DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 08/02 - Alpenlandforum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!
Hier sind alle Beiträge zu schweizer und österreichischen Themen willkommen.
Bitte unbedingt vor Benutzung des Forums die Ausführungsbestimmungen durchlesen!
Zur besseren Übersicht und für die Suche: Bitte Länderkennzeichen nach ISO 3166 Alpha-2 in [eckigen Klammern] verwenden!
Grüessech zum zweiten Teil dieses Sommerurlaubberichts.

Nachdem wir zuvor bereits das „Top of Europe“ und damit den geografischen Höhepunkt der Reise schon erreicht haben, geht es nun weiter im Land der bunten Züge und des kalten Wassers.

Teil 1 >>> HIER <<<


Donnerstag, 18.07.2019

Eine gültige Bahnfahrkarte hatten wir ab diesem Morgen nicht mehr griffbereit, zudem war das Kaiserwetter eh Geschichte.

In einer Korbbox in der Ferienwohnung gab es aber genügend Flyer für umliegende touristische Ziele, sodass wir für diesen Tag einfach mal beschlossen, uns davon etwas herauszusuchen. Neben den bunten Bahnen der letzten Tage kam das Wasser ja gefühlt nur gefroren in höheren Schichten vor, vom kurzzeitigen Fußbad in der Aare mal abgesehen.
Mein Vater fand den perfekten Flyer bereits vorher, Aareschlucht war somit der Point of Interest.

Über die Südseite des Brienzersees fuhren wir also ostwärts, immer das türkisblaue Wasser im Blick, offensichtlich kalt!

Am Ostufer weitet sich das Aaretal, Meiringen kam in Sicht. Links am Berg kletterte ein Zentralbahn-InterRegio aus Luzern in Richtung Talgrund, wir umfuhren den Ort direkt zum Parkplatz am Eingang „Aareschlucht West“. Unterhalb der hohen Felswand fiel auch ganz entspannt ein schattiger Parkplatz ab, für 9 Sfr pro Person lösten wir die Tickets, welche übrigens auch ein Bahnticket sind.
Bahnticket? Korrekt!
Auch hier versteht es der Schweizer, sein Angebot sinnvoll aufzustellen. Die Aareschlucht selbst besitzt an beiden Seiten Eingänge (Ost und West), meist will man ja nur eine Richtung laufen und nicht zwingend alles noch einmal sehen. Also kann man mit dem Ticket zur Rückfahrt die Meiringen-Innertkirchen-Bahn (MIB) nutzen, welche ebenfalls passende Haltestellen betreibt.

Leider fährt die Bahn mittels des knapp 1.500 m langen Kirchettunnels um die Schlucht herum, führt aber auf den ersten Metern des Wanderwegs auf der anderen Seite der Aare – wie passend.

https://live.staticflickr.com/65535/48474314651_f9dd93307f_h.jpg

Kurz nach dem Eingang in die Aareschlucht hielt ich gleich inne, kam hier doch Be 4/4 8 der MIB perfekt auf dem anderen Ufer daher.

An der engsten Stelle ist die Aareschlucht übrigens einen Meter breit, während man selbst also durch Tunnel und Stege die Passage versucht, rauscht der Fluss unter dem Wandersmann mit all seiner Kraft durch das Felsgestein.

https://live.staticflickr.com/65535/48474461612_0bef173cde_b.jpg

Blick zurück gen Westen, die engste Stelle sollte aber noch kommen. Da muss man ab und an auf den Kopf aufpassen!

Besonders praktisch war, dass wir zur Mittagszeit hier waren, hat das Hochlicht doch den Vorteil, in die Schlucht hineinzuscheinen und damit für interessante Licht-Schatten-Spiele zu sorgen.
Neben den extrem engen Passagen gibt es insbesondere im mittleren und östlichen Teil auch Abschnitte, wo der Fluss deutlich mehr Raum in den Fels gefressen hat und Geröllfelder hinterlassen hat.

https://live.staticflickr.com/65535/48474313836_5f81581a21_h.jpg

Mittlerer Teil der Aareschlucht, hier sieht es ja fast „normal“ aus.

Bevor der Wanderweg die Schlucht verlässt, befindet sich der tiefste Einschnitt mit 108 m, da muss man dann schon den Kopf weit in den Nacken legen, um den Himmel zu sehen. Der Weg steigt dann am Felsen an, da der Eingang Ost oberhalb der Aare an der Straße von Meiringen liegt, die ihrerseits mit Serpentinen auf die Anhöhe geführt wird.
Um zur Haltestelle Aareschlucht Ost zu gelangen, muss man ab dem Eingang wieder hinab ans Wasser und selbiges mit einer Hängebrücke überqueren.

https://live.staticflickr.com/65535/48474313311_1852b3d7d5_h.jpg

Von da sind wir gekommen, der Beginn der Aareschlucht mit dem Wanderweg auf der Südseite.

