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 08/02 - Alpenlandforum 

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Bekanntlich verläuft die Hauptverbindung zwischen Tirol und dem Rest von Österreich, sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene, zwischen Kufstein und Salzburg über Deutschland. Gestern hat die DB dort irgendwo im Abschnitt Rosenheim-Salzburg gebaut und die Strecke war wohl gesperrt. Die Umleitungsstrecke ist dann die Salzburg-Tiroler Bahn über Saalfelden. Offenbar war die nicht in der Lage alle Umleiter aufzunehmen und so wurde jeder zweite Railjet (die Bregenzer Linie) gebrochen und zwischen Wörgl und Salzburg durch SEV ersetzt. Da ich gestern einen Ausflug von Innsbruck nach Kufstein gemacht habe und dazu den Railjet bis Wörgl genutzt habe (er fuhr ja leider nicht bis Kufstein) konnte ichmir dort mal ansehen wie die ÖBB den SEV organisiert haben. Um es vorweg zu nehmen, begeistert war ich nicht.
Es kam ein gut gefüllter, aber nicht überfüllter Railjet mit nur einer Garnitur, also ein 7 Wagen Fernzug. Der verfügt laut Wikipedia über 408 Sitzplätze. Ich schätze mal er war zu mindestens 2/3 gefüllt, eher mehr, macht also ca. 280 Fahrgäste. Am Vorplatz standen ganze drei Reisebusse bereit, ein Dreiachser und zwei Zweiachser. Gut gerechnet sind das vielleicht 170 Sitzplätze, Stehplätze geht nicht, weil die Busse über die Autobahn fahren und es wäre für die Fahrzeit auch nicht wirklich toll gewesen. Das Einsteigen der Fahrgäste artete natürlich in Chaos aus, weil das Gepäck natürlich Bustypisch im Kofferraum verstaut werden musste. Einige Fahrgäste merkten dann aber nach dem verstauen, dass es keine Plätze mehr im Bus gab, also musste das Gepäck wieder raus.
Personal von den ÖBB war genug vor Ort und die waren auch sehr bemüht den Leuten zu helfen, aber man hatte sie schlecht informiert. Ein Mitarbeiter rief direkt irgendwo an als er das Chaos erkannte und verkündete dann, dass in zehn Minuten zwei weitere Busse kommen würden (das wäre wahrscheinlich immer noch eng geworden). Ich war noch ca. 45 Minuten am Bahnhof (mein Anschluss war vorher schon geplatzt) und bis dahin waren noch keine weiteren Busse eingetroffen. ca. 15 Minuten später sollte schon der nächste Railjet kommen, der dann über die Umleitungsstrecke weiter fuhr. Es hat sich aber keiner der Mitarbeiter getraut das zu verkünden, weil man wohl Angst hatte, dass der dann überfüllt wird (ich gehe davon aus, dass eh schon einige Reisende von vorneherein auf den ausgewichen sind, ich hab ihn aber nicht mehr gesehen).

Die Begründung warum die Busse nicht kamen (9 waren angeblich bestellt) soll angeblich gewesen sein, dass sie an der Grenze kontrolliert wurden. Wohl gemerkt, das war morgens gegen 10 Uhr, ich möchte gar nicht wissen wie die Busumläufe aussahen wenn die erst ein paar mal gependelt waren. Man hätte auf jeden Fall die Züge besser in Rosenheim enden lassen um den SEV zu verkürzen und einen Grenzübertritt einzusparen. Umlauftechnisch hätte das ein Fahrzeug mehr benötigt (es stand aber den ganzen tag auch eine Garnitur in Kufstein, fehlt aber natürlich noch das Personal), aber das Chaos hätte es gelindert. Kann halt höchstens sein, dass man wegen des Korridorstatus der Züge darauf verzichtet hat, aber das sollte eigentlich im Schengenraum kein Argument mehr sein.

Ich hab leider vergessen bei der DB nachzuschauen warum die Strecke dicht war. Die ÖBB verkündeten Bauarbeiten, aber es wäre interessant zu wissen ob die spontan oder angekündigt waren (vielleicht kann mir da einer von euch weiterhelfen). Wenn es angekündigt war, (worauf die hohe Anzahl Personal vor Ort hindeutet) dann war die Beauskunftung mehr als miserabel. Der SEV war nicht korrekt in die Systeme eingepflegt, es kamen nur Hinweise, keine geänderten Fahrzeiten. Die Railjet die die Umleitung nutzten kamen dann auch mit über einer Stunde Verspätung. Einziger Vorteil für die Fahrgäste, so greifen die Fahrgastrechte.

