlechtes Angebot am Wochenende

Es ist schon erstaunlich, dass sich die "Klartext"-Fraktion immer am meisten aufregt, wenn man Rassisten "Rassisten" nennt. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Mut zur Wahrheit!
Das Weinviertel ist einfach zu dünn besiedelt, um den Fortbestand der Lokalbahn zu rechtfertigen. Längere Betriebszeiten hätten nichts daran geändert, dass die Züge leer durch die Gegend fahren.

Das Problem vieler Eisenbahnfreunde ist die Verklärung ihres Hobbys, ohne jeglichen Blick auf die Realität.

Lg RhB WR 3811
RhB WR 3811 schrieb:Zitat:
Das Weinviertel ist einfach zu dünn besiedelt, um den Fortbestand der Lokalbahn zu rechtfertigen. Längere Betriebszeiten hätten nichts daran geändert, dass die Züge leer durch die Gegend fahren.

Das Problem vieler Eisenbahnfreunde ist die Verklärung ihres Hobbys, ohne jeglichen Blick auf die Realität.
Es geht nicht um "das Weinviertel", das immerhin bis zur tschechischen Grenze reicht, sondern um dessen südlichen, wiennahen, dichter besiedelten Teil. Gerade auf dem Obersdorfer Ast liegen die Ortschaften relativ nah beieinander.

Ich schrieb übrigens auch nicht, dass es nur an den Betriebszeiten lag. Aber es war wahrscheinlich zu viel Text auf einmal, Deine Meinung stand ja eh fest.

Es ist schon erstaunlich, dass sich die "Klartext"-Fraktion immer am meisten aufregt, wenn man Rassisten "Rassisten" nennt. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Mut zur Wahrheit!




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.02.20 16:24.
Also wie ich das der Pressemiteilung des Landes Niederösterreich von heute entnehme, ist alles super, wie es jetzt ist!

[www.noe.gv.at]

"Auf den Buslinien 530 und 535 sind laut Fahrgastzahlenerhebung zurzeit 805 Personen pro Tag unterwegs. Die Bahnlinie wurde zuletzt von etwa 700 Personen genutzt. Eine Fahrgastbefragung hat ergeben, dass etwa 560 Busnutzer früher die Bahn genutzt haben, über 240 Personen, die früher keine Bahnfahrer waren, steigen nun in die neuen Regionalbuslinien des Landes ein."


Also: Verkehrswende dank Bahnstillegung. Ich glaube die Zahlen jetzt einfach, wie sie da stehen, und hinterfrage nichts. Und ich bin froh, es letztes Jahr noch zum Schweinbarther Kreuz geschafft zu haben (mit dem Zug).

Gute Besserung, ...

geschrieben von: brejlovec750

Datum: 18.02.20 22:44

....verbunden mit der Hoffnung, daß es im Trollkäfig eine gute Apotheke gibt!

Gruß
Die Brille
Patrick Rudin schrieb:
Also wie ich das der Pressemiteilung des Landes Niederösterreich von heute entnehme, ist alles super, wie es jetzt ist!

[www.noe.gv.at]

"Auf den Buslinien 530 und 535 sind laut Fahrgastzahlenerhebung zurzeit 805 Personen pro Tag unterwegs. Die Bahnlinie wurde zuletzt von etwa 700 Personen genutzt. Eine Fahrgastbefragung hat ergeben, dass etwa 560 Busnutzer früher die Bahn genutzt haben, über 240 Personen, die früher keine Bahnfahrer waren, steigen nun in die neuen Regionalbuslinien des Landes ein."

Also: Verkehrswende dank Bahnstillegung. Ich glaube die Zahlen jetzt einfach, wie sie da stehen, und hinterfrage nichts. Und ich bin froh, es letztes Jahr noch zum Schweinbarther Kreuz geschafft zu haben (mit dem Zug).
Wäre interessant gewesen zu wissen, wieviele Fahrgäste pro Tag die Bahn mit genau diesem Angebot (30-min-Takt Mo-Fr, Stundentakt am Wochenende [auch nach Bad Pirawarth], Betriebsschluss ca. 22:30 Uhr), sanierter Strecke und neuen Fahrzeugen gehabt hätte. Ich tippe auf 1.500-2.000.

Es ist schon erstaunlich, dass sich die "Klartext"-Fraktion immer am meisten aufregt, wenn man Rassisten "Rassisten" nennt. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Mut zur Wahrheit!
Mit einem Angebot drumherum kann man auch im Touristikbetrieb etwas erreichen: Der Reblaus-Express ist eigentlich immer gut besucht. Das liegt aber sicher zu einem guten Teil daran, daß man in den Gemeinden an der Strecke ein Angebot drumherum aufgebaut hat und die Sachen verzahnt sieht.

Andersherum wäre die Strecke Retz – Drosendorf durchaus ein Kandidat für täglichen Verkehr – aber keinen Taktverkehr. Viele der Orte an der Strecke sind tagsüber leer, weil die Leute in Retz oder gar Wien arbeiten.
Ein Beispiel: halb Langau fährt morgens per Bus nach Hötzelsdorf oder Retz (man muß sich wegen des bescheidenen VOR ja leider festlegen) und von dort nach Wien und abends wieder zurück. Da wären ein oder zwei Züge (CityJet Eco wären hier einen Versuch wert) morgens ab Drosendorf, die direkt von Retz nach Wien durchgebunden werden, durchaus nicht uninteressant. Tagsüber wäre kein Bedarf da. Hier wäre also ein Taktverkehr sogar kontraproduktiv, da viel zu teuer. Das darf mein bei Forderungen nach Taktverkehr nicht vergessen (wohl gemerkt: das bezieht sich auf diese Strecke und nicht auf das Schweinbarther Kreuz, das durch seine Lage natürlich anders zu betrachten ist).

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