Unmittelbar hinter der Brücke befindet sich die Station „Aareschlucht Ost“ der MIB, deren Wartebereich außerhalb des Berges in einer alten Gletschermühle liegt.
Eine Tür versperrt den Zugang zum Gleisbereich, bis der Zug eingefahren ist. Selbiger hält mit seiner ersten Tür exakt hinter der Tür, was mich dazu veranlasste, diesen wohl kleinsten Haltepunkt Europas aus dem Zug vor der Abfahrt zu bebildern.

https://live.staticflickr.com/65535/48474312571_6d005f88d0_b.jpg

Zug und Haltepunkt auf 1,5 m! Lediglich zwei Kunststoffelemente und die Trittstufe des Triebwagens überbrücken den Spalt zur Tür nach draußen, dahinter warten bereits die nächsten Fahrgäste.

Hinter dem Tunnel stieg der Großteil der Fahrgäste dann wieder aus, über eine Gitterbrücke kann man direkt an der Haltestelle „Aareschlucht West“ wieder in Richtung Parkplatz gelangen. Da die Züge hier aber im Halbstundentakt hin und her rasen, dauerte es keine zehn Minuten, bis Be 4/4 8 wieder zurückkommen sollte, die Wartezeit wurde hier dann mit dem Mittagssnack überbrückt.

https://live.staticflickr.com/65535/48474459942_7b59348b2e_h.jpg

Be 4/4 8 kehrt vom „Hauptbahnhof“ Meiringens zurück. Auch auf der Rückfahrt werden die Wanderer in Gegenrichtung aufgenommen.

Über den erwähnten Straßenpass fuhren wir aus Interesse noch einmal nach Innertkirchen, auch wollte ich dort vielleicht noch ein Bild versuchen, ehe der frühe Nachmittag zwei Stundentakte aufweist, die musste man ja nicht hier verplempern.
An der ehemaligen Haltestelle „Post MIB“, heute „Innertkirchen Grimseltor“ wurde ich fündig und positiv überrascht, hatte man doch in Innertkirchen das Fahrzeug getauscht.

https://live.staticflickr.com/65535/48474311541_b41e37c19b_h.jpg

Und noch eine „Sattelzugbauart“ von Stadler! GTW Be 2/6 13, ehemals bei der MVR als Be 2/6 7004 aktiv, kommt aus Meiringen am Grimseltor an.

Das war doch nett, gleich beide Fahrzeuge für den Regelbetrieb der Bahn an einem Tag erwischt! Den Besuch am Bahnhof sparte ich mir, stattdessen zog man wieder westwärts von dannen.

Ich konnte es aber einfach nicht lassen und recherchierte am Handy (Beifahrerseite ist praktisch!) aus Jux und Tollerei mal nach den Zeiten der InterRegios auf der Brüniglinie – aha, Abfahrt 14:22 Uhr! Das war nach dem Bild in Innertkirchen ja nur knapp eine halbe Stunde später, das Motiv in Brienzwiler vielleicht eine Viertelstunde entfernt. Zudem sollte die Rückfahrt eh am Nordufer des Sees entlang gehen, da mussten wir eh mal auf die Nordseite der Strecke. Also tat der Halt auch nicht mehr weh.

https://live.staticflickr.com/65535/48474458527_42641bba6a_h.jpg

Wie praktisch das alles ging, kurze Stopps für effektives Fotografieren! ZB ABeh 160 002 führt als Verstärkungsmodul den Stammzug aus ABeh 150 204 und 104 nach Interlaken Ost.

Durch Brienz (ein Rothornbahnbild habe ich mir gespart) ging es dann am Nordufer entlang, an diversen Badestellen war den Temperaturen entsprechend gut Betrieb. Wir hielten auch mal an, um auch hier die „Fußprobe“ durchzuführen – war immer noch sehr erfrischend.


Freitag, 19.07.2019

Bisher gab es ja zumeist Ausflüge auf Schienenverkehrsbasis, den gestrigen Aareschluchtbesuch einmal ausgenommen. Die Gästekarte Interlaken mit ihrer Option der kostenlosen Busnutzung machte den Einsatz des Reisemobils bisher auch eher überflüssig, wenn man die Einkaufsfahrten mal abzog.