Alles in Allem leider eine ernüchternde Erfahrung, aber leider auch kein Einzelfall. Ich habe bisher noch selten einen SEV erlebt der reibungslos verlief.
Die DB hatte erst am Vortag nachmittag bekannt gegeben, dass die Baustelle in Übersee nicht fertig wird und um 1 Tag verlängert wird, so dass die Strecke Prien - Übersee einen weiteren Tag nicht befahrbar war. Die ÖBB hatte also kaum mehr Zeit, zu reagieren. Auf die ÖBB hier eindreschen bringt wenig, die kann nichts dafür und war selbst „Opfer“ der schlecht geplanten Baustelle seitens DB, und wohl noch kurzfristig Infopersonal bereit gestellt. So musste z.B. der Fernverkehr in Freilassing enden, ab dort SEV nach Rosenheim oder Kufstein. All dies war nicht geplant und musste kurzfristig geändert werden, incl aller Umläufe. Dafür lief der Fernverkehr noch erstaunlich gut.
Ich war selbst betroffen, da ich nach Ljubljana wollte. Mit Umweg über Kufstein - Zell am See hat es aber perfekt geklappt.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.11.18 18:23.
jozeplecnik schrieb:
Die DB hatte erst am Vortag nachmittag bekannt gegeben, dass die Bsustelle in Übersee nicht fertig wird und um 1 Tag verlängert wird. Die ÖBB hatte also kaum mehr Zeit, zu reagieren. Auf die ÖBB hier einfreschen bringt wenig, die kann nichts dafür und war selbst „Opfer“ der schlecht geplanten Baustelle seitens DB.

Aber gerade bei der DB muss man doch wissen, dass es jederzeit für alles einen "Plan B" braucht. Das gilt nicht nur für uns Fahrgäste, sondern für die Nachbarbahnen umso mehr. Man stelle sich mal Basel SBB ohne Dispozüge vor...

Gruss Patrick, aufgrund des SEV Geltendorf-Buchloe gestern erstmalig den Flixbus München-Zürich ausprobiert. Der Zubringer München-Geltendorf fuhr 7 Minuten vor der am Abfahrtsanzeiger in der Haupthalle und am Bahnsteig selber angezeigten Zeit in München Hbf ab - soviel zum Thema SEV. Ob die weitere Reisekette funktioniert hätte, konnte ich nicht herausfinden...
MrEnglish schrieb:
Die ÖBB verkündeten Bauarbeiten, aber es wäre interessant zu wissen ob die spontan oder angekündigt waren (vielleicht kann mir da einer von euch weiterhelfen).
Es handelte sich um die spontane Verlängerung einer Baustelle bei Übersee um einen Tag.
Siehe auch [www.meridian-bob-brb.de]


Provodnik
Mag sein, aber die ÖBB kann nicht für alle Unannehmlichkeiten im Nachbarland einen Plan B bereit halten.
...und der ÖBB-railjet von Venedig nach Wien war in Udine mit +40, incl mehrfachen Durchsagen, angekündigt. Gekommen ist er dann mit +20, ohne irgendeine Ansage, auf dem Nachbarbahnsteig...
Das stimmt ja, aber mit einer Bauzeitüberschreitung kann man schon rechnen.

Mein Hauptproblem ist aber, die misserable Information vor Ort. Zusätzliche Busse in zehn Minuten anzukündigen die dann nicht kommen geht einfach nicht. Es kann mir auch niemand erzählen, dass man zehn Minuten vorher noch damit rechnet, dass die Busse kommen und sie danach in der Kontrolle gelandet sind. Die Fahrt von der Grenze zum Bahnhof Wörgl dauert länger als zehn Minuten.

Es war grad gut, dass es nicht auch noch geregnet hat, dann hätte es sicher richtig Ärger gegeben. Die Leute waren eh erstaunlich ruhig und geduldig.

Ich dresche auch gar nicht auf die ÖBB ein, ich kritisiere Missstände. SEV ist halt oft ein Problem und das stört mich. Wer keine Alternative hat, der muss zuschauen wie er damit klar kommt.
MrEnglish schrieb:
Stehplätze geht nicht, weil die Busse über die Autobahn fahren und es wäre für die Fahrzeit auch nicht wirklich toll gewesen.

