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 08/02 - Alpenlandforum 

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Die Tauferer Bahn war eine 15,4 Kilometer lange normalspurige Lokalbahn in Südtirol. Sie führte vom an der Pustertalbahn gelegen Bahnhof Bruneck nach Taufers.

Die Bahnlinie folgte gleich nach dem Verlassen des Brunecker Bahnhofs dem Lauf der Ahr, und folgte diesem bis Sand in Taufers, dem Hauptort des Tauferer Ahrntals. Zwischenstationen gab es in Sankt Georgen bei Bruneck, Gais, Uttenheim, Mühlen in Taufers und in Kematen. Dank der für den Bahnbau optimalen Gegebenheiten konnte auf aufwändige Kunstbauten verzichtet werden. Lediglich zwei Brücken mussten eigens für die Tauferer Bahn errichtet werden: in Uttenheim über die Ahr und in Mühlen über den Mühlwalder Bach. Die Bahn wurde gebaut, um den Hauptort Sand in Taufers an das europäische Eisenbahnnetz anzubinden. Die Projektierung wurde vom bekannten Tiroler Eisenbahnplaner Josef Riehl und Josef Beikircher (einem der Konzessionäre) vorgenommen. Circa 300 Arbeiter waren ab Juli 1907 mit dem Bau beschäftigt. Die Eröffnung der 15,4 km langen, am 29. April 1908 konzessionierten Bahnstrecke erfolgte am 20. Juli 1908. Einen Tag später wurde der offizielle Betrieb aufgenommen.

Noch im Eröffnungsmonat wurde um die Bewilligung von Vorarbeiten für die Verlängerung der Bahn von Sand nach Steinhaus angesucht.

Die Bahn wurde mit 800 V Gleichstrom elektrisch betrieben, womit diese zu den ältesten elektrisch betriebenen Bahnstrecken Altösterreichs zählte. Für den Betrieb wurde die im Tal vorhandene Wasserkraft des Ahrnbachs aus dem Elektrizitätswerk Mühlbach bei Gais genützt. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Betriebsabwicklung der k.k. priv. Südbahn-Gesellschaft übertragen, die auch die Pustertalbahn betrieb. Danach übernahmen bis zur Einstellung die Italienischen Staatseisenbahnen die Betriebsführung. Der Wagenpark der Tauferer Bahn bestand aus zwei zweiachsigen Triebwagen mit jeweils zwei Fahrmotoren zu 48 kW Leistung und zwei zweiachsigen Beiwagen. Die Trieb- und Beiwagen wurden von der Grazer Waggonfabrik gebaut. Weil die eingleisige Strecke ohne Ausweichen errichtet worden war, waren Zugkreuzungen auf der Strecke nicht möglich. Die Fahrzeit betrug für jeweils eine Richtung ca. 50 Minuten. Täglich wurden sechs Zugpaare geführt.

Auf Grund des aufkommenden Automobilverkehrs wurde der Betrieb mit Ablauf des 31. Januar 1957 eingestellt. Die Beförderung der Fahrgäste wurde von Autobussen übernommen, die bis heute verkehren.

Der Wagenpark der Lokalbahn Bruneck - Sand in Taufers bestand aus zwei Trieb- und zwei Beiwagen. Diese boten rund 82 Passagieren Platz, welche in Abteilen verschiedener Klassen durch die Landschaft des Tauferer Tales reisen konnten.

Quelle: Wikipedia


Am 23.04.2019 hatte ich die Gelegenheit zu einer kurzen Radtour zwischen Luttach und Bruneck sowie zurück. Dabei versuchte ich den Verlauf der Bahn nachzuvollziehen und mögliche Spuren zu sichern.


Zunächst eine Übersichtskarte:

https://abload.de/img/img_1617uhklj.jpg
Übersichtskarte Tauferer Bahn

Der nördliche Haltepunkt von Uttenheim wurde hier nach meiner Recherche falsch eingezeichnet. Dieser befand sich nördlich der Flussquerung.