Somit gab es auch keinen Gegenwind für meine Idee, dem Karren ein paar alpine Kilometer zu verpassen, um der blau-gelben Bahn der Region auch einen gebührenden Fototag zu spendieren. Mit Fahrten nach Iseltwald, einer Wanderung von Wilderswil entlang der Lütschine nach Bönigen oder einer Tour nach Beatenbucht hatten meine Eltern neben dem stets optionalen Stadtbummel in Interlaken selbst Ziele ohne Ende ausgemacht, da war mein Tun fast wurscht – peeeeerfeeeekt!

Im Wissen, dass der Lauterbrunner Streckenast wegen seiner Lage tief im Tal ohnehin nur so ein „Hochlichtding“ werden würde, zog ich also erst auf die Grindelwalder Seite. Hier hatte die Anreise zum zweiten Jungfraubahntag aber auch gezeigt, dass vor 9 Uhr auch mitten im Juli der Talboden noch verschattet sein dürfte.
Die Vermutung war nicht verkehrt, als ich kurz vor 9 Uhr in Grindelwald eintraf, hatte sich der letzte Schatten aus dem Motiv verzogen.

https://live.staticflickr.com/65535/48489351247_17fef6b5a8_h.jpg

ABDeh 8/8 324 führt ABt 432 nach Grindelwald, knapp 300 m hinter dem Standpunkt entsteht bis Dezember diesen Jahres die neue Haltestelle Rothenegg als Umsteigepunkt zur V-Bahn nach Eigergletscher.

Jene in meinen Augen durchaus fotogenen gelb-blauen Garnituren verkehren bekanntlich im Halbstundentakt, Kreuzung ist dabei im Ostast in Burglauenen. Ein Bild in Schwendi vom folgenden Kurs nahm ich noch mit und suchte dann am Bahnhof Lütschental, wobei das angestrebte Motiv dank eines extrem ungünstig stehenden Metallpfostens nicht realisierbar war.

https://live.staticflickr.com/65535/48489185546_b7e3240f9b_h.jpg

ABDeh 8/8 321 mit ABt 431 beim Halt in Lütschental, rechterhand gab die lokale Pension „Lehmatta“ aber ein nettes Ersatzmotiv ab.

Auch der nächste Anlaufpunkt für die nächste Runde vom ABDeh 8/8 324 war für die Tonne, dieses Mal war ich dem Motiv schon bis auf 20 m nahe gekommen, ehe ein Stromzaun zum Hindernis wurde. Prinzipiell hätte man sowas ja mal fix unbemerkt passieren können, die Ansammlung von Hornträgern auf der anderen Seite, die auch noch Jungtiere dabei hatten, ließ mich dank der Frühjahrerfahrung vom Rodeo am Vogelsberg aber ganz schnell Abstand davon nehmen.
Ein Notmotiv wurde zwar bei Zweilütschinen gefunden, so richtig befriedigend war das aber nicht.
Also steuerte ich den Schrubber direkt weiter nach Gsteigwiler, denn dort war nachweislich nix im Weg und auch kein Rindviech gefährlich.

https://live.staticflickr.com/65535/48489350012_f21d3e2be9_h.jpg

Endlich wieder 250 m Schmalspurzug! ABDeh 8/8 325 mit ABt 422 und 423 nach Lauterbrunnen, hinten ABDeh 8/8 322 mit ABt 433 nach Grindelwald. Wie eine blau-gelbe Schlange zieht das Stadler-Konglomerat durch das Oberland.

Der Tacho zeigte nun fast 11 Uhr, die Phase für die Lauterbrunner Strecke war also gekommen. Im Sandweidli stockte mir erstmal der Atem, hier war noch alles finster. Nun denn, also doch zuerst zur Lochbrücke unterhalb von Lauterbrunnen!
Mit etwas ausgedehntem Körpereinsatz, Wasserstaub am Knöchel und der leichten Unsicherheit, ob man heil zurück käme, war der vielleicht aufwendigste Standpunkt erreicht.

https://live.staticflickr.com/65535/48489184696_af7173fb35_h.jpg

Über’n Zaun, Böschung runter, 20 cm Standfläche 10 cm über der Weißen Lütschine. Ein etwas wilder Standpunkt. ABDeh 8/8 326 mit ABt 425 und 424 in der letzten Steigung nach Lauterbrunnen, die sogleich durch die Zahnstange unterstützt wird.