Wenn man da österreichische Unternehmen hingeschickt hat und nicht dazugesagt hat, dass es nach Deutschland geht, könnte das vielleicht sogar ignoriert worden sein. In Österreich gibt es da nämlich keine Einschränkungen.

Zumutbar sind Stehplätze im Bus zwischen Wörgl und Salzburg allerdings nicht.

MrEnglish schrieb:
Man hätte auf jeden Fall die Züge besser in Rosenheim enden lassen um den SEV zu verkürzen und einen Grenzübertritt einzusparen. Umlauftechnisch hätte das ein Fahrzeug mehr benötigt (es stand aber den ganzen tag auch eine Garnitur in Kufstein, fehlt aber natürlich noch das Personal), aber das Chaos hätte es gelindert. Kann halt höchstens sein, dass man wegen des Korridorstatus der Züge darauf verzichtet hat, aber das sollte eigentlich im Schengenraum kein Argument mehr sein.

Von der Vertragsbasis her sind es wohl noch Korridorzüge, faktisch aber einfach ÖBB-Unternehmenszüge auf DB-Strecke ohne ÖBB-Tarifpunkt. Das hätte einem Umstieg in Rosenheim aber nicht entgegengestanden. Wahrscheinlich war der Fahrzeugbedarf der einzige Grund für den SEV. Die Strecke über Saalfelden verkraftet gewöhnlich alle Railjets. Allerdings passen durch die verlängerte Fahrzeit die Umläufe nicht mehr, es kommt zu Mehrbedarf.

MrEnglish schrieb:
Alles in Allem leider eine ernüchternde Erfahrung, aber leider auch kein Einzelfall. Ich habe bisher noch selten einen SEV erlebt der reibungslos verlief.

Das kann ich für die ÖBB so nicht bestätigen. Ich habe z. B. schon diverse SEV über den Arlberg erlebt. Der SEV-Fahrplan beinhaltete zwar immer eine sehr hässliche Fahrzeitverlängerung, aber die Abwicklung war dann gut organisiert. Allerdings scheint die abschreckende Fahrzeit auf Kosten der Nachfrage zu gehen, die zu bewältigenden Fahrgastmengen lagen gewöhlich deutlich unter denen des planmäßigen Zugverkehrs.

Schlimm wird es allerdings bei spontanen Eingriffen lokalen Personals in Abweichung von der Planung. So ist in Innsbruck mal ein Genie auf die Idee gekommen, die Fahrgäste eines EC aus Italien statt auf den planmäßigen SEV nach Rosenheim auf den RE über Garmisch zu verweisen. Das endete in einer Räumung des RE.

jozeplecnik schrieb:
Auf die ÖBB hier eindreschen bringt wenig, die kann nichts dafür und war selbst „Opfer“ der schlecht geplanten Baustelle seitens DB

Gegenüber den Fahrgästen sind ausschließlich die ÖBB verantwortlich. Die Verantwortlichkeiten zwischen ÖBB und DB als EVU bzw. EIU sind vertraglich geregelt und eher weniger eine Sache für die Öffentlichkeit.

Ansonsten: Wenn es den ÖBB nicht passt, wie es auf der DB-Transitstrecke zugeht, sollen sie sich halt selbst eine bauen.
Ich bin gestern auch in die Bauarbeiten "reingerasselt", jedoch dank eines ursprünglich mit anderthalb Stunden veranschlagten Anschlusses in Innsbruck mit einem blauen Auge davon gekommen (wurde dann zum schlanken, bahnsteiggleichen 10-Minuten-Anschluss hinunterdegradiert).

Die Informationen in Wien Hbf fand ich im Rahmen der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausreichend.
Was den ÖBB aber gut täte, wäre ein vorbereitetes Störungsszenario, wie es etwa die SBB hätte. Ohne jetzt Wagen- und Personalumläufe auswendig zu kennen, hätte man es "im SBB-Stil" wohl so gemacht, die aus Wien kommenden Umläufe in Innsbruck auf die 2h spätere Fahrt überspringen zu lassen. Dies würde zwar eine nochmalige Verlängerung der Reisezeit bedeuten, dafür erhielten Reisende westlich Innsbruck wieder ihren verlässlichen Taktfahrplan, zudem hätten die Züge Richtung Zürich HB nicht außerplanmäßig in Buchs SG wenden müssen. Wäre sich nicht für alle Fahrten so ausgegangen, da mindestens der aus Graz kommende EC 164 "dazwischengeschossen" wäre, aber das ganze Szenario wäre wohl etwas planbarer vonstatten gegangen.