Der Fahrplan hat sich in den fast 50 Betriebsjahren kaum geändert und Bestand aus 6 Zugpaaren in jede Richtung.


https://abload.de/img/sommerfahrplan_taufera5jdt.png
Sommerfahrplan 1922


Beginnen wollen wir mit der Tour am ehemaligen Bahnhof Sand. An diesem Standort gibt es einige Erinnerungstafeln an die Bahn.


https://abload.de/img/img_16241okag.jpg
Postkarte aus dem Eröffnungsjahr 1908 – Bahnhof Sand in Taufers



https://abload.de/img/img_1629azkba.jpg
Vergleichsbild April 2019


https://abload.de/img/img_1630y7key.jpg
Ehemaliger Bahndamm in Sand kurz vor dem Bahnhof





https://abload.de/img/img_1616kaj03.jpg
Burg Taufers mit Bahn am Ortsausgang Sand












https://abload.de/img/img_1632cbkvn.jpg
Vergleichsbild April 2019





https://abload.de/img/img_1635sgjbg.jpg
Überblick Streckenverlauf zwischen Sand und Kematen. Im Vordergrund am Fluss der HP Kematen. Danach verlief die Strecke im leichten Bogen durch die Felder in Richtung Sand.


https://abload.de/img/img_1633rwjdw.jpg
Auf der Wiese befand sich einst der HP Kematen


https://abload.de/img/img_1652prjy6.jpg
Zwischen Kematen und Mühlen verlief die Trasse neben der Straße


https://abload.de/img/img_1651jik00.jpg
Ehemaliger Bahnhof Mühlen. Das EG musste als letzter Hochbau der Bahn im Jahr 2006 einem "Neubau" weichen.



https://abload.de/img/img_16273uka0.jpg

Bahnhof Mühlen ca. 1930


https://abload.de/img/img_1653yzkt8.jpg
Bahnhof Mühlen 2019


Zwischen Mühlen und Uttenheim verlief die Strecke direkt neben der Straße, daher hier keine Bilder.


https://abload.de/img/img_1636rljcn.jpg

In Uttenheim gab es das einzige nennenswerte Bauwerk der Strecke mit der Brücke über die Ahr. Davon ist heute leider nichts mehr zu sehen. Die Strecke verlief vom Standort des Fotografen quer über die Wiese und am Ende der Linkskurve hinter dem Acker befand sich die Brücke. Interessant war, dass es in Uttenheim zwei Haltepunkte gab. Nicht weil der Ort so groß war, sondern, so meine Vermutung, dass man beide Flussufer mit einer Haltestelle bedenken wollte. Vielleicht weiß ja aber jemand mehr dazu. Der erste HP befand sich auf der anderen Seite der Brücke auf heutigem Privatgelände.


https://abload.de/img/img_16471ojjd.jpg

Einfahrt Uttenheim aus Richtung Bruneck


https://abload.de/img/img_1648uqkta.jpg


Ausfahrt Uttenheim in Richtung Brauneck


https://abload.de/img/img_1650c3k8g.jpg


Ortsdurchfahrt Uttenheim; an dieser Stelle befand sich wohl die zweite Haltestelle


Zwischen Uttenheim und Gais fand ich dann endlich auch einige Relikte der Bahn:



https://abload.de/img/img_1638qbk2g.jpg


https://abload.de/img/img_1639tejim.jpg





https://abload.de/img/img_16406ukug.jpg


https://abload.de/img/img_1641lmjep.jpg


https://abload.de/img/img_164296kg7.jpg



In Gais steht auch heute noch das Gebäude in dem einst der Wechselstrom in Gleichstrom für die Bahn umgewandelt wurde. Die Bahn verlief direkt vor dem Gebäude.


https://abload.de/img/img_1643kgjbm.jpg

Umspannwerk Gais 2019

Der Haltepunkt Gais war direkt in der Ortsmitte angesiedelt. Heute ein Parkplatz mit Kiosk.