Dieser Wechsel der geplanten Fotostellen hatte auf jeden Fall den Zweck erfüllt, im Sandweidli war nun alles ausgeleuchtet. Zwei Kurse gab ich mir dort.

https://live.staticflickr.com/65535/48489183816_a702cd79e5_h.jpg

Eine Stunde später als das zuvor gezeigte Bild ist die Garnitur wieder auf dem Weg ins tiefste Oberland, über dem Zug sieht man die Schynige Platte, wobei das Restaurant just von einer Wolke abgeschattet wird.

Natürlich schlug das Hochlicht jetzt vollends ein, vor der Mittagspause musste aber eine weitere Variante zwischen Gsteigwiler und Wilderswil noch sein.

https://live.staticflickr.com/65535/48489183431_da31380b20_h.jpg

ABDeh 8/8 326 am Lauterbrunner und 324 am Grindelwalder Teil unweit von Wilderswil.

Das Auto hatte ich direkt am Materiallagerplatz der SPB geparkt, sodass dort noch fix so ein 800 mm-Kraftwürfel abging, danach war Siesta angesagt, die Temperatur war entsprechend.

Die „Gammelphase“ des Tages hielt einigermaßen lange an, zum späten Nachmittag schwebte mir aber noch ein Motiv am Brienzersee im Hirn herum, die Strecke nach Niederried Wendeplatz war fix abgeleistet, und vielleicht das schönste Motiv der Zentralbahn erreicht.

https://live.staticflickr.com/65535/48489346637_8c24598196_h.jpg

Über der Bergkette im Norden quellerte es mittlerweile wieder in gewohnter Form, ein wenig Wolkenkrimi gab es dann doch für ABeh 150 204 und 104 als InterRegio Luzern – Interlaken Ost. Die Verwandtschaft mit den BOB-ABDeh ist unverkennbar!

Ein zweites Motiv am inzwischen zum Haltepunkt kastrierten Bahnhof Niederried lotete ich danach noch aus, wobei die Bergschatten dann doch ratzifatzi in Richtung Gleis gekrochen kamen.

https://live.staticflickr.com/65535/48489346262_9aae60efd1_h.jpg

ABe 130 003, einer der reinen Adhäsionstriebwagen der Zentralbahn, erreicht als Regionalzug Meiringen – Interlaken Ost den Haltepunkt Niederried. Der InterRegio 20 Minuten später ging dann schon teilverschattet ab.

Damit war dieser „klassische“ Fototag dann auch abgearbeitet, für die nächsten Tage sollte das Programm dann ein wenig anders werden.

Samstag, 20.07.2019

Für den „Mitteltag“ des Urlaubs sollte es einen Tag ohne direktes Bahnbild geben, da wir uns die Schlösser rund um den Thunersee ansehen wollten.
Die Straße an dessen Nordufer führt streckenweise auch extrem abenteuerlich an der Felswand entlang. Tunnel, Stützmauern und Felsüberhänge machen das Fahren schon zum Erlebnis, wenn dann immer noch die Linienbusse der STI um die Ecke brettern…

In Oberhofen am Thunersee parkierten wir unseren Rüsselsheimer, mediterranes Flair am lokalen Hafen rundete das Ensemble ab.

https://live.staticflickr.com/65535/48496242231_ac68f1f283_h.jpg

Schloss Oberhofen am Thunersee entstammt dem 12. Jahrhundert, wurde aber über die Jahrhunderte in seine heutige Form erweitert. Ob dieser Glaskasten des Restaurants unbedingt sein musste, sei mal dahingestellt.

Der Schlossgarten selbst ist ohne Eintritt begehbar, die Runde gönnten wir uns. Neben der Anlage selbst, es hat dort unter anderem einige Mammutbäume, waren die Scharen an Eidechsen der Knaller. Selbige sonnten sich immer auf den Schotterwegen, um bei Annäherung dann nur wenige Zentimeter bis zu ihrer Deckung in den Hecken und Sträuchern zurückzuflitzen.

https://live.staticflickr.com/65535/48496241941_0368c5bba6_h.jpg

Alles war voll mit den Ganoven, eine der zahlreichen Mauereidechsen im Schlosspark Oberhofen am Thunersee.

Auf der anderen Seeseite konnte man derweil immer schön den Verkehr auf der Lötschbergstrecke beobachten, da aber Samstag war, zeigten sich nicht viele Güterzüge, der Fernverkehr dominiert deutlich zwischen Spiez und Bern.
Unsere Tagestour führte nun weiter in Richtung Thun.