Das gleiche Konzept mit Umlaufbruch / Taktüberspringen könnte ich mir in Gegenrichtung auch in Salzburg vorstellen.


Edit: Das hier noch...
kaufhalle schrieb:
Ansonsten: Wenn es den ÖBB nicht passt, wie es auf der DB-Transitstrecke zugeht, sollen sie sich halt selbst eine bauen.

Dafür gibt es vertragliche Abmachungen, welche regeln, was ein EVU (in diesem Fall ÖBB Personenverkehr) alles zu schlucken hat und wo es Schadensersatzansprüche geltend machen darf. Ein Nullsummenspiel für DB NETZ dürfte der ganze Spaß jedenfalls nicht geworden sein. Dass umgekehrt aber die ÖBB sämtliche Zusatzkosten zurückerstattet bekommen, halte ich auch für illusorisch.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.11.18 21:24.
Es gibt ja eine Strecke über Zell am See, das dauert nur rund 60 bis 90 min länger. Das ist nebenbei auch die erste Möglichkeit, Deutschland zu umfahren. Zwischen dem Bundesland Salzburg und dem Bundesland Tirol gibt es nur eine sehr kurze gemeinsame „Grenze“, ansonsten liegt immer Deutschland „im Weg“. Auch auf der Straße gubt es nur sehr wenige Verbindungen (Lofer, Hochfilzen und Gerlos) zwischen Tirol und dem übrigen Österreich.
Ich bin Mittwoch Mittag im SEV von Salzburg nach Innsbruck gefahren. Die Kommunikation hat gepasst und gefahren wurde aufgrund Grenzkontrollen und Autobahnstau übers Kleine Deutsche Eck (Bad Reichenhall - Lofer). Im Übrigen auch landschaftlich schön!

Der Bus war von einem Tiroler Reisebüro und der Fahrer unterhielt uns während der Fahrt aufs Trefflichste, bei der Ankunft in Innsbruck klatschten dann alle ;-)
jozeplecnik schrieb:
Es gibt ja eine Strecke über Zell am See, das dauert nur rund 60 bis 90 min länger. Das ist nebenbei auch die erste Möglichkeit, Deutschland zu umfahren. Zwischen dem Bundesland Salzburg und dem Bundesland Tirol gibt es nur eine sehr kurze gemeinsame „Grenze“, ansonsten liegt immer Deutschland „im Weg“. Auch auf der Straße gubt es nur sehr wenige Verbindungen (Lofer, Hochfilzen und Gerlos) zwischen Tirol und dem übrigen Österreich.

Um die Umfahrung von Deutschland geht es hier eigentlich nicht, sondern um die Schaffung eigener ÖBB-Infrastruktur, wenn man bei den ÖBB mit DB-Netz nicht zufrieden ist. Die ÖBB als EIU können selbstverständlich auch in Deutdchland Bahnstrecken bauen und betreiben. Bezahlen müssten sie das dann aber selbst.

Die Strecken Rosenheim - Kufstein und Rosenheim - Salzburg wurden nicht für den ÖBB-Transitverkehr gebaut, die Verbindung Salzburg - Kufstein hätte man als solche wesentlich kürzer fernab von Rosenheim gebaut. Die Strecke würde immer noch in weiten Teilen durch Deutschland verlaufen, das wäre aber kein Problem.

Die Frage ist also nicht, ob DB-Netz mal wieder irgendwo an der chronisch überlasteten Strecke bei einer Baustelle die Sperrzeit überzieht, sondern warum Österreich nicht endlich mal in eine zeitgemäße Anbindung von Tirol und Vorarlberg ans restliche Österreich investiert.
Man kann die Schuld jetzt hin- und herschieben wie man will, Faktum ist, daß bei größeren Störungen seit Monaten die Kunden sich selbst überlassen werden. Verantwortlichkeiten sind nicht mehr klar definiert, die Informationskette ist sowas von desolat, der Informationsfluß versiegt im Nudelsieb mit großen Löchern.