https://abload.de/img/img_1644pqjme.jpg

Haltepunkt Gais

https://abload.de/img/img_16459oksk.jpg


Ortsdurchfahrt Gais

https://abload.de/img/img_1646qmkpc.jpg


Rückblick Haltepunkt Gais

Zwischen Gais und Ortseingang Bruneck verläuft heute ein Radweg auf der Trasse. Ansonsten finden sich keine Relikte mehr. Immerhin existiert am ehemaligen Haltepunkt St. Georgen noch das einzige "Gebäude" der Tauferer Bahn. Alle anderen wurden nach und nach abgerissen.


https://abload.de/img/img_165996jga.jpg

Haltepunkt St. Georgen

https://abload.de/img/img_1660ztjkr.jpg

Haltepunkt St. Georgen

https://abload.de/img/img_1661u4kfu.jpg

Haltepunkt St. Georgen


In Bruneck selbst ist die Trasse komplett überbaut und auch von dem ehemaligen Abzweig finden sich keine Spuren mehr.

Seit 2014 gibt es Bestrebungen die Tauferer Bahn zu reaktivieren um dem zunehmenden Individualverkehr auf der einzigen Straße zu entlasten. Ob dies wirklich realistisch ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

Ich hoffe, der Beitrag ist auch ohne Züge für einige interessant.


Carsten

PS: Ich habe dazu nirgends etwas gefunden, aber aus meiner Sicht wurde 1908 auch bereits mit dem Weiterbau der Strecke in Richtung Luttach begonnen. Der heutige Radweg sieht insbesondere unterhalb der Burg Taufers so aus, als wenn dieser einst als Bahndamm angelegt worden ist. Vielleicht weiß ja jemand hierzu etwas.

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3-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.05.19 21:10.
Hallo Carsten ,

ich war 1978 im Schullandheim in St. Georgen bei Bruneck (Anreise vom Bodensee stilvoll im Zug) . Wenige Meter neben unserer Unterkunft war der ehemalige
Haltepunkt , damals noch mit original Bahnhofsschild . Ich identifizierte dies natürlich sofort als interessant konnte aber kaum etwas über die Bahn herausfinden .
Bei einer Busfahrt nach Sand im Taufers versuchte ich damals Spuren zu entdecken , war aber natürlich nicht erfolgreich . Wir sollten schließlich in die Berge wandern
und nicht irgendwelche alte Bahndämme suchen .
Sehr schön dass das kleine Gebäude heute noch immer steht .

Gruß Norbert
Vielen Dank für die Bilder! Ich war erst März dort und hatte versucht, vom Auto aus noch Spuren der Bahn zu entdecken - da sieht man dann so gut wie nix.
Hallo Philosoph,
vielen Dank für Deinen spannenden Beitrag.
Ein kleiner Widerspruch ist mir aufgefallen: Oben schreibst Du, die Bahn sein mit 800 V Gleichstrom betrieben worden (was mir plausibel scheint), unten, beim Umspanngebäude Gais schreibst Du, dort sei der Gleichstrom in Wechselstrom für die Bahn umgewandelt worden. Ich denke, das war andersherum.
Grüße
Rolf



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.05.19 08:42.
Hallo Rolf,

danke für den Hinweis und das dieser Bock nicht ewig im Netz steht. Du hast natürlich völlig recht. Bei so langen Beiträgen mit vielen Bildern sollte ich mir angewöhnen, den Text nochmals gründlich zu lesen.


Carsten

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Philosoph schrieb:
Die Beförderung der Fahrgäste wurde von Autobussen übernommen, die bis heute verkehren.
Und das im Stammesland eines SAD-Häuptlings und Sohn eines örtlichen Busunternehmers. Der wird alles dransetzen, das es so bleibt.

Zitat
Seit 2014 gibt es Bestrebungen die Tauferer Bahn zu reaktivieren um dem zunehmenden Individualverkehr auf der einzigen Straße zu entlasten. Ob dies wirklich realistisch ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

Nachdem man allgemein wenig bis garnix davon hört ist das in der Schublade mit "Da fuhr mal eine Bahn, man könnte ja..." ganz unten verschwunden.