Dort zwang unser kaltes (Aare-) Wasser die lokalen Sportler zum Einsatz ihrer Neoprenanzüge, während sie fortwährend an den Wehren der beiden Aareäste ihre Surfbretter in die stehende Welle peitschten.

https://live.staticflickr.com/65535/48453002827_6c0c24c370_h.jpg

Handypanorama: Happening für Einheimische und Touristen – lokale Surfer am Aarewehr in Thun.

Ein kleiner Stadtbummel führte dann auch über den Rathausplatz und zurück zum Parkhaus, welches in Schweizer Tradition unterirdisch in den Schlossberg gekloppt wurde.

https://live.staticflickr.com/65535/48452849766_525e14b103_h.jpg

Handypanorama: Rathausplatz Thun mit Blick auf das Schloss Thun. Im Berg unterhalb liegt ein mehrstöckiges Parkhaus.

Auf der Rückfahrt nach Interlaken war dann in Spiez noch das letzte Schloss des Tages dran, wobei sich die Wetterlage leider etwas eingetrübt hatte.
Spannend war die Tatsache, dass eine Hochzeitsgesellschaft augenscheinlich höherer „Klasse“ im Schlossgarten ihre Feier abhielt, während um sie herum der normale „Pöbel“ touristischer Natur wuselte. Als dann wieder die unvermeidliche Asiatengruppe durch das Schlosstor schritt, war deren Kamerageklacker ob der besonderen Feier natürlich noch intensiver.

https://live.staticflickr.com/65535/48496408982_6c361daeae_h.jpg

Blick von der Westseite auf das Schloss Spiez, rechts sichtbar der Thunersee und der Blick in die Berner Alpen. Teile der Hochzeitsgesellschaft suchten hier etwas Abstand vom Trubel im Schlosshof, uns "normale" Touristen hat's alles nicht wirklich gestört.

Der erste Kulturtag der Reise war damit erledigt, das Wetter gab auch keinen Anlass, hier länger zu verweilen.

Sonntag, 21.07.2019

Einhellig war bereits vor Urlaubsantritt die Meinung vertreten, man müsste zwingend nach Bern, ist ja schließlich die Hauptstadt unseres rührigen Nachbarlandes.
Sonntags ist dort natürlich kein Geschäft offen und damit eigentlich weniger Trubel zu erwarten, was sich aber rückblickend als goldrichtige Wahl herausstellen sollte.

Bevor wir aber in die Innenstadt einrückten, wollten meine Eltern noch ins Zentrum Paul Klee, Museum des gleichnamigen Malers. Dieses hatten wir zufällig auf der Anreise direkt an der Autobahn erblickt, insofern war auch die Anfahrt kein Hexenwerk.
Die Kunstinstitution wurde 2005 eröffnet und zählt mit gut 40 % seiner Werke als bedeutenste weltweite Sammlung des in Münchenbuchsee bei Bern geborenen Malers.
Weil ich bei weitem mit dem Thema nur bedingt etwas anfangen kann – ein Bild ist entweder schön oder nicht – nahm ich den Punkt natürlich interessiert zur Kenntnis, war aber auch froh, als wir endlich die Innenstadt anfuhren.

Durch den sonntäglich etwas geringeren Strom an Passanten war das Gehen auch gleich deutlich angenehmer, die Arkaden entlang der Gassen boten angenehmen Schatten.

https://live.staticflickr.com/65535/48496340511_348a572cc9_h.jpg

Zähringerbrunnen und Zytglogge in der Berner Kramgasse. Während die Zytglogge mitsamt astronomischer Uhr und Glockenspiel das Wahrzeichen der Berner Altstadt ist, gehört der Brunnen zu einer Reihe solcher Bauwerke, die übrigens auch Trinkwasserspender sind!!!

Vorbei am Berner Münster gingen wir dann in Richtung östliches Ende der Altstadt.
Dort finden wir das Nydegg (Unteres Ende), welches quasi den nördlichen Teil des Mattequartiers bildet. Hier endet der Bereich der Fußgängerzone, in welchen die Trolleybusse der Linie 12 hineinfahren.

https://live.staticflickr.com/65535/48496507067_41657978c6_h.jpg

Ab dem Nydegg steigt die Gerechtigkeitsgasse als Hauptstraße durch die Altstadt hinauf zur Zytglogge. Auch die Busse der Linie 12 vom Zentrum Paul Klee (da waren wir ja heute schon!) zur Länggasse passieren die Altstadt durch diese im weiten Bogen verlaufende Ost-West-Achse.