Die Planer hätten wissen müssen, daß das Führen eines SEV über das Deutsche Eck auf der A 8 und A 93 problematisch ist. Die Auswirkungen der Grenzkontrollen mit langen Rückstaus sind seit Monaten bekannt! Wenn auf der A 8 ein Unfall passiert oder eine Baustelle existiert, steht der Laden. Der Zeitverlust von einer Stunde ist sofort gegeben!

Der qualitative Ablauf des SEV läßt auch mehr zu wünschen übrig. Es wird laufend von Desinformation und Chaos berichtet. In Salzburg sind sie diese Woche mit einem Niederflur-Stadtbus zum SEV gekommen .... Es war wohl eher das letzte Aufgebot.

Wenn Andreas Matthä von "höchster Qualität" in seinem Unternehmen spricht, dann soll er dafür sorgen, daß auch "höchste Qualität geboten wird. Schöne Phrasen bei Pressekonferenzen braucht keiner, dafür fehlt dem Chaos-Unternehmen eine grundlegende Führungsstruktur und -kultur.
Das ist interessnt, ich war schon insgesamt bei 3 SEVs im Regionalverkehr gewesen und es hat alles reibungslos und planmäßig funktioniert.

Man muss es auch so sehen, solche Busse müssen einmal bestellt werden, was wiederum seinen Vorlauf braucht.

Dazu noch wird meist bei verschiedenen Busunternehmen bestellt, deren Qualität naturgemäß nicht immer gleich bleibt.

Wenn die DB zusichert, bis zu einem bestimmten datum fertig zu sein und erst kurzfristig darauf kommt, dass sich das nicht ausgeht, heißt das, die ÖBB müssen sich darum kümmern, dass sie für den einen Tag noch irgendwas hinkriegen.

Deine Kritik an der Struktur kann ich übrigens nicht nachvollziehen. Als Kunde habe ich wie gesagt nur gute Erfahrungen mit einem SEV gehabt - sofern man mit einem SEV gute Erfahrungen mit einem SEV haben kann. Woher nimmst du überhaupt die Weisheit her, dass die Verantwortlichkweiten nicht klar geregelt wären. Wenn dem so ist, bekomme ich davon als Kunde wenig mit und dann ist mir das auch herzlich egal.

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.11.18 14:20.
kaufhalle schrieb:
MrEnglish schrieb:
Alles in Allem leider eine ernüchternde Erfahrung, aber leider auch kein Einzelfall. Ich habe bisher noch selten einen SEV erlebt der reibungslos verlief.
Das kann ich für die ÖBB so nicht bestätigen. Ich habe z. B. schon diverse SEV über den Arlberg erlebt. Der SEV-Fahrplan beinhaltete zwar immer eine sehr hässliche Fahrzeitverlängerung, aber die Abwicklung war dann gut organisiert.
Dieselbe Erfahrung habe ich mehrfach an Arlberg und Tauern gemacht. Ob es zu (nennenswerten) Fahrzeitverlängerungen kommt, hängt offenbar sehr vom betroffenen Streckenabschnitt ab.

Am Beispiel des TE wundert mich, daß gar nicht von den Verkehrsverhältnissen (insbes. auf der A8) die Rede war.
kaufhalle schrieb:
Ansonsten: Wenn es den ÖBB nicht passt, wie es auf der DB-Transitstrecke zugeht, sollen sie sich halt selbst eine bauen.
Man sollte es erstmal mit Schadensersatz wegen der nicht angekündigen bzw. ohne Vorwarnung verlängerten Sperre versuchen. Das ist schlicht und einfach ein Fall von gravierendem Produktmangel bzw. Vertragnichterfüllung.

Bei mittlerweise Stundentakt Innsbruck-Salzburg könnte man wirklich auf die Idee kommen, eine eigene Strecke (oberirdisch nur über eigenes Territorium d.h. ggf. mit langem Tunnelanteil) zu bauen. Davon würde auch der Güterverkehr profitieren. Das Geld könnte man sich durch Autobahn- und Trassengebühren am Brenner zurückholen; wem es nicht paßt, der kann ja anderswo entlangfahren (wo sich dann ebenfalls problemlos die Preise erhöhen lassen).

SEV - BNV

geschrieben von: korridor

Datum: 03.11.18 17:47

Am Mittwoch fand ein vorbereiteter SEV statt. Das erklärt die relative Entspannung der Beteiligten.
Am Donnerstag war etwas anderes gegeben. In neuerer Sprachregelung heißt etwas kurzfristig Organisiertes nicht SEV, sondern Busnotverkehr (BNV), damit bei den Reisenden keine zu hohen Erwartungen an die Qualität bzw. Geschwindigkeit der Abbeförderung herrschen. Ein Feiertag mit langem Wochenende tat ein übriges, dass ein Mangel an Bussen bzw. vor allem Fahrern vorhersehbar war. Es kam sogar zu Querelen in Freilassing, weil die Fahrgäste der dort endenden Fernverkehrszüge statt in den BNV des Fernverkehrs nach Rosenheim frecherweise in den Regionalzug nach Übersee einstiegen, wo sie dann dem von der BOB organisierten BNV nach Prien "zur Last fielen". Die BOB wies daher auf ihrer Internetseite darauf hin, "in Freilassing bestehe kein Anschluss vom FV zum Meridian".
kaufhalle schrieb:
Um die Umfahrung von Deutschland geht es hier eigentlich nicht, sondern um die Schaffung eigener ÖBB-Infrastruktur, wenn man bei den ÖBB mit DB-Netz nicht zufrieden ist. Die ÖBB als EIU können selbstverständlich auch in Deutdchland Bahnstrecken bauen und betreiben. Bezahlen müssten sie das dann aber selbst.

Die Strecken Rosenheim - Kufstein und Rosenheim - Salzburg wurden nicht für den ÖBB-Transitverkehr gebaut, die Verbindung Salzburg - Kufstein hätte man als solche wesentlich kürzer fernab von Rosenheim gebaut. Die Strecke würde immer noch in weiten Teilen durch Deutschland verlaufen, das wäre aber kein Problem.

Die Frage ist also nicht, ob DB-Netz mal wieder irgendwo an der chronisch überlasteten Strecke bei einer Baustelle die Sperrzeit überzieht, sondern warum Österreich nicht endlich mal in eine zeitgemäße Anbindung von Tirol und Vorarlberg ans restliche Österreich investiert.
Nein, das geht nicht so einfach wie du dir das vorstellst. Zwar könnten die ÖBB prinzipiell als EIU in Deutschland auftreten, zumindest wenn sie ein deutsche Tochter gründen würden, aber die Strecke muss dann trotzdem noch durch ein deutsches Planfeststellungsverfahren. Die Proteste bei einer reinen Transitstrecke darfst du dir gerne selbst ausmalen und da musst du dann mit noch weniger politischer Unterstützung durch wie bei der jetzigen Planung im Inntal. Sowas wird niemals passieren.

Es wäre auch gar nicht sinnvoll, das einzig sinnvolle wäre eine SFS Salzburg-Rosenheim-München mit beidseitiger Anbindung ans Inntal. Die hätte schon heute eine ganz gute Nutzung von 1,5-2 Fernzügen pro Stunde, das gibt es schlechter genutzte SFS in Deutschland (VDE 8). Dazu kommt noch Mehrverkehr durch die kürzere Fahrzeit und natürlich Güterverkehr.
MrEnglish schrieb:
Nein, das geht nicht so einfach wie du dir das vorstellst. Zwar könnten die ÖBB prinzipiell als EIU in Deutschland auftreten, zumindest wenn sie ein deutsche Tochter gründen würden, aber die Strecke muss dann trotzdem noch durch ein deutsches Planfeststellungsverfahren. Die Proteste bei einer reinen Transitstrecke darfst du dir gerne selbst ausmalen und da musst du dann mit noch weniger politischer Unterstützung durch wie bei der jetzigen Planung im Inntal. Sowas wird niemals passieren.

Ich habe nicht geschrieben, dass es einfach wäre. Selbstverständlich müssen die baurechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Dass die politische Unterstützung in Deutschland begrenzt sein würde, ist auch klar. Ebenso, dass das teuer wird.

MrEnglish schrieb:
Es wäre auch gar nicht sinnvoll, das einzig sinnvolle wäre eine SFS Salzburg-Rosenheim-München mit beidseitiger Anbindung ans Inntal. Die hätte schon heute eine ganz gute Nutzung von 1,5-2 Fernzügen pro Stunde, das gibt es schlechter genutzte SFS in Deutschland (VDE 8). Dazu kommt noch Mehrverkehr durch die kürzere Fahrzeit und natürlich Güterverkehr.