Kurze Zeit später standen wir dann auf der Nydeggbrücke, wo sich wieder ein Blick auf das kalte Wasser der Aare ergab.

https://live.staticflickr.com/65535/48453002412_c1ad02f7c8_h.jpg

Handypanorama: Nydeggkirche linkerhand, Untertorbrücke über die Aare ostliches Altstandende daneben. Von der Aarebrücke sprangen übrigens diverse Leute zum Schwimmen in die Aare, mitten in der Hauptstadt – keinen juckt’s.

Über Post- und Rathausgasse drehten wir dann die Runde vollständig aus, um dann am Kornhausplatz wieder in der Stadtmitte anzukommen. Bei der Zytglogge wurde dann erstmals dem spurgeführten Schienenverkehr gefröhnt, immerhin war die Spurweite bereits bekannt.

https://live.staticflickr.com/65535/48496339361_364522ced3_h.jpg

Heute also Straßenbahn! Vorbei am Kindlifresserbrunnen bremst Be 6/8 662 als Linie 8 nach Wabern an der Haltestelle Zytglogge ab.

Die Wetterlage mit ein paar Wolken bot sich mit der Altstadtkulisse natürlich perfekt dazu an, hier die eine oder andere Straßenbahn mehr abzugreifen, man konnte ja bequem nebenher laufen.

https://live.staticflickr.com/65535/48496505907_f39bd21db1_h.jpg

Auf der Linie 6 nach Worb Dorf verkehren neben den RBS-Bahnen auch angepasste Combino der Berner Straßenbahn. Be 6/8 763 an der Zytglogge.

Über die Kirchenfeldbrücke liefen wir noch zum Historischen Museum der Stadt Bern, welches auch mehr einem feudalen Schloss gleicht als einem Museum.
Danach traten wir den Rückweg zum Parkhaus an, in der Marktgasse war aber am Schützenbrunnen ein lichter Fleck und der Takt auf der Innenstadtstrecke ist ja selbst am Sonntag gut, also:

https://live.staticflickr.com/65535/48496504862_2239efdfe2_h.jpg

Vorteil des Sonntags! Kaum Passanten in der Fußgängerzone unterwegs, Be 4/6 753 rollt nach Brünnen durch die enge Gasse, während hinten die Zytglogge sichtbar ist. Zwei spontan hervorgesprungene Touristen aus Asien mussten dennoch digital zurücktreten.

Auf der Rückfahrt verpeilten wir dann noch bei Spiez den Abzweig nach Interlaken, sodass wir via Mülenen und Krattigen zurück ins Bödeli fuhren.

Und damit haben wir auch den zweiten Teil schon wieder hinter uns gebracht!

Wie uns das kalte Wasser doch noch erwischen sollte und welche bunten Bahnen noch ins Archiv wanderten, verrät euch der dritte und letzte Teil, der selbst motivlich der umfangreichste werden wird - versprochen!

Bis dahin in diesem Theater!

Viele Grüße und ein schönes Wochenende wünscht

Vinne ;)

Krückau - Rhein - Isar - Elbe - Leine - mein Bildungsweg ist eine Flusskreuzfahrt!




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.08.19 10:06.
Hallo Vincent!
Auch hier wieder ein ganz feiner Bilderbogen,vielen Dank!
Hab'eine technische Frage:Tust Du Deine Fotos ausrichten ;bei den Gebäudeansichten sind nur wenig fliehende Linien zu sehen?
Schönen Sonntag!
Olaf
Hallo

Danke. Das mit der Aareschlucht werde ich demnächst mal aufgreifen. Ich fahre jetzt seit elf Jahren hier herum - aber wie das so ist, man könnte jeden Tag und macht es doch nicht...
Zur "Knaller-Eidechse" - die gibt es südlich von Karlsruhe in jedem Bahnhof massenhaft, mir fallen die gar nicht mehr auf.

MfG

"Damit auch ich was zu meckern habe: Ich finde immer die künstliche Dampfentwicklung durch Abblasen an den Zylindern fürchterlich. Sicher gibt das für den ambitionierten Laien tolle Fotos, den Sound jedoch zerstört es vollkommen. :-("

Facebook-Fundstück...

[m.facebook.com]

aus aktuellem Anlass :-(: [www.youtube.com]
Moin Olaf!

Ja, die stürzenden Linien korrigiere ich in Verbindung mit der Ausrichtung des Bildes.