Eine Strecke gezielt für Kufstein - Salzburg würde selbst bei Ausführung entsprechend dem Standard der Bestandsstrecken aufgrund der deutlich verkürzten Strecke eine erhebliche Fahrzeitverkürzung bringen. Bei entsprechendem Ausbau wäre noch mehr rauszuholen. Das würde die Akzeptanz deutlich steigern. Das bekommst Du bei Beibehalten des Umwegs über Rosenheim nicht hin.
Der Korridor allein wäre nicht ein genügender Frequenzbringer. Erst durch Bündelung mit anderen Verkehren wächst was draus.

Eine Umfahrung Rosenheim, die etwas mehr kann als die mickrige Schleife wäre definitiv nötig. Abgesehen davon jedoch halte ich Streckenbegradigungen für genügend. Schon eine durchgängige Höchstgeschwindigkeit von 160 brächte was. Eventuell sogar hier und da 200 a je nachdem, ob man das zum Erreichen einer Kantenzeit benötigt.
Ich glaube damit allein kann man durchaus 15-30 Minuten sparen.

Man sollte am Ende halt realistisch bleiben. Eine eigene HGV-Strecke Wörgl-/Kufstein - Salzburg wäre da doch zu viel des Guten. Im Gegensatz zu Deutschland hat man am anderen Ende eher nicht so die großen Städte.

Innsbruck ist kleiner als Salzburg oder Linz. Das Fahrgastpotenziel im Hinterland dort ist definitiv nicht so hoch wie zwischen Wien und Salzburg. Gegenüber dem Flugverkehr ist Wien-Innsbruck auf der Bahn ohnehin schon jetzt konkurrrenzhig, vom Auto ganz zu schweigen. Ich glaube eine halbe Stunde Verkürzung sollte vom Kosten-Nutzenverhältnis genau richtig sein.

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.11.18 01:46.

Re: [A] BNV der DB ebenfalls unterirdisch...

geschrieben von: 2CV

Datum: 04.11.18 21:04

Hallo zusammen,

die Schilderungen sind leider kein Einzelfall oder gar Spezifikum der ÖBB. Ich hatte Allerheiligen das Vergnügen, mit dem Grazer EC in Freilassing zu verenden. Der hatte aus diversen Gründen (u.a. Grenzkontrolle) bei Ankunft Freilassing ca. 20 Minuten Verspätung.

Sehr gut war, dass im Vorfeld in Wien, Graz und auch im Zug mehrfach auf den Busersatzverkehr hingewiesen wurde. Da empfand ich die Info durch die ÖBB absolut vorbildlich.

Sehr schlecht war hingegen, dass die Dame, die für DB FV (oder Netz?) die Lage in Freilassing koordinieren sollte, die drei Anschlussbusse pünktlich, also VOR unserer Ankunft, und leer nach Rosenheim auf die Fahrt schickte. Als dann der EC ankam: große Überraschung...

Glücklicherweise standen drei weitere Busse am Bahnhofsvorplatz, die eigentlich für den RJ aus Budapest gedacht waren. Angesichts der aufgebrachten Fahrgäste wurden die kurzerhand "umgewidmet" und sind dann mit uns sofort nach Rosenheim los. Was dann aus den nachfolgenden RJ-Fahrgästen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis - Busse waren jedenfalls keine mehr da...

In Rosenheim war dann schnell klar, dass der Anschluss-EC nach Westdeutschland (Dortmund?) zwischen Rosenheim und München ausfiel... Glücklicherweise kam 5 Minuten nach unserer Ankunft aber der EC Bologna - München. Der war zwar völlig überfüllt, aber auf diese Weise hatte man bei Ankunft in München lediglich etwa 60 Minuten Verspätung.

Fazit: ja, es war ein BNV, und so etwas muss man spontan regeln. Dafür hat es in meinem Fall - zufällig - relativ gut geklappt. Dennoch ist es absolut kritikwürdig, dass die Beteiligten hier allesamt NICHT miteinander reden. ÖBB - DB Netz - DB Fernverkehr - das Busunternehmen - Meridian: alle drehen hier ihr eigenes Ding und vermitteln dem Fahrgast, welchen Stellenwert er in diesem System besitzt, nämlich einen sehr geringen. Am Ende geht es immer nur darum, den Beförderungsfall am Übergabepunkt wieder loszuwerden, ohne dass er bis dahin Stress gemacht hat. Danach: die Sintflut...

Leider sind auch die Gründe, warum eine Baustelle derart zeitlich überzogen wird, nicht immer ganz glaubwürdig. Ich persönlich lese aus solchen Vorfällen eher ein gewisses Monopolistenverhalten des Infrastrukturbetreibers. Das wird sich erst wieder ändern, wenn für solche Überschreitungen hohe Strafen drohen. Über einzelne Fahrgastrechteformulare oder Beschwerdebriefe lässt sich da nichts regeln...

Grüße aus dem Westen
2CV

Re: [A] BNV der DB ebenfalls unterirdisch...

geschrieben von: Bahnhofsvorstand

Datum: 04.11.18 21:36

Hallo,

also ich wohne ja in Übersee - am Beginn der SEV-Strecke von Übersee nach Prien - und konnte daher den Meridian-Ersatzverkehr gut beobachten.

Lief es in den ersten drei Tagen - der Zeitdauer des geplanten SEV - eingermaßen gut, so war doch am
Donnerstag (dem Verlängerungstag) das Chaos angesagt.

Meridian setzte zwar 3 Ersatzbusse ein (es waren Reisebusse von Albus Salzburg - anscheinend ist dieser österr. Anbieter günstiger als die RVO), aber die genügten bei weitem nicht. Bereits bei der Fahrt gegen 9.00 Uhr kam es zum großen Chaos in Übersee. Der aus Salzburg ankommende Meridian war voll besetzt - anscheinend mit Fernreisenden, denn sie hatten große Gepäckstücke -. Dem Anschein nach waren es hauptsächlich Nachtzugreisende (m. E. hatte man die Nachtzüge aus Rom, Mailand etc. in Freilassing oder Salzburg verenden lassen - Umleitung mit Dieselloks über Mühldorf hat man sich am letzten Tag offensichtlich gespart). Natürlich hatten diese vielen Reisenden keinen Platz in den 3 Bussen und sie mussten offensichtlich auf die nächsten Busse 1 Stunde später warten.
Und so ungefähr ging es dann den ganzen Tag weiter - auch zu späteren Tageszeiten hatten die Reisenden aus den ankommenden Meridians keinen Platz in den bereitgestellten 3 Bussen.
M. E. wurden auch viele Fernreisende ganz einfach in Freilassing in den Meridian gesetzt statt in die dort bereitgestellten Busse des Fernverkehrs gen Rosenheim.

Gruß

J-C schrieb:
Man sollte am Ende halt realistisch bleiben. Eine eigene HGV-Strecke Wörgl-/Kufstein - Salzburg wäre da doch zu viel des Guten. Im Gegensatz zu Deutschland hat man am anderen Ende eher nicht so die großen Städte.

Innsbruck ist kleiner als Salzburg oder Linz. Das Fahrgastpotenziel im Hinterland dort ist definitiv nicht so hoch wie zwischen Wien und Salzburg. Gegenüber dem Flugverkehr ist Wien-Innsbruck auf der Bahn ohnehin schon jetzt konkurrrenzhig, vom Auto ganz zu schweigen. Ich glaube eine halbe Stunde Verkürzung sollte vom Kosten-Nutzenverhältnis genau richtig sein.

Die halbe Stunde bekommst Du aber auf Basis der Strecke über Rosenheim nicht.

Der Größenunterschied zwischen Salzburg und Innsbruck ist nun so gravierend nicht, an der Strecke hängt aber zudem der größte Teil von Tirol und ganz Vorarlberg. HGV muss es nicht mal sein, die Streckenverkürzung bringt die Zeitersparnis. Zusammen mit dem Güterverkehr und einem neuen stündlichen REX (ohne Halt in Deutschland, dafür aber z. B in Ellmau und auf den Salzburger Stadtteilbahnhöfen) käme da schon die nötige Auslastung zusammen.

2CV schrieb:
Das wird sich erst wieder ändern, wenn für solche Überschreitungen hohe Strafen drohen. Über einzelne Fahrgastrechteformulare oder Beschwerdebriefe lässt sich da nichts regeln...

Fahrgastrechte und Beschwerden treffen das EVU. Die Schadensersatzansprüche des EVU gegen das EIU berühren den Fahrgast nicht, das dürfte wohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit geklärt werden.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.11.18 23:53.