Gruß

Krückau - Rhein - Isar - Elbe - Leine - mein Bildungsweg ist eine Flusskreuzfahrt!
Schaue ich mal ausnahmsweise in dieses Forum und dann so ein feiner Bericht! Die Bahnstrecken dort mögen von Asiatinnen und Asiaten überlaufen sein, von deutschen Bahnfotografen sind sie es nicht und so sind derlei Bilder mal eine willkommene Abwechslung in der RhB- und Gotthard-lastigen Schweiz-Berichterstattung der deutschen Eisenbahnfans. Vielleicht sollte ich aber auch einfach häufiger in dieses Forum schauen, sind ja auch Schweizer hier.
VG
Lennar
Hallo,
wieder ein toller Bildbericht aus meinem einst liebsten Urlaubsland , vielen Dank!

Leider kann ich mir die Schweiz nach dem Tod der letzten dortigen Verwandten finanziell kaum noch leisten. Dies habe ich bisher immer außerordentlich bedauert. Wenn ich aber nun in den aktuellen Schweizberichten auf Normal- und Schmalspur überall immer mehr diese furchtbaren neuen Triebwagenzüge sehe, fällt mit die Schweizabstinenz doch sehr viel leichter. Mit diesen Plastiktriebwagen ist für mich der große Reiz der Schweizer Bahnen vorbei. Sicher kann man die alten Fahrzeuge nicht ewig in Betrieb halten, aber diese modernen Plastiktriebzüge mit ihren unbequemen Hartschalensitzen und nicht zu öffnenden Fenstern mögen für innerstädtische S-Bahnen geeignet sein, aber nicht zum stilvollen Genußreisen. Da habe ich mich sogar in den alten Wagen z.B. der BOB oder WAB mit den Holzsitzen besser gefühlt und keine Rückenprobleme bekommen! Zusammen mit den modernisierten Bahnhöfen mit dem sterilem Betoneinerlei einfach nur noch zum Kotzen! Früher gab es gerade in der Schweiz noch so etwas wie Reisekultur, aber heute? Was will man aber auch von einer strohdummen modernen Gesellschaft erwarten, die in ihrem über Jahre indoktrinierten Irrwahn z.B. sogar Co2 für gefährlich hält? Solche Leute beklatschen solch Modernsierungen auch noch, wie auch so manch Anderes auf den Bahnhöfen...

Ja die Schweiz gerät auch immer mehr in die Fänge der die Demokratie und den wahren Volkswillen gefährdenden EU-Diktatur!

nachdenkliche Grüße
Bahnwärter D.
Hallo Vinne

Besten Dank für die schönen Bilder aus meiner Heimat.

Auch wenn einige hier meckern über die neuen Fahrzeuge auf den Strecken, bin ich immer wieder begeistert, mit einem der neuen Stadler-Panorama-Triebzüge auf der Brünigstrecke zu reisen.
Auf den schönen Bildern von der Strassenbahn in Bern wären eigentlich meine beiden Lieblingskaffees (Sommerterrasse, Winter) zu sehen, wenn nicht gerade die eleganten Combinos davor stehen würden.

Noch eine kleine Ergänzung zur Strecke Interlaken - Thun am rechten Thunerseeufer, welche du mit dem Auto gefahren bist und wo heute die STI-Gelenkbusse um "die Kurven brettern".

Früher gab es da die Bahn auf der Strasse. Mein Grossvater fuhr dort fast täglich als Wagenführer mit Dienstzügen, da er bei der STI in der Technik angestellt war.

Hier noch ein Bild aus der Zeit meines Grossvaters. Die Strasse ist noch ungepflastert.

https://up.picr.de/36492734qv.jpg


Bild des STI 101 vor dem Depot in Thun. Selbstfahrender, elektrischer Wassersprengwagen zur Benetzung der Strasse gegen Staubplage für die Strecke Thun - Interlaken.
Als Fahrzeugführer (Gesicht im Schatten) ist mein Grossvater zu vermuten. Auf der linken Fahrzeugseite der Bediener der 4 Hebel für die Wasserventile zur Benetzung der Strasse. Fussgänger, Pferdefuhrwerke, etc. durften ja nicht angespritzt werden. (Freche Schulkinder am Strassenrand aber schon).
Die Signaltafel "Extrazug" ist aufgesteckt.
Das Wasser zum Füllen des grossen Behälters wurde unterwegs aus Bächen oder dem See entnommen.

Gruss Railfan

https://up.picr.de/36492758vg.jpg



8-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.08.19 07:47.
Bahnwärter D. schrieb:
Hallo,
wieder ein toller Bildbericht aus meinem einst liebsten Urlaubsland , vielen Dank!

Leider kann ich mir die Schweiz nach dem Tod der letzten dortigen Verwandten finanziell kaum noch leisten. Dies habe ich bisher immer außerordentlich bedauert. Wenn ich aber nun in den aktuellen Schweizberichten auf Normal- und Schmalspur überall immer mehr diese furchtbaren neuen Triebwagenzüge sehe, fällt mit die Schweizabstinenz doch sehr viel leichter. Mit diesen Plastiktriebwagen ist für mich der große Reiz der Schweizer Bahnen vorbei. Sicher kann man die alten Fahrzeuge nicht ewig in Betrieb halten, aber diese modernen Plastiktriebzüge mit ihren unbequemen Hartschalensitzen und nicht zu öffnenden Fenstern mögen für innerstädtische S-Bahnen geeignet sein, aber nicht zum stilvollen Genußreisen. Da habe ich mich sogar in den alten Wagen z.B. der BOB oder WAB mit den Holzsitzen besser gefühlt und keine Rückenprobleme bekommen! Zusammen mit den modernisierten Bahnhöfen mit dem sterilem Betoneinerlei einfach nur noch zum Kotzen! Früher gab es gerade in der Schweiz noch so etwas wie Reisekultur, aber heute? Was will man aber auch von einer strohdummen modernen Gesellschaft erwarten, die in ihrem über Jahre indoktrinierten Irrwahn z.B. sogar Co2 für gefährlich hält? Solche Leute beklatschen solch Modernsierungen auch noch, wie auch so manch Anderes auf den Bahnhöfen...
Na ja, die Begeisterung für alte Bahnen sei Dir gegönnt.
Wenn du dich ein wenig mit der Geschichte der Bahnen in der Schweiz auskennst, dann kommst du nicht um die Erkenntnis herum, dass die Bahnen überlebt hatten, die immer ein wenig investiert und erneuert haben. Die auch immer wieder so regional verankert waren und die die Bedürfnissse der Bevölkerung aufnahmen. Erst in den letzten 40 Jahren, im Zuge des Waldsterbens, haben die Bahnen wieder Aufwind erhalten.
Ich empfehle dir dies in dieser Dissertation mal nachzulesen:
[www.tg.ethz.ch]
Natürlich sind es jetzt halt moderne Bahnen geworden.
Ja, jedes Auto hat heute Klimaanlagen. Ja, die Bahnen sind hier im Zugzwang. Ja, es verändert sich. AAAber: Es verändert sich zum Guten. Die Bahnen sind in der Bevölkerung akzeptiert und werden benützt.
Ob man sich der gesetzlich geforderten Umrüstung der Bahnhöfe widersetzen will, das sehen verschiedene anders. Meine Mutter mit 90 und Rollator, ist da sicher anderer Meinung, denn sie kann heute noch frei mit dem OeV fahren. Wer kennt noch die Bilder mit den Rollstuhlfahrenden Mitbürgern, die im zugigen Gepäckwagen mitgeführt wurden?
[www.aerzteblatt.de] (rechts unten)

Fazit ist: Die Bahnen dienen weitgehend dem Pendlern. Die haben nun mal andere Bedürfnisse als historisch interessierte Eisenbahnfreunde. Die zahlen auch den grossen Teil daran: Nicht nur über die Billetpreise, sondern zu einem guten Teil über die Steuern! Das sind die Stakeholder, um das neudeutsch auszudrücken. Und der Erfolg gibt ihnen recht. Wenn heute die SBB (Nur die SBB!!!) in einer Woche mehr Leute befördert, als die Schweiz Einwohner hat, spricht das nicht gegen das Konzept, das in vielen Volksabstimmungen auf Gemeinde- Kantons- und Bundesebene bestätigt wurde.
[reporting.sbb.ch]

Im Übrigen hat die RhB in ihren neuen Fahrzeugen durchaus öffenbare Fenster eingebaut.
Bahnwärter D. schrieb:
Ja die Schweiz gerät auch immer mehr in die Fänge der die Demokratie und den wahren Volkswillen gefährdenden EU-Diktatur!

nachdenkliche Grüße
Bahnwärter D.
Darüber kann dir sicher Ueli bestens Auskunft geben :-)

Ja und zum Schluss: Wo sind die Schmalspurbahnen in Deutschland geblieben? D hatte viele vergleichbare Bahnen seinerzeit. Die sind alle weg und Rumpfstrecken wie die Selketalbahn werden spätestens bei den nächsten grösseren Erneuerungen vermutlich eingestellt werden.
Sage ich voraus.

Und nochwas: Die guten alten Zeiten, waren auch mal schlechte neue Zeiten.
Gruss Leo



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.08.19 14:31.